Darstellung des Herrn von Pietro Cavallini (1291) in Santa Maria in Trastevere.

Neuevangelisierung

Fest «Dar­stel­lung des Herrn»: wo Altes und Neues Tes­ta­ment sich begegnen

40 Tage nach der Geburt Jesu Christi begeht die Kir­che das Fest «Dar­stel­lung des Herrn» (her­kömm­li­cher­weise auch Mariä Licht­mess genannt). Ein weih­nacht­li­ches Fest aus­ser­halb des Weihnachtsfestkreises.

Das Fest gründet auf dem Bericht im Lukasevangelium, das von der Reinigung im Tempel berichtet (Lk 2,22–39). Nach der Geburt eines Knaben galt die Frau nach dem jüdischen Gesetz während 40 Tagen als unrein. Nach Ablauf dieser Zeit mussten ein einjähriges Schaf als Brandopfer und eine Taube als Sündopfer zum Priester im Tempel gebracht werden; für Arme bestand das Opfer aus zwei Tauben. Da jedes erstgeborene männliche Kind als Eigentum des Herrn galt, musste es durch ein Geldopfer ausgelöst werden. Maria und Josef bringen Jesus deshalb in den Tempel, um die geforderten Opfer zu bringen und ihr Kind auszulösen.

Jesus befindet sich zum ersten Mal im Haus seines himmlischen Vaters. Hier trifft die kleine Familie zunächst auf Simeon. Dem frommen Greis war prophezeit worden, er werde den Tod erst schauen, wenn er zuvor Christus, den Messias, gesehen habe. Lukas schreibt ausdrücklich, dass der Heilige Geist auf Simeon ruhte. Als er Jesus sieht, nimmt er das Kind in seine Arme und preist Gott für die Erfüllung der Prophezeiung:

«Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.»

Diesen Lobpreis tragen die Männer und Frauen des geweihten Lebens sowie die Priester jeden Abend in der «Komplet», dem Nachtgebet der Kirche, vor Gott.

Simeon weist prophetisch auf die Zukunft: Jesus wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. Viele werden durch ihn zu Fall kommen, andere aber aufgerichtet werden.

Auch die hochbetagte Prophetin Hanna, die Gott «Tag und Nacht mit Fasten und Beten» diente, erkennt in Jesus den sehnsüchtig erwarteten Messias und «sprach über das Kind zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten.»

Papst Benedikt XVI. ging in seiner Homilie zum Fest im Jahr 2011 auf den Aspekt der Begegnung ein: «Hier ereignet sich die Begegnung der beiden Testamente, des Alten und des Neuen. Jesus kommt in den alten Tempel, er, der der neue Tempel Gottes ist: Er kommt, um sein Volk zu besuchen, wodurch es zur Erfüllung des Gehorsams gegenüber dem Gesetz und zur Eröffnung der letzten Zeit des Heils kommt.»

Mit Kerzen in den Händen dem wahren Licht entgegengehen
Schon die Pilgerin Egeria, die im 4. Jahrhundert das Heilige Land besuchte, schildert in ihrem Reisebericht, dass das Fest in Jerusalem mit einer Prozession und einer Eucharistiefeier begangen wurde. Für das 5. Jahrhundert ist das Fest mit einer Lichterprozession bezeugt. Diese hat ihren Ursprung im antiken Brauch, dass die Bewohner einer Stadt ihrem Herrscher bei seinem ersten Besuch entgegenzogen. Simeon hatte Jesus als das Licht bezeichnet, das die Heiden erleuchtet, so lag es nahe, diesem Licht mit Kerzen entgegenzugehen. So heisst es auch in einem Gebet zur Kerzenweihe:

«Gott, du Quell und Ursprung allen Lichtes, du hast am heutigen Tag dem greisen Simeon Christus geoffenbart als das Licht zur Erleuchtung der Heiden.
Segne † die Kerzen, die wir in unseren Händen tragen und zu deinem Lob entzünden.
Führe uns auf dem Weg des Glaubens und der Liebe zu jenem Licht, das nie erlöschen wird.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.»

In Rom wurde das Fest vermutlich seit dem 7. Jahrhundert gefeiert. Die heute verbreitete Segnung von Kerzen entstand im 10. Jahrhundert in Gallien.

Das eigentliche Herrenfest wurde mit der Zeit als Marienfest verstanden: Es ist auch bekannt unter dem Namen «Purificatio Sanctae Mariae» (Mariä Reinigung) oder – im Zusammenhang mit der Kerzenweihe – Mariä Lichtmess. Seit der Liturgiereform der 1960er-Jahre gilt es wieder als Herrenfest. Die Präfation bringt beide im Fest enthaltenen Aspekte schön zusammen:

«In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Herr, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott, immer und überall zu danken. Denn heute hat die jungfräuliche Mutter deinen ewigen Sohn zum Tempel getragen; Simeon, vom Geist erleuchtet, preist ihn als Ruhm deines Volkes Israel, als Licht zur Erleuchtung der Heiden. Darum gehen auch wir dem Erlöser freudig entgegen und singen mit den Engeln und Heiligen das Lob deiner Herrlichkeit: Heilig …»
 

Seit 1997 wird das Fest «Darstellung des Herrn» auch als Tag des geweihten Lebens begangen.


Rosmarie Schärer
swiss-cath.ch

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Rosmarie Schärer studierte Theologie und Latein in Freiburg i. Ü. Nach mehreren Jahren in der Pastoral absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin.


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