Ferghane Azihari, Autor von «Der Islam gegen die Moderne», formulierte seine These ohne Abschwächung: «Islam und Islamismus sind dasselbe.» Für ihn ist die Unterscheidung zwischen Religion und politischer Ideologie eine «semantische Täuschung». Tarek Oubrou hingegen plädierte für Differenzierung, Reform und Kontextualisierung – und verteidigte die Möglichkeit einer innerislamischen Erneuerung.
«Science-Fiction der Freiheit»
Ferghane Azihari argumentierte mit historischen und statistischen Befunden. Seine Diagnose: «Die muslimische Welt ist aus einer unverhältnismässig grossen Zahl autoritärer Regime zusammengesetzt, in denen Freiheit und Gleichheit ins Reich der Science-Fiction gehören.» Von rund 50 mehrheitlich muslimischen Staaten lebten bei einer Gesamtbevölkerung von 1,9 Milliarden Menschen «nur drei Prozent unter demokratisch-liberalen Regimen, die über dem Welt-Durchschnitt liegen». Zudem befänden sich «über 60 Prozent der weltweit am stärksten diskriminierten Minderheiten» in islamisch geprägten Ländern. Auch beim Thema Terrorismus wurde er deutlich: «Das Palmares (= Liste) der tödlichsten Terrororganisationen besteht im Wesentlichen aus Gruppen muslimischer Prägung.»
Sein kulturkritischer Befund reichte weiter: Obwohl Muslime etwa ein Viertel der Weltbevölkerung stellten, entfielen lediglich «ein Prozent der Nobelpreise aller Kategorien» auf sie. Viele Preisträger hätten «ins Exil fliehen» müssen, um wissenschaftlich wirken zu können. Für Ferghane Azihari ergibt sich daraus kein zufälliges politisches Versagen einzelner Staaten, sondern ein strukturelles Problem in den religiösen Quellen selbst.
Apostasie und Freiheit: Ein heikler Moment
Besonders brisant wurde die Debatte beim Thema Religionsfreiheit. Auf die Frage, ob Muslime aus dem Islam austreten dürften, entfuhr Grossimam Oubrou zunächst: «Aber natürlich geht das nicht.» Er relativierte umgehend und verwies auf persönliche Erfahrungen: «In marokkanischen Gesellschaften gab es Kommunisten, Atheisten – das waren unsere Kumpel.»
Ferghane Azihari hielt dagegen: «Atheismus ist im muslimischen Raum eine Realität, die brutal unterdrückt wird. In Saudi-Arabien zeigt sich niemand als Atheist.» Er verwies auf konkrete Fälle von Repression und stellte klar, dass die klassischen sunnitischen Rechtsschulen bei Apostasie, d. h. Glaubensabfall, die Todesstrafe vorsähen.
Grossimam Oubrou argumentierte hermeneutisch: Es gebe «keinen Klerus, keine unfehlbare Stimme – nur die Quelle ist unfehlbar». Nicht jede Handlung des Propheten sei normativ; vieles sei «tribal», also vom Stamm abhängig, oder historisch kontextgebunden.
Gesellschaftliche Spannungen in Frankreich
Essayist Azihari untermauerte seine Kritik mit konkreten Umfragedaten aus Frankreich. «63 Prozent der Muslime sehen Homosexualität als Perversion (vs. 15 Prozent Katholiken, zehn Prozent Nichtgläubige)». Zudem vertritt «mehr als ein Muslim auf zwei» die Auffassung, «Frauen müssen dem Mann gehorchen (vs. fünf Prozent Gesamtbevölkerung)». Und «mehr als die Hälfte» meine, «Juden haben zu viel Macht in Politik, Wirtschaft, Medien (vs. 20 Prozent der Gesamtbevölkerung)». Für Ferghane Azihari sind diese Zahlen ein Hinweis darauf, dass es sich nicht um isolierte Ausreisser oder blossen Extremismus handelt, sondern um Einstellungen, die tiefer in gesellschaftlichen Milieus verankert sind.
Grossimam Oubrou hingegen sprach von einem langen Prozess der «acculturation» und zog Parallelen zu den konfliktreichen Säkularisierungsprozessen Europas. Reformen, so seine Argumentation, benötigten Zeit und seien historisch stets von Spannungen begleitet gewesen.
Wenn Begriffe beruhigen – und die Wirklichkeit verschleiern
Die Debatte zwischen Ferghane Azihari und Grossimam Oubrou war mehr als ein intellektueller Schlagabtausch. Sie legt einen zentralen Konflikt offen: das Narrativ der vergangenen Jahre, wonach «Islamismus» etwas vom «Islam» Getrenntes, Fremdes, gleichsam eine ideologische Entgleisung sei. Gerade diese sprachliche Trennung hat in Europa den Eindruck entstehen lassen, Islamismus habe mit dem ideologischen Fundament des Islam wenig zu tun. Doch was unter Islamismus diskutiert wird – die politische Ordnungskraft des Islam, die Verbindung von Religion und Staat, die Legitimation von Dschihad oder die Vorrangstellung religiöser Normen vor säkularem Recht – sind keine nachträglichen Erfindungen moderner Extremisten. Sie sind historisch und theologisch tief in der islamischen Tradition verankert.
Der gleiche Wolf, anderes Fell
Ferghane Aziharis zugespitzte These «Islam und Islamismus sind dasselbe» zielt genau auf diesen Punkt: auf die Kontinuität zwischen religiösem Anspruch und politischer Umsetzung. Seine Provokation besteht darin, die begriffliche Beruhigungsstrategie zu durchbrechen. Wenn Politik, Recht und Gesellschaft im klassischen islamischen Verständnis nicht strikt getrennt sind, dann ist der politische Islam keine Abweichung, sondern eine mögliche – und historisch dominante – Auslegung.
