Ein Plakat der aktuellen Kampagne der Katholischen Kirche im Bistum St. Gallen. (Bild: zVg)

Kirche Schweiz

Irre­füh­rende Wer­be­kam­pa­gne des Bis­tums St. Gallen

Nach der Kir­che im Kan­ton Zürich ver­sucht nun auch die Kir­che im Bis­tum St. Gal­len, mit einer Kam­pa­gne auf ihr Enga­ge­ment für die Gesell­schaft auf­merk­sam zu machen. Die sym­pa­thi­schen Gesich­ter auf den Pla­ka­ten kön­nen nicht dar­über hin­weg­täu­schen, dass hier eine andere Kir­che pro­pa­giert wird.

An Ostern startete die Katholische Kirche im Kanton Zürich eine Reputationskampagne. Unter dem Motto «miteinander – füreinander» will sie ihr Engagement im sozialen Bereich ins Licht der Öffentlichkeit rücken, um damit ihre Reputation zu verbessern und etwas gegen die hohen Austrittszahlen zu unternehmen.

Jetzt macht es das Bistum St. Gallen nach. Seit dem 4. Mai hängen in 25 Ortschaften Plakate, die sympathisch lächelnde Menschen zeigen. Auf jedem Plakat steht eine Frage, welche die Person mit einem «Ich bin dabei» beantwortet. So lautet denn auch der Name der Kampagne, die gemeinsam vom Bistum und dem Katholischen Konfessionsteil des Kantons St. Gallen durchgeführt wird: «Ich bin dabei». Mit dieser Kampagne will die Katholische Kirche im Bistum St. Gallen ihr vielfältiges Engagement für die Gesellschaft sichtbar machen und zeigen, wofür sie steht: für Engagement, Verantwortung und Offenheit.

«Selbstbewusst zeigt die Kampagne auf, welch einzigartigen Beitrag die Katholische Kirche zum Gemeinwohl in der Region leistet», so ist in der Ankündigung der Kampagne auf der Webseite des Bistums zu lesen.

Dass auch der Einsatz der Kirche für das Gemeinwohl zum Auftrag der Kirche gehört, ist unbestritten. Es ist mehr das, was zwischen den Zeilen steht oder eben nicht steht, das irritiert.

Beziehung statt Ehe, Ritual statt Sakrament
«Die grosse Liebe neu zum Leben erwecken», so ein Unterthema. Hier wird bewusst von «Beziehung» und «Paaren» gesprochen – das Wort «Ehe» sucht man vergebens. Beim Text zu Familien wird von «(Patchwork-) Familie» geredet. Die Katholische Kirche im Bistum St. Gallen ermögliche professionelle Beziehungsberatungen, denn «stabile, wertschätzende Beziehungen sind nicht nur für das persönliche Glück entscheidend, sondern auch für das Wohl der gesamten Gesellschaft». Von Ehe als Sakrament oder dem Ehebund als Verbindung mit Gott keine Spur.

Wer glaubt, beim Thema «Sterbende auf ihrem letzten Weg mit Wertschätzung begleiten» gehe es um die Sterbenden, der irrt sich. Sterbende in ihrer letzten Lebensphase zu begleiten, sei eine anspruchsvolle Aufgabe. Deshalb unterstütze die Katholische Kirche im Bistum St. Gallen betreuende Angehörige oder nahestehende Personen in der schwierigen Zeit des Abschiednehmens und der Trauer. Von der Begleitung der Sterbenden, von ihrer Stärkung durch das Sakrament der Krankensalbung und der Kommunion – kein Wort.

Gemäss Webseite bietet die Spitalseelsorge geistliche Begleitung in Form von Gesprächen, Gebeten oder kleinen Ritualen an. Auch hier fehlt jeder Hinweis auf die Sakramente. Noch skurriler der Satz: «Die Seelsorge für kranke und leidende Menschen gehört seit den Anfängen des Klosters St. Gallen zum Grundauftrag der Kirche des heiligen Gallus.» Eigentlich ist die Katholische Kirche doch die Kirche Jesu Christi …?

