Giovanni Trapattoni. (Bild: Michael Kranewitter, CC BY-SA 3.0 AT via Wikimedia Commons)

Mit spitzer Feder

«Fla­sche leer – ich habe fertig»

Es war der 10. März 1998, als sich Gio­vanni Tra­pat­toni als Trai­ner vom FC Bay­ern Mün­chen ver­ab­schie­dete. «Fla­sche leer – ich habe fer­tig»: Mit die­sen Wor­ten, die längst Kult­sta­tus erlangt haben, schloss der tem­pe­ra­ment­volle Ita­lie­ner seine Pres­se­kon­fe­renz an der Münch­ner Säbe­ner Straße.

Nun, 26 Jahre später, wird ein Mann von ebensolcher Wallung erfasst, wenn auch in leicht unterschiedlichem Kontext. Die Rede ist von Simon Spengler, Kommunikationschef der «Römisch-katholischen Körperschaft des Kantons Zürich». In der neuesten Ausgabe von «Grüss Gott Zürich» brach es aus ihm heraus, wollte seine dramatische Selbststilisierung kein Ende nehmen: Der Auftritt des Churer Diözesanbischofs habe ihm einen Schlag in die Magengrube versetzt – «und die Reaktion des Kirchenparlamentes gleich nochmals hinterher. Doppelt k. o.»

Stein des Anstosses war ein Statement von Bischof Bonnemain zur Frage des Frauenpriestertums. Spengler hatte sich von dem in dieser Thematik nicht zuständigen staatskirchenrechtlichen Gremium lauten Protest erhofft, doch zu seinem Entsetzen reagierte das Kirchenparlament mit «bravem, demütigen Applaus». Spenglers Fazit: «Das kann ich noch heute nicht fassen und das macht mich fertig.» Trappatoni lässt grüssen.

Dabei hatte Bischof Bonnemain nur das getan, was zu lehren und zu verkündigen seine ureigenste Aufgabe ist. Er erläuterte, wie selbst Synodalratspräsident Raphael Meyer einräumen musste, lediglich geltendes Kirchenrecht und das kirchliche Selbstverständnis hinsichtlich der Zugangsvoraussetzungen zu den Weiheämtern.

Hat Simon Spengler fertig? Wäre eigentlich nur ein logischer und ehrlicher Schritt. Doch Kommunikationschef Spengler will partout weiter den «serviteur souffrant» spielen. Dieses Ausharrungsvermögen dürfte einen banalen, durch und durch irdischen Grund haben. Die paar Jahre bis zur Pensionierung durchzustehen, dürfte ihm nicht allzu schwer fallen, denn: Nach dem Bezug eines überaus grosszügigen Gehaltes winkt eine lebenslange Pfründe in Form einer stolzen PK-Rente.


Niklaus Herzog
swiss-cath.ch

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Lic. iur. et theol. Niklaus Herzog studierte Theologie und Jurisprudenz in Freiburg i. Ü., Münster und Rom.


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    Jeanette Schneider-Stucki 03.07.2024 um 09:59
    Es ist mir unverständlich, dass der Synodalrat der Landeskirche Zürich Simon Spengler solche Text bezahlt und auf Arbeitszeit verfassen lässt. Ich muss sagen, dass ich von Raphael Meyer enttäuscht bin. Ich hatte mich über seine Wahl zum Präsidenten des Syonalrates gefreut. Dass er aber seinen Kommunikationsverantwortlichen so gewähren lässt, kann ich nicht mehr nachvollziehen.
    Es kommt mir vor, als ob Herr Spengler seinen Arbeitsplatz auch dafür verwenden würde, um es den Bischöfen "heimzuzahlen", die ihn seinerzeit entlassen haben (so kommt es mir auch bei Raphael Rauch und dem Blick vor).
    Als Herr Spengler noch für die Bischofskonferenz gearbeitet hat, hat er sich meines Wissens nie öffentl. für die Frauenordination ausgesprochen oder eine Reforminitiative unterzeichnet.
    Mir pers. sind Menschen bedeutend lieber, die den Mut haben, IMMER für ihre Meinung einzustehen, nicht nur dann, wenn sie keine pers. negativen Konsequenzen zu befürchten haben. Und ich wünsche mir Kommunikationsverantwortliche, die im Dienst einer Sache stehen und nicht in ihrem eigenen.
  • user
    Martin Meier-Schnüriger 02.07.2024 um 10:28
    Zugegeben: Diesmal kann man mir den Vorwurf machen, am Thema vorbeizuschreiben, ist doch mein "Aufhänger" nicht Simon Spengler, sondern Giovanni Trapattoni. Dennoch muss folgende kleine Episode erwähnt werden: Eben ist das legendäre Spiel im Achtelfinal an der Fussball-EM zwischen der Schweiz und Italien zu Ende. Am Spielfeldrand in Berlin wird der Torschütze zum 2:0, Ruben Vargas, interviewt. Sein Schlenzer aus grosser Distanz ist ein fussballerisches Kunstwerk, doch was der sympathische junge Mann als erstes im Interview sagt, übertrifft den Wert dieses Tores um einiges: "Danke, Vater im Himmel, danke, Jesus Christus!" Sich als Spitzensportler so in der Öffentlichkeit zu äussern, dazu gehört heute viel Mut. Danke, Ruben Vargas!