Fulton Sheen im Jahr 1956.

Weltkirche

Erz­bi­schof Ful­ton John Sheen: Ein media­les Mul­ti­ta­lent im Dienst der Glaubensverkündigung

Heute, am 24. Sep­tem­ber 2026, wird der US-​amerikanische Erz­bi­schof, Fern­seh­pre­di­ger, Best­sel­ler­au­tor und lang­jäh­rige Missio-​Nationaldirektor Ful­ton Sheen in St. Louis seliggesprochen.

Fulton John Sheen wurde am 8. Mai 1895 in El Paso im US-Bundesstaat Illinois als Sohn irischstämmiger Eltern geboren. Während seiner Ausbildung am St. Viator College in Bourbonnais verspürte er deutlich die Berufung zum Priester. Er verzichtete auf ein Stipendium, das ihm für seine herausragende Leistung verliehen worden war, und trat ins Priesterseminar von Saint Paul (Minnesota) ein. Nach seiner Priesterweihe im Jahr 1919 setzte er sein Studium fort und promovierte an der Universität Löwen (Belgien) in Philosophie. Anschliessend wurde er Professor an der «Catholic University of America», eine Tätigkeit, die er bis zum Jahr 1950 ausübte.

Radio- und Fernsehpionier
Schon während seiner Zeit als Professor begann er Bücher zu schreiben – mehr als 70 Bücher, zahlreiche Artikel kamen hinzu. Im Jahr 1930 entdeckte Fulton Sheen das Radio als neues, erfolgsverheissendes Medium für die Glaubensverkündigung. Medium Radio. Er hatte eine wöchentliche Sonntagabend-Radiosendung: «The Catholic Hour». Schon nach kurzer Zeit erreichte er eine grosse Zuhörerschaft und sein ausserordentlicher Erfolg führte zu zahlreichen Bekehrungen. Von 1950 bis 1966 war er als Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke in den Vereinigten Staaten tätig, eine Funktion, in der er sich intensiv für die missionarische Arbeit der Kirche einsetzte.

1951 wurde er zum Weihbischof von New York ernannt. Im gleichen Jahr startete er die Sendung «Life is worth living» (Das Leben ist lebenswert), die von fast fünfhundert Fernseh- und Radiosendern ausgestrahlt wurde und wöchentlich bis zu dreissig Millionen Zuschauer erreichte, obwohl sie zur gleichen Zeit ausgestrahlt wurde wie z. B. eine Unterhaltungssendung von Frank Sinatra. Die Sendung von Fulton Sheen war gegenüber den Unterhaltungsshows auffallend schlicht: ein Schreibtisch, Bücher und eine Marienstatue, trotzdem oder vielleicht gerade deshalb konnte sie ihnen gegenüber bestehen. In seiner Arbeit zeichnete sich Fulton Sheen durch Genauigkeit und Engagement aus und behandelte selbst die anspruchsvollsten Glaubensfragen mit wirkungsvoller Einfachheit. Diese Einfachheit war aber keine Vereinfachung, sondern das Ergebnis intensiver Arbeit. «Ein guter Redner zu sein, besteht zu zehn Prozent aus Vortrag und zu neunzig Prozent aus Denken, Studium, Mühe und harter Arbeit», so Fulton Sheen. Seine Sendung war kein abgehobenes spirituelles Erleben – in seinen Ausführungen ging er auf den Alltag und das weltpolitische Geschehen ein. Er äusserte sich zur Wirtschaftskrise, zum Kommunismus, zum Leid usw. Es ging ihm in jeder Sendung darum, Christus als den Gekreuzigten zu verkünden.

Für dieses grosse Engagement erhielt er 1952 den Emmy Award, eine der bedeutendsten Auszeichnungen im Rundfunk- und Fernsehbereich. Bei der Preisverleihung erklärte er: «Ich denke, es ist an der Zeit, meinen vier Autoren – Matthäus, Markus, Lukas und Johannes – Tribut zu zollen.» Die Show lief bis 1957; von 1961 bis 1968 wurde das Konzept als «The Fulton Sheen Program» fortgesetzt.

Mission als zentrales Anliegen
Unermüdlich setzte sich Weihbischof Sheen für die Evangelisation ein und unternahm in seiner Funktion als Nationaldirektor von «Missio» zahlreiche (internationale) Reisen. Johannes XXIII. ernannte ihn zum Mitglied der Kommission für die Missionen und bezeichnete ihn als einen der engagiertesten und fleissigsten Bischöfe bei den Vorbereitungssitzungen zum Zweiten Vatikanischen Konzil.

Paul VI. ernannte 1966 Fulton Sheen zum Bischof der Diözese Rochester im Bundesstaat New York. Auch als Bischof engagierte sich Fulton Sheen unermüdlich für eine Glaubenserneuerung, die Ausbildung des Klerus und die Seelsorge – vor allem für die Ärmsten und Schwächsten. Er ging schon lange vor Papst Franziskus «an die Grenzen».

Nach seinem altersbedingten Rücktritt 1969 wurde er von Paul VI. zum Titularerzbischof von Newport ernannt; so konnte er seine Tätigkeit als Lehrer und Prediger wieder aufnehmen.

