In der südkoreanischen Hauptstadt Seoul startet am 1. August eine interaktive Ausstellung über den katalanischen Architekten Antoni Gaudì (1952–1926). Sie ist in Zusammenarbeit mit der Gaudí-Stiftung in Barcelona entstanden und war zuvor in Japan, wo sie über 330 000 Gäste anzog. Auch in Südkorea, dem Land der knalligen Pop-Kultur, dürfte das Interesse gross sein, und vielleicht mögen die Menschen auch Gaudís existentielle Symbolik. Die Ausstellungsmacher legen Wert auf ihre religiöse Neutralität, wie sie auf eine entsprechende Anfrage hin schreiben:
«Die Ausstellung wurde als pädagogisches und kulturelles Erlebnis konzipiert, das Antoni Gaudís aussergewöhnliche architektonische Vision, sein künstlerisches Vermächtnis und seinen bleibenden Einfluss auf Design und Kreativität würdigt. Auch wenn Gaudís persönliche Überzeugungen und Inspirationen natürlich viele seiner Werke geprägt haben, ist die Ausstellung selbst nicht als Stellungnahme zur Religion gedacht».
Dabei hat Südkorea eine besondere Beziehung zu Antoni Gaudí. Die zivile Vereinigung für die Seligsprechung des katalanischen Architekten in Barcelona, die ab 1992 Dokumente zuhanden des Vatikans zusammentrug, beruft sich auf eine Konversion in der koranischen Stadt Busan. Dort wurde bereits 1997 eine Ausstellung zu Gaudí organisiert, lange bevor die «Sagrada Família» überhaupt eröffnet wurde (2010). Aber Südkorea war damals an internationalen Wirtschaftsbeziehungen interessiert und wollte über das Architekturgenie Gaudí engere Beziehungen zu Spanien knüpfen. Die Ausstellung fand denn auch im zweiten Stock der Industrie- und Handelskammer von Busan statt, wo 130 Exponate aus Barcelona gezeigt wurden, und lokale Zeitungen darüber berichteten.
Der damalige Delegierte der Handelskammer von Busan, Jun Young-Joo, war nach Barcelona gereist und hatte sich mit Antoni Gaudí beschäftigt. Der Besuch hinterliess bei dem praktizierenden Buddhisten einen starken Eindruck, wie er im März 1998 in einem Brief an die Vereinigung in Barcelona schilderte. Die Werke Gaudís mit ihrem Bezug zum Göttlichen hatten ihn «tief im Herzen berührt». Wenig später liess er sich in Korea taufen.
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