Krankensalbung in der Kathedrale von Clifton. (Bild: © Mazur/catholicnews.org.uk / Flickr, CC BY-NC-ND 2.0)

Neuevangelisierung

Im kran­ken Men­schen das Ant­litz Christi erkennen

Der erste Sonn­tag im März ist in der Schweiz den Kran­ken gewid­met. Neben Schmer­zen, Angst und Unge­wiss­heit gehört oft auch Ein­sam­keit zum All­tag eines Kran­ken. Jesus Chris­tus ist gekom­men, die Kran­ken zu trös­ten, auf­zu­rich­ten und zu hei­len. Als Chris­tin­nen und Chris­ten sind wir auf­ge­ru­fen, ihm in sei­nem Dienst an den Kran­ken nachzufolgen.

Seit 1939 findet in der Schweiz jeweils am ersten Sonntag im März der «Tag der Kranken» statt («Schweizer Krankensonntag»). Er soll Gesunde und Kranke zusammenbringen und der Vereinsamung kranker Menschen entgegenwirken. Dieses Jahr unter dem Motto: «selbstbestimmt und eingebunden». Gemäss Bundesamt für Statistik sind aktuell rund 2,3 Millionen Menschen in der Schweiz von einer chronischen Krankheit betroffen.

Christus gab dem Leiden einen neuen Sinn
In einer Krankheit erfährt der Mensch seine Ohnmacht und seine Endlichkeit. Doch durch das Leben und Sterben Jesu Christi ist er in seiner Krankheit nicht mehr allein.

Jesus ist gekommen, den ganzen Menschen – Seele und Leib – zu heilen. Sein Mitleid mit allen Leidenden ging so weit, dass er sich ihre Nöte zu eigen machte: «Er hat unsere Leiden auf sich genommen und unsere Krankheiten getragen» (Mt 8,17). Mehr noch: «Durch sein Leiden und seinen Tod am Kreuz hat Christus dem Leiden einen neuen Sinn gegeben: Es kann uns nun ihm gleichgestalten und uns mit seinem erlösenden Leiden vereinen» (KKK 1505).

Seine Heilungen waren ein Zeichen für das Kommen des Gottesreiches. Deshalb sandte er seine Jünger aus: Sie sollten nicht nur Umkehr predigen, sondern auch Dämonen austreiben, Kranke salben und heilen (vgl. Mk 6,12–13). Diesen Auftrag wiederholte der auferstandene Christus (vgl. Mk 16,17–18).

Die Dogmatische Konstitution über die Kirche «Lumen gentium» erklärt: Christus wurde vom Vater gesandt, den Armen die Frohe Botschaft zu bringen, zu heilen und zu suchen und zu retten, was verloren war. «In ähnlicher Weise umgibt die Kirche alle mit ihrer Liebe, die von menschlicher Schwachheit angefochten sind, ja in den Armen und Leidenden erkennt sie das Bild dessen, der sie gegründet hat und selbst ein Armer und Leidender war. Sie müht sich, deren Not zu erleichtern, und sucht Christus in ihnen zu dienen» (LG 8).

Der Dienst an den Kranken als Dienst der Kirche
Die grosse Liebe Jesu Christi zu den Kranken bewog im Laufe der Jahrhunderte viele Christinnen und Christen, sich in seiner Nachfolge aller anzunehmen, die körperlich oder seelisch leiden: Die heutigen Spitäler haben ihre Wurzeln in den von Orden geführten Hospizen; unzählige Orden waren und sind in der Krankenpflege tätig. Als Gläubige sind wir dazu aufgerufen, kranke Mitmenschen zu pflegen und für sie Fürbitte zu halten.

Als ein Heilmittel kennt die Kirche das Sakrament der Krankensalbung, das von Jesus selbst eingesetzt wurde (Mk 6,12–13) und über das der Jakobusbrief schreibt: «Ist einer unter euch krank, dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich; sie sollen Gebete über ihn sprechen und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Das gläubige Gebet wird den Kranken retten und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben» (Jak 5,14–15).

Nicht nur Körper und Geist brauchen Heilung, sondern auch die Seele – Jesus Christus will den ganzen Menschen heilen. Deshalb gehören sowohl das Busssakrament als auch die Krankensalbung zu den Sakramenten der Heilung.

Doch wir wissen, dass Jesus nicht alle Menschen geheilt hat. Warum auch heute manche Menschen durch Gebet Heilung erfahren dürfen und andere nicht, bleibt ein Geheimnis. Doch wir dürfen darauf vertrauen, dass alles zu Gottes Plan gehört, der uns unendlich liebt.

