Mary Glowrey kam 1887 in Birregurra (Victoria, Australien) als Tochter einer irischen Immigrantenfamilie zur Welt. Sie war das dritte von neun Kindern. In der Familie wurde jeden Abend der Rosenkranz gebetet, sowie Gebete um Priester und Ärzte. Bereits mit 13 Jahren verliess Mary ihre Familie, um im 300 Kilometer entfernt gelegenen Melbourne das South Melbourne College (SMC) zu besuchen. Am Ende ihres ersten Jahres am SMC schrieb sie sich an der Universität von Melbourne ein und erhielt ein Stipendium für ein Studium. Da sie noch zu jung war, um die Universität zu besuchen, setzte sie ihr Studium am SMC für die nächsten drei Jahre fort. 1910 schloss sie ihr Studium mit einem Bachelor of Medicine und einem Bachelor of Surgery ab.
Mary Glowrey engagierte sich in der St. Patrick's Cathedral in East Melbourne und wurde 1916 die erste Präsidentin der neu gegründeten Catholic Women's Social Guild (heute Catholic Women's League of Victoria and Wagga Wagga). Besorgt über die wirtschaftlichen und sozialen Ungleichheiten, denen Frauen ausgesetzt waren, versuchte diese engagierte Gruppe junger Katholikinnen, die Gesellschaft zu verändern und die Schwächsten in ihrer Mitte zu schützen. Gleichzeitig studierte Mary für einen höheren medizinischen Abschluss. 1919 schloss sie mit dem Doktor der Medizin in Geburtshilfe, Gynäkologie und Augenheilkunde ab. Sie arbeitete in zwei Spitälern in Melbourne und hatte daneben eine Privatpraxis als Hals-Nasen-Ohren-Ärztin – und das zu einer Zeit, als es erst wenige Ärztinnen gab. Sie behandelte Arbeitslose und mittellose Menschen oft kostenlos.
Aufbruch in eine neue Heimat
1915 hatte Mary Glowrey die Biografie von Agnes McLaren gelesen, einer wegweisenden schottischen Missionsärztin, die mit 61 Jahren zum Katholizismus konvertiert war. Sie hatte 1910 die erste katholische medizinische Mission in Indien gegründet. Männlichen Ärzten war es damals in Indien verboten, weibliche Patienten zu behandeln – Tausende Frauen starben. Agnes McLaren erkannte das Problem und suchte nach qualifizierten Krankenschwestern. Als sie erfuhr, dass das Kirchenrecht Ordensfrauen untersagte, als Ärztinnen zu arbeiten, appellierte sie fünfmal an den Papst und den Heiligen Stuhl, diese Vorschrift aufzuheben. Mary Lowrey schrieb später, dass sie nach der Lektüre auf die Knie gesunken sei und wusste, dass Gott sie berufen hatte, den Frauen und Kindern Indiens zu helfen. «Das Werk meines Lebens lag nun klar vor mir. Es sollte medizinische Missionsarbeit in Indien sein.»
In den nächsten Jahren fühlte sie sich mithilfe ihres geistlichen Begleiters in dieser Berufung bestärkt. Sie verliess Melbourne am 21. Januar 1920 in Richtung Indien – sie sollte Australien und auch ihre Eltern nie wiedersehen.
Mit 32 Jahren trat sie in Guntur, im heutigen Bundesstaat Andhra Pradesh, der «Kongregation Jesu Maria Joseph» (JMJ) bei, einer 1904 in Guntur gegründeten niederländischen Kongregation, und nahm den Ordensnamen Mary of the Sacred Heart (Maria vom Heiligen Herzen) an. Die JMJ-Schwestern hatten viele Jahre für einen Arzt gebetet.
Um auch als Ordensfrau als Ärztin arbeiten zu können, erhielt Mary Glowrey eine Sondergenehmigung von Papst Benedikt XV.; 1922 wurde ihr von Papst Pius XI. ein persönlicher Segen für diese Arbeit erteilt. Die Beschränkung im Kirchenrecht wurde erst 1936 aufgehoben.
Kommentare und Antworten
Sei der Erste, der kommentiert