Der Klostermarkt im HB Zürich ist jeweils eine gute Gelegenheit, um mit Ordensleuten ins Gespräch zu kommen. Hier Schwester Benedicta von der spirituellen Weggemeinschaft auf der Klosterinsel Rheinau. (Bild: Niklaus Herzog/swiss-cath.ch

Kirche Schweiz

Har­zi­ger Neu­start der KOVOS

Am 15. Sep­tem­ber 2026 fand die Gene­ral­ver­samm­lung der «neuen» KOVOS statt, der «Kon­fe­renz der Insti­tute des geweih­ten Lebens und der Gesell­schaf­ten des apos­to­li­schen Lebens in der Schweiz». Dabei wur­den die Sta­tu­ten noch­mals etwas ange­passt, um die kir­chen­recht­li­che Aner­ken­nung zu erhalten.

Vor einem Jahr, am 15. September 2025, hatte sich die KOVOS neu gegründet. Bis dahin war die KOVOS der Dachverband der Ordensgemeinschaften in der Schweiz. Er hatte sich 2019 als zivilrechtlicher Verein nach Schweizer Recht konstituiert, um die Zusammenarbeit der sechs Vereinigungen der Ordensleute in der Schweiz besser zu vernetzen. Es handelte sich dabei um die Ordensleute des Bistums Lugano», die aktiven und kontemplativen Frauenorden der Westschweiz und der deutschsprachigen Schweiz sowie die «Vereinigung der Höhern Ordensobern der Schweiz».[1]

Die 2025 neu gegründete KOVOS will nach eigenen Angaben «der Pluralität des gottgeweihten Lebens in der Schweiz in der Öffentlichkeit und innerhalb der Kirche ein Gesicht und eine Stimme geben». Nach aussen will sie eine gemeinsame öffentliche Präsenz ermöglichen. So pflegt die KOVOS die Zusammenarbeit mit der Schweizer Bischofskonferenz (SBK), der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz (RKZ), dem «Dikasterium für das geweihte Leben» des Vatikans sowie anderen öffentlichen Instanzen.

Austritt wegen finanzieller Beteiligung an Missbrauchsstudie
Anlässlich der Neugründung im September 2025 schrieb ihr Präsident Pater Andy Givel SAC: «Die neue KOVOS übernimmt alle bisherigen Aufgaben, insbesondere im Kontext der Aufarbeitung von sexuellem und spirituellem Missbrauch in der katholischen Kirche. Hier arbeitet sie weiterhin eng mit der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) und der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz (RKZ) zusammen.»

Doch genau dieser letzte Punkt war innerhalb der (alten) KOVOS umstritten. Am 1. Januar 2024 war die VONOS, die «Vereinigung der Ordensoberinnnen der apostolischen Orden der deutschsprachigen Schweiz und Lichtenstein» aus der damaligen KOVOS ausgetreten. Die VONOS begründet ihren Austritt damit, dass die Statuten der KOVOS keine Beteiligung in einem grösseren finanziellen Umfang an Projekten oder Studien vorsehen, insbesondere würden sie nicht den Zweck enthalten, die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in Ordensgemeinschaften zu finanzieren.[2] Die Pilotstudie hatte die VONOS noch unterstützt. Eine Mitfinanzierung der Nachfolgestudie lehnte sie jedoch ab, «weil sie nicht bereit ist, für etwas zu bezahlen, bei welchem Ordensfrauen vielmehr Opfer als Täterinnen waren», so ihre Präsidentin, Sr. Annemarie Müller gegenüber «swiss-cath.ch». Einige der VONOS angeschlossenen Gemeinschaften, die Schulen oder Heime unterhalten resp. unterhielten, haben mögliches Fehlverhalten und ihre Vergangenheit schon aufgearbeitet und Genugtuung bezahlt.

Am 1. Januar 2025 verliessen auch die Ordensfrauen aus dem Tessin (ADRL) die damalige KOVOS. Als Grund gaben sie die Überalterung an.
 


