Der neugestalte Innenraum der Klosterkirche Hauterive. (Bild: Kathrin Benz)

Kirche Schweiz

Haute­rive frisch reno­viert: Kir­chen­bänke im Gegenüber

Nach Jah­ren der Pla­nung und vier Jah­ren bud­get­ge­rech­ter Reno­vie­rung für 9,6 Mil­lio­nen Fran­ken erstrahlt die Zis­ter­zi­en­ser­kir­che Haute­rive FR in neuem Glanz. Die­ser Tage wird die Klos­ter­kir­che der Öffent­lich­keit prä­sen­tiert. Die Atmo­sphäre der Kir­che ist schlicht und schön. Aber die neue Anord­nung der Sitz­bänke irri­tiert, denn diese sind vom Altar abge­wandt und ste­hen sich gegenüber.

Die historische Zisterzienserabtei von Hauterive feiert den Abschluss der Renovierungsarbeiten. Im Kloster leben zurzeit 15 Mönche im Alter von 40 und 96 Jahren, die ihre liturgischen Gebete vier Jahre lang im Refektorium abgehalten hatten. Seit Ende Juni können sie ihre Kirche wieder nutzen. Dieser Tage wird das herausgeputzte Bijou mit drei feierlichen Anlässen der Öffentlichkeit präsentiert. Als erstes zelebrierte gestern Donnerstag, 4. September 2025 Bischof Charles Morerod eine Vesperandacht, die den Arbeitern, Architekten, Restaurateuren, Künstlern sowie Vertretern der öffentlichen Hand und der Stiftung vorbehalten war und unter Ausschluss von Öffentlichkeit und Medien stattfand, wie der Projektleiter der Feiern, Eduardo Stadelmann, auf Anfrage bestätigte.

In einem zweiten Schritt ist am Samstag ein Festakt für den Verein «Freunde von Hauterive» (mit über 3000 Mitgliedern) vorgesehen, von denen sich mehrere Hundert angemeldet haben. Der Verein hat gemeinsam mit Bund und Kanton, der Stiftung Hauterive, der Klostergemeinschaft selbst und der Loterie Romande die Kosten getragen. Am Wochenende des 13./14. September wird dann anlässlich der Europäischen Tage des Denkmals die breite Öffentlichkeit empfangen. An beiden Tagen werden (ausser über Mittag) an der Restaurierung beteiligte Fachleute und Mönche die Besucher durch die Kirche führen.

Am gestrigen Vespergebet hielten neben Bischof Morerod auch der Freiburger Staatsratspräsident Jean-François Steiert, der Präsident der Hauterive-Stiftung Georges Godel, Stanislas Rück vom Kantonalen Amt für Kulturgüter sowie Charles-Henri Lang, Präsident der Baukommission, kurze Ansprachen vor den 250 anwesenden Arbeitern und Künstlern.

Kirchenbänke quergestellt
In der Abteikirche Sainte-Marie aus dem 12. Jahrhundert wurden Fresken aufgefrischt, das gotische Chorgestühl gereinigt, neoklassizistische Seitenaltäre entfernt, hinter denen arabeske Verzierungen aus der Renaissance zum Vorschein kamen, zugemauerte Fensterteile wurden geöffnet und mit modernen Glasmalereien bestückt. Der Innenraum ist hell, freundlich und offen geworden. Aber etwas befremdet: Die modernen Kirchenbänke im Schiff sind nicht dem Altarraum zugewandt, sondern der Länge nach links und rechts so angeordnet, dass sich die Gläubigen gegenübersitzen.

Die Idee dahinter ist das Resultat jahrelanger Reflexion und Planung der Mönche: Damit soll das Gefühl der zelebrierenden Gemeinde gefördert werden, wie sie im Zweiten Vatikanischen Konzil angeregt wurde, und die Brüder wollen näher zu den Gläubigen rücken. Ursprünglich wollten sie das Chorgestühl gar in die Mitte des Schiffs verlegen, aber die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege liess es nicht zu. Also suchte man neue Wege. Gemeinsam mit dem von Abt Dom Marc de Pothuau vorgeschlagenen französischen Architekten Jean-Marie Duthilleul (der bereits den Chor der Notre-Dame de Paris, die Kathedralen von Nanterre und Nantes und auch die Abtei von Saint-Maurice in der Schweiz gestaltet hatte) entschieden die Mönche, dass sie fortan aus dem Chor heraustreten und gemeinsam mit den Gläubigen im Kirchenschiff Platz nehmen würden.

Sie sitzen also auf den längsseitigen Bänken – als eine Art verlängertes Chorgestühl im Sinne des mönchischen Wechselgesanges. Auch das Kirchenvolk ist jetzt nicht mehr dem Altar oder dem Allerheiligsten zugewandt, sondern blickt auf den Ambo (das Lesepult) und auf die Gegenübersitzenden. Erst bei der Eucharistiefeier stehen Mönche und Gläubige auf, schreiten durch den gotischen Chor hindurch nach vorne zum leicht erhöhten Altar in der Apsis und stellen sich darum herum.

