Präsident Xi Jinping und Kardinal Joseph Zen. (Collage: swiss-cath.ch; Bild Kardinal Zen: Jindřich Nosek (NoJin), CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons)

Weltkirche

Geheim­ab­kom­men als Bume­rang für Chi­nas Katholiken

Seit 2018 besteht ein Geheim­ab­kom­men zwi­schen dem Hei­li­gen Stuhl und Peking über Bischofs­er­nen­nun­gen. Was einem ein­ver­nehm­li­chen Ver­hält­nis die­nen sollte, hat nach Ansicht von Men­schen­recht­lern Repres­sio­nen befördert.

Unter Präsident Xi Jinping begann im April 2016 die Kampagne zur «Sinisierung» der Religion. Die Regierung erwartet, dass sich die religiösen Gemeinschaften und Kirchen der chinesischen Kultur und der Ideologie der Kommunistischen Partei Chinas anpassen.

China verstärkt nach Einschätzung von «Human Rights Watch» den Druck auf Katholiken der Untergrundgemeinden, sich der staatlich kontrollierten offiziellen Kirche anzuschliessen. In den vergangenen Jahren habe Peking die ideologische Kontrolle, Überwachung und Reisebeschränkungen für die schätzungsweise zwölf Millionen Katholiken des Landes verschärft, teilte die Menschenrechtsorganisation vergangene Woche mit.

Die 2018 geschlossene Vereinbarung zwischen dem Heiligen Stuhl und China zu Bischofsernennungen habe die Repressionen noch erleichtert. Nach zehn Jahren einer Regierungskampagne zur kulturellen Gleichschaltung und fast acht Jahre nach dem Vatikan-Abkommen sähen Katholiken in China sich wachsender Unterdrückung und einer Einschränkung ihrer Religionsfreiheit ausgesetzt, erklärte Yalkun Uluyol, China-Experte bei «Human Rights Watch». «Papst Leo XIV. sollte das Abkommen dringend überprüfen und Peking dazu drängen, die Verfolgung und Einschüchterung von Untergrundkirchen, Geistlichen und Gläubigen zu beenden.»

Keine Antwort aus Vatikan und Peking
Die chinesische Regierung bestraft Personen, die mit ausländischen Medien oder Menschenrechtsorganisationen sprechen. «Human Rights Watch» konnte mit mehreren Personen ausserhalb des Landes sprechen, die aus erster Hand über das Leben der Katholikinnen und Katholiken in China berichteten. Zudem wertete die Menschenrechtsorganisation Regierungsdokumente und Artikel aus der staatlichen chinesischen Presse aus.

Die Organisation sandte nach eigenen Angaben Anfang April 2026 eine Zusammenfassung ihrer Untersuchung an die chinesische Regierung und den Heiligen Stuhl und bat um eine Stellungnahme. Keine der beiden Seiten habe geantwortet.

Untergrundkirche droht die Auslöschung
Die chinesische Regierung schränkt bereits seit längerem die Religionsfreiheit der romtreuen Katholikinnen und Katholiken (sowie weiterer religiöser Gemeinschaften) ein; erlaubt ist nur die von der Regierung anerkannte Kirche «Katholische Patriotische Vereinigung». Jene Katholiken, die der Römisch-Katholischen Kirche treu geblieben sind, bilden in China eine Untergrundkirche. Die Bischöfe und Priester dieser Untergrundkirche werden immer wieder willkürlich verhaftet, unter Hausarrest gestellt oder «verschwinden».
 


2018 schloss der Vatikan mit Peking ein Abkommen, um die Streitfrage der Ernennung von Bischöfen zu lösen. Die Regierung in Peking schlägt Kandidaten vor, der Papst könnte gegen sie sein Veto einreichen. Bisher haben dies aber weder Papst Franziskus noch Papst Leo XIV. je gemacht, selbst als Peking einseitig Bischöfe ernannte. Das Abkommen, dessen genauer Wortlaut bis heute nicht bekannt ist, wurde dreimal verlängert, zuletzt am 22. Oktober 2024. Die ersten beiden Male um zwei Jahre, jetzt für vier Jahre. Dies deutet auf eine Verstetigung des Abkommens.

Gläubige der Untergrundkirche haben diese Vereinbarung immer wieder kritisiert. Die wenigen noch verbliebenen Untergrundbischöfe werden nach ihrem Ableben durch von Peking ernannte regierungstreue Bischöfe ersetzt. Ein im Ausland lebender Priester erklärte gegenüber «Human Rights Watch»: «Viele Untergrundbischöfe sind alt, und sie [der Vatikan und Peking] ernennen keine neuen Untergrundbischöfe. Diese Gemeinden mögen mit ihren Priestern noch eine Weile überleben, aber auf lange Sicht werden die Untergrundkatholiken [in China] verschwunden sein.»

Aus diesem Grund fühlen sich viele Gläubige der Untergrundkirche vom Vatikan verraten. Ein Experte, der Dutzende von Katholiken in China befragt hat, sagte gegenüber «Human Rights Watch», dass sich die Katholiken die Verfolgung durch den Staat gewohnt seien, doch seit 2018 «haben sie das Gefühl, dass auch der Vatikan hinter ihnen her ist».

