Schüler einer katholischen Schule in Kamerun. (Bild: James Emery/Flickr, CC BY 2.0)

Weltkirche

Hohe Erwar­tun­gen an die Afrika-​Reise des Papstes

Papst Leo XIV. reist vom 13. bis zum 23. April auf den afri­ka­ni­schen Kon­ti­nent. Die bis­her längste Aus­lands­reise führt den Pon­ti­fex nach Alge­rien, Kame­run, Angola und Äquatorialguinea.

Die erste Etappe seiner Reise führt den Pontifex nach Algier. Es wird der erste Besuch eines Papstes in Algerien sein. Doch Leo XIV. war bereits zwei Mal im grössten Land Afrikas – als Leiter des Augustinerordens. In dem weitgehend muslimischen Algerien liegen die Wurzeln seines Ordens. Der heilige Augustinus wurde 354 im heutigen Souk-Ahras geboren und starb 430 in seiner Bischofsstadt Hippo Regius. In der Spätantike war die Region christlich geprägt: Es gab rund 300 Bistümer. Mit der arabisch-islamischen Eroberung Nordafrikas flohen viele Christen oder konvertierten zum Islam, der bis heute wie in allen Maghrebländern Staatsreligion ist.

Bei seiner Reise wird Leo XIV. aber auf wenige Katholiken treffen, sie machen nur etwa 0,2 Prozent der rund 46 Millionen Algerier aus. Zwischen 1992 und 2002 starben im algerischen Bürgerkrieg zwischen muslimischen Aufständischen und staatlichen Sicherheitskräften bis zu 200 000 Menschen. Unter ihnen waren auch katholische Ordensleute, die in den Konfliktgebieten ausharrten und sich für die Versöhnung einsetzten. 2018 wurden 19 Märtyrer aus dieser Zeit von der Katholischen Kirche seliggesprochen. Die Entführung und spätere Enthauptung von sieben Trappistenmönchen aus dem algerischen Kloster Tibhirine sowie die Ermordung von Pierre Lucien Claverie durch eine Bombe in seiner Bischofskirche jähren sich 2026 zum 30. Mal.

Heute ist die Katholische Kirche in Algerien als einzige christliche Gemeinschaft offiziell registriert. Sie erfährt zwar weniger Einschränkung als die protestantischen Kirchen, im Jahr 2022 wurde jedoch ihr Sozialdienst Caritas geschlossen. Beim Papstbesuch werden darum der Dialog zwischen Muslimen und Christen sowie die Stärkung der lokalen Katholiken im Vordergrund stehen.

Das flächenmässig grösste Land Afrikas reicht vom Mittelmeer bis weit in die Sahara und ist laut Verfassung eine demokratische Volksrepublik. Nichtregierungsorganisationen kritisieren jedoch Einschränkungen der Meinungs-, Versammlungs-, und Pressefreiheit. Die soziale und wirtschaftliche Lage in dem ressourcenreichen Land ist prekär, die Arbeitslosigkeit insbesondere unter jungen Menschen hoch.
 


Zweigeteilte «Schweiz Afrikas»
Von Algerien geht es am 15. April weiter nach Yaoundé, der Hauptstadt Kameruns. Nach der deutschen Kolonialherrschaft (1884–1916) wurde die Region zwischen Frankreich und Grossbritannien aufgeteilt, 1961 erlangte der Staat seine Unabhängigkeit. Die Aufteilung der einst deutschen Kolonie unter Frankreich und Grossbritannien hat bis heute Folgen. Seit Jahrzehnten schwelt ein Konflikt zwischen der frankophonen Zentralregierung und den kleineren anglophonen Teilen des Landes, deren Bevölkerung sich Benachteiligungen ausgesetzt sieht.

«Die Schweiz Afrikas» oder «Afrika im Miniaturformat» zählt gut 30 Millionen Einwohner; das Durchschnittsalter beträgt 19,4 Jahre. Die mehr als 250 ethnischen Gruppen sprechen 273 Sprachen. Die Kolonialsprachen Französisch und in den Regionen Nordwest und Südwest Englisch werden oft als Verkehrssprachen genutzt. Gut 38 Prozent der Bevölkerung sind Katholiken, rund 25 Prozent Protestanten. Jeder vierte Kameruner gehört dem Islam an. Kameruns Bischöfe hoffen darauf, dass der Besuch die Einheit des vielfältigen Landes fördert, in dessen Norden die islamistische Terrorgruppe Boko Haram immer wieder Anschläge verübt. Gut eine halbe Million Menschen sind auf der Flucht.

Mit einem Friedenstreffen im anglophonen Bamenda will Leo XIV. die Menschen zum Dialog ermuntern. Gemäss Weronika Vogel vom katholischen Missionswerk «Missio Aachen» sehen es die Menschen als sehr grosses Hoffnungszeichen, dass Papst Leo nach Bamenda kommt. «Gerade die vielen Familien, die durch den Konflikt in der anglophonen Region geprägt sind, wünschen sich Versöhnung und erhoffen sich, dass der Papst, wenn er dort hinkommt, etwas dazu sagen wird – und auch generell, dass seine blosse Anwesenheit als Zeichen der Versöhnung ausgelegt und gedeutet werden kann», erklärte sie gegenüber VaticanNews.

Am 18. April fliegt Leo XIV. nach Luanda im überwiegend katholischen Angola weiter. Den Abschluss der Reise bildet der Besuch im ebenfalls katholischen Äquatorialguinea. Eine Stadionmesse in der alten Hauptstadt Malabo wird sein letzter Akt auf dem afrikanischen Kontinent sein, bevor er nach Rom zurückkehrt.

Ein grosses Thema der Afrikareise wird der Frieden sein, ein Herzensanliegen von Papst Leo XIV. Doch auch der christlich-muslimische Dialog wird Gesprächsthema sein müssen, vor allem in Algerien. Man darf gespannt sein, ob es auch zu theologischen Äusserungen kommen wird, zum Beispiel bei der Begegnung mit Studierenden und Professoren der Katholischen Universität Zentralafrikas in Yaoundé. Wir erinnern uns an den Aufruhr, der die Erklärung «Fiducia supplicans» der Glaubenskongregation weltweit ausgelöst hat, und wie die afrikanischen Bischofskonferenzen das Dokument fast einstimmig zurückgewiesen haben.
 

Die Zahl der Katholiken steigt in Afrika nach Angaben der neuesten kirchlichen Statistiken überdurchschnittlich – zuletzt von 281 Millionen im Jahr 2023 auf gut 288 Millionen im Jahr 2024 und somit um 2,7 Prozent. Demnach lebt mehr als ein Fünftel der Katholiken weltweit in Afrika.
Zahlenmässig leben die meisten Katholiken in der Demokratischen Republik Kongo (52 Millionen). Es folgt Nigeria mit etwa 35 Millionen Katholiken. Den höchsten Anteil an der Bevölkerung haben Katholiken hingegen auf den Kapverden und in Äquatorialguinea: Dort sind mindestens drei von vier Einwohnern katholisch.


KNA/Redaktion


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