Sie wurde zunächst ohne spezielle Massnahmen bis zum Alter von 17 Monaten in einem «Satt-warm-sauber-Modus» gepflegt. Durch den Sauerstoffmangel und die damit verursachten Hirnschädigungen während der versuchten Abtreibung leidet sie heute an einer leichteren Form der Zerebralparese, welche bei ihr zeitweise zu unkontrollierten spastischen Reaktionen führt. Ihr Denkvermögen wurde aber nicht beeinträchtigt. Zunächst glaubten die Ärzte, sie würde sich nie bewegen können. Sie wurde nach 17 Monaten von einer liebevollen Pflegemutter Namens «Penny» aufgenommen. Diese führte dreimal pro Tag konsequent und intensiv physiotherapeutische Übungen mit ihr durch. Dies hatte zur Folge, dass Sie zuerst den Kopf bewegen lernte, dann das Sitzen, das Krabbeln und mit 3 1/2 Jahren sogar das Laufen, zunächst noch mit einem kleinen Laufgestell und orthopädischen Schienen, allmählich auch ohne. Bis heute hat sie bereits zwei Marathon-Läufe bestritten, wenn auch in einer etwas längeren Zeit. Sie hat es aber beide Male mit grösster Anstrengung über die Ziellinie geschafft. Gianna durfte mit dieser Person als Pflegemutter erstmals eine bedingungslose Mutterliebe erleben. Diese Frau, Penny, hat in ihrem Leben 56 Kinder grossgezogen, oft solche mit schweren Behinderungen, zu Zeiten von Gianna waren es meist etwa fünf gleichzeitig. Später wurde Gianna von deren Tochter definitiv adoptiert. Die Umstände dieser Adoption waren nicht immer einfach. Aber... Ihre ursprüngliche Pflegemutter ist dadurch ihre Grossmutter geworden. Die Nähe zu Ihrer Grossmutter wurde für sie sozusagen zum wichtigsten Lebensfaden. Gianna schreibt die Umstände ihres Lebens wie auch ihr äusseres und inneres Überleben allein der Gnade, der Führung und dem Schutz Jesu Christi zu. Ihn bezeichnet sie als ihre alleinige «Sicherheit». So will Sie durch das Leben gehen in der Sicherheit, dass ER etwas sehr Gutes aus ihren Lebens-umständen macht.
Swiss-cath.ch konnte zwei Tage vor dem diesjährigen «Marsch fürs Läbe» mit Gianna Jessen ein längeres Interview führen. Gianna ist eine sehr spontane Person. Sie teilt uns zu Beginn des Gesprächs mit, dass sie nicht sehr systematisch oder chronologisch spreche. Sie versuche innerlich auf den Hl. Geist zu hören und dann spontan Dinge mitzuteilen. Im Folgenden möchten wir einige «Big Points» dieser Begegnung mit unserer Leserschaft teilen.
«Ich bin nicht da, um zu verurteilen, sondern ich bin da, um das Unmögliche aufzuzeigen, das Jesus für mich getan hat...»
Und das ist wirklich eine «unmögliche Sache», eine Abtreibung zu überleben. Es nutzt nichts, Jesus, Jesus zu sagen. Wir müssen Jesus im Herzen erfahren. Und wenn er das Unmögliche für mich tun kann, kann er das Unmögliche auch für dich tun. Manchmal muss er etwas «Unmögliches» tun für uns, z.B. wenn er auf dem Wasser läuft oder uns seine Wunden berühren lässt. Dann merken wir, er ist der Authentische. Er ist wirklich der, so wie er uns sich selber darstellt. Er ist auch der, welcher alle Haare auf unserem Kopf gezählt hat. Du weisst alles Jesus. Jeder Schmerz, jede Träne, die wir geweint haben, hast Du in einer Flasche gesammelt.
Was auf meinem Geburtsschein steht...
