Symbolbild. (Bild: Ricardoricardo618, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons)

Neuevangelisierung

Erst­kom­mu­nion – Ver­bin­dung von Taufe und Eucharistie

Heute fei­ern Kin­der in vie­len Pfar­reien auf der gan­zen Welt den «Weis­sen Sonn­tag». Auch wenn die Eucha­ris­tie im Mit­tel­punkt steht, so erin­nert uns die­ser Tag auch an die Taufe.

Der Name «Weisser Sonntag» (dominica in albis) leitet sich vom weissen Kleid ab, das die an Ostern neu Getauften erhielten und am Sonntag nach Ostern wieder ablegten. Durch die Taufe werden wir neue Menschen, wir legen den alten Menschen ab und ziehen «den neuen Menschen an, der nach dem Bild Gottes geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit!» (Eph 4,22–24). Da in der Antike Weiss als die Farbe der Reinheit galt, erhielten die Katechumenen nach der Taufe ein weisses Gewand. Dieses weisse Gewand (Albe) tragen heute die Kinder bei der Erstkommunion, aber auch die Ministranten, liturgisch Tätige sowie Diakone, Priester und Bischöfe unter dem Messgewand. Gerade bei den Erstkommunionkindern wird durch das Tragen der Albe der ursprüngliche Zusammenhang von Taufe und Eucharistie erkennbar.

In der orthodoxen Kirche ist es heute noch üblich, die Initationssakramente – Taufe, Eucharistie, Firmung – zusammen zu spenden, d. h. das Kind (oder der Erwachsene) erhält unmittelbar nach der Taufe die Firmung und empfängt danach die Eucharistie. In der Westkirche wurde die Firmung schon früh von den beiden anderen Initationssakramenten getrennt gefeiert. Bis zum 12. Jahrhundert war es noch üblich, dass Säuglinge direkt nach der Taufe die Erstkommunion (in Form des konsekrierten Weins) empfingen. Danach trennte man auch die Erstkommunion von der Taufe.
Je nach Region lag das Erstkommunionalter zwischen 7 und 14 Jahren; die Vorbereitung geschah individuell durch die Eltern.
Papst Pius X. legte 1910 das Erstkommunionalter mit dem Dekret «Quam singulari» auf etwa sieben Jahre fest. Bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil war es weltweit üblich, die Erstkommunion am Oktavtag von Ostern zu feiern. Heute sind auch andere Termine in der Osterzeit möglich.

In der Taufe grundgelegt
Bereits das Tagesgebet am «Weissen Sonntag» erinnert die Gläubigen an ihre Taufe und verweist auf die Eucharistie.
«Lass uns immer tiefer erkennen, wie heilig das Bad der Taufe ist, das uns gereinigt hat, wie mächtig dein Geist, aus dem wir wiedergeboren sind, und wie kostbar das Blut, durch das wir erkauft sind.»

Die erste Lesung stammt in allen drei Jahren aus der Apostelgeschichte. Im aktuellen Lesejahr B wird betont, dass die ersten Christen alles gemeinsam hatten und auf die grosse Kraft, mit der «die Apostel Zeugnis ab von der Auferstehung Jesu, des Herrn» ablegten, hingewiesen (vgl. Apg 4,32–35). Der Text im Lesejahr C erzählt vom Glauben der Gemeinschaft und den Wundern, die sich aufgrund ihres Glaubens ereigneten (Apg 5,12–16). Im Lesejahr A kommen die Kennzeichen der christlichen Gemeinde besonders deutlich zum Ausdruck: «Sie hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten» und «sie hatten alles gemeinsam» (vgl. Apg 2,42–47).

In allen drei Lesejahren ist das Evangelium vom «ungläubigen Thomas» vorgesehen (Joh 20,19–31). Auch wenn die Erzählung nicht von der Taufe handelt, so verweist der Text auf die Wirkungen der Taufe: die Sündenvergebung und den Empfang des Heiligen Geistes. Der zweifelnde Thomas kommt zum Glauben und spricht sein Glaubensbekenntnis: «Mein Herr und mein Gott!»

So erneuern die Erstkommunionkinder im Anschluss an die Predigt ihr Taufversprechen, die brennende Taufkerze in der Hand. Haben bei der Taufe die Eltern, Paten und die Gemeinschaft das Bekenntnis stellvertretend für sie abgelegt, so können die Kinder heute selbst ihren Glauben an den Dreifaltigen Gott und die Abkehr vom Bösen bekennen.

