Vor einem Jahr, am 15. September 2025, hatte sich die KOVOS neu gegründet. Bis dahin war die KOVOS der Dachverband der Ordensgemeinschaften in der Schweiz. Er hatte sich 2019 als zivilrechtlicher Verein nach Schweizer Recht konstituiert, um die Zusammenarbeit der sechs Vereinigungen der Ordensleute in der Schweiz besser zu vernetzen. Es handelte sich dabei um die Ordensleute des Bistums Lugano», die aktiven und kontemplativen Frauenorden der Westschweiz und der deutschsprachigen Schweiz sowie die «Vereinigung der Höhern Ordensobern der Schweiz».[1]
Die 2025 neu gegründete KOVOS will nach eigenen Angaben «der Pluralität des gottgeweihten Lebens in der Schweiz in der Öffentlichkeit und innerhalb der Kirche ein Gesicht und eine Stimme geben». Nach aussen will sie eine gemeinsame öffentliche Präsenz ermöglichen. So pflegt die KOVOS die Zusammenarbeit mit der Schweizer Bischofskonferenz (SBK), der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz (RKZ), dem «Dikasterium für das geweihte Leben» des Vatikans sowie anderen öffentlichen Instanzen.
Austritt wegen finanzieller Beteiligung an Missbrauchsstudie
Anlässlich der Neugründung im September 2025 schrieb ihr Präsident Pater Andy Givel SAC: «Die neue KOVOS übernimmt alle bisherigen Aufgaben, insbesondere im Kontext der Aufarbeitung von sexuellem und spirituellem Missbrauch in der katholischen Kirche. Hier arbeitet sie weiterhin eng mit der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) und der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz (RKZ) zusammen.»
Doch genau dieser letzte Punkt war innerhalb der (alten) KOVOS umstritten. Am 1. Januar 2024 war die VONOS, die «Vereinigung der Ordensoberinnnen der apostolischen Orden der deutschsprachigen Schweiz und Lichtenstein» aus der damaligen KOVOS ausgetreten. Die VONOS begründet ihren Austritt damit, dass die Statuten der KOVOS keine Beteiligung in einem grösseren finanziellen Umfang an Projekten oder Studien vorsehen, insbesondere würden sie nicht den Zweck enthalten, die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in Ordensgemeinschaften zu finanzieren.[2] Die Pilotstudie hatte die VONOS noch unterstützt. Eine Mitfinanzierung der Nachfolgestudie lehnte sie jedoch ab, «weil sie nicht bereit ist, für etwas zu bezahlen, bei welchem Ordensfrauen vielmehr Opfer als Täterinnen waren», so ihre Präsidentin, Sr. Annemarie Müller gegenüber «swiss-cath.ch». Einige der VONOS angeschlossenen Gemeinschaften, die Schulen oder Heime unterhalten resp. unterhielten, haben mögliches Fehlverhalten und ihre Vergangenheit schon aufgearbeitet und Genugtuung bezahlt.
Am 1. Januar 2025 verliessen auch die Ordensfrauen aus dem Tessin (ADRL) die damalige KOVOS. Als Grund gaben sie die Überalterung an.
Kommentare und Antworten
Bemerkungen :
und dafür, dass unsere Generalsekretärin Prisca Zurrón ausführlich
Auskunft geben konnte. Die im Beitrag genannten Fakten sind im
Wesentlichen zutreffend. Das Bild, das daraus entsteht, ist aber
unvollständig. Wer vor allem darauf schaut, was noch nicht gelungen ist,
übersieht, was in einem Jahr gewachsen ist.
Ein Neustart, der bewusst Zeit braucht
Mit der Neugründung haben wir uns für die direkte Mitgliedschaft
entschieden. Jede Gemeinschaft entscheidet selbst und frei, ob sie der
KOVOS beitreten will. Dass dies nicht über Nacht geschieht, ist kein
Zeichen von Schwierigkeiten, sondern gewollt. Eine Mitgliedschaft aus
Überzeugung trägt weiter als eine automatische. Die meisten bisherigen
Vereinigungen haben sich inzwischen aufgelöst, viele Gemeinschaften sind
beigetreten, und laufend kommen neue Anfragen hinzu. Auch die erneute
Anpassung der Statuten ist kein Rückschlag. Sie zeigt, dass wir die
kirchenrechtliche Anerkennung durch das Dikasterium sorgfältig und im
Dialog mit Rom anstreben.
Aufarbeitung und Prävention: gemeinsam Verantwortung tragen
In der Aufarbeitung des sexuellen und spirituellen Missbrauchs und in
der Prävention arbeitet die KOVOS eng und vertrauensvoll mit der
Schweizer Bischofskonferenz und der Römisch-Katholischen
Zentralkonferenz zusammen. Diese Zusammenarbeit funktioniert, und sie
ist für die Glaubwürdigkeit des Ordenslebens in der Schweiz zentral.
Wir respektieren, dass nicht alle Gemeinschaften diesen Weg gleich
beurteilen. Wir nehmen auch ernst, dass viele Ordensfrauen selbst Opfer
von Missbrauch wurden. Gerade deshalb verstehen wir Aufarbeitung nicht
als Zuweisung von Schuld an einzelne Gemeinschaften. Sie ist eine
gemeinsame Verantwortung gegenüber den Betroffenen. Die Finanzierung
beruht auf Solidarität: Wer mehr tragen kann, trägt mehr. Wo einzelne
Gemeinschaften nicht beitragen können oder wollen, lässt die KOVOS diese
Aufgabe nicht fallen, sondern trägt sie mit den anderen weiter. Dass die
Männergemeinschaften hier den grössten Anteil übernommen haben,
verstehen wir als gelebte Solidarität.
Pluralität heisst offene Türen
Die Pluralität des geweihten Lebens misst sich nicht allein an
Mitgliederzahlen, sondern an der Offenheit füreinander. Unsere Türen
bleiben offen, auch für die Gemeinschaften der VONOS und der ADRL. Der
Kontakt besteht weiterhin. Mit den geplanten Vernetzungstreffen wollen
wir Ordensleute aus allen Sprachregionen und Lebensformen
zusammenbringen, damit sie einander kennenlernen und miteinander eine
Stimme finden.
Wir sind keine Befürworter von Schönfärberei. Eine kritische Begleitung
unserer Arbeit ist berechtigt und willkommen. Wir wünschen uns aber,
dass auch sichtbar wird, was gelingt.
Vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Wir möchten in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass wir explizit nach den wichtigsten Handlungen, Schritte, und Aktionen der KOVOS im ersten Jahr nachgefragt haben. Ebenso nach den in nächster Zeit vorgesehenen Projekten, Veranstaltungen usw. Leider haben wir auf diese Fragen keine Antwort erhalten, ausgenommen den Hinweis auf die angestrebte kirchenrechtliche Anerkennung. Wir bedauern, dass dadurch unserem Bemühen um eine möglichst positive Würdigung des Neustarts von KOVOS enge Grenzen gesetzt wurden.
Rosmarie Schärer
Redaktion