Die 67-jährige Professorin Gabriela Eisenring wird am 1. September ihr Amt als Rektorin der Theologischen Fakultät von Lugano antreten. Somit wird die Fakultät erstmals von einer Frau geleitet. Der apostolische Administrator der Diözese Lugano, Alain de Raemy, hat ihre Ernennung verfügt, nachdem der Fakultätsrat einstimmig eine positive Stellungnahme abgegeben und das «Dikasterium für Kultur und Bildung» des Heiligen Stuhls seine Zustimmung erteilt hatte.
Gabriela Eisenring ist in der Deutschschweiz durch ihre frühere akademische und wissenschaftliche Arbeit an der Universität Zürich sowie durch ihre aktuelle Tätigkeit als Richterin am Kirchengericht der Diözese Chur bekannt. Geboren wurde sie am 22. Juli 1959 in Affoltern am Albis (Kanton Zürich). Sie studierte in Zürich Rechtswissenschaften, anschliessend in Rom Theologie. 1986 erwarb sie ein Lizenziat in Kirchenrecht, promovierte an der Päpstlichen Universität Santa Croce und habilitierte an der Universität Salzburg. Aus ihrem ausführlichen Lebenslauf auf der Webseite des «Istituto Internazionale di Diritto canonico e Diritto comparato delle Religioni» in Lugano ist ersichtlich, dass sie von 1997 bis 2007 als Studienpräfektin beim Generalassessorat der Personalprälatur Opus Dei (die zentrale Leitungsinstanz für die Frauen des Opus Dei) in Rom arbeitete.
Breit gefächerte Tätigkeit
Nach anfänglicher Tätigkeit an der Universität Zürich und an der Päpstlichen Universität Santa Croce begann sie 2012 an der FTL und wurde dort zehn Jahre später ordentliche Professorin. Im Laufe der Jahre übernahm sie verschiedene akademische und institutionelle Aufgaben. Ab 2023 war sie Studiendekanin der FTL und leitete den deutschsprachigen Masterstudiengang des Internationalen Instituts für Kirchenrecht und vergleichendes Religionsrecht (DiReCom). Ausserdem wirkte sie in den Kommissionen mit, die sich mit der Akkreditierung und der Überarbeitung der Statuten der Fakultät befassten.
Ihre wissenschaftliche Arbeit konzentriert sich insbesondere auf das kanonische Ehe- und Familienrecht, das Naturrecht sowie die Beziehungen zwischen der kanonischen Rechtsordnung und den zeitgenössischen Rechtssystemen. Sie ist Autorin von Monografien und zahlreichen wissenschaftlichen Beiträgen sowie Mitglied internationaler Vereinigungen und wissenschaftlicher Gremien. Seit 2022 ist sie zudem Richterin am Kirchengericht der Diözese Chur. Gabriela Eisenring ist nicht verheiratet.
An der Fakultät geniesst die neue Rektorin einen guten Ruf. Neben ihrer Fachkompetenz wird sie als Person geschätzt, die auch zuhören und Brücken schlagen kann. Die Ernennung von Gabriela Eisenring – so heisst es in einer Mitteilung der Theologischen Fakultät der Universität der italienischen Schweiz – «gewährleistet die institutionelle Kontinuität der Fakultät und würdigt ihre fundierte Erfahrung in Lehre, Forschung und akademischer Leitung».
Ziel: mehr Studierende
«Ich werde mich bemühen, im Team zusammenzuarbeiten, um die Theologische Fakultät weiterzuentwickeln und eine hervorragende Lehre, ein hohes Forschungsniveau sowie einen umfassenden Dienst an der Region zu gewährleisten», sagte die neue Rektorin auf Anfrage von Swiss-Cath.. Die Theologische Fakultät sei gut in das Schweizer Hochschulsystem integriert und könne sich «gemeinsam mit den kantonalen Organisationen und Einrichtungen als kompetenter und zuverlässiger Partner für die Ausbildung in der italienischen Schweiz präsentieren. Wir verfügen bereits über zahlreiche lokale und internationale Kooperationen.» Gleichzeitig bilde die Fakultät «Seminaristen, Priester, Ordensleute und Laien (Männer und Frauen) aus vielen Teilen der Welt (etwa 50 Nationalitäten) aus und spielt dabei auch eine wichtige und massgebliche Rolle für die Bischöfe der Diözesen, die eine akademische Ausbildung auf hohem Niveau anstreben.»
Ihr persönlicher Wunsch ist «eine Fakultät, die immer präsenter ist und den Bedürfnissen der heutigen Gesellschaft Rechnung trägt, ohne dabei ihre katholische Identität zu beeinträchtigen. Die Fakultät ist stets eine kirchliche Einrichtung, die dem Lehramt der Kirche treu bleibt und Studiengänge in Theologie, Philosophie, Kirchenrecht und Religionswissenschaften anbietet.»
Die Theologie sei nicht nur für einzelne Teile der Gesellschaft nützlich und notwendig, sondern sie gehöre zu unserer Tradition und Kultur und ermögliche ein besseres Verständnis der Gegenwart, wie sie in einem Interview in der Beilage «Catholica» des «Corriere del Ticino» zuvor zitiert wurde. Ganz auf der Linie ihrer Vorgänger zähle sie die weitere Ausweitung des interdisziplinären Angebots und die Erhöhung der Zahl der Studierenden zu den Prioritäten der Fakultät.
Angesprochen auf ihre Vorreiterrolle als erste Frau an der Spitze der Fakultät, erklärte sie: «Ich bin aufrichtig froh darüber, das kann ich nicht verheimlichen, und ich sehe diese Neuerung in der Geschichte der Fakultät – eine Rektorin – als Zeichen der Hoffnung, aber auch der Verantwortung für die Kontinuität. Frauen können Schlüsselrollen in kirchlichen Strukturen übernehmen; ausserdem haben sie in der Geschichte der Kirche wichtige Seiten geschrieben und tun dies auch weiterhin, und ich bin froh, dass sich die Fakultät für Theologie in diesen Trend einreiht. Allerdings möchte ich nicht, dass meine Ernennung oder andere Ernennungen von Frauen nur mit einem Faktor der Repräsentation verbunden sind: Die persönliche Qualifikation und der Werdegang müssen der Rolle entsprechen, die jeder zu übernehmen bereit ist.»
In diesem Sinne meinte denn auch die Vertreterin der italienischen Schweiz im Frauenrat der Schweizer Bischofskonferenz und Präsidentin der «Unione Femminile Cattolica», Corinne Zaugg Maffezzoli, auf Anfrage, man solle der neuen Rektorin erst einmal Zeit geben, sich in Ruhe einzuarbeiten.
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