Porträt des heiligen Franz von Assisi, 1228, Subiaco. (Bild: Public domain via Wikimedia Commons)

Weltkirche

Fran­zis­kus haut­nah erleben

Kaum ein katho­li­scher Hei­li­ger ist so popu­lär wie Franz von Assisi. In die­sem Jahr wird vor allem in sei­ner Geburts­stadt Assisi sein 800. Todes­tag began­gen. Ein Höhe­punkt des Fest­jah­res: die Aus­stel­lung sei­ner Reliquien.

Erstmals überhaupt werden im 800. Todesjahr des heiligen Franz von Assisi (1182–1226) seine Reliquien in seiner Geburtsstadt Assisi öffentlich gezeigt: Am Samstag, 21. Februar, findet um 16 Uhr die Überführung des Sarges mit den sterblichen Überresten des Heiligen von der Krypta der Basilika San Francesco in die darüber liegende Unterkirche statt. Geleitet wird die Zeremonie vom Päpstlichen Beauftragten, Kardinal Ángel Fernández Artime. Die Messe zum Abschluss der Reliquien-Ausstellung leitet am Sonntag, 22. März, um 17 Uhr der Vorsitzende der Italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Matteo Zuppi.

«Wir wollen mit der Aktion nicht irgendeine Sensationslust befriedigen, sondern ein spirituell-theologisch fundiertes Angebot machen», stellt Bruder Thomas Freidel klar. Er ist seit fast 40 Jahren Mitglied der Franziskaner-Minoriten und seit 18 Jahren Pilgerseelsorger für die deutschsprachigen Gäste.

Seit am 4. Oktober 2025 die Internetseite «San Francesco vive» (Der heilige Franziskus lebt) aufgeschaltet wurde, haben bereits über 300 000 Menschen ein Besuchs-Zeitfenster oder eine der Führungen in Italienisch, Spanisch, Französisch, Englisch, Polnisch oder Deutsch gebucht.

Nach einer kurzen historischen und geistlichen Einführung betreten die Gruppen den Altarbereich der Unterkirche, wo der Sarg mit den Reliquien platziert sein wird. Am Ende besteht in der Kirche mit den einzigartigen romanischen Fresken die Möglichkeit zu Gebet, Beichte, persönlichem Segen und Tauferneuerung.

Quer über den Hof geht es zur gotischen Oberkirche, wo mehrmals am Tag Gottesdienste stattfinden – das ganze Jubiläumsjahr über. Während der einmonatigen Reliquien-Ausstellung finden zahlreiche liturgische, kulturelle und spirituelle Veranstaltungen statt. Zu den Bistums-Wallfahrten unter Leitung der jeweiligen Bischöfe werden Hunderte von Gläubigen erwartet. Zum Franziskanischen Jugendtreffen am 14. und 15. März unter dem Titel «Schwester Tod» haben sich laut den Ordensleuten bisher rund 400 junge Frauen und Männer aus ganz Italien angemeldet. Auch Papst Leo XIV. hat sein Kommen für die Ausstellung angekündigt. Weitere Höhepunkte finden um den Gedenktag des Heiligen am 4. Oktober statt.
 


Unterstützung aus aller Welt
Ein Kraftakt und eine logistische Herausforderung, welche die Franziskaner nicht scheuen. Für die Reliquienausstellung ist gerade auf dem Vorplatz der Basilika ein grosses Zelt als Wartebereich für 1500 Leute aufgebaut worden. Für Einlasskontrollen und Hilfestellungen aller Art stehen über 100 Freiwillige bereit. Und die rund 55 Franziskaner von Assisi erhalten Unterstützung von 25 Mitbrüdern aus der ganzen Welt.

