Meine Erinnerungen sind etwas verblasst. Ich lebte als die Polemik gegen Bischof Haas in der Schweiz hochgekocht wurde die meiste Zeit studienhalber in Salzburg. Ich sah also alles aus der Ferne. Auch gehörte ich damals nicht zum Bistum Chur wie heute als emeritierter Weihbischof; ich war kein Insider des kirchlichen Establishments.
Den Menschenteppich vor der Churer Kathedrale bei der Amtseinführung von Bischof Haas fand ich total unwürdig. Wie können Menschen glauben, dass so etwas dem HERRN gefällt, und dass sie damit im Recht sind? Was hatte Bischof Haas verbrochen? In den persönlichen Begegnungen konnten sogar viele seiner erbitterten Gegner ihm nicht widerstehen. Er muss irgendwie Charme gehabt haben. Die Leute mochten ihn, wenn sie ihm persönlich begegneten, so mein Eindruck. Auf jeden Fall hat er sehr gut gepredigt. Davon konnte ich mich erst viele Jahre später selbst überzeugen.
Sein grösstes Vergehen war, dass er sich in seinen Positionen streng und kompromisslos an die kirchliche Lehre und an die sakramentale Ordnung gehalten hat. Ich habe immer, auch damals, gedacht: Wie kann man das einem Bischof vorwerfen? Macht ihn untragbar, was selbstverständlich sein Auftrag ist und seinem Amtseid entspricht? Ich habe damals nie mit den Wölfen geheult und ihn immer verteidigt, auch im Seminar.
Eine andere Frage, in welche ich nie hineinsah, ist die Art und Weise, wie er nach innen wirkte, Personal führte oder rekrutierte, Entscheidungen nach seinem Ermessen und Gewissen traf und konkrete Fragen und Amtsgeschäfte entschied. In Bezug auf diese Dinge hatte ich nie konkreten Einblick und kann ich auf keine Erfahrungen zurückgreifen. Ich enthalte mich deshalb eines Urteils.
Mein Eindruck damals war eher, dass ein an und für sich integrer und nicht unsympathischer Mann vom liberalen Flügel aufgerieben und buchstäblich fertig gemacht wird. Am Ende war er wohl in eine Art Isolation hineinmanövriert worden wie der König auf dem Schachbrett – es blieb nicht mehr viel Bewegungsspielraum. Denn die Leute, die es ihm schwer gemacht haben, gehen immer gleich vor. In Bezug auf die Medien war er wohl im Kommunikationsmanagement nicht so aufgestellt, wie es notwendig gewesen wäre. Er hat da einfach einen Wall hochgezogen, was man natürlich gegen ihn verwandt hat.
Das Ganze hat eine innere, persönliche und moralische Seite: Was musste ein Mensch wie er nicht alles verkraften, vergeben, ertragen, aushalten, über sich ergehen lassen ohne sich nennenswert rechtfertigen oder verteidigen und in ein besseres Licht rücken zu können! Er wurde einfach zu einer Unperson degradiert und als eine Fehlbesetzung behandelt. Wer vor Gott besser dastand, seine Gegner oder er, bleibt eine offene Frage. Man sollte sich diesbezüglich nicht in Sicherheit wägen. Ich zolle immer demjenigen Kredit, der mit seinem Wahrheitsanspruch auf verlorenem Posten steht und im Abseits landet, der mit faulen Tomaten beworfen und von «allen» gehasst wird. Diese Art «Kirche der Reinen», die auf ihn losging und die ihn wie einen Aussätzigen behandelte, an dem man kein gutes Haar liess, nur weil er die eigene Ideologie nicht teilte und den gewünschten kirchenpolitischen Kurs ausschlug, ist für mich ein schreckliches Phänomen. Bischof Haas war diesbezüglich damals in guter Gesellschaft mit Papst Johannes Paul II. und seinem Glaubenspräfekten Kardinal Josef Ratzinger. Später ging es Benedikt XVI. nicht besser.
Ich wunderte mich damals, wie viele Priester (Dekane) – die ja dem Bischof und seinen Nachfolgern Gehorsam in die Hände versprochen hatten – und wie viele kirchliche Mitarbeiter sich zu jener Zeit so illoyal und lieblos verhalten konnten, wie das gegenüber Bischof Haas geschehen ist.
Der Journalismus folgt ohnehin eigenen Gesetzen. Aber auch Journalisten sollten sich selbst im Spiegel anschauen und das eigene private Leben in den Blick nehmen, bevor sie hemmungslos Steine werfen. Es war jedenfalls ein böses kirchliches Schauspiel (vgl. Paulusbriefe): die Ära Haas. Und ich glaube, dass viele Schuld auf sich geladen haben. Ich schreibe dies nicht aus heutiger Sicht, sondern ungefähr so, wie ich es damals aus der Ferne mitbekommen und eingeordnet habe.
