Die Statue von Francesca Xaviera Cabrini im Battery Park in New York.

Weltkirche

Heilige Francesca Xaviera Cabrini: Patronin der Aus- und Einwanderer

Papst Leo XIII. bezeichnete sie als die beeindruckendste Frau, die er kennengelernt hatte. Die Ordensgründerin Francesca Xaviera Cabrini hinterliess ein aussergewöhnliches Lebenswerk. Vor 175 Jahren, am 15. Juli 1850, wurde sie geboren.

Als Francesca Xaviera Cabrini 1889 in New York vom Schiff stieg, fand sie ein Land im Umbruch vor. Ein Land, das grosse Versprechen machte, vielen Migrantinnen und Migranten aber nur Elend bot. Francesca Cabrini, Tochter armer Bauern aus der Lombardei, war nicht gekommen, um am amerikanischen Traum teilzuhaben. Die Ordensfrau und Gründerin der Missionarinnen vom Heiligsten Herzen Jesu wollte diesen Traum für andere wahr machen – mit harter Arbeit, einem unerschütterlichen Glauben und einem tiefen Sinn für Gerechtigkeit.

Francesca Cabrini kam am 15. Juli 1850 als jüngstes von dreizehn Kindern zur Welt. Sie arbeitete als Leiterin eines Pensionats für Kinder und gründete mit 30 Jahren den Orden der «Missionsschwestern vom Heiligsten Herzen». Als Ordensnamen nahm sie aus Verehrung für den heiligen Franz Xaver zusätzlich den Namen Xaviera an. Auf Anfrage von Papst Leo XIII. wanderte sie im März 1889 in die Vereinigten Staaten aus, um sich dort um die italienischstämmigen Migrantinnen und Migranten zu kümmern.

Sie reiste nicht allein. Gemeinsam mit sechs weiteren Schwestern ihres Ordens erreichte sie die USA. Was sie dort erwartete, war mehr als eine Herausforderung: Sprachbarrieren, kulturelle Unterschiede, feindselige Geistliche und eine Gesellschaft, die katholische Migranten aus Italien wie Menschen zweiter Klasse behandelte.

Hilfe zur Selbsthilfe
Die bedeutendste Frau, die er je kennengelernt habe, sei Francesca Xaviera Cabrini, so Papst Leo XIII. Tatsächlich leistete die Ordensfrau in ihrem Leben Beeindruckendes: Sie reiste für ihren Orden mehr als 20 Mal per Schiff von Italien nach Amerika hin und zurück – zu einer Zeit, als die Reise über den Atlantik noch ein Wagnis bedeutete. Sie überquerte sogar die Anden, um in Lateinamerika neue Ordensniederlassungen zu gründen.

Francesca Cabrini liess sich nicht von den Herausforderungen entmutigen, die in den USA vor ihr lagen. Mit bemerkenswerter Energie begann sie, Schulen, Waisenhäuser und Hospitäler zu gründen. Innerhalb weniger Jahre entstanden Einrichtungen in New York, Chicago, New Orleans und später in Mittel- und Südamerika. Ihre Arbeit zielte nicht nur auf religiöse Unterweisung ab: Sie verband Bildung, medizinische Versorgung und soziale Integration, um die Lebensbedingungen ihrer Schützlinge nachhaltig zu verbessern; im Zentrum ihres Engagements standen Frauen und Kinder.

Eines ihrer bedeutendsten Projekte war das Columbus Hospital in New York – ein Spital, das vor allem italienischen Migranten offenstand, die sonst kaum Zugang zu medizinischer Versorgung hatten. Mutter Cabrini organisierte Spenden, verhandelte mit Stadtverwaltungen und liess sich auch von bürokratischen Hürden nicht aufhalten.

Aus dem Nichts baute Francesca Cabrini ein Waisenhaus auf; eine Schule für die Kinder italienischer Einwanderer war ihr nächstes Projekt. Sie holte sich aus Italien Verstärkung, bis sie in den USA ein eigenes Noviziat für ihren Orden einrichten konnte. Chicago wurde zum Zentrum ihres Wirkens. Dort errichtete sie das Mutterhaus ihres Ordens, von dem aus sie das wachsende Netzwerk leitete. Weitere Schulen, Waisenhäuser und auch ein Spital gehen auf ihre Initiative zurück.
 


Diese Einrichtungen boten nicht nur Schutz und Versorgung, sondern auch Bildung und berufliche Qualifizierung, was den Einwanderern half, sich in der amerikanischen Gesellschaft zurechtzufinden und gesellschaftlich aufzusteigen. Die durchsetzungsfähige Ordensgründerin legte grossen Wert darauf, dass die italienischen Einwanderer ihre kulturelle Identität bewahren konnten, während sie gleichzeitig zur Integration in die amerikanische Gesellschaft ermutigt wurden.

Francesca Cabrini gründete insgesamt 67 Häuser in Italien, Spanien, England, Nord- und Südamerika. 1909 erhielt sie die amerikanische Staatsbürgerschaft, 1917 starb sie an den Folgen einer Malariaerkrankung in Chicago. Schon 1946 wurde sie heiliggesprochen – als erste US-Bürgerin überhaupt. 1950 wurde Mutter Cabrini zur Patronin der Aus- und Einwanderer ernannt. Diese Entscheidung beruht auf ihrem beispielhaften Einsatz für Migranten. Ihr Festtag ist der 22. Dezember. Bis heute gilt sie als Symbol für tätige Nächstenliebe und als Vorbild für den respektvollen und menschenwürdigen Umgang mit Migranten.

Eine Statue, die an ihr Wirken in den USA erinnert, steht im Battery Park in Manhattan. Sie blickt auf die Freiheitsstatue und Ellis Island – die auch die Migrantinnen und Migranten als erstes sahen, wenn sie in New York ankamen.

Francesca Xaviera Cabrinis Lebenswerk wirkt bis heute: Der von ihr gegründete Orden ist mittlerweile in 15 Ländern aktiv und engagiert sich für Bildung, Gesundheit und soziale Gerechtigkeit. Grund genug, ihr Wirken in einem Kinofilm zu würdigen. Am 11. September kommt das US-Drama «Die Gesandte des Papstes» in die deutschen Kinos.


KNA/Redaktion


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