Die Kinder dürfen dann zum ersten Mal den Leib (und das Blut) Christi empfangen; sie werden aufgenommen in die eucharistische Tischgemeinschaft. «Empfangt, was ihr seid: Leib Christi. Und werdet, was ihr empfangt: Leib Christi» (Heiliger Augustinus).

Barmherzigkeitssonntag
Am 30. April 2000 legte Papst Johannes Paul II. anlässlich der Heiligsprechung von Sr. Maria Faustyna Kowalska den «Barmherzigkeitsonntag» auf den Sonntag nach Ostern. Während ihrer mystischen Erfahrungen sprach Christus zu ihr, dass am ersten Sonntag nach Ostern seine Barmherzigkeit festlich gefeiert werden soll.
Die Glaubenskongregation hatte dieses Datum zunächst zweimal abgelehnt, da sie die Osteroktav nicht durch eine zusätzliche Botschaft überlagern wollte. Doch sie einigten sich schliesslich, denn: Durch den Barmherzigkeitssonntag wird die Osterbotschaft nicht verdrängt, sondern weitergeführt. Durch seine Auferstehung hat uns Christus den Weg zum Vater geöffnet. Es liegt nun an uns, ob wir uns auf diesen Weg machen wollen, ob wir die für uns gewirkte Erlösung annehmen wollen. Auf diesem Weg hilft uns die Barmherzigkeit Christi, die er uns immer wieder schenkt, wenn wir gefallen oder vom Weg abgewichen sind.


Rosmarie Schärer
swiss-cath.ch

E-Mail

Rosmarie Schärer studierte Theologie und Latein in Freiburg i. Ü. Nach mehreren Jahren in der Pastoral absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin und arbeitete für die Schweizerische Kirchenzeitung SKZ.


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    Meier Pirmin 08.04.2024 um 06:38
    Erstkommunion war früher mal, zum Beispiel im Kanton Zug, Baar, der Termin zum Beitritt in die Gut-Tod-Bruderschaft, welche aus diesem Grunde in Cham dann viele tausend Mitglieder hatte, von denen heute viele noch leben. Selber wurde ich beim Erstkommunionunterricht von einem vertriebenen China-Missionar auf Tarcisius und christliche Märtyrer aufmerksam gemacht. Als Erstkommunionwunsch nach der Meditation mit den Händen vor dem Gesicht und geschlossenen Augen wurden zwei Varianten vorgeschlagen: "Liäba Heiland, mach dass ich dir Gnaad emol döörf stäärbe!", die andere, für Jungministranten hatte mit dem Wunsch, Priester werden zu tun, was mein Banknachbar sogar dann noch bis zum 1. Semester Theologie in Fryburg durchhielt. Demgegenüber dachte mein ältester Enkel realistischer: für ihn ging es um das Erstkommuniongeschenk in Richtung Mountain bike. Bei der Erneuerung des Taufgelübdes klemmte er den Mund zu, von der Firmung, bei dem es bei einem Göttibub um das Töffli ging, hat er sich immerhin abgemeldet.

    Meines Erachtens ist indes weniger die Erstkommunion als vielmehr die Firmung die wahre Erneuerung des Taufgelübdes; was Frau Schärer über die Dreifaltigkeit ausführt, bewegt und betrübt mich einigermassen. Es ist in keiner Weise anzunehmen, dass eine durchschnittliche Katechetin oder Katechet mit ein paar Semestern "Religionswissenschaft" davon noch eine Ahnung hätte, geschweige denn die Kinder; immerhin ist das Kreuzzeichen im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes in seiner Langzeitwirkung nicht zu unterschätzen.

    Ich gehe indes nicht davon aus, dass die Katechese , wie ich sie 1956 erfahren habe, mit anschliessendem Ausflug nach Flüeli Ranft, so wieder kommen kann oder auch nur sollte. "Der Name Jesu syg üwer Gruoss" war immerhin aber Gegenstand der damaligen Predigt am Weissen Sonntag, an dem fast alle Kinder ein neues Gewand trugen, die Mädchen sogar eine Art Hochzeitskleid.