Riemenstalden liegt abgelegen, viele Einheimische arbeiten in der Landwirtschaft. Sind hier die Menschen noch im Glauben verwurzelt?
Einige sind stark im Glauben verwurzelt, sie müssen sich aber auch aktiv und mit viel eigenem Willen darum kümmern, dass es so bleibt. Eine von einer breiteren Gesellschaft gewährleistete religiöse Erziehung, also eine durch Familie, Pfarrei, Schule und Dorfgemeinschaft gemeinsam bewirkte, mitgetragene, gewohnheitsmässige Integration des Einzelnen in die Kirche, gibt es auch hier nicht, wenigstens nicht ohne besonderen Einsatz der Beteiligten. Das Erfreuliche ist, dass dieser Einsatz dann und wann geleistet wird.
Wie muss man sich das Pfarreileben konkret vorstellen?
Es wird täglich der Rosenkranz gebetet, es gibt täglich Beichtgelegenheit und täglich wird die Heilige Messe gefeiert, die auch wirklich immer von Personen besucht wird. Bei 72 Katholiken ist das ein herrlicher Messbesuch, und die Gläubigen beteiligen sich im besten Sinne aktiv. Im Sommer hört man von einzelnen Berglern den Betruf. Es werden Gehöfte gesegnet, Kranke lassen sich versehen, es werden wöchentlich Schulmessen gehalten und jährlich zwei Bittgänge sowie eine gut besuchte Fronleichnamsprozession durchgeführt. Im Vergleich zu mittleren Pfarreien können wir hier sagen, dass vieles auf althergebrachte Weise stattfinden kann, was sowohl dem Priester als auch den Gläubigen Sicherheit bietet. Betreffend Beichte ist es in den ganz grossen Stadtgemeinden ähnlich. Zum Beispiel gibt es in der Liebfrauenkirche Zürich regelmässige Beichtgelegenheiten. Aber in mittleren Pfarreien, Seelsorgeräumen und Pastoralräumen ist es spätestens seit dem Hin und Her rund um die Generalabsolution (1980 bis 2009) schlecht bestellt: Oft sind keine Gläubige im Beichtstuhl und auch kein niederschwelliges Angebot seitens der Priester vorhanden. Das wird von Kirchgemeinden und von in Führungspositionen befindlichen Seelsorgern mancherorts auch gar nicht gewünscht. Bei uns ist das gottlob anders.
Die Pfarreien Sisikon oder Flüelen sind näher als Schwyzer Pfarreien. Gibt es eine Zusammenarbeit oder hält man sich an die Dekanatsgrenzen?
Riemenstalden war eine Zeit lang einem Seelsorgeraum mit Morschach und Gersau angegliedert. Aus organisatorischen und verkehrstechnischen Gründen war diese Lösung nicht allseits beliebt und wurde wieder fallengelassen. Noch früher war Riemenstalden zusammen mit Sisikon betreut worden. Wenn man wirklich keinen Priester mit Schwerpunkt Riemenstalden anstellen würde, könnte man wohl wieder eine Lösung mit Sisikon UR, Morschach SZ oder Flüelen UR suchen: Zwar nicht unbedingt so, dass die Pfarreien über die Kantonsgrenzen zusammengelegt werden, aber so, dass sie vom selben Priester betreut würden. Die Oberstufe der Schule ist bereits mit Brunnen zusammengelegt
In einem so kleinen Dorf kennt man sich. Hat das für einen Priester mehr Vor- oder Nachteile?
Definitiv mehr Vorteile. Christus sagt: «Ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen Mich» (Joh 10,4).
Kommentare und Antworten
Bemerkungen :
Den Gläubigen bleibt gar nichts anders übrig, als dorthinzugehen, wo Beichte noch abgenommen wird, wo die sieben Sakramente gespendet werden.