Während der liturgischen Tagesgebete hingegen, die um 4.15 Uhr mit der Vigil beginnen und mit der Komplet um 19.50 Uhr enden, und zu denen die Öffentlichkeit ebenfalls zugelassen ist, sitzen alle – Mönche und Gläubige – entweder in der restaurierten Seitenkapelle Saint-Nicolas oder im alten Chorgestühl, wobei die Plätze der Klosterbrüder durch eine Kordel abgetrennt sind.
 


Glasfenster als Psalmodie
Was auch sogleich ins Auge sticht, ist das riesige wunderschöne Buntglasfenster aus dem 14. Jahrhundert in der Apsis. Der untere Teil war lange Zeit zugemauert und wurde nun neugestaltet. Von den 35 eingereichten Projekten wurde dasjenige der Freiburger Künstlerin Catherine Liechti ausgewählt, deren geometrische Komposition mit dem Titel «Laudes» ein Mosaik von fliegenden Tauben darstellt, die den klösterlichen Gesang evozieren. Das Fenster wurde in Zusammenarbeit mit Glasermeister Pascal Moret gefertigt.

Die geometrische Form, die Catherine Liechti nutzte, ist eine Entdeckung des englischen Hobby-Mathematikers und pensionierten Druckanlagetechnikers David Smith aus dem Jahr 2022. Diese sogenannte Einstein-Kachel besteht aus einem Polygon mit 13 Seiten und kann durch Drehungen oder Verschiebungen eine grosse Fläche lückenlos abdecken, ohne dass es einer periodischen Anordnung bedarf. Die Künstlerin hat mit dieser flexibel nutzbaren Form einen Bogen geschlagen zu einer Psalmodie, welche die Mönche jeden Tag singen, sich aber bei jeder Wiederholung leicht verändert.

Das Kloster der Zisterzienser von Hauterive ist seit dem Mittelalter ein Ort des Gebets und der Stille in Treue zur Regel des heiligen Benedikt. Das Kreuz steht noch immer in der Apsis hinter dem Altar; die Bänke im Schiff haben keine Kniebänke, weil die traditionelle Haltung der Anbetung der Mönche die «Statio» ist. Doch mit ihrer neuen Sitzordnung, die den Fokus auf den Wortgottesdienst und das Miteinander ausrichten soll, wird in Hauterive ein neues Kapitel aufgeschlagen.


Kathrin Benz

Kathrin Benz, Jahrgang 1963, ist Schweizer Journalistin und Autorin und lebt im Tessin.


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Bemerkungen :

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    Robert Wemger 08.09.2025 um 17:08
    Furchtbar! Ganz furchtbar!
    Angefangen hat dieser Prozess, als vor ca. 30 Jahren die Mönche auf Verlangen des damaligen Abtes ihr tägliches Chorgebet nicht mehr lateinisch, sondern französisch zu singen hatten.
  • user
    Joseph Laurentin 05.09.2025 um 18:28
    Was sich in Hauterive zeigt, ist der zunehmende Anthropozentrismus: Der Mensch rückt ins Zentrum, nicht mehr Christus am Altar. Die Mönche bekennen sich treu zum Konzil, statt treu zum überlieferten Glauben. Sie meinen, so Nachwuchs zu gewinnen – doch das ist eine Illusion. Überall zeigt sich das Gegenteil: Nur jene Orden und Bruderschaften, die an der Tradition festhalten, haben Berufungen und wachsen. Wer den Glauben verwässert, stirbt aus. Und wenn man sich auf weltliche Mäzene stützt, kommt es nie gut.
    • user
      T.L.D 06.09.2025 um 07:26
      Das Konzil steht ja nicht im Widerspruch zur Tradition. Nirgends in Sacrosanctum Concilium wird so etwas gefordert. Das Problem ist dieser "Geiste des Konzils", welcher eigentlich nur der Geist der 60er/70er ist. (Und ja, ich besuche regelmässig die überlieferte Römische Liturgie und bevorzuge diese.)
  • user
    Lausannerin 05.09.2025 um 18:07
    Zur Info: Dieses Wochenende wird auch die neu renovierte Basilika Notre-Dame in Lausanne feierlich eröffnet, mit unerwarteten Schätzen.
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    Lorenz Meister 05.09.2025 um 12:19
    Schritt um Schritt geht es weiter. Kniebänke sind ein Zeichen der Anbetung. Sie dürfen in keiner katholischen Kirche fehlen.
  • user
    Terrasancta 05.09.2025 um 09:49
    Als ex-Protestant finde ich es extrem traurig, dass man nun den Wortgottesdienst ins Zentrum setzt, statt das ewig Opfer Christi. Falsche Richting !