Das Gotthardmassiv verbindet die Kantone Graubünden, Tessin, Uri und Wallis. Wallfahrten haben hier eine lange Tradition. Vor allem während der Sommermonate kamen Pilger aus den umliegenden Gebieten, um hier einen Gottesdienst zu feiern. Nachdem diese Tradition für einige Zeit in Vergessenheit geraten war, nahm die Pfarrei Airolo im Jahr 2000 diesen Brauch wieder auf.
Eröffnet wurde die Heilige Messe, an der auch zahlreiche Priester und Ordensleute teilnahmen, mit der offiziellen Hymne des Heiligen Jahres. Als sichtbares Zeichen des Heilig-Jahr-Jubiläums war ein grünes Jubiläumskreuz im Altarraum aufgerichtet; es ist eines von insgesamt sechs farbigen Jubiläumskreuzen, die in verschiedenen Kirchen im Bistum stehen.
In seinem Grusswort begrüsste Weihbischof Alain de Raemy neben den katholischen Gläubigen vor Ort und jenen, die über das Fernsehen dabei waren, auch die Angehörigen anderer christlicher Kirchen und Gemeinschaften. Er sprach dabei den Wunsch aus, dass die Schweiz als Sitz der humanitären Rechte ihrer Berufung zu Gerechtigkeit und Frieden treu bleibt.
Die Heilige Messe wurde im ambrosianischen Ritus gefeiert, der in ungefähr fünfzig Pfarreien des Bistums Lugano praktiziert wird. Dieser weist einige Unterschiede zum römischen Ritus auf, so erfolgt der Friedensgruss unmittelbar nach dem Wortgottesdienst und die Brotbrechung findet vor dem Vaterunser statt.
In seiner Homilie, die er auf Italienisch, Deutsch und Französisch hielt, ging Alain de Raemy auf die Lesung aus dem Römerbrief (5,1–11) ein. «Paulus hat Recht: Vielleicht ist jemand bereit, für einen Gerechten zu sterben, auch wenn es schwer ist.» Doch niemand würde für einen schlechten Menschen oder gar für seinen Feind sterben. Aber gerade hier liegt der Schatz unseres Glaubens, denn Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren (vgl. Röm 5,8). Die gleiche Liebe gilt auch jenen, die sich selbst als Feind Gottes betrachten oder Gott gegenüber gleichgültig sind oder Agnostiker. «Das gleiche Opfer am Kreuz, für dich! Das ist die überfliessende Kraft der Liebe Gottes! Eine göttliche Übertreibung! Er liebt dich mehr als nötig. Er liebt dich mehr als vernünftig ist. Er liebt dich mehr als normal ist. Er liebt dich bis zum Wahnsinn. Er liebt dich bis zum Tod.»
Das Evangelium (Lk 4,16–21) handelte von der ersten Rede Jesu in der Synagoge von Nazareth: «Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn er hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe […] Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.»
Hat sich diese gute Nachricht wirklich erfüllt, fragte Alain de Raemy. Wo stehen wir nach 2000 Jahren und 49 Heiligen Jahren? Auf den ersten Blick sehe es nicht gut aus: Missbrauch aller Art, Kriege und Ungerechtigkeiten, unzählige Abtreibungen ...
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