Das «Hochfest des Leibes und Blutes Christi» ist untrennbar mit dem Abendmahlsgottesdienst vom Gründonnerstag, mit der Einsetzung der Eucharistie, verbunden. Um uns ein Unterpfand seiner unendlichen Liebe zu hinterlassen, stiftete Jesus als Gedächtnis seines Todes und seiner Auferstehung die Eucharistie. Getreu seinem Auftrag «Tut dies zu meinem Gedächtnis» feiert die Kirche bis heute dieses Geheimnis, das unser ganzes Leben durchdringen soll. «Unsere Denkweise stimmt mit der Eucharistie überein, und die Eucharistie wiederum bestätigt unsere Denkweise» (Irenäus, hæer. 4,18,5). Christus bleibt bei uns, auch nach dem Ende der Eucharistiefeier, denn durch die Feier der Eucharistie wird der Leib Christi aufgebaut (vgl. 1 Kor 10,16–17), werden wir mit Christus enger verbunden: «Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm» (Joh 6,56).
Es ist Jesus Christus selbst, den wir in der Kommunion empfangen. «Im heiligsten Sakrament der Eucharistie ist «wahrhaft, wirklich und substanzhaft der Leib und das Blut zusammen mit der Seele und Gottheit unseres Herrn Jesus Christus und daher der ganze Christus enthalten» (Konzil von Trient; DS 1651). Die eucharistische Gegenwart Christi in der konsekrierten Hostie dauert so lange, wie die eucharistische Gestalt besteht. Deshalb wird das Allerheiligste ausserhalb der Eucharistiefeier auch zur Verehrung ausgesetzt. «Die Kirche und die Welt haben die Verehrung der Eucharistie sehr nötig. In diesem Sakrament der Liebe wartet Jesus selbst auf uns. Keine Zeit sei uns dafür zu schade, um ihm dort zu begegnen […] Unsere Anbetung sollte nie aufhören», so schrieb Papst Johannes Paul II. im Brief «Dominicae cenae» (1980).
Und Papst Benedikt XVI. erklärte in seiner Homilie an Fronleichnam im Jahr 2008. «Den Leib Christi anzubeten, heisst glauben, dass in jenem Stück Brot wirklich Christus ist, der dem Leben wahren Sinn gibt – dem unendlichen Universum ebenso wie dem kleinsten Geschöpf, der ganzen Menschheitsgeschichte wie dem kürzesten Leben. Die Anbetung ist Gebet, das die eucharistische Feier und Gemeinschaft verlängert und von dem sich die Seele weiter nährt: Sie nährt sich von Liebe, Wahrheit, Frieden; sie nährt sich von Hoffnung, weil derjenige, vor dem wir uns niederwerfen, uns nicht richtet, uns nicht zerbricht, sondern uns befreit und verwandelt.»
Es ist eine schöne Tradition, am «Hochfest des Leibes und Blutes Christi» das Allerheiligste in die Welt hinauszutragen. Wir zeigen damit den Menschen, dass Christus immer mit uns auf dem Weg ist. Mehr noch: Christus ist nicht nur mit uns auf dem Weg – er weist uns auch den richtigen Weg. Unsere heutige Welt mit ihren oft zweifelhaften Innovationen eröffnet viele Wege und Irrwege, und die Meinungsvielfalt hilft uns nicht immer bei der Entscheidungsfindung. Jesus Christus selbst hat sich zum «Weg» für uns gemacht, damit wir in Freiheit den richtigen Weg erkennen können. Unser auferstandener Herr hat den Tod überwunden; er ist grösser als jede Gewalt und Ungerechtigkeit. Mit seiner Hilfe ist wahrer Friede in unserer Welt möglich. Mit dem Allerheiligsten tragen wir diese Hoffnung zu den Menschen und in die Welt hinaus.
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