Umgestaltungsprozess immer noch im Gang
Die KOVOS umfasst seit ihrer Neugründung alle Institute des geweihten Lebens und alle Gesellschaften des apostolischen Lebens in der Schweiz durch direkte Mitgliedschaft des Instituts oder der jeweiligen Kongregation. Das heisst, sie sind nicht mehr über den Verband Mitglied der KOVOS, sondern neu ist jede Gemeinschaft resp. Kongregation ein Einzelmitglied. Die «Vereinigung der Höhern Ordensobern der Schweiz» VOS’USM hatte sich bereits 2025 auf das Gründungsdatum hin aufgelöst. Die anderen Vereinigungen sollten sich in Eigenverantwortung auflösen. «Das haben die meisten in der Zwischenzeit getan und viele Gemeinschaften sind der neuen KOVOS beigetreten», erklärt Prisca Zurrón, Generalsekretärin der KOVOS auf Nachfrage. «Da jede Gemeinschaft sich ‹neu› anmelden muss und nicht einfach so Mitglied wird, ist die KOVOS noch auf dem Weg und erhält immer wieder neue Anfragen für die Mitgliedschaft.» Bisher fehlen jedoch Anmeldungen von Gemeinschaften, die der zuvor ausgetretenen VONOS oder ADRL angehören. Die KOVOS stehe aber noch immer in Kontakt mit der VONOS, betont Prisca Zurrón.

Aktive Frauengemeinschaften bleiben skeptisch
Die VONOS war, wie oben erwähnt, unter anderem wegen der Mitfinanzierung der Missbrauchsstudie ausgetreten. «swiss-cath.ch» wollte wissen, ob die KOVOS diesen Bedenken Rechnung getragen hat und hier neue Wege sucht. «Was die Sorgen bezüglich Mitfinanzierung der historischen Studie zur Aufarbeitung der Missbräuche in der Kirche betrifft, ist sich der Vorstand der KOVOS bewusst, dass wir das nur auf Basis solidarischer Mithilfe machen können», so die Generalsekretärin. «In den letzten Jahren hat das jeweils auch gut funktioniert und wir sind dankbar für die Unterstützung all derjenigen Gemeinschaften, die zur Finanzierung beitragen konnten, wobei die Männergemeinschaften den grössten Teil daran getragen haben.» Vor dem Hintergrund dieser Auskunft dürfte ein Beitritt der Gemeinschaften der VONOS zur neuen KOVOS eher unwahrscheinlich sein, was dem Anliegen der KOVOS, «der Pluralität des gottgeweihten Lebens in der Schweiz in der Öffentlichkeit und innerhalb der Kirche ein Gesicht und eine Stimme geben», entgegensteht.

Die KOVOS hofft auf ihre kirchenrechtliche Anerkennung durch das «Dikasterium für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens». Der Vorstand ist bereits im Gespräch mit dem Dikasterium. «An der letzten Hauptversammlung haben wir deshalb auch die Statuten nochmals etwas angepasst, damit sie den Ansprüchen des Dikasteriums Rechnung tragen», erläutert Prisca Zurrón. Ausserdem plant der Vorstand wieder Vernetzungstreffen für die Ordensleute der Schweiz, damit sich die Ordensleute besser kennenlernen können.

 


[1] Es handelte sich konkret um die «Assoiazione delle Religiose Diocesi di Lugano» (ADRL), die «Union des Contemplatives de Suisse romande» (UCSR), die «Union des Supérieures Majeures de la Suisse romande» (USMSR), die «Vereinigung der Oberinnen kontemplativer Orden der deutschsprachigen Schweiz» (VOKOS), die «Vereinigung der Ordensoberinnen der deutschsprachigen Schweiz und Liechtenstein der apostolischen Gemeinschaften» (VONOS) und die «Vereinigung der Höhern Ordensobern der Schweiz» (VOS’USM).
[2] Die Missbrauchsstudie, die Anfang 2027 veröffentlicht wird, wird von der SBK, der RKZ und der KOVOS mit 1,5 Mio. Franken finanziert. Der Anteil, den die Ordensgemeinschaften solidarisch für die Studie bezahlen, beträgt Fr. 250 000. Die Bezahlung der Missbrauchsstudie stellt alle Ordensgemeinschaften vor grosse Schwierigkeiten, nicht zuletzt aufgrund ihrer Überalterung.


Rosmarie Schärer
swiss-cath.ch

E-Mail

Rosmarie Schärer studierte Theologie und Latein in Freiburg i. Ü. Nach mehreren Jahren in der Pastoral absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin.


