Ignatius von Loyola (1491–1556) war ein ehrgeiziger baskischer Offizier. Im Jahr 1521 in der Schlacht um Pamplona gegen die französische Übermacht überredete er eine kleine Schar weiterzukämpfen. Es dauerte nicht lange, da zerschmetterte eine Kanonenkugel sein Bein. Das zwang ihn ein Jahr lang auf das Krankenbett in seiner Heimat Loyola. Nach einer Zeit wurde ihm langweilig und er fragte nach Lektüre. Man gab ihm eine «Vita Christi» und ein Buch mit Heiligenlegenden; beide erzählen fantasievoll ausgeschmückt. Schon bald begab er sich auf unterschiedliche Phantasiereisen: Wenn er sich vorstellte, das Herz einer «Herrin» zu gewinnen, welche Waffentaten er in ihrem Dienst ausführen würde usw., dann faszinierte ihn dies stundenlang, anschliessend fühlt er sich jedoch trocken und unzufrieden. Wenn er sich aber ausmalte, die Grosstaten der Heiligen nachahmen zu können, nur Kräuter zu essen und alle übrigen Anstrengungen auf sich zu nehmen, dann blieb er auch anschliessend zufrieden und froh. Dies wurde zu seiner Grunderfahrung. So entdeckte er die «Unterscheidung der Geister» und bekehrte sich.
Die Bekehrung war jedoch erst der Anfang seines neuen Lebensweges, und Ignatius musste noch viel von Gott lernen. In einem mehrjährigen Prozess schuf er schliesslich die geistlichen Übungen, also die vierwöchigen Exerzitien (zitiert als EB = Exerzitienbuch), in denen sich seine Spiritualität ausdrückt.
Das Ziel unseres Lebens: Gott
Genauso entschlossen wie vorher als Offizier setzte er den Exerzitien den Text «Prinzip und Fundament» voran mit einer entschlossenen Ausrichtung auf Gott:
«Der Mensch ist geschaffen dazu hin, Gott Unseren Herrn zu loben, Ihn zu verehren und Ihm zu dienen und so seine Seele zu retten. Die anderen Dinge auf Erden sind zum Menschen hin geschaffen und um ihn bei der Verfolgung seines Zieles zu helfen, zu dem hin er geschaffen ist» (EB 23).
Der Dienst an Gott schliesst den Dienst an den Mitmenschen sowie an Gottes Schöpfung ein. So findet der Mensch sein Lebensglück in einem sinnvollen Leben, zu dem er sich von Gott rufen lässt. Ein Lebensglück, das im Tod in der vollendeten Gemeinschaft mit Gott seine grösste Fülle erfährt. «Ad maiorem Dei gloriam», übersetzt «Zur grösseren Ehre Gottes» wurde der Wahlspruch der Jesuiten.
In seinem «Prinzip und Fundament» zeigt Ignatius in einer Welt von vielfältigsten Möglichkeiten eine Richtung auf: die entschiedene Ausrichtung auf Gott. Im weiteren Verlauf des Textes stellt er beispielhaft sehr nachvollziehbare Bedürfnisse nach Gesundheit, Reichtum, Anerkennung und langes Leben in den Dienst dieser Ausrichtung auf Gott. Ein Beispiel: Auch Jesuiten haben als Märtyer ihr Leben für Gott gegeben. Ihr Dienst für Gott war wichtiger als ein langes Leben.
Aus dieser Haltung heraus ist es gerade bei bedeutsamen Entscheidungen wichtig, innerlich frei zu sein. Alle Möglichkeiten werden angeschaut, auch wenn sie z. B. meinem Wunsch nach Anerkennung, meinen bisherigen Einstellungen usw. widersprechen. Nichts wird vorher ausgeschlossen. So kann alles Gott hingehalten werden, damit er den richtigen Weg zeigen kann. Nach und nach kann ich mein Leben auf Gott hin ordnen.
«Magis»
«Prinzip und Fundament» gibt eine Richtung vor und viel Raum zum Wachstum. Daher geht es immer um ein «magis», ein «mehr». Ignatius verheisst eine grosse Vision: «Wenige Menschen ahnen, was Gott aus ihnen machen würde, wenn sie sich ihm nur ganz anvertrauten.»
Gott in allen Dingen suchen
Die erste wichtige Haltung lautet: «Gott in allen Dingen suchen». Nicht nur im persönlichen Gebet oder dem Gottesdienst können wir Gott entdecken, sondern auch im Zwitschern der Vögel, in schöner Musik, im Lächeln der Kassierin im Supermarkt, darin, wenn Kinder gerne zur Schule gehen, in gerechter Politik oder sogar im nervigen Kollegen. Und in den Armen, denn sie sind wie alle von Gott geliebt. Tägliches Leben und Gebet fliessen so ineinander. Immer mehr darf ich Gott entdecken.
In «ALLEN DINGEN» Gott suchen und finden. Welch ein Reichtum!!
Kommentare und Antworten
Bemerkungen :
Leider sind auch die Jesuiten von heute – soweit ich das beurteilen kann –der Befreiungstheologie auf den Leim gekrochen, und kümmern sich mehr um das irdische Heil des Menschen als um das ewige Heil der Seelen. Doch was die Kirche heute braucht, ist ein neuer Aufbruch zu Gott, zu einer tiefen Gottesbeziehung, zu einer Rückbesinnung auf das erste und wichtigste Gebot: «Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben, mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.» Oder anders gesagt: «Der Mensch ist geschaffen dazu hin, Gott Unseren Herrn zu loben, Ihn zu verehren und Ihm zu dienen und so seine Seele zu retten.» «…dann wird euch alles andere dazugegeben. (vgl. Mt 6,33)