Gemeindepfarrer Don Marco Dania weihte anlässlich des Pfarreifestes eine Holztafel mit dem Radsymbol des hl. Bruder Klaus. Bild: zVg

Kirche Schweiz

Frie­dens­ge­bet mit Bru­der Klaus geht auf Reise durch das Tessin

Eine Holz­ta­fel mit der Rad­skizze von Bru­der Klaus geht auf Pil­ger­reise durch das Tes­sin. Mit der Initia­tive will eine Gruppe von Laien aus Bel­lin­zona Chris­ten aller Kon­fes­sio­nen anre­gen, noch inten­si­ver für den drin­gend benö­tig­ten Frie­den zu beten. Am ver­gan­ge­nen Sonn­tag wurde die Tafel in der Bruder-​Klausen-​Kirche von Lugano geweiht und soll nun von Haus zu Haus ihre Reise antreten.

Der Schweizer Landespatron und Friedensstifter Bruder Klaus (1417-1487) hatte nie lesen gelernt. Was er als sein «Buch» bezeichnete, war das Bild eines Rades mit sechs Speichen, welches er als Gott interpretierte, von dem alles ausgeht und zu dem alles zurückkehrt. Im Tessin wird Bruder Klaus sehr verehrt. Tatsächlich war es der Bischof von Lugano Angelo Jelmini, der während des Krieges und noch vor der Heiligsprechung von Bruder Klaus gelobt hatte, ihm eine Kirche zu bauen, sollte die Schweiz vom Krieg verschont bleiben. Er hat sein Wort gehalten, und die Tessiner Bevölkerung spendete trotz der schwierigen Lebensbedingungen grosszügig. Die Kirche San Nicolao della Flüe wurde 1950 eingeweiht und steht im Quartier Besso von Lugano.

Dort hat der Gemeindepfarrer Don Marco Dania am vergangenen Sonntag, 28. September, anlässlich des Pfarreifestes eine Holztafel mit dem Radsymbol von Bruder Klaus geweiht. Diese Tafel mit Seitenlängen von gut 33 Zentimetern (die Zahl drei ist eine heilige Zahl und symbolisiert die Dreifaltigkeit) wurde in Bellinzona von einer Gruppe Laien gestaltet. Der Schreiner Ernesto Turrini schliff das Brett, die Künstlerin Raffaella Raschetti schnitzte das Rad ein und baute die Holzkiste, andere nähten die Taschen für die Tafel und das Bätti (Urform des Rosenkranzes), eine Gruppe kümmerte sich um die Gebete, wieder andere druckten das Beiheft und betreuten die Mail-Post (ruotasannicolao@gmail.com).

Das Meditationsbild wird nun in die Tessiner Haushalte wandern, dort zwei Tage bleiben und die Menschen einladen, Gott um Frieden anzurufen. Bruder Klaus gilt als grosser Friedensstifter, weil er 1481 die Schweiz vor einem Bürgerkrieg bewahrte und auch von ausländischen Machthabern als wichtiger Schlichter und Mediator um Hilfe ersucht wurde.

Rad und Bätti

Die Initiative inspirierte sich am Vorbild der pilgernden Madonnenstatue von Einsiedeln, die man nach Hause nehmen und davor in der Familie oder mit Freunden den Rosenkranz beten kann. Da es sich bei Bruder Klaus um einen vorreformatorischen Heiligen handelt, der auch von den Reformierten geschätzt wird, bot sich das Rad als Meditationsgrundlage an, und auch die vorgeschlagenen Gebetstexte berücksichtigen alle konfessionellen Sensibilitäten.

Dem Meditationsrad ist ein «Bätti» mit 33 Perlen beigelegt. Das Bätti, das auch Paternoster genannt wurde, war der Vorläufer des Rosenkranzes. Bruder Klaus hat eine solche Gebetskette immer bei sich getragen, sogar wenn er als junger Mann in die Schlacht zog. Im Beiheft werden zu jeder Perle Gebete vorgeschlagen, die insgesamt etwa zwanzig Minuten in Anspruch nehmen.

