Die historische Zisterzienserabtei von Hauterive feiert den Abschluss der Renovierungsarbeiten. Im Kloster leben zurzeit 15 Mönche im Alter von 40 und 96 Jahren, die ihre liturgischen Gebete vier Jahre lang im Refektorium abgehalten hatten. Seit Ende Juni können sie ihre Kirche wieder nutzen. Dieser Tage wird das herausgeputzte Bijou mit drei feierlichen Anlässen der Öffentlichkeit präsentiert. Als erstes zelebrierte gestern Donnerstag, 4. September 2025 Bischof Charles Morerod eine Vesperandacht, die den Arbeitern, Architekten, Restaurateuren, Künstlern sowie Vertretern der öffentlichen Hand und der Stiftung vorbehalten war und unter Ausschluss von Öffentlichkeit und Medien stattfand, wie der Projektleiter der Feiern, Eduardo Stadelmann, auf Anfrage bestätigte.
In einem zweiten Schritt ist am Samstag ein Festakt für den Verein «Freunde von Hauterive» (mit über 3000 Mitgliedern) vorgesehen, von denen sich mehrere Hundert angemeldet haben. Der Verein hat gemeinsam mit Bund und Kanton, der Stiftung Hauterive, der Klostergemeinschaft selbst und der Loterie Romande die Kosten getragen. Am Wochenende des 13./14. September wird dann anlässlich der Europäischen Tage des Denkmals die breite Öffentlichkeit empfangen. An beiden Tagen werden (ausser über Mittag) an der Restaurierung beteiligte Fachleute und Mönche die Besucher durch die Kirche führen.
Am gestrigen Vespergebet hielten neben Bischof Morerod auch der Freiburger Staatsratspräsident Jean-François Steiert, der Präsident der Hauterive-Stiftung Georges Godel, Stanislas Rück vom Kantonalen Amt für Kulturgüter sowie Charles-Henri Lang, Präsident der Baukommission, kurze Ansprachen vor den 250 anwesenden Arbeitern und Künstlern.
Kirchenbänke quergestellt
In der Abteikirche Sainte-Marie aus dem 12. Jahrhundert wurden Fresken aufgefrischt, das gotische Chorgestühl gereinigt, neoklassizistische Seitenaltäre entfernt, hinter denen arabeske Verzierungen aus der Renaissance zum Vorschein kamen, zugemauerte Fensterteile wurden geöffnet und mit modernen Glasmalereien bestückt. Der Innenraum ist hell, freundlich und offen geworden. Aber etwas befremdet: Die modernen Kirchenbänke im Schiff sind nicht dem Altarraum zugewandt, sondern der Länge nach links und rechts so angeordnet, dass sich die Gläubigen gegenübersitzen.
Die Idee dahinter ist das Resultat jahrelanger Reflexion und Planung der Mönche: Damit soll das Gefühl der zelebrierenden Gemeinde gefördert werden, wie sie im Zweiten Vatikanischen Konzil angeregt wurde, und die Brüder wollen näher zu den Gläubigen rücken. Ursprünglich wollten sie das Chorgestühl gar in die Mitte des Schiffs verlegen, aber die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege liess es nicht zu. Also suchte man neue Wege. Gemeinsam mit dem von Abt Dom Marc de Pothuau vorgeschlagenen französischen Architekten Jean-Marie Duthilleul (der bereits den Chor der Notre-Dame de Paris, die Kathedralen von Nanterre und Nantes und auch die Abtei von Saint-Maurice in der Schweiz gestaltet hatte) entschieden die Mönche, dass sie fortan aus dem Chor heraustreten und gemeinsam mit den Gläubigen im Kirchenschiff Platz nehmen würden.
Sie sitzen also auf den längsseitigen Bänken – als eine Art verlängertes Chorgestühl im Sinne des mönchischen Wechselgesanges. Auch das Kirchenvolk ist jetzt nicht mehr dem Altar oder dem Allerheiligsten zugewandt, sondern blickt auf den Ambo (das Lesepult) und auf die Gegenübersitzenden. Erst bei der Eucharistiefeier stehen Mönche und Gläubige auf, schreiten durch den gotischen Chor hindurch nach vorne zum leicht erhöhten Altar in der Apsis und stellen sich darum herum.
Während der liturgischen Tagesgebete hingegen, die um 4.15 Uhr mit der Vigil beginnen und mit der Komplet um 19.50 Uhr enden, und zu denen die Öffentlichkeit ebenfalls zugelassen ist, sitzen alle – Mönche und Gläubige – entweder in der restaurierten Seitenkapelle Saint-Nicolas oder im alten Chorgestühl, wobei die Plätze der Klosterbrüder durch eine Kordel abgetrennt sind.
Kommentare und Antworten
Bemerkungen :
Angefangen hat dieser Prozess, als vor ca. 30 Jahren die Mönche auf Verlangen des damaligen Abtes ihr tägliches Chorgebet nicht mehr lateinisch, sondern französisch zu singen hatten.