Vor 26 Jahren liess sich Christian Brönimann zur Frau umwandeln, «Nadia» sollte er sich in Zukunft nennen. Rasch avancierte er – nicht ohne eigenes Dazutun – zur Ikone der Transgender-Szene. Der Filmemacher Alain Gobet hatte Christian alias Nadia Brönimann im Auftrag des Schweizer Fernsehens während acht (!) Jahren begleitet, um einen Dokumentarfilm über die inzwischen bekannteste Trans-Frau der Schweiz zu drehen.
Tatsächlich hatte Brönimann seine Geschlechtsumwandlung je länger, desto weniger als die erhoffte Befreiung von seiner vermeintlichen Fremdbestimmung erlebt. In einem ausgesprochen schlechten Licht erscheint die Handhabung der damaligen Zulassungsvorschriften für eine Geschlechtsumwandlung: «Gegen Bezahlung stellte mir jemand nach einem Gespräch für 700 Franken ein Gefälligkeitsgutachten aus» («nau.ch» vom 20. Oktober 2025). Das erforderliche Zweitgutachten erstellte der Chef der psychiatrischen Abteilung des Universitätsspitals Zürich nach einem nur 20 Minuten dauernden Gespräch. Brönimann zu diesem Pseudo-Attest: «Ich konnte ihm die Illusion, dass ich primär trans bin, perfekt verkaufen.»
Nun hat sich Brönimann (nomen est omen) auf den Weg zu seiner Ursprungsidentität gemacht – nicht zum Geschlecht, das ihm bei der Geburt «zugeschrieben» wurde – wie die manipulative Sprachregelung weismachen will – sondern zum Geschlecht, das er tatsächlich hatte: das männliche. Aufgrund seiner eigenen, leidvollen Erfahrungen fordert Brönimann ein Verbot der Abgabe von Hormonen zwecks Geschlechtsumwandlungen bei Minderjährigen. Die Gefahr, dass eine Transition aus der falschen Motivation heraus erfolgt, ist gemäss Brönimann einfach zu gross. Denn während der Pubertät sei man einer Vielzahl sich widerstreitender Gefühle ausgesetzt. Teenager seien sich der Komplexität und Tragweite einer Transition vor allem dann nicht bewusst, wenn sie mit irreversiblen Folgen verbunden ist. Brönimann ist überzeugt: «Kein Mensch wird im falschen Körper geboren» («nau.ch» vom 3. November 2025).
Verunsicherte Transgender-Lobby
Eine schiere Provokation für die Transgender-Lobby, die ihn noch bis vor Kurzem als ihre Ikone gefeiert hatte. Entsprechend wütend, ja hasserfüllt reagierten zahlreiche User in den sozialen Medien. Brönimann würde die Leiden der Jugendlichen nicht ernst nehmen, wurde ihm an den Kopf geworfen. Irgendwie verständlich, diese Anfeindungen, wurde doch die Transgender-Szene durch dieses Coming-out in ihrem Selbstverständnis schwer verunsichert. Brönimann zeigt sich unbeeindruckt, lässt sich nicht von seinem Ziel «Vorwärts zu meinem Ursprung» abbringen. Geschlechtsanpassungen würden so zum woken Lifestyle verkommen, lässt er gegenüber dem «Blick» verlauten (Ausgabe vom 3. November 2024). Er wisse, dass er mit dieser Aussage einen «riesigen Shitstorm» auslöse, aber er stehe zu diesem Satz. Brönimanns mutiges Eintreten für den Schutz von Minderjährigen vor unüberlegten medizinischen Eingriffen mit potentiell irreversiblen Folgen blieb nicht ungehört. Am 7. November 2025 erhielt er in Genf die Gelegenheit, vor dem Grossen Rat der Menschenrechtskommission seine Sicht der Dinge darzulegen.
Neuer Schock
Doch kaum hat die Transgender-Szene ihren Schock halbwegs verdaut, wird sie von weiteren tektonischen Verwerfungen heimgesucht, hatte doch diese die Polyamorie, die sogenannte «offene Beziehung», zeitgleich zum ultimativen Kick modern-progressiver Lebensgestaltung hochstilisiert. Und nun dies: Ausgerechnet im «Tages-Anzeiger» vom 5. November 2025 vermeldete die Journalistin Bettina Weber «Die Entzauberung der offenen Beziehung». Keine Geringere als die weltweit bekannte Sängerin Lily Allen rechnet in ihrem neuen Album «West End Girl» mit diesem als ultramodern propagierten Ehekonzept ab. Bis dato durften sich in den Mainstream-Medien nur Paare präsentieren, die ihre Polyamorie-Praxis als «höchste Form der Gleichberechtigung in heterosexuellen Beziehungen» anpriesen. Doch Bettina Webers Befund ist ernüchternd: Das Polyamorie-Konzept ist in der Praxis nur schwer umzusetzen und geht – was linksfeministischen Kreisen besonders zu denken geben muss – vor allem zulasten der Frau.