Sein Wirken war von einem intensiven Gebetsleben getragen, das sich aus der täglichen Messfeier, dem Stundengebet und der Marienverehrung nährte. Wie im Seligsprechungsverfahren festgehalten wurde, lebte Bischof Fulton stets in der Gegenwart Gottes: «Daher entsprang die Ausübung der Tugenden ganz spontan aus seinem Leben und war für viele Menschen, die ihm begegneten, ein Anlass zur Erbauung.»

Im Juli 1976 musste er sich einer ersten Herzoperation unterziehen. Obwohl seine Gesundheit durch mehrere Operationen angegriffen war, wollte er 1979 unbedingt Papst Johannes Paul II. während dessen Apostolischen Reise in die Vereinigten Staaten treffen. Er wurde mit dem Krankenauto in die St. Patrick’s Kathedrale von New York gebracht, wo er die grösste Auszeichnung erhielt: Johannes Paul II. umarmte ihn und sagte zu ihm: «Sie haben gut über unseren Herrn Jesus geschrieben und gesprochen. Sie sind ein treuer Sohn der Kirche.» Wenige Monate später, am 9. Dezember 1979 starb Erzbischof Fulton Sheen 84-jährig in seiner Privatkapelle, als er vor dem Allerheiligsten betete.

Papst Leo XIV. hatte Erzbischof Fulton selbst noch erlebt, wie er unlängst an der Generalversammlung der Päpstlichen Missionsgesellschaften erklärte. «Erzbischof Sheen war jahrzehntelang ein Licht des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, das durch Radio und Fernsehen strahlte. Ich selbst habe seine Evangelisierungsarbeit in meiner Jugend miterlebt. Seine Sendungen erreichten Millionen von Menschen mit der Hoffnung des Evangeliums, und seine Initiativen und Bemühungen führten zu enormer geistlicher und materieller Hilfe für die Kirchen in den Gebieten der Erstevangelisierung.»

«Mögen das Beispiel und die Fürsprache dieses heiligen Bischofs, der für sein Evangelisierungswirken mithilfe der Medien bekannt ist, viele andere dazu inspirieren, neue Wege zu finden, die Botschaft des Evangeliums mit freudigem Eifer zu verbreiten», erklärte Papst Leo XIV. diesen Mittwoch bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom.

Den Seligsprechungsgottesdienst leitet Kardinal Louis Antonio Tagle, Pro-Präfekt der Vatikanbehörde für die Evangelisierung. Die Diözese Norwich rechnet mit rund 45 000 Pilgerinnen und Pilgern aus 48 US-Bundesstaaten und 12 Ländern sowie mit mehr als 80 Bischöfen und Hunderten von Priestern.


Rosmarie Schärer
swiss-cath.ch

E-Mail

Rosmarie Schärer studierte Theologie und Latein in Freiburg i. Ü. Nach mehreren Jahren in der Pastoral absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin.


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Bemerkungen :

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    einfacher Katholik 24.09.2026 um 23:05
    Meines Erachtens wird zu wenig beleuchtet, dass Erzbischof Sheen leider nach bzw. teilweise auch schon vor dem Zweiten Vatikanum in mehreren Punkten zweifelhafte Dinge tat.
    Beispielsweise nahm er aktiv an einem jüdischen Ritual teil, was unter objektiver schwerer Sünde steht, da damit implizit in Frage gestellt werden könnte, ob Jesus Christus tatsächlich der Messias ist.
    Er zitierte Teilhard de Chardin, kurz nachdem Rom ein Monitum gegen dessen unorthodoxen Thesen verfasst hatte.
    Weiter war trieb er in seiner Diözese eine radikalere Ökumene voran, manche seiner Aussagen erscheinen äusserst relativistisch.
    Das sind nicht nur Einzelbeispiele, es ereigneten sich mehrere solcher Vorkommnisse. Dies soll keine generelle Kritik an seiner Person sein, er leistete sicher viel Gutes, aber diese zweifelhaften Punkte werden fast nie beleuchtet.
    • user
      Nicole14 25.09.2026 um 08:24

      Es ist interessant, dass fast bei jedem positiven Thema jemand versucht, ein Haar in der Suppe zu finden.


      Was heisst, Erzbischof Sheen nahm an einem jüdischen Ritual teil? Und was bitte schön ist radikale Ökumene? Er zitierte Teilhard de Chardin. Und jetzt? Wie viele fromme Katholikinnen und Katholiken lesen die Bücher von Maria Valtorta, obwohl diese auf dem Index standen und heute noch stehen würden, wäre er nicht abgeschafft worden, da ihr Inhalt zum Teil häretisch ist?


      Ich verstehe nicht, warum man immer und überall das Negative suchen muss. Freuen wir uns doch einfach über das Gute und die vielen Bekehrungen, die Erzbischof Sheen bewirkt hat.

    • user
      Viktor Hürlimann 25.09.2026 um 10:26
      Mich dünkt es schwierig, aufgrund des Mangels von Quellen, hier etwas Vernünftiges zu schreiben. Etwas Licht schenkt der Artikel über den seligen Fulton Sheen bietet der Artikel in https://www.heiligenlexikon.de/BiographienF/Fulton_Sheen.html Allerdings lässt die Chronologie des Artikels zu wünschen übrig.
      Was man in diesem Zusammenhang sicher auch erwähnen darf, ist die Tatsache, dass Fulton Sheen - wohlgemerkt als überzeugter Antikommunist - ein Gegner des Vietnamkrieges war. Seliger Fulton Sheen. Bitte für uns.