«Our Lady of the Rosary», die erste, am 15. März 2008 eröffnete christliche Kirche von Katar. Nach Vorgabe der Regierung ohne Kirchturm, Kirchenglocken oder von aussen sichtbare Kreuze. (Bild: omar_chatriwala/Flickr)

Weltkirche

In Katar wer­den Chris­ten verfolgt

Mise­ra­ble Arbeits­be­din­gun­gen, Todes­fälle unter Gast­ar­bei­tern, Äch­tung von Homo­se­xu­el­len, Unter­drü­ckung von Frauen: In den letz­ten Tagen und Wochen war viel Nega­ti­ves über Katar zu hören, wo ab dem nächs­ten Wochen­ende die Fussball-​Weltmeisterschaften statt­fin­den. Fast gar nicht zur Spra­che gekom­men ist jedoch die Ver­fol­gung von Chris­ten in die­sem Wüstenstaat.

Dieser Artikel erschien im Original auf nebelspalter.ch

Dabei gehört das islamische Land zu den schlimmsten Ländern, was die Lebensbedingungen von Christinnen und Christen angeht. Und es scheint sogar immer schlimmer zu werden. Die christliche Vereinigung OpenDoors (siehe hier) führt Katar auf ihrem Weltverfolgungsindex 2022 an 18. Stelle. Die Negativ-Rangliste wird angeführt von Afghanistan. Letztes Jahr stand Katar erst an 29. Stelle. 2019 lag das Land noch auf dem 38. Rang des Index’. Die Repressionen gegen Christen in Katar gehen dabei sowohl vom Staat wie von der Gesellschaft aus.

Was wichtig ist:
- Katar, der Austragungsort der Fussball-WM, unterdrückt Christen. Auf dem
  Weltverfolgungsindex bezüglich Christendiskriminierung liegt der Wüstenstaat an
  18. Stelle.
- Vor allem christliche Konvertitinnen und Konvertiten müssen mit Unterdrückung,
  Ausgrenzung und zum Teil mit Gewalt rechnen.
- Nach dem Ende der Corona-Lockdowns wurde den Christen in Katar verboten, ihre
  Gotteshäuser wieder zu öffnen.

Überwachung, Schikane und Diskriminierung
In ihrem Länderprofil zu Katar unterscheidet OpenDoors zwischen Christen unter den zahlreichen Wanderarbeitern im Land sowie christlichen Konvertiten in der einheimischen Bevölkerung (siehe hier). Letztere sind erheblich schwereren Nachteilen ausgesetzt. Wer sich zum christlichen Glauben bekennt, dem drohen in Katar Überwachung, Schikane und Diskriminierung, im schlimmsten Fall auch Gewalt – und das, obwohl das Christentum in diesem Land eigentlich als Religion anerkannt ist.

Vom vierten bis zum neunten Jahrhundert war das Christentum am Persischen Golf schon einmal präsent. Mit dem Aufkommen des Islams verschwand die Religion allerdings. Vor einem Jahrhundert wanderten aber nach der Entdeckung der Ölvorkommen christliche Gastarbeiter ein.

Heute bekennen sich in Katar 372 000 der insgesamt 2,84 Millionen Einwohner zum christlichen Glauben – ein Anteil von immerhin 13 Prozent. Der Druck auf Christinnen und Christen sei allerdings «immens» und stelle «eine tägliche Belastung» dar, schreibt OpenDoors.

Die meisten Christen in Katar sind Ausländer. Es sind häufig Arbeitsmigranten oder Nachkommen von Arbeitsmigranten.

Zum Christentum zu konvertieren, gilt als Verbrechen
Katar ist eine Monarchie, die diktatorisch von einem Emir regiert wird. Die strikte Einhaltung des wahhabitischen Islams und der Scharia bestimmt das Handeln der Regierung. Christinnen und Christen werden als Bürger zweiter Klasse betrachtet. Die öffentliche Ausübung des christlichen Glaubens ist in Katar generell verboten.

«Christliche Konvertiten werden von der Gesellschaft diskriminiert und schikaniert, und sie riskieren sogar den Tod.»
OpenDoors

Besonders schwierig ist die Situation christlicher Konvertiten mit islamischem Hintergrund. Denn ein entsprechender Glaubenswechsel wird nicht nur als Verrat am islamischen Glauben gesehen, sondern auch als Bruch mit der Familie, dem Stamm und der arabischen Identität. Zum Christentum zu konvertieren, gilt in Katar als strafbares Verbrechen.

«Diese Konvertiten werden von der Gesellschaft diskriminiert und schikaniert, und sie riskieren sogar den Tod», schreibt OpenDoors. Familienmitglieder, Arbeitgeber und das soziale Umfeld würden heftigen Druck auf Konvertiten ausüben, ihren christlichen Glauben zu widerrufen. Wer es nicht tut, muss mit Ausgrenzung oder sogar mit Gefängnis und, im Falle von Ausländern, mit Ausweisung rechnen.

Konvertitinnen werden gezwungen, Muslime zu heiraten
Konvertiten haben auch Mühe, eine Familie zu gründen. Denn der Staat anerkennt christlich geschlossene Ehen nicht. Kinder von Eltern, die den christlichen Glauben angenommen haben, werden nicht vom islamischen Unterricht befreit. In manchen Fällen werden solche Kinder zwangsweise von ihren Familien getrennt.

Besonders schwer haben es Frauen unter den christlichen Konvertiten. Sie müssen damit rechnen, geächtet, unter Hausarrest gestellt und von allen Kommunikationsmitteln abgeschnitten zu werden. «Sie werden womöglich geschlagen, von zu Hause vertrieben oder Opfer von sogenannten Ehrenmorden», so OpenDoors. Auch ist es Konvertitinnen untersagt, einen Nichtmuslim zu heiraten.

2008 wurde den Christinnen und Christen in Katar immerhin zugestanden, eine erste Kirche einzuweihen. Sie befindet sich im sogenannten «Religiösen Komplex», der vor den Toren der Hauptstadt Doha liegt und streng überwacht wird.

Verdrängung von Christen in den Untergrund
Da den Christen gleichzeitig die Eröffnung weiterer Kirchengebäude verboten wurde, versammelten sie sich in den letzten Jahren häufig in privaten Häusern, um Gottesdienste abzuhalten. Das duldete der katarische Staat zuerst. Nach dem Ende der Corona-Lockdowns gab es aber keine Bewilligung mehr für christliche Zusammenkünfte in Privatwohnungen – während Moscheen und Einkaufszentren wieder öffnen durften.

Praktizierende Christinnen und Christen sind darum seit 2021 gezwungen, sich heimlich in kleinen Gruppen zu Hause zu versammeln. Tausende Christinnen und Christen haben jedoch keine Möglichkeit mehr, Gottesdienste abzuhalten. Diese Verbote und die damit verbundene Verdrängung von Christen in den Untergrund sind der Hauptgrund, warum Katar dieses Jahr auf dem Weltverfolgungsindex nach vorne gerückt ist.

Originalbeitrag auf www.nebelspalter.ch


Alex Reichmuth


Kommentare und Antworten

×

Name ist erforderlich!

Geben Sie einen gültigen Namen ein

Gültige E-Mail ist erforderlich!

Gib eine gültige E-Mail Adresse ein

Kommentar ist erforderlich!

You have reached the limit for comments!

* Diese Felder sind erforderlich.

Sei der Erste, der kommentiert