Clemens August Graf von Galen (2.v.r.) wird anlässlich seiner Bischofsweihe in einer feierlichen Prozession aus dem Bischöflichen Palais in den Dom geleitet. (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-1986-0407-511 CC, BY-SA 3.0 DE via Wikimedia Commons)

Weltkirche

Kar­di­nal von Galen – Leucht­turm des Widerstands

«Ein Strei­ter fürs Recht, ein Rit­ter zwi­schen Tod und Teu­fel, ist gestor­ben.» So wür­digte «Die Zeit» im März 1946 Cle­mens August von Galen. Vor 80 Jah­ren starb der Kar­di­nal, der als Löwe von Müns­ter der Nach­welt in Erin­ne­rung geblie­ben ist.

Den Deutschen galt er als Leuchtturm des Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Auch für viele Ausländerinnen und Ausländer war er einer der wenigen guten Deutschen der NS-Zeit. Mit dem Ehrentitel «Löwe von Münster» ging Kardinal Clemens August von Galen in die Geschichte ein. Vor 80 Jahren, am 22. März 1946, starb der Bischof von Münster – kurz nach der triumphalen Rückkehr von seiner Kardinalsernennung aus Rom.

Adel verpflichtet
Clemens August von Galen wurde 1878 als Sohn des Grafen und Reichstagsabgeordneten des Zentrums, Ferdinand von Galen, und dessen Ehefrau Elisabeth, geborene Reichsgräfin von Spee, auf Burg Dinklage im oldenburgischen Münsterland geboren. Fleiss, Traditions- und Verantwortungsbewusstsein und eine treu-katholische Weltanschauung – das waren die Werte, die dem elften von dreizehn Kindern mit in die Wiege gelegt wurden.

Von Galens Amtszeit als Bischof fiel beinahe mit der Dauer des Dritten Reiches zusammen. Am 23. Oktober 1933 wurde der 55-Jährige zum Bischof von Münster geweiht. Zuvor war er Pfarrer in Berlin gewesen, aber 1929 vom damaligen Münsteraner Bischof zurück nach Westfalen geholt worden. Dort sollte er als Pfarrer der Münsteraner Stadtkirche Sankt Lamberti den teilweise zur rechtskonservativen DNVP oder sogar zur NSDAP driftenden westfälischen Adel zurückholen. Sein Wahlspruch lautete «Nec laudibus nec timore» (Weder durch Menschenlob noch durch Menschenfurcht).

Anfangs war er den Nationalsozialisten als Bischof nicht unwillkommen, da er den national-konservativen und demokratischen Parteien kritisch gegenüberstand. An seiner Weihe im Dom zu Münster nahmen SA-Formationen mit Hakenkreuzfahnen teil. Für Bischof von Galen selbst stand die grundsätzliche Rechtmässigkeit der NS-Regierung ausser Zweifel. Doch schon 1934 wandte sich der hochgewachsene Geistliche gegen eine völkisch-rassistische Verfälschung des Christentums und brandmarkte die rassistische und pseudogermanische Religionsvorstellungen glorifizierende Ideologie des NS-Chefideologen Alfred Rosenberg.

Staatsfeind und Landesverräter
Spätestens im Sommer 1941 wurde der Bischof in den Augen Hitlers und seines Propagandaministers Joseph Goebbels zum «Staatsfeind» und «Landesverräter». Womit hat er sich diese «Ehrentitel» verdient? In drei Predigten wandte sich Bischof Clemens August gegen Euthanasie, Nazi-Terror und Willkür. Als einer von wenigen Bischöfen protestierte er öffentlich; Abschriften seiner Predigten wurden über Deutschland hinaus und an allen Fronten verbreitet. «Der physischen Übermacht der Gestapo steht jeder deutsche Staatsbürger völlig schutzlos und wehrlos gegenüber», hiess es darin.

Am 3. August 1941 prangerte Bischof von Galen den organisierten Mord an Menschen mit körperlichen, geistigen und seelischen Behinderungen an und trug damit wesentlich dazu bei, dass die Nazis das sogenannte Euthanasie-Programm zumindest vorübergehend stark einschränkten.

«Wenn man den Grundsatz aufstellt und anwendet, dass man den ‹unproduktiven› Menschen töten darf, dann wehe uns allen, wenn wir alt und altersschwach werden.» Hitler schäumte vor Wut. Doch die Abrechnung glaubte er auf die Zeit nach dem Krieg verschieben zu müssen. Die Nazis fürchteten zu Recht, das Rheinland und Westfalen abschreiben zu müssen, wenn man aus dem Bischof einen Märtyrer machen würde.

Bischof von Galen wurde von Historikern später vorgehalten, er habe in erster Linie für die Rechte der Kirche gekämpft und nichts für die bedrohten Juden getan. Ein Vorwurf allerdings, der ausser Acht lässt, dass der Bischof auf bereits geplante öffentliche Proteste verzichtete, weil Juden selbst ihn darum baten. Sie fürchteten, dass die Nazis, wie in den Niederlanden geschehen, dann erst recht zuschlagen würden.

Am 21. Februar 1946 ernannte Papst Pius XII. Bischof Clemens August von Galen wegen seiner Haltung während der NS-Zeit zum Kardinal. Am 16. März kehrte der schwerkranke von Galen aus Rom zurück. 50 000 Menschen empfingen ihn in seiner Bischofsstadt. Vor der Trümmerlandschaft der Domruine zitierte der Kardinal das Christus-Wort: «... und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen». Sechs Tage später erlag der 68-Jährige einer verschleppten Blinddarmentzündung.

2005 wurde er seliggesprochen. Erst kürzlich forderte der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterović, eine baldige Heiligsprechung des Kardinals.


KNA/Redaktion


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Bemerkungen :

  • user
    Schwester Johanna 21.03.2026 um 12:12
    Vor dem Hintergrund einer derartig gewaltigen Bischofsgestalt ist das Amtswalten von Bischof Bonnemain im Bistum Chur ein anhaltender Skandal: Bischof von Galen hat das Christentum gegen Verfälschung durch den Zeitgeist verteidigt, Bischof Bonnemain hat sich dem Zeitgeist auf kriecherische Weise unterworfen.
    • user
      J. Malepied 21.03.2026 um 19:41
      Der Vergleich hinkt
      • user
        Martin Meier-Schnüriger 22.03.2026 um 15:22
        Nun, man kann die Umstände der damaligen und der heutigen Zeit natürlich nur bedingt vergleichen. Kardinal von Galen hatte es mit einer mörderischen Diktatur zu tun, Bischof Bonnemain müsste nicht um Leib und Leben fürchten, wenn er als katholischer Bischof klar und deutlich die Lehre der Kirche verteidigen würde. Um so enttäuschender ist es deshalb, dass er es nicht oder zumindest nur halbherzig tut. Andererseits konnte Kardinal von Galen davon ausgehen, dass die Mehrzahl der Angehörigen seines Bistums zu ihm stehen würde, wenn es hart auf hart ging. Was dagegen mit Schweizer Bischöfen der Gegenwart geschieht, die zur Lehre der Kirche stehen, haben wir in jüngster Zeit zur Genüge erfahren: Zwar keine Gestapo, wohl aber "sanfte Verfolgung" durch die Medien und eine mächtige Apparatur namens Staatskirche. Kurt Koch wurde schliesslich nach Rom geholt, für Wolfgang Haas wurde ein eigenes Minierzbistum geschaffen und Vitus Huonder hielt zwar bis zu seiner Emeritierung durch, ohne allerdings viel bewirken zu können - zu gross waren die Steine, die ihm in den Weg gelegt wurden.