Im 15. und 16. Jahrhundert waren Portugal und Spanien die traditionellen Missions- und Kolonialmächte. Zwischen dem Vatikan und dem Königreich Portugal bestand ein besonderes Abkommen («Padroado») zur Missionierung neu eroberter Gebiete seitens der portugiesischen Krone. Doch die enge Verbindung von Eroberungspolitik und Mission erschwerte die Aufgabe; in den portugiesischen Kolonien stiess der Glaube auf weniger Akzeptanz als in den spanischen Kolonien, wo die Kirche unabhängiger handeln konnte. Zudem wurde Portugal zunehmend durch die protestantischen Kolonialmächte England und die Niederlande verdrängt.
Unabhängige Missionsbehörde
1622 gründete Papst Gregor XV. die «Kongregation für die Verbreitung des Glaubens» (Congregatio de Propaganda Fide). Ihr Ziel war, nichtkatholische Christinnen und Christen sowie die Bewohner des amerikanischen Kontinents und Asiens zum katholischen Glauben zu führen. Diese Kongregation führte 1625, 1628 und 1644 Untersuchungen zu den Missionen in Asien durch; die Ergebnisse waren ernüchternd: Die Missionsarbeit wird durch Streitigkeiten zwischen Ordensleuten untergraben; der Klerus bereichert sich, und will die lokale Sprache nicht lernen; die Mission leidet unter der Vermischung von Politik und Religion; die Autorität Roms wird von den Jesuiten und den Vertretern der Königreiche infrage gestellt.
Der Sekretär der Kongregation, François Ingoli, erkannte die Notwendigkeit, einen einheimischen Klerus aufzubauen, der den europäischen Klerus nach und nach ablösen sollte. Dabei setzte er auf Weltpriester. Die «Kongregation für die Glaubensverbreitung» beantragte bereits 1633 die Ernennung von Bischöfen im Fernen Osten und bat 1651 den Papst inständig, in diesen Ländern Erzbistümer und Bistümer zu errichten.
Der Heilige Stuhl beauftragte heimlich zwei Bischöfe mit dem Aufbau eines einheimischen Klerus. Doch diese Mission scheiterte: Auf Veranlassung von Portugal und den Jesuiten wurden die beiden Bischöfe verhaftet und zurückgeschickt, bevor sie ihren Einsatzort erreichen konnten.
Eine politisch brisante Idee
Der Jesuitenmissionar Alexandre de Rhodes war mehrfach im Fernen Osten und kannte die Verhältnisse. Er war überzeugt, dass die Völker dem Glauben offen gegenüberstanden, es aber an den «richtigen» Missionaren fehlte. Er appellierte an Rom, drei freiwillige französische Bischöfe mit dem Rang eines Apostolischen Vikars nach Asien zu entsenden, um einen gut ausgebildeten einheimischen Klerus aufzubauen und sich an die Sitten und Gebräuche des Landes anzupassen, ohne sich in politische Angelegenheiten einzumischen. Als Apostolische Missionare und Franzosen würden sie nicht unter der Kontrolle Portugals stehen. Doch Papst Innozenz X., der zu dieser Zeit gegen die Einflüsse Spaniens, Portugals und Frankreichs kämpfte, lehnte das Projekt ab.
Die Mitglieder der «Compagnie du Saint-Sacrement», die sich für den Glauben einsetzten und karitativ tätig waren, liessen sich von der Idee von Alexandre de Rhodes begeistern und erklärten sich bereit, die notwendigen Finanzmittel für das Projekt zur Verfügung zu stellen. Pater de Rhodes sah in François Pallu, einem Mitglied der Compagnie, und François de Laval die idealen Personen, um sein Projekt zu verwirklichen.
Die geplanten Ernennungen scheiterten jedoch am Widerstand Portugals, das diese Ernennungen als Verstoss gegen seine Rechte gemäss dem «Padroado»-Abkommen betrachtete.
Zwei Jahre später starb Papst Innozenz X. Sein Nachfolger Alexander VII. hatte eine andere politische Einstellung und war Frankreich gegenüber positiv eingestellt. Ab 1656 bemühte sich François Pallu, von Rom die Ernennung von Apostolischen Vikaren für Asien zu erwirken. Er lernte Pierre Lambert de La Motte kennen, der gerade auf dem Weg nach Rom war, um sich als Missionar für Asien anzubieten, und bat ihn um Unterstützung. 1657 gelang es Lambert de La Motte, den Sekretär der «Kongregation für die Glaubensverbreitung» vom Projekt zu überzeugen.
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