Der Anstoss zur «offenen Beziehung» geht in den meisten Fällen vom Mann aus und die Frauen machen, so Bettina Weber, «dem Partner zuliebe mit, weil sie sich wie Lily Allen nicht vorwerfen lassen wollen, spiessig zu sein». Kommt einem irgendwie bekannt vor. Nach der Erfindung der Antibaby-Pille hiess die Losung der 68er-Jahre nicht «offene Beziehung», sondern «freie Liebe», gemeint war im Kern dasselbe. Frauen, welche dieser Promiskuitäts-Parole nicht viel abgewinnen konnten, wurden als «prüde, bürgerlich oder reaktionär» (Bettina Weber) abgestempelt. Was unter die Räder geriet, war das bei Frauen aus biologischen Gründen verständlicherweise ausgeprägtere Bedürfnis nach Sicherheit und Exklusivität. Frauen, die unter diesem dysfunktionalen Beziehungsmuster leiden, bezeichnen sich als «open marriage survivor», als jene, die eine offene Ehe knapp überlebt haben. Und, man höre und staune, hellsichtigere Feministinnen gelangen zum Schluss, dass nichtmonogame Konstellationen patriarchale Machtverhältnisse gar noch verstärken.
Weckruf an die Adresse der Bischöfe
In summa: Ein überdeutlicher Weckruf von unerwarteter Seite an die Adresse der Bistümer Basel und St. Gallen bzw. an das von ihnen abgesegnete Dokument «Paare und Familien: Kirche und Pastoral betreten ‹Heiligen Boden›.» Das Dokument wurde von der Pastoralkommission der Schweizer Bischofskonferenz erarbeitet, die Handschrift von dessen Sekretär, dem Deutschen Arnd Bünker, ist unverkennbar.
Zunächst zum Formalen: Das Dokument ist gespickt mit religionssoziologischen Worthülsen wie «Möglichkeitsräume»; «Deutungsherausforderungen», «Lernfelder» und «ureigene Glaubensdeutung der Eheleute»: Zum Abwinken!
Materiell wird die geforderte Neuorientierung der Paar- und Ehepastoral am Bild des sich im brennenden Dornbusch offenbarenden Gottes festgemacht (Ex 3,5). Allerdings: Dieses Bild wird einigermassen willkürlich uminterpretiert. Aus dem Befehl Gottes an Moses, die Schuhe auszuziehen und stehen zu bleiben, weil er heiligen Boden betritt, wird ein Befehl an die pastoral Verantwortlichen, den «heiligen Boden» der Paar- und Ehebeziehungen nicht zu berühren.
Derart auf die schiefe Bahn geraten, gab es für die Autoren dieses Dokumentes kein Halten mehr. Es folgen Formulierungen des «heiligen Bodens», die in einem Poesiealbum ihre Berechtigung haben mögen, mit der Realität nichts zu tun und in einem kirchlichen Schreiben nichts verloren haben. Derart abgehoben versteigt sich das Dokument zur Aussage, es gelte nun, die sakramentale Dimension (sic) von Paar- und Ehebeziehungen welcher Art auch immer, mittels der Hermeneutik des «heiligen Bodens» zu entschlüsseln.
Umgekehrt soll der Lehr- und Verkündigungsauftrag der Kirche «entsakramentalisiert» werden: Die Kirche habe in der Ehe- und Sexualmoral keinerlei Forderungen zu stellen. Mehr noch: «Von zentraler Bedeutung ist zudem die Erinnerung, dass es um den Heiligen Boden im Leben von Paaren oder Familien geht, also um ihren Heiligen Boden. Wie sie ihn betreten oder deuten, liegt in ihrer Entscheidung. Die Pastoral der Kirche kann und soll hier Angebote machen, aber keine Forderungen aufstellen.» Finale Apotheose: «Nicht mehr die Kirche belehrt die Menschen, sondern die Menschen in ihren Paarbeziehungen und Familien zeigen als eigene Form von Kirche, was das Evangelium heute für uns alle bedeuten kann.»
Fazit: Eine Selbstrelativierung, ja Selbstaufgabe der Kirche – gegen das Evangelium und alle Tradition. Der Untertitel dieses Dokumentes («Pastorale Orientierung») könnte irreführender nicht sein.
Kommentare und Antworten
Bemerkungen :
Jetzt müssen nur noch die kircheneoberen Duckmäuser aufwachen.
Eventuell sollten wir homosexuelle und lesbische, usw. Menschen einfach leben lassen, wie sie das möchten und gut finden.
"Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen. "
Die Kirche wiederum täte gut daran, diese Klarheit nicht den Medien zu überlassen. Wo sie darauf verzichtet, Wahrheit auszusprechen, füllt der Zeitgeist das Vakuum. Und der Mensch zahlt den Preis dafür.
Der Fall Brönimann mahnt uns alle: Medizin muss schützen, nicht experimentieren. Sie muss führen, nicht treiben. Und sie muss den Menschen in seiner von Gott geschenkten Wahrheit ernst nehmen – gerade dann, wenn er sich selbst darin nicht mehr findet.