Die ehemalige Kapuzinerkirche «Santissima Trinità» in Lugano. (Bild: Fazza, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons)

Kirche Schweiz

Kapu­zi­ner­kir­che in Lugano wird zum Kindergarten

Die Kapu­zi­ner­kir­che «San­tis­sima Tri­nità» in Lugano aus dem 17. Jahr­hun­dert ist von Bischof Alain de Raemy per Dekret offi­zi­ell pro­fa­niert wor­den. Sie soll in einen pri­va­ten Kin­der­gar­ten umge­stal­tet wer­den. Für den Umbau zeich­net Star­ar­chi­tekt Mario Botta verantwortlich.

Lugano hat eine Kirche weniger. Am 5. Februar 2026 hat der Apostolische Administrator für das Bistum Lugano die Kirche «Santissima Trinità» per Dekret profaniert. Die Kirche des ehemaligen Kapuzinerklosters in Lugano an der Salita dei Frati (zu Deutsch: Mönchssteig) wurde bereits seit 2014 nicht mehr genutzt, abgesehen von gelegentlichen Ausstellungen. Damals verliessen die letzten sechs Brüder das Kloster und verteilten sich auf die anderen Klostergemeinschaften im Kanton. Aktuell sind noch vier Kapuzinerklöster im Tessin aktiv: Bigorio (Capriasca nahe Lugano), Madonna del Sasso (Locarno), Bellinzona und Faído.

Erst sieben Jahre nach dem Abzug der Kapuzinerbrüder wurde die Klosteranlage an der Salita dei Frati von der gleichnamigen Stiftung «Convento Salita dei Frati di Lugano» übernommen. Die Stiftung war eigens mit dem Ziel gegründet worden, das ehemalige Kloster (in dem insbesondere eine umfangreiche Bibliothek mit rund 100 000 Werken und das Kompetenzzentrum für alte Bücher untergebracht sind) zu erhalten und neu zu beleben. 2022 diente die Klosteranlage auch kurzzeitig als Auffangzentrum für rund 50 ukrainische Flüchtlinge. Die Idee des Kindergartens besteht schon länger, wie die Stiftung auf Anfrage von «swiss-cath.ch» bestätigte, da bereits Verbindungen zu einem zweisprachigen privaten Kindergarten (Italienisch und Englisch) bestehen, der nun in die neuen Räume ziehen soll.

Die Umstrukturierung der Kirche wurde dem Tessiner Architekten Mario Botta anvertraut, der selbst Mitglied der Stiftung ist und der bereits in den Jahren 1979 bis 1983 den ganzen Klosterkomplex restauriert sowie die Bibliothek gebaut hatte. Für die Räumlichkeiten der Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren wird er das Kirchenschiff in zwei Stockwerke aufteilen. Um im Aussenbereich Platz für Autos zum Ein- und Aussteigen zu schaffen, wird ein Anbau an der nordwestlichen Ecke abgerissen werden. Die Stiftung rechnet damit, 2027 mit den Arbeiten starten zu können.
 


Die Dreifaltigkeitskirche des ehemaligen Kapuzinerklosters in Lugano wurde 1654 geweiht. Sie besitzt den typischen Grundriss franziskanischer Kirchen mit drei Seitenkapellen im Westen, einem Hauptchor und einem Nebenchor für die Mönche. Die Neorenaissance-Fassade mit Portikus wurde 1909 von Giuseppe Bordonzotti gestaltet. Im Inneren befindet sich ein spätbarocker Hauptaltar aus Nussbaumholz (um 1650) mit dem Altarbild «Heilige Dreifaltigkeit mit den Heiligen Bartholomäus und Bernhard von Clairvaux», ein Werk von Fra Semplice da Verona (1659). Die Kapuziner werden in den kommenden Monaten entscheiden, wohin sie diese sakralen Gegenstände transferieren werden.

Die Kapuziner verliessen das Kloster an der Salita dei Frati in Lugano im November 2014 aufgrund von Nachwuchsmangel und einer zunehmenden Überalterung der Gemeinschaft. Die Leitung der Schweizer Kapuzinerprovinz beschloss damals in einem Sonderkapitel mit grosser Mehrheit, das Kloster aufzugeben, um die verbleibenden Niederlassungen des Ordens im Tessin – namentlich in Locarno und Bellinzona – mit ausreichend Brüdern besetzen zu können.


Kathrin Benz

Kathrin Benz, Jahrgang 1963, ist Schweizer Journalistin und Autorin und lebt im Tessin.


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Bemerkungen :

  • user
    Yvonne Edwards 03.05.2026 um 18:43
    Eine Profanierung per Dekret durch einen Bischof von einer Kirche, die der Allerheiligsten Dreifaltigkeit geweiht wurde und als sakraler Raum seit dem 17. Jahrhundert (bis 2014) den Kapuzinerbrüdern gedient hat, ist unglaublich schmerzhaft. Es ist unfassbar, dass man keine andere Lösung gefunden hat, dieses Heiligtum für die Feier des Heiligen Messopfers zu erhalten. Es gibt christliche Gemeinschaften, besonders in der Tradition, die wachsende Zahlen an Gläubige aufweisen und die zunehmenden Bedarf an Kirchen haben. Dann wird das Heilige weiter heilig gehalten. Wenn unsere Obrigkeit die Kirchen per Dekret verweltlichen und daraus Kindergärten, Theater, Museen, usw. werden lassen, dann wird das lebendige Wasser, das vom Tempel Gottes uns das Heil bringt, immer spärlicher auf die Welt fliessen und wir werden die Konsequenzen tragen müssen.