Je vier Perlen bilden zusammen eine Gruppe, eine Station. An jeder dieser insgesamt acht Stationen wird ein Ereignis aus dem Leben von Bruder Klaus meditiert, gefolgt von jeweils drei Gebeten: ein Vaterunser, ein Ave Maria oder ein freies Gebet, und abschliessend das Gebet von Bruder Klaus Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu dir… Manche der Einführungsgebete sind in der «Ich»-Form formuliert, andere als «Wir». So steht beispielsweise bei der siebten Station, die auf die wundersame Nahrungslosigkeit des Eremiten hinweist: Herr, du hast Niklaus ein so starkes Zeichen deiner Liebe gegeben, dass er für den Rest seines Lebens keine weitere Nahrung mehr benötigte. Hilf mir, deine unendliche Liebe zu mir zu erkennen, und gib mir die Kraft, mich selbst und andere zu lieben und meine Nahrung mit denen zu teilen, die sie brauchen.

Den Abschluss macht dieser Text: Herr, wir danken dir für das Leben von Bruder Klaus. Wir danken dir, dass du uns unser schönes Land geschenkt hast, dass du uns zu einem geeinten Volk gemacht hast, für den Frieden, den Wohlstand und für das Zeugnis aller Brüder und Schwestern, die sich bis zur Selbstaufopferung für das Gute einsetzen. Wir beten für die Schweiz: Bewahre uns vor Krieg und lass alle in Würde leben. Schenke uns Gesundheit an Leib und Seele, bekehre unsere Herzen und rette unsere Seelen. Wir beten für die Welt: Mach, dass die Kriege aufhören und schenke allen Völkern Frieden! Tröste die Opfer von Gewalt und Armut.

Echte Synodalität

Don Dania ist von der Initiative begeistert. «Wir brauchen dringend Frieden, und in Bruder Klaus haben wir einen mächtigen Fürsprecher! Dieses Wandergebet ist genau die Art von Synodalität, von der so viel gesprochen wird, und die vom Kirchenvolk ausgehen soll». Seine Pfarrei wird die Holzbox mit den Utensilien die ersten zwei Monate beherbergen. Dort können sie die Interessierten abholen und nach zwei Tagen wieder zurückbringen. Später soll sie in andere Vikariate gereicht werden, zuerst nach Bellinzona, und dann nach Mendrisio, die sich schon angemeldet haben.

 «Friede ist allweg in Gott, denn Gott ist der Friede. (…) Darum sollt ihr darauf bedacht sein, dass ihr immer den Frieden im Auge behaltet». Diese Worte schickte Bruder Klaus 1482 an die Berner Regierung. Wie schön wäre es doch, wenn diese Worte heute von den Mächtigen dieser Welt gelesen würden.


Kathrin Benz

Kathrin Benz, Jahrgang 1963, gehört durch ihre Nidwaldner Mutter zu den zahlreichen Nachkommen des Niklaus von Flüe. Aufgewachsen in Basel, studierte sie in Genf und Brüssel und war Korrespondentin der Schweizerischen Depeschenagentur in Lugano. Heute ist sie freischaffende Übersetzerin und Journalistin und lebt mit ihrem Mann und den sechs Kindern im Tessin.


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Bemerkungen :

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    Hansjörg 02.10.2025 um 13:30
    Eine gute Gelegenheit auch der Dorothea von Flüe zu gedenken. Sie musste den Hof bewirtschaften und die 10 Kinder alleine gross ziehen.
    • user
      Anton 03.10.2025 um 21:38
      Wir sind tatsächlich Dorothe zu Dank verpflichtet. Aber nicht weil sie die zehn Kinder allein gross zog und den Betrieb allein bewirtschaften musste. Immerhin war der älteste Sohn schon seit sechs Jahre volljährig und ein schöner Teil der Kinder waren wohl aus dem Schneider, als ihr Vater dem Ruf Gottes am 16. Oktober 1467 gefolgt ist.
      Wir sind Dorothe zu Dank verpflichtet, weil sie den Willen Gottes verstanden hat und uns ihren Mann geschenkt hat. Denn ohne ihr Einverständnis wäre Bruder Klaus nicht zum Vater des Vaterlandes geworden.