Papst Franziskus wird kurz vor der Abschlussmssse der Weltbischofssynode im Rollstuhl von Sankt Marta in den Petersdom geführt. (Bild: Franz Xaver von Weber)

Weltkirche

Frank­fur­ter All­ge­meine Zei­tung: «Nur eines ist gewiss: Am deut­schen Wesen wird die Kir­che nicht genesen»

Der ganze Vor­spann lau­tet: «Auch nach vier Wochen Welt­bi­schofs­syn­ode ist nicht klar, was der Papst unter einer ‹syn­oda­len Kir­che› ver­steht. Nur eines ist gewiss: Am deut­schen Wesen wird die Kir­che nicht gene­sen.» Die­ser Vor­spann bil­det den Ein­stieg in einen Kom­men­tar, den Tho­mas Jan­sen für die «Frank­fur­ter All­ge­meine Zei­tung» (FAZ) zum Abschluss der ers­ten Phase der Welt­bi­schofs­syn­ode ver­fasst hat.

Der erste Satz dürfte weltweit wohl auf ungeteilte Zustimmung stossen. Leicht überspitzt könnte hingegen die Frage gewagt werden, ob der Papst selbst überhaupt genaue Vorstellungen vom Begriff der «synodalen Kirche» hat. Sollte dem so sein, hält er seine Weisheit jedenfalls sorgsam unter Verschluss – mit dem Vorteil, dass er sich so bis zum Schluss des synodalen Prozesses die uneingeschränkte Handlungs- und Entscheidungsfreiheit darüber sichert, was aus dem Wust an uferlosen Debatten und Postulaten schliesslich in verbindliche Normen umgesetzt werden soll. «Ex cathedra» sozusagen: Ein bemerkenswertes Revival des Ersten Vatikanischen Konzils, dessen sich die Mehrzahl der Synodenteilnehmer wohl nicht bewusst sein dürfte.

Vorbehaltlos kann man als Nicht-Deutscher dem zweiten Satz des Journalisten Jansen zustimmen: «Am deutschen Wesen wird die Kirche nicht genesen.» Diese Feststellung dürfte seine Landsleute ebenso ärgern wie der ebenfalls auf sie gemünzte Satz: «Ob Bischof, Theologe oder Laie, sie werden allesamt nicht als jene Avantgarde wahrgenommen, für die sie sich gerne halten.» Thomas Jansen fordert von der Katholischen Kirche eine Generalinventur. Doch schon steht mit dieser Forderung neues Ungemach ins Haus. Denn, so Thomas Jansen: Wie eine solche Generalinventur aussehen könnte, «steht in den Sternen. Aber – und das ist die bitterste Lektion der Synode für die Katholiken in Deutschland –: Dafür braucht es Zeit und Geduld.» Wahrlich keine deutsche Kardinaltugend.

Vollendete Tatsachen schaffen
Autor Jansen bringt die zentrale Herausforderung der Weltbischofssynode kongenial auf den Punkt: «Was muss für Katholiken in Deutschland, Polen, Brasilien, Ruanda und Indien einheitlich geregelt sein – und was kann regional unterschiedlich gehandhabt werden, ohne den Kern des Katholischen infrage zu stellen?» Von dieser «Einsicht in die Notwendigkeit» sind die deutschen Bischöfe weit entfernt. So heisst es in der Pressemitteilung der Deutschen Bischofskonferenz: «Es ist jetzt an den Ortskirchen und somit auch an uns, Räume, die die Synode geöffnet hat, zu nutzen, um weiter an einer synodalen Kirche zu arbeiten, um die synodalen Wege weiterzugehen und die Impulse so in konkretes Reflektieren und Handeln umzusetzen.» So unverfänglich diese Worthülsen daherkommen, im Klartext bedeuten sie: Die Ergebnisse der Weltbischofssynode, die erst Ende Oktober 2024 vorliegen und darüber hinaus der Zustimmung des Papstes bedürfen, sollen gar nicht erst abgewartet werden. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, weiss schon jetzt: Mit verbindlichen Rechenschaftspflichten verbundene synodale Strukturen auf allen Ebenen der Kirche sind unverzichtbar.

Schon fast wie eine «Zweite, verschlechterte Auflage» liest sich dazu die Verlautbarung der Schweizer Bischofskonferenz. Der Text dürfte wohl von der penetrant aktivistischen Synodenteilnehmerin Helena Jeppesen diktiert worden sein. Auch hier wieder der Fait-Accompli-Satz: «Es sind die Ortskirchen, die bis dahin [sprich bis Oktober 2024] neue Wege beschreiten, vertiefen und konkretisieren müssen.» Besonders wichtig: Wie weiland vor der Monstranz bei einer Fronleichnamsprozession soll nun das Kirchenvolk der Vokabel «Dezentralisierung» huldigen. Letztere sei für den Erfolg des synodalen Prozesses unverzichtbar, mithin die «grosse Herausforderung» schlechthin. Die Synode 2024 darf dann noch die Rolle des «Welt-Kopfnickervereins» spielen.


Niklaus Herzog
swiss-cath.ch

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Lic. iur. et theol. Niklaus Herzog studierte Theologie und Jurisprudenz in Freiburg i. Ü., Münster und Rom.


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Bemerkungen :

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    Bühler Josy 03.11.2023 um 16:41
    Da hilft nur noch beten, dass der Geist und der Wille Gottes in den verantwortlichen Menschen offenbar wird.
    Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben. Amen.
  • user
    Stefan Fleischer 01.11.2023 um 06:40
    Die Definition der Schrift von synodal ist mir erst heute aufgefallen:
    "hören sollen sie, hören, aber nicht verstehen, /" Mk 4,12