Gemeinschaft von engagierten Gläubigen, aber ohne Gott
Bischof Beat Grögli antwortet auf die Frage: «Gemeinsam im Glauben unterwegs sein?» mit dem Slogan «Ich bin dabei». Die biblische Botschaft bilde den Kern, die Seelsorge die zentrale Aufgabe, so ist auf der Webseite zu lesen. «Die Geschichte [sic] von Jesus, seine Botschaft der Liebe und die Hoffnung, dass das Leben den Tod besiegt, bilden das Fundament unserer Kirche. Dieser Glaube ist der Kern unseres kirchlichen Handelns.»

Unter Seelsorge versteht das Bistum St. Gallen, «in jeder Phase des Lebens präsent zu sein». Das beginne bei der Begleitung junger Menschen auf dem Weg zum Erwachsenwerden, reiche über die Gestaltung der grossen Lebenswenden [sic] wie Taufen oder Hochzeiten bis hin zum vertraulichen Beistand in schwierigen Momenten. Auch im Alter bleibe die Kirche als verlässliche Wegbegleiterin an der Seite der Menschen. Wiederum kein Wort zu den Sakramenten, noch nicht einmal zur Eucharistie, aus der sich die Gemeinschaft der Glaubenden nährt. Und konsequenterweise werden bei der Beschreibung der Seelsorge vor Ort keine Priester erwähnt; diese werden unter den Begriff «Seelsorgende» subsumiert.

Und da gibt es noch die Seelsorgerin, die dabei ist, wenn es darum geht, «gemeinsam den Weg zur Wahl der ersten Päpstin zu ebnen». Die Katholische Kirche im Bistum St. Gallen fördert aktiv die Gleichstellung von Mann und Frau. So arbeiten Frauen als Seelsorgerinnen und leiten Fachstellen; auch nichtgeweihte Theologinnen und Theologen dürfen predigen – vermutlich ist hier die Homilie gemeint, denn predigen dürfen weltweit alle mit einem kirchlichen Auftrag. Doch: «Die Katholische Kirche im Bistum St. Gallen sieht sich aber noch nicht am Ziel und setzt ihre Anstrengungen im Bereich Gleichstellung aktiv fort.» Und weiter unten auf der Webseite ist zu lesen: «Lassen Sie uns eine kirchliche Gemeinschaft leben, in der das Geschlecht keine Rolle spielt und alle dieselben Rechte und Pflichten haben.»

Hier scheinen die Verantwortlichen Grundsätzliches nicht verstanden zu haben. Denn Gott schuf den Menschen als Mann und Frau. Das Geschlecht spielt also für Gott sehr wohl eine Rolle. Als Abbild Gottes besitzen Frau und Mann selbstverständlich die gleiche Würde, was aber nicht mit Uniformität verwechselt werden darf.

Wo bleibt die unsichtbare Kirche?
Diese Beispiele zeigen, dass es sich nicht um einzelne Schreibfehler oder gedankenlos hingeworfene Sätze handelt, die auf der Kampagnen-Webseite zu lesen sind. Im Bistum St. Gallen will man bewusst eine andere, neue Kirche aufbauen. Eine verzweckte Kirche, die auf ihren gesellschaftlichen Nutzen reduziert wird. Eine Kirche, die nicht auf Christus gründet, sondern nur das Beispiel Jesu nachahmt. Eine Kirche, in der Sakramente keine Rolle spielen und Priester Seelsorger wie alle anderen sind. Dies zeigt sich in der Aussage auf der Webseite: «Die Arbeit der Katholischen Kirche im Bistum St. Gallen dient dem Wohl der Menschen und ihrem Zusammenleben in der Gesellschaft und in der kirchlichen Gemeinschaft. Wir leben die christlichen Werte und soziales Engagement. Wir richten uns an der Solidarität und an der Hilfe zur Selbsthilfe aus. Lassen Sie uns gemeinsam eine lebendige und funktionierende kirchliche Gemeinschaft und eine solidarische Gesellschaft bilden.»