Die Krankensalbung ist somit kein Wundermittel, sondern ein Sakrament der Stärkung. Als erste Gnade des Sakramentes nennt der «Katechismus der Katholischen Kirche» eine Stärkung, Beruhigung und Ermutigung, um die mit einer schweren Krankheit oder mit Altersschwäche gegebenen Schwierigkeiten zu überwinden. Die Kranken erhalten die Kraft und die Gabe, sich mit dem Leiden des Herrn noch inniger zu vereinen. Dadurch bekommt das Leiden einen neuen Sinn: Es wird zur Teilnahme am Heilswerk Jesu. «Bei der Feier der Krankensalbung tritt die Kirche in der Gemeinschaft der Heiligen für den Kranken ein. Der Kranke hingegen trägt durch die Gnade des Sakramentes zur Heiligung der Kirche und zum Wohl aller Menschen bei, für die die Kirche leidet und sich durch Christus Gott dem Vater darbringt» (KKK 1522).
 

Die Texte des «Katechismus der Katholischen Kirche» zu Krankheit und Krankensalbung können mit Gewinn gelesen werden.

Papst Johannes Paul II. hat 1993 auch in der Katholischen Kirche einen «Welttag der Kranken» eingeführt. Dieser wird jeweils am 11. Februar, dem Gedenktag Unserer Lieben Frau in Lourdes, begangen.


Rosmarie Schärer
swiss-cath.ch

E-Mail

Rosmarie Schärer studierte Theologie und Latein in Freiburg i. Ü. Nach mehreren Jahren in der Pastoral absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin.


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Bemerkungen :

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    Pureloie 01.03.2026 um 22:30
    Dabei gilt das Prinzip der Schweizer Kirche, um jeden Preis sich auszuzeichnen, hier heisst es den Weltag der Kranken am 11. Februar zu verraten. Lieber sich der Politik des Bundes unterwerfen und den politischen Tag des Gesundheitswesens als Krankensonntag zu feiern, als die Verbindung zur Welt und zur Weltkirche zu pflegen. Schande. Provinz und partkulare Interessen.
  • user
    Sophia Maria 01.03.2026 um 10:40
    Krankheit führt uns an die Grenze – an Ohnmacht, Angst und die eigene Endlichkeit. Gerade dort genügt Medizin allein nicht. Dort braucht es Gnade. Die Krankensalbung ist kein folkloristischer Restbestand vergangener Frömmigkeit, sondern ein Sakrament der inneren Heilung. Sie kann die letzte Gelegenheit sein, sich mit Gott zu versöhnen. Es geht um mehr als Trost – es geht um das ewige Heil. Lebensentscheidend. Und doch ist die Wirklichkeit ernüchternd. In vielen Spitälern gibt es zwar Seelsorge, aber kaum Priester, die Beichte hören und die Krankensalbung spenden können. Selbst in grossen Häusern wie dem Inselspital Bern mit rund 800 Betten steht aktuell nur ein einziger katholischer Priester auf Abruf bereit. Wenn das Sakrament nur noch im Ausnahmefall erreichbar ist – welchen Stellenwert hat es dann noch? Oder hat auch eine missverstandene Ökumene dazu beigetragen? Wenn konfessionsübergreifende Feiern den Eindruck erwecken, es spiele letztlich keine Rolle, welcher Kirche man angehört, wenn suggeriert wird, viele Wege führten gleichermassen ans Ziel und es gehe auch ohne Sakramente – dann verwischt das katholische Profil. Andere Konfessionen kennen weder Krankensalbung noch Beichtsakrament im katholischen Sinn. Wer aber glaubt, die Sakramente seien heilsnotwendig geschenkte Gnadenmittel, darf sie nicht relativieren. Ist der Glaube daran erloschen? Oder fehlt der Mut, ihn klar zu bezeugen? Hier muss sich die Kirche ehrlich fragen, was sie falsch macht.
    • user
      Stefan Fleischer 01.03.2026 um 14:06
      Die Kirche muss sich ehrlich fragen, was sie falsch macht.
      Und zwar nicht nur hier, sondern noch in verschiedenen anderen Gebieten der Seel-sorge. Eine relativistische Sorge um das ewige Heil der Seelen (wenn unsere heutige Seelsorge generell sich überhaupt noch darum sorgt) ist vergebliche Liebesmüh. Wir alle werden eines Tages Rechenschaft auch darüber geben müssen, was wir unseren Nächsten NICHT getan haben.
      Apropos Spitalseelsorge. Ich habe im Spital wie in der REHA Besuch von Seelsorgerinnen reformierter bzw. christkatholischer Konfession erhalten, obwohl ich mich in der Patientenverfügung eindeutig römisch-katholisch nannte. Beide Besuche waren psychologisch gesehen nicht schlecht. Bei einer ernsthaften Erkrankung aber wären sie eindeutig fehl am Platz gewesen. Auch bei ökumenischen Gottesdiensten sollte viel besser darauf geachtet werden, dass die grundlegenden Differenzen nicht verwischt oder verniedlicht werden.