Geboren am 7. April 1977 um 6 Uhr morgens, 29 1/2 Schwangerschaftswochen, 2 1/2 kg schwer, keine Reanimation nötig. Viele meiner Gegner glauben mir nicht. Aber dieser Geburtsschein hält genau meinen Geburtszustand fest. Ich hatte Glück, um diese Tageszeit geboren worden zu sein. Der abtreibende Arzt war wohl gerade mit etwas anderem beschäftigt. So hat eine Krankenschwester meine Einweisung in ein Spital ausgelöst. Ich stelle mir immer vor, wie Gott ein ziemlich wütendes Gesicht gemacht hat und sagte, wenn die Eltern nicht für Gianna Sorgen, werde ich es tun. Ich stelle mir dann das grimmige, wutentbrannte Gesicht von Gott vor und muss für mich dabei lächeln. Zuerst glaubten sie im Spital, ich würde nicht überleben. Aber nach einer Zeit sagten sie: Dieses Kind hat einen unglaublichen Überlebenswillen. Jesus hatte offensichtlich Pläne mit dieser Frau... Ich erlebe es oft, wie Leute mich wegen meiner Behinderung infantilisieren, mir gut gemeinte Ratschläge erteilen wollen, mich nicht für voll nehmen. Aber wo Gottes Geist weht, gibt es Freiheit, keine Manipulation und echte Gottes-Kindschaft. Ich bin froh, dass ich einen starken Willen geschenkt bekommen habe. Ich sage dies auch Eltern mit schwierigen Kindern. Sie sollten auch die guten Seiten sehen an Kindern mit starkem Willen... Dieser Wille sollte sich in den Dienst Gottes stellen. Das wird dann der entscheidende Schritt sein.
Keine Lebensqualität...?
Im Zusammenhang mit mir wurde viel von Lebensqualität gesprochen. Ich möchte einmal zu übersetzen versuchen, was damit gemeint ist: Ich möchte keine Unannehmlichkeiten haben. Ich möchte mich nicht mit diesem Kind beschäftigen. Ich möchte mich selbst nicht aufgeben. Ich möchte nicht die Lektionen lernen, die mir dieses Kind vielleicht über Gott beibringen möchte. Das ist die Übersetzung davon. Und ja, ich wäre nicht behindert, wenn ich eine Abtreibung nicht überlebt hätte. Ist es nicht verrückt, wenn das Argument lautet, dass wir die Schwangerschaft abbrechen «müssen», wenn das Baby behindert ist? Ohne Abtreibung hätte ich keine Behinderung. Ich trage die Spuren des Tötens, des versuchten Tötens an mir.
Meine Begegnung mit einem italienischen Kinderchirurgen und Neonatologen
Ich begegnete im Jahr 2018 Dr. Noya. Er hat eine eigene Klinik, in der er auch vorgeburtliche Operationen durchführt. Ich teilte ihm mit, dass meine Gegner oft behaupten, ich sei eine Lügnerin. Vom misslungenen Abtreibungsversuch müsste ich sehr viel mehr Spuren tragen. Ich müsste Verbrennungen haben, blind sein etc. Was hat mich davor geschützt? Nun, das Fruchtwasser und die Käseschmiere sind sehr gute Schutzfaktoren, meinte Dr. Noya. Aber noch viel mehr ist es Jesus, der sie beschützt hat. Sie haben wahrscheinlich die stärksten physischen und emotionalen Traumatas erlebt, die ein Menschen erleben kann. Das hat sich in ihr Hirn eingezeichnet. Darum sind sie vielleicht manchmal so schreckhaft und springen plötzlich und unvorhergesehen auf. Ich glaube ihm das. Aber ich bin Christ und weiss, dass Gott alles überwinden kann. Ich fühle mich nicht als Opfer, sondern Gott hat mich durch meine Geschichte von noch viel tiefer liegenden Zwängen befreit.
Wenn es bei der Abtreibung um die Rechte der Frauen geht, wo waren dann meine Rechte?
