Michael Ragg (Bild: «Kirche in Not (ACN)»)

Interview

Heil­mit­tel aus der see­li­schen Hausapotheke

Seit drei Jah­ren bie­tet Michael Ragg seine «see­li­sche Haus­apo­theke» an, ein Wochen­end­kurs zur christ­li­chen Lebens­kunst – Ende Okto­ber erst­mals in der Schweiz im Klos­ter Cazis GR. Im Gespräch mit «swiss​-cath​.ch» spricht er über die Ent­ste­hung des Kur­ses und über die Medi­zin für Kör­per, Geist und Seele, die wir in unse­rer see­li­schen Haus­apo­theke fin­den können.

Seit drei Jahren gibt es die Veranstaltung «Die seelische Hausapotheke». Wie kamen Sie auf die Idee, Wochenendkurse zur christlichen Lebenskunst anzubieten?
Dazu hat mich die bekannte Psychologin Elisabeth Lukas angestiftet, mit der mich eine dreissigjährige journalistische Zusammenarbeit verbindet. Sie ist ja die wichtigste Nachfolgerin Viktor Frankls, des Begründers der Logotherapie. Diese Lehre harmoniert mit dem christlichen Menschenbild und ist, wie Wolfram Kurz schrieb, ein «Glücksfall der Praktischen Theologie». Da Frau Professor Lukas aus Altersgründen kaum noch Vortragseinladungen wahrnimmt, hat sie mich aufgefordert, selbst Vorträge zur christlichen Lebenskunst im Alltag zu halten. Klöster und kirchliche Seminarhäuser greifen das gerne auf, denn die Nachfrage nach lebensnahen, christlich fundierten Hilfen ist gross, das Angebot dagegen rar.

Und warum gerade unter dem Titel «Die seelische Hausapotheke»?
In die Hausapotheke greift man, um mit alltäglichen Unpässlichkeiten besser zurechtzukommen, zur Vorbeugung oder als erste Hilfe, wenn kein Arzt gebraucht wird. Tatsächlich liegen unsere wichtigsten Arzneien nicht im Medizinschrank, sondern in unseren Gedanken, mit denen wir auf das Leben und seine Anforderungen zugehen.

Die Heilige Schrift, die katholische Tradition und die christlich fundierte Logotherapie bieten dafür einen reichen Schatz. Sie zeigen Wege auf, wie wir Sinn und Freude selbst in schwierigen Lebenslagen (wieder)entdecken können – Tag für Tag und in jeder Situation.

Vermutlich wird man nach dem Besuch des Kurses die christliche Lebenskunst nicht gleich beherrschen. Was dürfen Kursbesucherinnen und Kursbesucher konkret erwarten?
Schon der erste Vortrag über die Heilkraft der Dankbarkeit eröffnet überraschende Aha-Momente – und wird für viele ein regelrechtes Tor zur Freude. Ebenso aktuell: «Aufräumen – im Haus und im Herzen» – wie wir uns innerlich und äusserlich von Ballast befreien, mit dem Nachlass Verstorbener umgehen und Raum für Neues schaffen. Das führt zum Thema «Schicksal und Freiheit»: Was muss ich annehmen und wo beginnt meine Freiheit, meinem Leben eine neue Richtung zu geben? Weitere zentrale Impulse: Wie wir mit Sorgen und Ängsten im Alltag besser umgehen – und was die «Tugend der Hoffnung» für unser Leben bedeuten kann, besonders im Heiligen Jahr, das uns zur Weitergabe dieser Hoffnung ermutigt.
 


Ihre seelische Hausapotheke enthält «belebende, stärkende und vorbeugende Gedanken für den Alltag». Konnten Sie schon selbst von dieser Hausapotheke profitieren?
Mehr als ich je gedacht hätte! Was als zögerlicher Schritt mit 60+ begann, ist zu einem Herzensweg voller Überraschungen geworden. Ich staune immer mehr, welch reicher Schatz sich mir auftut – Tag für Tag.

Dank Frau Prof. Lukas und der Führung des Heiligen Geistes durfte ich eine Quelle entdecken, die mein Leben tief bereichert. Heute ist es meine grösste Freude, diesen Schatz weiterzugeben – und am Ende der «Seelischen Hausapotheke» in leuchtende Augen zu blicken.