Dies hatte bereits Kardinal Joseph Zen, emeritierter Bischof von Hongkong, unmittelbar nach der Unterzeichnung des Abkommens beklagt: «All die Jahrzehnte haben sie der Kommunistischen Partei und der von ihr aufgebauten falschen Kirche widerstanden. Nun stehen sie da wie begossene Pudel.» Er forderte die romtreuen Katholikinnen und Katholiken auf, nicht gegen die Verfolgung zu kämpfen, sondern «in die Katakomben» zurückzukehren. Seine Prognose fiel düster aus: Das «vorläufige» Abkommen zwischen der kommunistischen Regierung und dem Vatikan sei «ein bedeutender Schritt hin zur Vernichtung der wahren Kirche in China».
 

Mit der Machtübernahme im Jahre 1949 brach die kommunistische Regierung Chinas die diplomatischen Beziehungen mit dem Heiligen Stuhl ab. Seit 1957 dürfen die «patriotischen Christen» mit staatlicher Erlaubnis aktiv sein, zeitweilig unterbrochen durch die chinesische Kulturrevolution (1966–1976). Die Mitglieder der romtreuen Untergrundkirche werden hingegen immer wieder schikaniert: Sie dürfen keine Kirchen bauen, bestehende Kirchen werden geschlossen, Minderjährige dürfen keine Kirche betreten usw. Priester und Bischöfe werden grundlos verhaftet oder unter Hausarrest gestellt.
Die offizielle Zahl der Katholiken wird mit rund 6 Millionen angegeben. Der Untergrundkirche dürften schätzungsweise etwa 12 Millionen Gläubige angehören.
2007 führte Papst Benedikt XVI. den Weltgebetstag für die Kirche in China ein, um die gespaltenen katholischen Gemeinden in China zu vereinen.


KNA/Redaktion


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Bemerkungen :

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    Daniel Ric 28.04.2026 um 13:22
    Es ist wichtig, die Geschichte Chinas zu vergegenwärtigen, bevor man hier zu schnelle Urteile fällt. Es gibt gute Gründe, weshalb der Chinesische Staat vorsichtig ist gegenüber allen Einmischungen von aussen, da der westliche Imperialismus im 19. und 20. Jahrhundert sehr aggressiv war(Stichwort Opiumkriege). China hat für seine Bevölkerung in den letzten 50 Jahren sehr viel geleistet und einen rückständigen Staat in eine führende Wirtschaftsmacht verwandelt. Dies gefällt den USA und vielen Ländern in Europa nicht, da sie ihre eigene Stellung bedroht sehen. Es ist richtig und gut, dass der Vatikan langsam versucht, Vertrauen aufzubauen, damit die Kirche in China einen gesicherten Status erhält. Ich bin auch nicht überzeugt davon, dass Kardinal Zen so repräsentativ ist für den Chinesischen Durchschnittskatholiken. Meine Achtung galt und gilt den Priestern und Bischöfen, die auch unter schwierigen Umständen versuchen, ihren Gläubigen beizustehen, ohne die Eskalation zu suchen. Im Idealfall wären wir alle zuerst Katholiken und dann an zweiter Stelle Menschen und dann an Tausendster Stelle Bürger unserer Nationen (Nationalstaaten und Nationalismus sind eine junge und sehr dumme Erscheinung der menschlichen Zivilisation). Leider sind alle Länder von diesem Idealfall weit entfernt. Daher bin ich der Meinung, dass es eine Frage der Ehrlichkeit und des Anstands ist, auch den Chinesen zu ermöglichen, einerseits Chinesische Bürger und andererseits Katholiken zu sein.
  • user
    Claudio Tessari 28.04.2026 um 07:40
    Ich denke da müssten alle mal über die Bücher. Nach dem 2. Weltkrieg und den Millionen Opfern dachte man, dass gäbe jetzt ein Miteinander ohne Krieg. Auch auf Seite des Vatikans vor allem durch JP II der zwei totalitäre Diktaturen erlebte wollte man nur noch ein friedliches Miteinander. Dialog und Ökumene ja auf Kosten der Wahrheit waren in den letzten Jahren der Fokus. Doch was sind die Früchte wenn man ehrlich ist? Relativismus auf höchster Ebene. Christenverfolgung und jenen mit welchem man Dialog führt, Islam und Kommunismus. Natürlich müssen wir versuchen miteinander zu leben, aber der Islam, so wie er im Koran steht, wie er in den Hadithen ausgelegt wird, und der Kommunismus, sind dämonische Ideologien, welche die Christen immer verfolgen wird. Solange man das als Kirche nicht mehr benennt, solange man versucht mit solchen Ideologien Kompromisse zu finden, wird es nie gute Früchte bringen. Das sehen wir seid bald 50 Jahr. Der Index der verfolgten Christen steigt von Jahr zu Jahr. Vielleicht sollte man wieder den Auftrag Jesus Christi ernst nehmen und alle Menschen missionieren, Muslime, Juden, Kommunisten, Heiden, Schismatiker und Häretiker den wahren Frieden gibt es nur in JESUS CHRISTUS, und diesen Jesus Christus gibt es nur in Fülle in der einen heiligen katholischen und apostolischen Kirche. Amen