Bischof François Pallu. (Bild: Philippe de Champaigne, Public domain via Wikimedia Commons)

Weltkirche

Gesandt für den selbst­lo­sen Dienst an der Kirche

Wer sich mit der Katho­li­schen Kir­che in den Län­dern Asi­ens beschäf­tigt, liest immer wie­der einen Namen: «Société des Mis­si­ons Etrangè­res de Paris». Mis­sio­nare die­ser Gesell­schaft haben sich uner­müd­lich für den Auf­bau eines ein­hei­mi­schen Kle­rus ein­ge­setzt – oft gegen inner­kirch­li­che Wider­stände. Viele bezahl­ten ihren Ein­satz mit dem Leben.

Im 15. und 16. Jahrhundert waren Portugal und Spanien die traditionellen Missions- und Kolonialmächte. Zwischen dem Vatikan und dem Königreich Portugal bestand ein besonderes Abkommen («Padroado») zur Missionierung neu eroberter Gebiete seitens der portugiesischen Krone. Doch die enge Verbindung von Eroberungspolitik und Mission erschwerte die Aufgabe; in den portugiesischen Kolonien stiess der Glaube auf weniger Akzeptanz als in den spanischen Kolonien, wo die Kirche unabhängiger handeln konnte. Zudem wurde Portugal zunehmend durch die protestantischen Kolonialmächte England und die Niederlande verdrängt.

Unabhängige Missionsbehörde
1622 gründete Papst Gregor XV. die «Kongregation für die Verbreitung des Glaubens» (Congregatio de Propaganda Fide). Ihr Ziel war, nichtkatholische Christinnen und Christen sowie die Bewohner des amerikanischen Kontinents und Asiens zum katholischen Glauben zu führen. Diese Kongregation führte 1625, 1628 und 1644 Untersuchungen zu den Missionen in Asien durch; die Ergebnisse waren ernüchternd: Die Missionsarbeit wird durch Streitigkeiten zwischen Ordensleuten untergraben; der Klerus bereichert sich, und will die lokale Sprache nicht lernen; die Mission leidet unter der Vermischung von Politik und Religion; die Autorität Roms wird von den Jesuiten und den Vertretern der Königreiche infrage gestellt.

Der Sekretär der Kongregation, François Ingoli, erkannte die Notwendigkeit, einen einheimischen Klerus aufzubauen, der den europäischen Klerus nach und nach ablösen sollte. Dabei setzte er auf Weltpriester. Die «Kongregation für die Glaubensverbreitung» beantragte bereits 1633 die Ernennung von Bischöfen im Fernen Osten und bat 1651 den Papst inständig, in diesen Ländern Erzbistümer und Bistümer zu errichten.

Der Heilige Stuhl beauftragte heimlich zwei Bischöfe mit dem Aufbau eines einheimischen Klerus. Doch diese Mission scheiterte: Auf Veranlassung von Portugal und den Jesuiten wurden die beiden Bischöfe verhaftet und zurückgeschickt, bevor sie ihren Einsatzort erreichen konnten.

Eine politisch brisante Idee
Der Jesuitenmissionar Alexandre de Rhodes war mehrfach im Fernen Osten und kannte die Verhältnisse. Er war überzeugt, dass die Völker dem Glauben offen gegenüberstanden, es aber an den «richtigen» Missionaren fehlte. Er appellierte an Rom, drei freiwillige französische Bischöfe mit dem Rang eines Apostolischen Vikars nach Asien zu entsenden, um einen gut ausgebildeten einheimischen Klerus aufzubauen und sich an die Sitten und Gebräuche des Landes anzupassen, ohne sich in politische Angelegenheiten einzumischen. Als Apostolische Missionare und Franzosen würden sie nicht unter der Kontrolle Portugals stehen. Doch Papst Innozenz X., der zu dieser Zeit gegen die Einflüsse Spaniens, Portugals und Frankreichs kämpfte, lehnte das Projekt ab.

