(Symbolbild: Julia Michelle/Unsplash)

Neuevangelisierung

«Ihr wer­det freu­dig Was­ser schöp­fen aus den Quel­len des Heils»

Die Bibel spricht immer wie­der von Was­ser, denn ohne Was­ser kann der Mensch nicht leben. Es über­rascht daher nicht, dass wir auch in der Lit­ur­gie und im christ­li­chen All­tag im wahrs­ten Sinne des Wor­tes immer wie­der mit Was­ser in Berüh­rung kommen.

Wasser ist lebensnotwendig. Das wissen wir Menschen nicht erst seit der jetzt herrschenden Dürre mit ihren Folgen für Mensch und Natur. Die Bibel erzählt in verschiedenen Texten von der Bedeutung und der Kraft des Wassers.

Bereits die Schöpfungsgeschichte weist auf das Wasser als Urelement hin, das erst Leben auf der Erde ermöglicht. So entspringt dann auch im Garten Eden ein Strom, der den Garten bewässert. Als das Volk während des Durchzugs durch die Wüste murrt, weil es Durst hat, lässt Gott aus einem Felsen Wasser strömen (vgl. Ex 17,1–7). Ganz eindrücklich für die Notwendigkeit des Wassers die Bitte des reichen Prassers, der in der Unterwelt litt: «Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir und schick Lazarus; er soll die Spitze seines Fingers ins Wasser tauchen und mir die Zunge kühlen, denn ich leide grosse Qual in diesem Feuer» (Lk 16,24). Und Jesus verheisst: «Wer euch auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt, weil ihr zu Christus gehört – Amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.» (Mk 9,41).

Bereits die alttestamentlichen Propheten berichten vom Wasser als Symbol des Lebens. Hesekiel sieht in seiner Tempelvision einen Fluss, der unter dem Tempel hervorströmt. «Wohin der Fluss gelangt, da werden alle Lebewesen, alles, was sich regt, leben können und sehr viele Fische wird es geben. Weil dieses Wasser dort hinkommt, werden sie gesund; wohin der Fluss kommt, dort bleibt alles am Leben» (Hes 47,9). Dieses Bild greift die Offenbarung des Johannes in ihrer Beschreibung des himmlischen Jerusalems auf: «Und er zeigte mir einen Strom, das Wasser des Lebens, klar wie Kristall; er geht vom Thron Gottes und des Lammes aus» (Offb 22,1).

Schon der Prophet Jeremia bezeichnet Gott als Quelle des lebendigen Wassers: «Denn mein Volk hat doppeltes Unrecht verübt: Mich hat es verlassen, den Quell des lebendigen Wassers, um sich Zisternen zu graben, Zisternen mit Rissen, die das Wasser nicht halten» (Jer 2,13). Auf Gott als den Spender des Wassers nimmt Jesus im Gespräch mit der Samariterin am Jakobsbrunnen Bezug. Er bittet eine Frau aus Samarien: «Gib mir zu trinken.» Doch sie weigert sich, da Juden und Samariter nicht miteinander verkehren. Jesus antwortet ihr: «Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben […] vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zu einer Quelle werden, deren Wasser ins ewige Leben fliesst» (vgl. Joh 4,1f).

Wasser erscheint in der Bibel jedoch nicht nur als Zeichen des Lebens, sondern auch als Ausdruck von Gericht und zerstörerischer Macht (Überschwemmungen). In der Bibel sind z. B. die Sintflut oder das Ertrinken der Ägypter im Schilfmeer göttliche Strafen. Zugleich zeigt die Heilige Schrift, dass Gott Herr über die Wasser ist: Er lässt das Volk Israel bei der Flucht aus Ägypten trockenen Fusses durch das Schilfmeer gehen und später beim Einzug ins gelobte Land durch den Jordan. Und Jesus geht über das Wasser zu seinen Jüngern im Boot oder stillt den Sturm.

Schliesslich besitzt Wasser eine reinigende Wirkung. Es dient sowohl der äusseren Reinigung als auch der rituellen Reinigung im Gottesdienst. So ist z. B. in der Heiligen Messe die «Händewaschung» nach der Gabenbereitung vorgesehen. Bei der Taufe werden die Sünden abgewaschen. «Steh auf, lass dich taufen und deine Sünden abwaschen und rufe seinen Namen an!» (Apg 22,16).