Dazu passt, dass bei fast allen Unterthemen darauf hingewiesen wird, dass die entsprechenden Angebote Menschen aller Konfessionen resp. aller Religionen offenstehen. Und bei einem solchen verqueren Kirchenbild kann dann auch eine reformierte Pfarrerin im Video folgerichtig sagen: «Ich bin dabei.»

Die Kirche im Bistum St. Gallen verschreibt sich der Nächstenliebe und vernachlässigt dafür die Gottesliebe. Doch ohne Gott ist längerfristig keine wirkliche Liebe möglich. Wahre Liebe nährt sich von Seiner Liebe (Eucharistie) und erhält aus ihr die Kraft, über sich hinauszuwachsen, um so wahre Nächstenliebe zu üben.

Es sei den Verantwortlichen und Seelsorgenden im Bistum St. Gallen empfohlen, wieder einmal den «Katechismus der Katholischen Kirche» in die Hand zu nehmen und nachzulesen, was Kirche wirklich ist (ab KKK 748).

Die Kirche ist die Versammlung jener, «die das Wort Gottes zusammenruft, damit sie das Volk Gottes bilden und durch den Leib Christi genährt, selbst Leib Christi werden» (KKK 777).

«Die Kirche ist zugleich sichtbar und geistig, hierarchische Gesellschaft und mystischer Leib Christi. Sie bildet eine Einheit, bestehend aus menschlichem und göttlichem Element. Das macht ihr Geheimnis aus, das einzig der Glaube zu erfassen vermag» (KKK 779).

«Das Heilswerk seiner [Christi] heiligen und heiligenden Menschennatur ist das Heilssakrament, das sich in den Sakramenten der Kirche bekundet und in ihnen wirkt. Die sieben Sakramente sind die Zeichen und Werkzeuge, durch die der Heilige Geist die Gnade Christi, der das Haupt ist, in der Kirche, die sein Leib ist, verbreitet. Die Kirche enthält und vermittelt also die unsichtbare Gnade, die sie bezeichnet. In diesem analogen Sinn wird sie ‹Sakrament› genannt.» (KKK 774).[1]


Webseite der Kampagne Link

 


[1] Hervorhebungen durch die Autorin.


Rosmarie Schärer
swiss-cath.ch

E-Mail

Rosmarie Schärer studierte Theologie und Latein in Freiburg i. Ü. Nach mehreren Jahren in der Pastoral absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin.


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Bemerkungen :

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    Lorenz Meister 20.06.2026 um 23:55
    Ist denn niemand da, der sich gegen all diese Entwicklungen stellt? Muss denn alles immer so weitergehen in Richtung Abgrund?
    Sind diese Entwicklungen und Zustände nicht ein ungeheurer Ungehorsam gegenüber Gott?
    Die Exkommunikation droht jedoch anscheinend nur denjenigen, welche sich vehement gegen den Zerfall der Kirche wehren. Paradox! Nur Gott weiss, warum das so ist.
  • user
    terrasancta 20.06.2026 um 13:29
    Es erschliesst sich mir nicht, wie man Bischof - ein Nachfolger der Apostel - sein kann, und so wenig Furcht vor Gott hat, dass man jede Irreführung zulässt oder sogar fördert. Es wird nie ein Frauenpriestertum geben, weil die Kirche "weiblich" ist (Braut Christi). Ein weibliches Priestertum würde die Kirche lesbisch machen. Das Thema ist längst durch.
  • user
    Donatella 18.06.2026 um 10:24
    Leider ist es nicht nur unbedingt so, dass die Verantwortlichen und Seelsorgenden im Bistum St. Gallen den KKK nicht kennen würden, sondern eher, so wie ich öfters die kirchliche Lage unserer Bistümer erleben musste, dass sie ihn nicht anwenden wollen.
    Es wird alles geleugnet, was irgendwie mit Autorität zu tun hat, da es als menschliches Handeln angesehen wird , d.h. nicht aussagekräftig oder überhaupt verpflichtend.
    Leider wird in folge dessen (oder umgekehrt???) auch Gotteswort gleich gestellt, d.h. nicht mehr als verpflichtend betrachtet und ganz und gar in Frage gestellt.