Keine Feministin hat an diesem Tag der versuchten Abtreibung für meine Rechte gekämpft. Tatsächlich wollten sie, dass ich sterbe. Tatsächlich wünschten sich einige der radikalen Feministinnen, ich wäre gestorben, weil sie nicht an die Wahrheit erinnert werden wollten. Und dann zurück zu Penny, die mich ewig liebte. Sie sagte mir immer einen Vers aus der Bibel: Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir; sei nicht verzagt, denn ich bin Gott. Ich werde dir helfen, ich werde dich stärken mit meiner gerechten rechten Hand. Und dann war da im Wohnzimmer ein Bibelvers an der Wand, den ich las, und ich hatte keine Ahnung, dass er aus einem bestimmten Grund dort hing. Er sagte immer und immer wieder diese einfache Sache. Selig sind, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen. Selig sind, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen. Denn ich bin nicht kindisch, sondern kindlich in meinem Leben mit Jesus. Und in dieser Kindlichkeit erlebe ich Gott. Und es gibt eine gewisse Verletzlichkeit, die man zwangsläufig hat. Und ich könnte mich tatsächlich dagegen wehren. Ich könnte sehr wütend sein. Ich könnte den Willen, der mir gegeben wurde, zu meinem eigenen Nachteil einsetzen. Aber ich entscheide mich dagegen. Ich möchte all diese Dinge nutzen, um Gott kennenzulernen und ihm näher zu kommen.
Was braucht es, um den Schutz des ungeborenen Lebens wirksam zu fördern? Was ist Ihrer Meinung nach die wirksamste Massnahme oder Haltung von Christen, um den Schutz des Lebens zu fördern?
Das hängt von der Situation ab, denn es gibt nicht die eine wirksamste Methode, die in jeder Situation funktioniert. Eine der wirksamsten Massnahmen, die wir beispielsweise für eine Frau in einer Krisenschwangerschaft ergreifen können, ist zuzuhören. So wissen wir, wie wir ihr helfen können. Und so weiss sie, dass man sich um sie kümmert. Dann geben wir ihr Hoffnung für ihr Leben, weil sie sich verzweifelt fühlt. Auch wenn man die Wahrheit über die wissenschaftliche Seite der Abtreibung sagt, kann man, glaube ich, nach 18 Tagen, oder sind es 14 oder 18 Tage, bereits das Herz schlagen sehen? Ich glaube, es sind jetzt 14 Tage. Und mit 4D-Ultraschall kann man im Grunde genommen schon nach 6 bis 8 Wochen ein vollständig ausgebildetes Baby sehen. Sie sind nur winzig klein. Auf diese Weise könnte man eine sehr wissenschaftlich denkende Person ansprechen: «Hey, ich begleite dich zum Schwangerschaftszentrum. Ich bin für dich da. Wie wäre es mit einem Ultraschall? Möchtest du das?» Wir könnten einen Kaffee oder Tee trinken gehen oder was auch immer, aber ich werde bei dir sein. Ich weiss, dass du Angst hast, aber wusstest du, dass du das Baby sehen kannst? Und selbst wenn sie immer noch Angst hat und denkt, dass sie eine Abtreibung will, wird sie das wahrscheinlich nicht mehr wollen, wenn sie das Baby auf dem Ultraschallgerät sieht. Und wenn sie sich Sorgen um das Geld macht, können wir auch dafür eine Lösung finden. Manchmal ist es Empathie, manchmal Zuhören, manchmal ist es wissenschaftlich, manchmal ist es materiell, manchmal ist es... sehen Sie, es gibt nicht nur einen Weg. Verstehen Sie, was ich meine?
Kommentare und Antworten
Bemerkungen :
Das schweizerische Modell, Trennung Kirche und Staat, hat den Glauben auf die private Ebene gestellt was er NIE SEIN DARF. Wenn wir den Geistigen Kampf nicht mehr verstehen, und leider versteht das die Mehrheit der Hirten auch nicht mehr, dann werden wir einfach Sachpolitik machen. Es geht aber um viel mehr.