Grossimam Oubrou hingegen verweist auf die gelebte Realität einiger Muslime in Europa, die ihren Glauben mit demokratischen Ordnungen vereinbaren wollen. Das ist unbestreitbar. Doch die Frage bleibt, ob diese Vereinbarkeit aus den Quellen selbst erwächst – oder aus einer bewussten Distanzierung und Neuinterpretation.
Die eigentliche Herausforderung für Europa
Ein notwendiger Schritt in dieser Debatte ist daher nicht moralische Empörung, sondern begriffliche Klarheit. Solange «Islamismus» als isoliertes Randphänomen behandelt wird, bleibt die Auseinandersetzung oberflächlich. Wer Reform will, muss offen benennen, dass politische Herrschaftsansprüche, Gewaltkonzepte und religiös begründete Rechtsordnungen Teil der Tradition sind – und sich argumentativ mit ihnen auseinandersetzen.
Die eigentliche Herausforderung für Europa liegt somit nicht in der Frage, ob Kritik erlaubt ist. Sondern ob man bereit ist, die künstliche Trennung zwischen «Islam» und «Islamismus» zu hinterfragen – und die Diskussion auf der Ebene von Texten, Theologie und Machtanspruch ehrlich zu führen.
Fazit: «Islam und Islamismus sind dasselbe» ist keine blosse Wortakrobatik, sondern steht für 1400 Jahre ungelösten Konflikt des Islam mit der Moderne.
Am 20. März 2026, 19.30 Uhr, organisiert «Zukunft CH» im Riedmatt Center Rümlang am Flughafen West den Vortrag «Multikulti oder Multikonflikt? Europa zwischen Willkommenskultur und Dschihad». Als Redner ist der Extremismus- und Integrationsexperte Ahmad Mansour eingeladen. Flyer
Der Beitrag erschien zuerst bei «Stiftung Zukunft CH».
Kommentare und Antworten
Bemerkungen :
https://kath.net/news/89804
Auch an der Schule meiner Tochter merkt man, dass gerade die "liberalen" integrierten Muslime alle Ramadan halten und ein gewisser Druck entsteht. Es ist erstaunlich, wie man sich dem Islam anpasst. So werden während dem Ramadan Sportunterrichte angepasst, Freunde machen erst nach dem Fastenbrechen ab. Man kann die Augen verschliessen oder nicht. Während dieses Jahr gleichzeitig der Ramadan und die katholische Fastenzeit begann, wurde von Seite der Politik, wohlbemerkt oft getauften Politikern, zum Ramadan gratuliert und diesen bestärkt, während über die katholische Fastenzeit kein Wort gesprochen wurde. Toleranz wie sie die Kirche immer gelernt hat, ist was komplett anderes. Und ich geben P. Felber mit seiner Aussage komplett recht: die Erklärung Nostra Aetate des Zweiten Vatikanischen Konzils, wonach Christen und Muslime denselben Gott anbeten und die Kirche „mit Hochachtung“ auf die Muslime blicke, ist eine reine Katastrophe.
Ich bin ein überzeugter Katholik und glaube natürlich, dass es grosse Unterschiede zwischen dem Islam und dem Christentum gibt, die man nicht wegwischen kann. Trotzdem möchte ich alle aufrichtigen Katholiken davor warnen, falschen Propheten hinterherzulaufen, die denken, sie könnten ihre fehlende Bereitschaft, das Evangelium authentisch zu leben, durch Hass gegen Moslems kaschieren. Anstatt Hass zu predigen, sollten Katholiken in vielen Fragen des Lebensschutzes und der gesellschaftlichen Moral (Ehe, Abtreibung, Lebensschutz generell) mit den Moslems zusammenarbeiten.
Es geht nicht um Hass sondern um Wahrheit. Der Islam als Religion ist gewalttätig. An wem orientiert sich der Islam? Am Propheten Mohamed. Kein Gelehrter würde sagen, dass das Kalifat nicht erstrebenswert sei. Natürlich gibt es liberale muslimische Staatsformen, diese aber werden nicht als gottgewollt angesehen. Alle Rechtsschulen sind sich einig, dass die Demokratie z.B. Shirk ist. Ein Christ kann bei Hass und Terror sich nie auf JESUS CHRISTUS berufen, ein Muslim sich jedoch auf Mohamed. Solange wir hier die Augen verschliessen nützt der Dialog nichts, weil es kein wahrer Dialog ist. Natürlich können wir hier in einem säkularen Staat bei gewissen Themen uns politisch mit den Muslimen zusammen tun, dass ändert aber nichts in der Wahrheit über den Islam. Und im natürlichen philosophischen Sinn, sind alle Menschen Brüder weil es nur ein Gott gibt, aber im übernatürlichen sind nur die Getauften unsere Geschwister, durch Jesus Christus das möchte ich einfach noch ergänzen, weil es heute in diesem Punkt leider auch eine grosse Verwirrung gibt.
Wir fahren mit ihr, bis wir am Ziel sind, dann steigen wir aus.“„Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Kuppeln unsere Helme,
die Minarette unsere Bajonette, und die Gläubigen unsere Soldaten.“
Laut Weltverfolgungsindex 2025 von Open Doors befinden sich unter den fünfzig indexierten Staaten je nach Auslegung 30 bis 34 islamische Länder. In den zehn Staaten, in denen Christen Stand 2025 den grössten Verfolgungen ausgesetzt sind, befinden sich mit Somalia, Jemen, Libyen, Sudan, Pakistan, Iran, Afghanistan sieben klar islamisch geprägte Staaten.