Für wen eignet sich Ihr Angebot (besonders)?
Grundsätzlich wird jeder aus diesem Wochenende etwas Wertvolles mitnehmen. Die Vorträge sind trotz ihrer Tiefe kurzweilig, lebenspraktisch und durch viele passende Geschichten und Anekdoten auch unterhaltsam.

Besonders profitieren Menschen an Wendepunkten – ob am Anfang des Berufslebens, vor dem Ruhestand oder in Zeiten der Neuorientierung. Aber unabhängig von Situation und Alter: Wer seinem Leben neue Richtung oder frischen Schwung geben will, ist hier genau richtig.
 

Michael Ragg (* 1958) ist Redner, Publizist, TV-Moderator, Buchautor und war von 1998 bis 2009 Pressesprecher der Päpstlichen Stiftung «Kirche in Not».
 

Informationen zu «Die seelische Hausapotheke» im Kloster Cazis GR vom 31. Oktober bis 2. November finden sich im Flyer oder hier
Anmeldungen sind bis zum 24. Oktober 2025 möglich; die Teilnehmerzahl ist begrenzt.

Radio Gloria ist Medienpartner und wird die Vorträge aufzeichnen.


Rosmarie Schärer
swiss-cath.ch

E-Mail

Rosmarie Schärer studierte Theologie und Latein in Freiburg i. Ü. Nach mehreren Jahren in der Pastoral absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin.


Kommentare und Antworten

×

Name ist erforderlich!

Geben Sie einen gültigen Namen ein

Gültige E-Mail ist erforderlich!

Gib eine gültige E-Mail Adresse ein

Kommentar ist erforderlich!

Captcha Code Kann das Bild nicht gelesen werden? Klicken Sie hier, um zu aktualisieren

Captcha ist erforderlich!

Code stimmt nicht überein!

You have reached the limit for comments!

* Diese Felder sind erforderlich.

Bemerkungen :

  • user
    Georgina Bálint 25.07.2025 um 12:19
    Was Sie tun, ist so wunderbar Herr Ragg! In mir schlummerte genau diese Idee schon sehr lange. Es gibt ja allerlei esoterische und weltliche "Lebenshilfe-Kurse", und ich dachte mir immer, das, was wirklich helfen würde, wäre doch ein "christo-zentrischer / christlicher Lebenshilfe-Kurs", davon habe ich aber — bis jetzt — noch nie gehört. Mich beschäftigte das immer wieder, aber "nur" als Idee. Ob und wie ich so etwas zustande bringen könnte, wie konkret verwirklichen, so weit war ich noch lange nicht. Ich wünsche Ihnen Jesu und Mariens Segen auf all Ihren Wegen!
    • user
      Michael Ragg 25.07.2025 um 13:46
      Ganz herzlichen Dank, Frau Bálint! Ich empfinde das als schöne Berufung, die ich von mir aus nie angestrebt hätte und mache das mit großer Freude. Liebe Grüße!
  • user
    Stefan Fleischer 19.07.2025 um 08:00
    Ich gehe davon aus, dass diese Apotheke auch die Beziehung zu Gott beinhaltet. In einer Zeit, wo die Gottesbeziehung vielerorts in der Verkündigung zu kurz kommt, bzw. allzu einseitig dargestellt wird, wäre das besonders wichtig.
    • user
      Michael Ragg 19.07.2025 um 11:31
      Lieber Herr Fleischer, danke für Ihre Frage! Die christlich-katholische Spiritualität ist selbstverständlich Wesenskern all meiner Vorträge. Herzlichen Gruß!
      • user
        Stefan Fleischer 19.07.2025 um 14:13
        Herzliche Dank für Ihre Reaktion. Doch wie gesagt, gehe ich ja davon aus. Ausgelöst hat meinen Kommentar, dass im Artikel Gott (wenn ich richtig gelesen habe) nicht erwähnt wird. So tönt er denn, als gehe es in Ihren Vorträgen primär um das irdische Heil und Wohlergehen des Menschen. Diese (vermutlich ganz unbewusste) Stossrichtung aber beobachte ich in meinem Umfeld sehr oft. Sehr oft fehlen darin Hinweise und Anleitungen zu einer tiefen, persönlichen, alltagstauglichen Beziehung zu Gott. Dabei ist eine solche (oder zumindest das Bemühen danach) nach meinen persönlichen Erfahrungen der Erfolg versprechenste Weg zu einem wahrhaft erfüllten Leben hier und jetzt. Mir zumindest hat meine Arbeit am Büchlein «Gottesbeziehung heute» sehr geholfen.