Schon in normalen Jahren kommen etwa fünf Millionen Besucher an den Ort, wo der radikale Botschafter von Demut, Armut und Liebe wirkte. Viele dieser Gäste aus der ganzen Welt wissen nur wenig über den Heiligen, erzählt Bruder Thomas. «Die Leute erahnen in Franziskus eine Art Sehnsuchtsgestalt, die die Dinge verkörpert, die eigentlich jedem Menschen im Leben wichtig sein sollten: die Verbindung mit Gott, der Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit, der Blick auf die Schöpfung und die Versöhnung zwischen den Religionen.»

Habit und handgeschriebene Briefe
Die Basilika in Assisi bietet viele Gelegenheiten, Franziskus zu begegnen. In der Unterkirche befindet sich sein Originalgewand. An vielen Stellen ist der graue Habit geflickt und schadhaft. Auch ein Brief des Heiligen, der sein Leben als reicher Kaufmannssohn für ein Dasein in absoluter Armut aufgab, sowie seine handgeschriebene Ordensregel sind zu sehen.
 


In der Krypta darunter steht der Altar, auf dem der Sarkophag mit der Aufschrift «San Francesco» ruht. 1230, vier Jahre nach seinem Tod, wurde der Leichnam von Franziskus von der Basilika Santa Chiara in die Unterkirche gebracht und 3,50 Meter tief in Erdreich und Felsen eingelassen und eingemauert – für knapp 600 Jahre. In dieser Zeit ging das Wissen um sein Grab vergessen.

1818 erteilte Papst Pius VII. den Franziskanern die Erlaubnis, nach dem Grab zu forschen. Man entdeckte es, untersuchte die Knochen auf Echtheit und umbaute es mit einer neuen Krypta unter der Unterkirche. Bei einer weiteren Öffnung 1978 fanden erneut eingehende wissenschaftliche Untersuchungen statt. 2015 sollte abermals der Erhaltungszustand der Reliquien kontrolliert werden. «Wir haben die Gebeine nach oben in die Unterkirche gebracht, und mit allen Franziskanern aus der Umgebung ein Abendgebet vor den Reliquien gehalten, und sie dann wieder eingesetzt», erinnert sich Bruder Thomas.

Eine Ausstellung von Reliquien habe nichts Makaber-Mystisches an sich. «Zum einen geht es um die klassische katholische Auffassung, dass wir nicht nur die Seele, sondern auch den Leib für wichtig halten, und dass der Mensch in den sterblichen Überresten noch irgendwie präsent ist», erklärt Bruder Thomas. «Ausserdem erinnert uns der Anblick daran, was von jedem von uns bleiben wird am Ende.»

Franziskus habe mit seinem Sonnengesang dem Tod eine positive Konnotation gegeben. «Er hat ‹Sorella Morte›, Schwester Tod, willkommen geheissen als Wegweiser zum Ewigen Leben.» Diesen tröstlichen Gedanken, so wünscht es sich Bruder Thomas Freidel, sollten die Besucher aus Assisi mit nach Hause tragen.
 

Franziskus von Assisi wird als Patron unter anderem der Armen, Blinden, Kaufleute, Lahmen, Schneider, Strafgefangenen, Sozialarbeiter, Schiffbrüchigen und Weber verehrt. Papst Johannes Paul II. erklärte ihn 1980 zum Patron des Umweltschutzes und der Ökologie.
Franziskus führte in der Jugend ein ausschweifendes Leben. 1208 vernahm Franziskus in der Kirche San Damiano eine Stimme, die ihn aufforderte, in die Welt zu gehen, allem Besitz zu entsagen und Gutes zu tun. Fortan führte er ein mönchisches Büsserleben und zog als Wanderprediger durch das Land. Zwischen 1209 und 1220 gründete er den Bettelorden der Franziskaner. Ausser diesem «Ersten Orden» gründete Franziskus zwei weitere: die Klarissen als weiblichen Zweig und den «Dritten Orden» für Laien. Im 16. Jahrhundert entstanden aus Reformen Minoriten und Kapuziner.
Heute umfasst die franziskanische Familie weltweit rund 650 000 Mitglieder in Laienbewegungen, Bruderschaften und klösterlichen Gemeinschaften.


KNA/Redaktion


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