Die Mitglieder der «Compagnie du Saint-Sacrement», die sich für den Glauben einsetzten und karitativ tätig waren, liessen sich von der Idee von Alexandre de Rhodes begeistern und erklärten sich bereit, die notwendigen Finanzmittel für das Projekt zur Verfügung zu stellen. Pater de Rhodes sah in François Pallu, einem Mitglied der Compagnie, und François de Laval die idealen Personen, um sein Projekt zu verwirklichen.

Die geplanten Ernennungen scheiterten jedoch am Widerstand Portugals, das diese Ernennungen als Verstoss gegen seine Rechte gemäss dem «Padroado»-Abkommen betrachtete.

Zwei Jahre später starb Papst Innozenz X. Sein Nachfolger Alexander VII. hatte eine andere politische Einstellung und war Frankreich gegenüber positiv eingestellt. Ab 1656 bemühte sich François Pallu, von Rom die Ernennung von Apostolischen Vikaren für Asien zu erwirken. Er lernte Pierre Lambert de La Motte kennen, der gerade auf dem Weg nach Rom war, um sich als Missionar für Asien anzubieten, und bat ihn um Unterstützung. 1657 gelang es Lambert de La Motte, den Sekretär der «Kongregation für die Glaubensverbreitung» vom Projekt zu überzeugen.
 


1658 setzte Papst Alexander VII. vier Apostolische Vikare ein, d. h. Bischöfe ohne Diözese, die direkt dem Papst unterstanden. Sie wurden zu Bischöfen in partibus infidelium ernannt (in den Gebieten der Ungläubigen) und erhielten seit langem verschwundene Bischofstitel aus verlorenen Gebieten, um Konflikte mit den durch das «Padroado»-System gegründeten Bistümern zu vermeiden.

Vor ihrer Abreise 1659 liess Papst Alexander VII. ihnen seine Anweisungen zukommen. Diese «Instruktion» ist auch als die «Magna Charta» der «Kongregation für die Glaubensverbreitung» bekannt und enthält neben der Aufforderung, einheimische Priester auszubilden, einen weiteren bemerkenswerten Absatz:

«Seid nicht übereifrig und bringt keine Argumente vor, um diese Völker davon zu überzeugen, ihre Riten, Bräuche und Sitten zu ändern, es sei denn, diese stehen offensichtlich im Widerspruch zur Religion und zur Moral. Was könnte absurder sein, als Frankreich, Spanien, Italien oder irgendein anderes europäisches Land zu den Chinesen zu bringen? Führt ihnen nicht unsere Länder ein, sondern den Glauben, jenen Glauben, der die Riten und Bräuche keines Volkes ablehnt oder verletzt, sofern sie nicht verabscheuungswürdig sind, sondern im Gegenteil verlangt, dass man sie bewahrt und schützt […] Stellt also niemals die Bräuche dieser Völker denen Europas gegenüber; im Gegenteil, bemüht euch, euch an sie zu gewöhnen.»

Die ersten vier Apostolischen Vikare waren: Pierre Lambert de La Motte als Apostolischer Vikar von China und Verwalter der südlichen Provinzen Chinas; François Pallu, Apostolischer Vikar von Tonkin (Nordvietnam) und der an Tonkin angrenzenden chinesischen Provinzen; Ignace Cotolendi, Apostolischer Vikar von Nanking und Verwalter der östlichen Provinzen Chinas; sowie François de Laval als Apostolischer Vikar von Neufrankreich (Kanada).

Der heilige François de Laval, der ursprünglich als Apostolischer Vikar für Tonkin vorgesehen war, wurde aufgrund des Einflusses der Jesuiten auf den französischen König Louis XIV. Vikar in Kanada. Er gründete in Québec eine Priestergemeinschaft und ein Priesterseminar. Er war unermüdlich im Einsatz und setzte sich besonders für die Würde der Indianer ein. Er starb 1708 im Alter von 85 Jahren.