Kommentare und Antworten
Bemerkungen :
Wie bereits erwähnt bin ich Exzellenz Wolfgang Haas, Erzbischof von Vaduz unendlich dankbar für die Verkündigung der gesunden Lehre. Möge es wohlwollend in Lichtenstein aufgenommen werden und in alle Lande ausstrahlen. Mögen alle Bischöfe Exzellenz Wolfgang Haas, Erzbischof von Vaduz als Vorbild nehmen!
Auf der Website des Erzbistum Vaduz ist die Mitteilung Offener Brief des Erzbischof von Vaduz an die Regierung des Fürstentums Lichtenstein zur geplanten Revision des Ehegesetz ("Ehe für alle") Schellenberg 19.07.2023. Diese Mitteilung zeigt, dass Exzellenz Wolfgang Haas, Erzbischof von Vaduz sein väterliches Herz, ihnen zugewendet habe, die im wahren Glauben irren.
Übrigens: Die Forderung, das Wort Gottes unversehrt zu bewahren, findet sich bereits im 2. Brief des Apostels Paulus an Timotheus: "Halte dich an die gesunde Lehre, die du von mir gehört hast; nimm sie dir zum Vorbild und bleibe beim Glauben und bei der Liebe, die uns in Christus Jesus geschenkt ist. Bewahre das dir anvertraute kostbare Gout durch die Kraft des Heiligen Geistes, der in uns wohnt." (1,13f)
Träger des kirchlichen Lehramts sind der Papst und die mit ihm verbundenen Bischöfe. Auch diese sind "authentische, das heisst mit der Autorität Christi ausgerüstete Lehrer", wie die Kirchenkonstitution Lumen gentium des zweiten Vatikanischen Konzils in Nr. 25 lehrt . "Sie verkündigen dem ihnen anvertrauten Volk die Botschaft zum Glauben und zur Anwendung auf das sittliche Leben und erklären sie im Licht des Heiligen Geistes, indem sie aus dem
Ich bin Exzellenz Wolfgang Haas, Erzbischof von Vaduz unendlich dankbar für die gesunde Lehre. Möge es wohlwollen aufgenommen werden und in alle Lande ausstrahlen.
Zur Würdigung des Bischofs durch Alt-Bischof Eleganti
Die Würdigung des Bischofs durch Alt Bischof Eleganti beeindruckt, zeigt, bei noch vorhandener Distanz, auch Haas-Skeptikern, welches offenbar die Qualitäten des abtretenden Bischofs sind, zu dessen Generation ich selber gehöre. Im Sommer 1988, wenn ich mich richtig erinnere, gab es gegenüber den Protesten gegen Bischof Haas eine Wallfahrt zu Bruder Klaus in die Pfarrkirche Sachseln, wozu meines Wissens u.a. Pro Ecclesia oder deren Vorgängerorganisation aufgerufen hatte, deren Hauptziel nachweislich das Gebet war. Ich erinnere mich aber, wie ein einheimischer Politiker der damals noch christlichen Partei sich gegen angeblichen Missbrauch von Bruder Klaus verwahrte, wogegen ich insofern protestierte, als Gebet nicht als Missbrauch zu bezeichnen sei, anderes war übrigens nicht vorgesehen. Bei Bruder Klaus hätten sich jeweils solche, die untereinander völlig Gegner waren, getroffen und für ihre Anliegen beten lassen, selbst wenn sie z.B. politisch konträr waren.
Der Beitrag von Bischof Eleganti hebt sich wohltuend von anderen Medienmeldungen dieser Tage ab, die den Bischof als Negativfigur bestenfalls mit dem Prädikat umstritten gelten liessen. Rückblickend bleibt indes zu sagen, dass anfängliche Hoffnungen, man verzeihe den hinkenden Vergleich, so etwas wie der "Blocher" der katholischen Kirche der Schweiz bzw. ihrer alpinen Umgebung werden, sich nicht erfüllt haben. Das Charisma fehlte ebenso sehr wie die Volkstümlichkeit, wie sie in früheren Generationen z.B. ein Josef Konrad Scheuber als geistlicher Apostel des Volkes verkörpert hatte. Auf der anderen Seite gab es von Haas zumal für noch vorhandene katholische Akademiker keine Impulse, wie sie einerseits Papst Benedikt mit seinem zweibändigen Jesus-Buch zu geben vermochte oder z.B. Abt Bernhard Kaul O. Cist. und andere mit Vermittlung von Heiligen aus unserem Raum. Letzteres hat vor Jahren auch Samichlaus-Pfarrer von Euw selig von Morschach vorzüglich geschafft. In Liechtenstein gab es übrigens eine Akademie von hohem philosophischem Niveau mit katholischer Orientierung, wo Herr Bischof Haas seinerseits geistige Impulse hätte aufnehmen und spirituell verstärken können. Über alles gesehen ist er der Haas im Schnäggeloch geblieben, wiewohl er zeitweilig da und dort Wertschätzung erfuhr, vor 30 Jahren zum Beispiel im Bodenseeraum um Überlingen und Meersburg, von wo ich damals noch positive Echos vernahm. Dort lebte einst der grosse Religionsphilosoph Leopold Ziegler, der als katholisierender Protestant zeigte, dass es auch eine fruchtbare christlich-konservative Auseinandersetzung mit den Weltreligionen geben kann,incl. Buddhismus. Für solche Perspektiven, nicht zu vergessen Literatur, Kunst, Erneuerung der religiösen Volkskunde, Christliche Soziallehre, katholische Weltanschauung in der Art etwa von Romano Guardini usw., gingen vom Haasischen Krustenkatholizismus kaum Aktivitäten in Richtung Wiederbelebung katholischer Spiritualität aus, fehlte ihm schlicht das Format z.B. jener Generationen von Geistlichen, die einst vom Regensburger Bischof Johann Michael Sailer den Katholizismus in unserem Raum stärker erneuert haben, als es aus der Tradition des 2. Vatikanischen Konzils je möglich wurde. Das Beten des Rosenkranzes aber bleibt zu respektieren. Diese Art Beschauung wird den öffentlich-rechtlichen Kirchenbetrieb, von dem sich viele Fromme innerlich und sogar äusserlich vielfach verabschiedet haben, mutmasslich überleben.