Weihwasser – unser täglicher Begleiter
Im liturgischen Leben begegnet Wasser vor allem in der Feier der Sakramente und der Segnungen. Vielen kommt dabei zunächst die Taufe oder die Fusswaschung am Gründonnerstag in den Sinn. Auch in der Eucharistiefeier wird Wasser verwendet: wie bereits erwähnt bei der Händewaschung des Priesters sowie bei der Gabenbereitung, wenn dem Wein ein wenig Wasser beigemischt wird – ein Zeichen der Vereinigung Christi mit den Gläubigen.

Weihwasser findet in zahlreichen liturgischen Feiern Verwendung: beim sonntäglichen Taufgedächtnis, bei der Segnung von Gegenständen (z. B. Palmzweige, Adventskranz, Kreuze usw.), für die Segnung des Grabes resp. des Sarges usw.

Beim Eingang der meisten Kirchen befindet sich ein Weihwasserbecken, damit sich die Gläubigen beim Betreten der Kirche mit dem Weihwasser in Erinnerung an ihre Taufe bekreuzigen können. Viele Menschen haben auch zu Hause Weihwasser und bekreuzigen sich oder ihre Kinder vor dem Verlassen des Hauses als Zeichen des Vertrauens auf Gottes Schutz.

Weihwasser kann jederzeit durch einen Priester gesegnet werden; der eigentliche Ort ist aber der Sonntagsgottesdienst. Der Priester spricht dabei: «Segne dieses Wasser, das über uns ausgesprengt wird als Zeichen des Lebens und der Reinigung. […] Wenn Krankheit und Gefahren und die Anfechtungen des Bösen uns bedrohen, dann lass uns deinen Schutz erfahren. Gib dass die Wasser des Lebens allezeit für uns fliessen und uns Rettung bringen» (Benediktionale, S. 197)

«Wenn Krankheit und Gefahren und die Anfechtungen des Bösen uns bedrohen …». Bei der Krankensalbung werden nach der Begrüssung die Anwesenden mit Weihwasser besprengt. Und es ist eine alte Tradition, bei Unwettern Weihwasser aus dem Fenster zu sprühen.

Besonders wirksam sind das Weihwasser (Taufwasser) aus der Osternacht sowie das sogenannte Dreikönigswasser.

Manche Priester verwenden für die Segnung des Weihwassers ein älteres Segensgebet, das spezielle Exorzismusgebete über das Wasser und das Salz enthält. Diese Gebete befehlen den bösen Geistern ausdrücklich, zu weichen.

Weihwasser darf nicht mit Magie verwechselt werden. Es ist gesegnetes Wasser, das uns mit Christus und der ganzen Kirche verbindet. Indem wir uns oder andere Menschen mit Weihwasser bezeichnen, stellen wir uns unter den Schutz Gottes. Wer sich mit Weihwasser bekreuzigt oder Gebäude und Gegenstände segnen lässt, vertraut diese dem Schutz Gottes an und bittet darum, dass sie dem Menschen zum Segen werden.

Wenn das Wasser fehlt
Angesichts anhaltender Dürre wird uns die Bedeutung des Wassers besonders bewusst. Die Bitte um Regen gehört seit jeher zur Gebetstradition der Kirche. Neben Bittprozessionen kennt die Liturgie auch ein Messformular für die Bitte um Regen. Das entsprechende Tagesgebet kann selbstverständlich jederzeit auch zu Hause gebetet werden, um Gott um seinen Beistand in dieser Zeit zu bitten:

«Gott, in dir leben wir,
bewegen wir uns und sind wir,
du kennst unsere Not.
Schenk uns den Regen, auf den das Land wartet.
Gib uns das tägliche Brot, das uns am Leben erhält,
damit wir umso vertrauensvoller nach der himmlischen Speise verlangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus. Amen»


Rosmarie Schärer
swiss-cath.ch

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Rosmarie Schärer studierte Theologie und Latein in Freiburg i. Ü. Nach mehreren Jahren in der Pastoral absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin.


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