Die drei anderen Bischöfe brachen, begleitet von Priestern und Laien, nach Asien auf. Die Reise dauerte zwei Jahre: Da sich Portugal weigerte, «Nicht-Padroado-Missionare» auf seinen Schiffen mitzunehmen, und die Niederländer und Engländer ihrerseits keine katholischen Missionare aufnahmen, mussten sie Persien und Indien zu Fuss durchqueren. Während der langen Reise starb Bischof Ignace Cotolendi in Indien.

Mission ad extra, ad vitam, ad gentes
Die vier Bischöfe gelten als Gründer der «Société des Missions Etrangères de Paris» (Ordenskürzel: MEP), einer Gesellschaft des apostolischen Lebens. Als Gründungsjahr werden sowohl 1658 als auch 1663 angegeben. In diesem Jahr erhielten sie die Erlaubnis, in Paris ein Seminar zur Ausbildung künftiger Missionare zu eröffnen: das «Séminaire des Missions étrangères».

Seit dem 17. Jahrhundert hat die «Société des Missions Etrangères de Paris» fast 4500 Priester nach Asien entsandt, in Länder, in denen der katholische Glaube meist verboten war. Zeiten der Toleranz und Phasen der Verfolgung wechselten sich ab. Waren die Missionare zunächst in einigen Provinzen Chinas und Vietnams tätig, kamen später Kambodscha und Thailand dazu. Nach der Aufhebung des Jesuitenordens (1773) übertrug ihnen der Papst deren Missionen in Südindien. Im 19. Jahrhundert übertrug man ihnen die Verantwortung für Korea und Japan (1831), die Mandschurei (1838), Malaysia (1841), Tibet und Assam (1846) und Burma (1855). Papst Pius XII. bat die Gesellschaft 1952, die neue Diözese Hualien in Taiwan zu übernehmen.

Im 20. Jahrhundert wurden die Missionare aus China, Burma, Vietnam, Kambodscha und Laos (vorübergehend) vertrieben. Sie wurden dann in neue Gebiete geschickt, darunter Madagaskar, Mauritius und Indonesien. Heute unterstützen die Missionare weiterhin die örtlichen Kirchen, die sie mitgegründet haben, und sind in 13 Ländern präsent.

Die Missionare kamen ihrem Auftrag nach, einen einheimischen Klerus auszubilden. Im 20. Jahrhundert errichteten sie in zehn Ländern Asiens mehr als hundert Diözesen, die von einheimischen Bischöfen geleitet wurden.

Seit der Gründung der «Société des Missions Etrangères de Paris» bis heute starben über 200 Priester eines gewaltsamen Todes; 23 werden als Heilige verehrt.

In den 1970er- und 1980er-Jahren kam es vorübergehend zu einem völligen Einbruch der Berufungen. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts steigen die Zahlen wieder. Heute umfasst die Gemeinschaft 130 Priester und 3 Seminaristen. Die Missionare gehen «ad extra, ad vitam et ad gentes» (ins Ausland, für das ganze Leben, zu Nichtchristen). Den Ort ihrer zukünftigen Mission erfahren die Priester in ihrer Aussendungsmesse.

Von Beginn an haben sich Gläubige als Freiwillige den Missionaren angeschlossen. 2003 gründete Pater Georges Colomb das «Volontariat MEP». Dieses ermöglicht jungen Menschen im Alter von 20 bis 35 Jahren, sich während 3 Monaten bis zu 2 Jahren an der missionarischen Arbeit in Asien und Madagaskar zu beteiligen. Jedes Jahr machen rund 130 junge Menschen von diesem Angebot Gebrauch.
 

Webseite der «Société des Missions Etrangères de Paris»


Rosmarie Schärer
swiss-cath.ch

E-Mail

Rosmarie Schärer studierte Theologie und Latein in Freiburg i. Ü. Nach mehreren Jahren in der Pastoral absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin.


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