    Es solle sich definitiv niemand mehr wundern, wenn die Kirchenbänke der hl. Messen der mit der Tradition verbundenen Gemeinden mit immer mehr Menschen, darunter immer mehr junge, besetzt werden, wo die Lehre der Kirche Christi, des Herrn, verkündet wird.
    Grosses Mitleid habe ich mit den Priestern, die einfach gesund katholisch sind, jedoch nicht in "tridentinischen" Kreisen, sondern ganz "normal" in der Landeskirche eingegliedert, und harte Kämpfe zu führen haben, damit sie die hl. Messe korrekt und würdig feiern und den wahren Glauben dabei verkünden/vertreten können.
    Lasset uns viel für die Priester, die Bischöfe und das ganze Volk Gottes beten, dass wir alles Jesus Christus und SEIN Evangelium als Quelle und Ziel unseres Glaubens und Tuns haben mögen.
    • user
      terrasancta 20.06.2026 um 19:03
      Gut geschrieben. Beten wir für alle rechtgläubigen Priester. Sie stehen unter kontinuierlichem grossen Druck und werden im dualen System oft respektlos behandeln und teilweise direkt gemobbt. Möge der HERR sie stärken und belohnen. Und möge der HERR uns wieder treue Hirten schenken. Danke für Deinen grossartigen Einsatz im Reich Gottes !!!
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    Claudio Tessari 17.06.2026 um 08:31
    Hier gibt es nur eine Lösung: den wahren Glauben authentisch verteidigen.
    Wir können für die Bekehrung des Bischof und Bistum beten und opfern, und evtl. Rom schreiben sie sollen doch endlich eingreifen.
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      Sabrina Sutter 18.06.2026 um 20:04
      Ich schliesse mich dem Gebet um die Bekehrung des Bischofs an. Er steht seit Monaten massiv in der Kritik und es bleibt uns nur zu hoffen, dass er entweder sich bekehrt oder baldmöglichst auf sein Amt verzichtet.
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    T.L.D 16.06.2026 um 23:15
    Als junger Konvertit (18) kann ich sagen, dass solch eine Aktion Leute, die ernsthaft nach dem wahren Glauben suchen, nur abschreckt. Wieso sollte man denn im Bistum St. Gallen katholisch werden, wenn dieses Positionen vertritt welche mit dem katholischen Glauben nicht vereinbar sind? Hier sehe ich den wesentlichen Grund, dass es bei uns noch keinen "Taufboom" gegeben hat. Es ist wahrscheinlicher, dass sie durch das Internet wirklich mit dem Glauben vertraut werden als in diözesanen Pfarreien.
    • user
      terrasancta 20.06.2026 um 18:58
      Ich bin Konvertit von der Pfingstkirche (30 Jahre und Ältester) zur katholischen Kirche.

      Bleibe der Kirche treu und folge mit anderen jungen Menschen dem Beispiel von Padre Pio und Bruder Klaus. Gott ruft eine neue Generation von jungen, treuen Priestern. Gemäss Analysen in den USA sind 90% der jungen Priester wieder rechtgläubig. Diese werden in 20 - 30 Jahren nach Gottes Bestimmung zu Bischöfen werden. In der Zwischenzeit bete und faste für Gottes Führung - privat und universal-kirchlich - und bleib dem HERRN treu. Dem Bischof gehorche, wo immer es geht. Dort, wo nicht die Stimme des himmlischen Hirten aus ihm spricht, gibt es keine Pflicht zum Gehorsam, aber immer zur Demut. "Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen" (Apg 5,29).
  • user
    Anna Lena Müller 16.06.2026 um 17:01
    "Frech, wild und kunterbunt den christlichen Glauben entdecken?" - Da bin ich nicht dabei. Ich bin ein anständiger Mensch, der in die Messe aller Zeiten geht.
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    Stefan Fleischer 16.06.2026 um 16:02
    Eine Kirche nach dem Motto «Ich bin dabei» ist eine Kirche, in der jeder glaubt, was er will; keiner glaubt, was er soll; aber alle glauben mit! Und so etwas will glaubwürdig sein!