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Bemerkungen :

  • user
    P. Andy Givel 29.09.2026 um 22:23
    Wir danken swiss-cath.ch für das Interesse an der Entwicklung der KOVOS
    und dafür, dass unsere Generalsekretärin Prisca Zurrón ausführlich
    Auskunft geben konnte. Die im Beitrag genannten Fakten sind im
    Wesentlichen zutreffend. Das Bild, das daraus entsteht, ist aber
    unvollständig. Wer vor allem darauf schaut, was noch nicht gelungen ist,
    übersieht, was in einem Jahr gewachsen ist.
    Ein Neustart, der bewusst Zeit braucht

    Mit der Neugründung haben wir uns für die direkte Mitgliedschaft
    entschieden. Jede Gemeinschaft entscheidet selbst und frei, ob sie der
    KOVOS beitreten will. Dass dies nicht über Nacht geschieht, ist kein
    Zeichen von Schwierigkeiten, sondern gewollt. Eine Mitgliedschaft aus
    Überzeugung trägt weiter als eine automatische. Die meisten bisherigen
    Vereinigungen haben sich inzwischen aufgelöst, viele Gemeinschaften sind
    beigetreten, und laufend kommen neue Anfragen hinzu. Auch die erneute
    Anpassung der Statuten ist kein Rückschlag. Sie zeigt, dass wir die
    kirchenrechtliche Anerkennung durch das Dikasterium sorgfältig und im
    Dialog mit Rom anstreben.

    Aufarbeitung und Prävention: gemeinsam Verantwortung tragen
    In der Aufarbeitung des sexuellen und spirituellen Missbrauchs und in
    der Prävention arbeitet die KOVOS eng und vertrauensvoll mit der
    Schweizer Bischofskonferenz und der Römisch-Katholischen
    Zentralkonferenz zusammen. Diese Zusammenarbeit funktioniert, und sie
    ist für die Glaubwürdigkeit des Ordenslebens in der Schweiz zentral.

    Wir respektieren, dass nicht alle Gemeinschaften diesen Weg gleich
    beurteilen. Wir nehmen auch ernst, dass viele Ordensfrauen selbst Opfer
    von Missbrauch wurden. Gerade deshalb verstehen wir Aufarbeitung nicht
    als Zuweisung von Schuld an einzelne Gemeinschaften. Sie ist eine
    gemeinsame Verantwortung gegenüber den Betroffenen. Die Finanzierung
    beruht auf Solidarität: Wer mehr tragen kann, trägt mehr. Wo einzelne
    Gemeinschaften nicht beitragen können oder wollen, lässt die KOVOS diese
    Aufgabe nicht fallen, sondern trägt sie mit den anderen weiter. Dass die
    Männergemeinschaften hier den grössten Anteil übernommen haben,
    verstehen wir als gelebte Solidarität.

    Pluralität heisst offene Türen
    Die Pluralität des geweihten Lebens misst sich nicht allein an
    Mitgliederzahlen, sondern an der Offenheit füreinander. Unsere Türen
    bleiben offen, auch für die Gemeinschaften der VONOS und der ADRL. Der
    Kontakt besteht weiterhin. Mit den geplanten Vernetzungstreffen wollen
    wir Ordensleute aus allen Sprachregionen und Lebensformen
    zusammenbringen, damit sie einander kennenlernen und miteinander eine
    Stimme finden.
    Wir sind keine Befürworter von Schönfärberei. Eine kritische Begleitung
    unserer Arbeit ist berechtigt und willkommen. Wir wünschen uns aber,
    dass auch sichtbar wird, was gelingt.
    • user
      Redaktion 30.09.2026 um 10:28
      Sehr geehrter Pater Givel
      Vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Wir möchten in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass wir explizit nach den wichtigsten Handlungen, Schritte, und Aktionen der KOVOS im ersten Jahr nachgefragt haben. Ebenso nach den in nächster Zeit vorgesehenen Projekten, Veranstaltungen usw. Leider haben wir auf diese Fragen keine Antwort erhalten, ausgenommen den Hinweis auf die angestrebte kirchenrechtliche Anerkennung. Wir bedauern, dass dadurch unserem Bemühen um eine möglichst positive Würdigung des Neustarts von KOVOS enge Grenzen gesetzt wurden.
      Rosmarie Schärer
      Redaktion