Für die Blöker, hier und anderswo, habe ich persönlich leider nur ein müdes Lächeln übrig, und nicht das väterliche Wort eines versöhnlichen Hirten, wie Exzellenz, der auch über seine bitterbösesten Feinde immer wieder Gutes und Guthirtliches zu sagen wußte.
So weit bin ich dann doch noch nicht.
Wie ich aus den Medien erfahren habe, will die Regierung von Lichtenstein die Sonderstellung der katholische Kirche beenden!
Dazu weise ich auf die Schrift UNA VOCE KORRESPONDENZ "Das Konzil" Geburtsfehler und Fehlentwicklungen von Heinz-Lothar Barth 2/2023. Da steht: ...Dabei wäre unbedingt die Aussage zu berücksichtigen, die der Gottmensch uns im Johannes-Evangelium selbst offenbart hat; " ... den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und ihn nicht kennt" (Joh 14,17).
In der Schrift UNA VOCE KORRESPONDENZ "Das Konzil" Geburtsfehler und Fehlentwicklungen von Heinz-Lothar Barth steht: ...Im Dokument "Dominus Jesus" (Nr. 21), das unter Papst Johannes Paul II. promulgiert wurde und im wesentlichen auf Kardinal Ratzinger zurückging, wurde zugegeben, dass die anderen Religionen, "insofern sie von abergläubischen Praktiken oder anderen Irrtümern abhängig sind (1 Kor 10,20-21), eher ein Hindernis für das Heil darstellen". Man darf aber eben vor allem nicht verkennen, dass alle nichtchristlichen Religionen mehr oder weniger stark mit Elementen des Irrtums und des Bösen durchsetzt sind; Sie stehen also, wie es immerhin noch das II. Vatikanum in Nr. 9 und 14 vorsichtig andeutet, unter der Herrschaft der Finsternis (Apg 26,18); denn sie stammen als Gesamtsysteme aus der Lüge, deren Vater der Diabolos ist (Joh 8,44), was heute kaum noch beachtet wird.
Aus obgenannten Gründen rate ich der Regierung von Lichtenstein auf Msgr. Wolfgang Haas, Erzbischof von Vaduz zu hören und die katholische Kirche im Erzbistum Vaduz zu schützen. Gott, der Herr segne die Regierung von Lichtenstein und das Erzbistum Vaduz. Möge die Gottesmutter Maria den Erzbischof von Vaduz, Msgr Wolfgang Haas für immer schützen.
herzliches Vergelt's Gott. Es braucht Mut, auch heute noch, auch nur ein unvoreingenommenes Wort zu sagen.
Wenn wirklich Christus der Dreh- und Angelpunkt ist, sich aber ein Teil von der wahren Lehre Christi loslöst, dann kann man nicht denjenigen die Spaltung in die Schuhe schieben die bei der rechten Lehre geblieben sind. So ein Vorwurf wäre unstatthaft und von der Sache her falsch.
Sagt man hingegen: "Hauptsache alle einer Meinung, egal welche, auch wenn es nicht der rechte katholische Glaube ist", dann ist Ihr Vorwurf an den Erzbischof zwar unter jener Prämisse verständlich, aber das Paradigma ist in diesem Falle falsch.
Wenn Christus das Maß unseres Glaubens ist, dann ist niemals der ein Spaltet, der an diesem Glauben festhält. Und das ist völlig unabhängig von irgendwelchen Mehrheiten oder Tagesmeinungen.