Wenn der Gottesdienst mit dem Eröffnungsvers beginnt: «Freue dich, Stadt Jerusalem! Seid fröhlich zusammen mit ihr, alle, die ihr traurig wart. Freut euch und trinkt euch satt an der Quelle göttlicher Tröstung» (vgl. Jes 66,10–11), wissen wir, dass die Mitte der österlichen Busszeit überschritten ist. Wir nähern uns Ostern – und das soll auch in der Liturgie zum Ausdruck kommen. Heute ist es erlaubt, den Altar mit Blumen zu schmücken, und die Orgel darf als Soloinstrument in Erscheinung treten. Bei den Paramenten wird das strenge Violett durch das helle, heitere Rosa ersetzt. In der Antike färbten die Menschen Textilien mit dem kostbaren Sekret der Purpurschnecke. Nahm man wenig Sekret, so erhielt man Violett, Rot oder Rosa. Rosa ist also ein aufgehelltes Violett – das Weiss von Ostern schimmert bereits durch.
Der «Laetare-Sonntag» ist wie eine Zäsur: Haben wir uns in den ersten Wochen der österlichen Busszeit mit unserer Schuld gegenüber Gott auseinandergesetzt, so steht jetzt das Handeln Gottes an uns im Vordergrund.
«Herr, unser Gott, du hast in deinem Sohn die Menschheit auf wunderbare Weise mit dir versöhnt. Gib deinem Volk einen hochherzigen Glauben, damit es mit froher Hingabe dem Osterfest entgegeneilt. Darum bitten wir durch Jesus Christus» (Tagesgebet).
An Ostern vollendet sich unsere Erlösung, die wir in jeder Eucharistie feiern. Jesus hinterliess uns beim Letzten Abendmahl das neue Gebot der Liebe: «Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben» (Joh 13,34). Diese Liebe schenkte er uns in der Eucharistie, durch die er in uns Wohnung nimmt, und die uns befähigt, unsererseits ihn und unsere Mitmenschen zu lieben. Aus der Eucharistie entspringt die Freude der Liebe und des Geliebtwerdens. Der «Laetare-Sonntag» erinnert uns an diese Freude, auf die wir zugehen und die wir bereits in der Eucharistie empfangen. Aus dieser Freude können wir für alles bereits Erhaltene danken, und sie gibt uns den Mut, weiterzugehen.
Der 4. Fastensonntag wird manchmal auch »Rosensonntag« genannt. Dieser Name geht auf die Tradition der «Goldenen Rose» zurück: Vom 11. bis 19. Jahrhundert segnete der Papst an diesem Tag in der römischen Basilika «Santa Croce in Gerusalemme» die «Goldene Rose», auch «Tugendrose» genannt. Diese päpstliche Auszeichnung wurde Persönlichkeiten und Organisationen verliehen, die sich um die Katholische Kirche verdient gemacht haben. Die letzte Person, welche die «Goldene Rose» erhielt, war Grossherzogin Charlotte von Luxemburg im Jahr 1956. Heute wird die Rose in unregelmässigen Abständen Wallfahrtsorten verliehen, zuletzt der «Trösterin der Betrübten» in der Kathedrale von Luxemburg (2024).
In vielen englischsprachigen Ländern gab es früher die Tradition, am 4. Fastensonntag die eigene Taufkirche zu besuchen. Da diese als persönliche Mutterkirche galt, nannte man den Tag «Mothering Sunday». Die Wichtigkeit dieses Tages unterstreicht die Tatsache, dass an diesem Tag die Bediensteten einen freien Tag zum Besuch der Taufkirche erhielten. Die «Church of England» und weitere christliche Denominationen laden nach einer längeren Zeit des Unterbruchs wieder zum Besuch der Taufkirche oder Kathedrale ein.
Rosafarbene Paramente sind zum ersten Mal 1582 in Rom belegt und waren auf den Papst und die Kardinäle beschränkt. Ab 1729 durften sie auch von den Bischöfen verwendet werden. Mit der Liturgischen Bewegung des 19./20. Jahrhunderts breitete sich die Praxis auch ausserhalb Roms aus; seit 1901 ist Rosa eine offizielle liturgische Farbe.
Kommentare und Antworten
Sei der Erste, der kommentiert