(Symbolbild: geralt/Pixabay)

Mit spitzer Feder

Karl Barth und seine Frauen – wo blei­ben die Feministinnen?

«Ein Pfar­rer und zwei Frauen – Karl Barths Lie­bes­le­ben wirkte sich auch auf sein Den­ken aus». So lau­tet der Titel einer Buch­be­spre­chung in der NZZ vom 28. März 2026. Die Rezen­sion gilt einem unlängst erschie­ne­nen Sam­mel­band. Sein Inhalt wid­met sich drei gros­sen Theo­lo­gen des 20. Jahr­hun­derts und den Frauen an ihrer Seite: Karl Barth, Hans Urs von Bal­tha­sar und Karl Rahner.

Mittlerweile gut dokumentiert ist Barths Jahrzehnte währende «Ménage à trois». Im September 1929 zog die zur Geliebten und wissenschaftlichen Hilfskraft avancierte Charlotte von Kirschbaum in den Haushalt von Karl Barth und seiner Ehefrau Nelly, geborene Hoffmann, in Münster ein. Diese Dreiecksbeziehung sollte über Jahrzehnte andauern – bis eine Demenzerkrankung Charlotte von Kirschbaum zum Umzug in eine psychiatrische Klinik zwang. Die Liaison von Barth, auch «Kirchenvater des Protestantismus» genannt, mit seiner Geliebten blieb nicht ohne Einfluss auf sein theologisches Schaffen. Stefan Reis-Schweizer, Autor des genannten NZZ-Beitrages, zitiert aus Barths Selbsteinschätzung: «Es wurde mir auf eine sehr konkrete Art verboten, der Legalist zu werden, der ich unter anderen Umständen hätte werden können.»

Zu Nelly Barth, der ihr Mann diese Dreierbeziehung und damit einen fortwährenden Ehebruch im eigenen Haus zumutete, findet sich im Beitrag des NZZ-Redaktors kein einziges Wort. Seine Perspektive ist ausschliesslich jene des Dogmatik-Professors Karl Barth.

Ein senkrechter Einschlag von oben
Einblicke in die Zumutungen, welche die insbesondere um der fünf gemeinsamen Kinder willen bei ihm ausharrende Ehefrau zu erdulden hatte, bietet ein bereits am 12. Oktober 2018 erschienener, ausführlicher Beitrag in der «NZZ am Sonntag», der seinerseits auf eine Monographie von Christiane Trietz Bezug nimmt («Karl Barth. Ein Leben im Widerspruch»). Zwar nimmt auch darin die Theologie Barths und deren der Liaison mit Charlotte von Kirschbaum geschuldeten Interaktionen breiten Raum ein. Aber das spannungsgeladene, vor allem Ehefrau Nelly belastende Dreiecksverhältnis wird nicht unter den Teppich gekehrt.

Am Beginn des kometenhaften Aufstiegs Barths in den Olymp der Theologen war dessen aufsehenerregende Neuinterpretation des Römerbriefes bzw. die darauf fussende sogenannte dialektische Theologie mit ihrer Losung «Totaliter aliter»: Gott der ganz andere – erfahrbar nur als senkrechter Einschlag von oben. Scharf trennt Barth Gott von den weltlichen Dingen, wozu er nicht nur Staat und Politik, sondern auch die Religion rechnete. Nicht umsonst hat Barth einmal gesagt, der einzige Grund, nicht katholisch zu werden, sei der Grundsatz der analogia entis, demzufolge alles Seiende in abgestufter Form gottgemäss ist.

Barth wurde mit seiner Römerbrief-Interpretation auf einen Schlag international berühmt, erhielt nota bene ohne Promotion umgehend einen Ruf als Professor in Göttingen.

Der «senkrechte Einschlag von oben» widerfuhr dem Theologieprofessor Barth nicht nur bei der Lektüre des Römerbriefes, sondern auch ganz konkret und persönlich durch die wie ein Meteorit einschlagende Bekanntschaft mit seiner späteren Geliebten und Mitarbeiterin Charlotte von Kirschbaum. «Wie selbstverständlich wir uns ineinanderfügen», schwärmt er in einem seiner Briefe an Charlotte von Kirschbaum. Er nennt sie «Löllchen» und «Locherl».

Gleichwohl ist sich Karl Barth auch bewusst, dass er mit dem Bruch seines Ehegelöbnisses Schuld auf sich geladen hat. Er spricht von einer «Notgemeinschaft» zu Dritt – auf Kosten seiner Frau Nelly. Sie wurde zum dritten Rad am Wagen: «Von ihrem Mann betrogen, hoffte sie zuerst noch vergeblich, seine Zuneigung zurückzugewinnen, um sich schliesslich auf die Rolle der Hauswirtschafterin und Kindererzieherin reduziert zu sehen.» Barth selbst gesteht, «dass ich ja ein Karnickel bin, das wirklich an allem schuld ist» («NZZ am Sonntag vom 12. Oktober 2018).

Gleichwohl will er nun in seinem ganz persönlichen Bereich von der theologisch-theoretisch behaupteten, scharfen Trennung von Gott und Welt, von Gott und Mensch, plötzlich nichts mehr wissen. Seine Liebschaft mit Charlotte von Kirschbaum könne nicht einfach Teufelswerk sein, sondern da handle irgendwie doch auch Gott. Vergeblich warnte die Mutter von Karl Barth ihren Sohn: «Was hilft die scharfsinnigste Theologie, wenn sie im eigenen Haus Schiffbruch erleidet?»

Barth sah sich zu einer Neubesinnung umso weniger imstande, als die «Dritte im Bunde», Charlotte von Kirschbaum, ihn zusehends mehr monopolisierte und einen quasi Exklusivitätsanspruch auf den so berühmt gewordenen Theologie-Professor für sich reklamierte. Blind vor Eifersucht höhnte sie über des Professors Ehefrau: «Sie kommt mir vor wie ein Kind, das, wenn ihm ein Spielzeug weggenommen ist, nun auch alles andere beiseiteschiebt» (ibid.).

Fazit: Ein «Ménage à trois»: Eine bzw. eine der Beteiligten zahlt die Zeche. Und wie so oft auch hier: die betrogene Ehefrau. Ihr Schicksal übergeht der eingangs erwähnte Rezensent mit Schweigen. Eigentlich eine Steilvorlage für Feministinnen, dazu gerade nicht zu schweigen. Doch wo bleiben sie?


Niklaus Herzog
swiss-cath.ch

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Lic. iur. et theol. Niklaus Herzog studierte Theologie und Jurisprudenz in Freiburg i. Ü., Münster und Rom.


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Bemerkungen :

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    Rolf Joachim Erler 24.04.2026 um 19:49
    Sehr geehrter, lieber Herr Niklaus Herzog,

    haben Sie vielen Dank dafür, dass Sie auf meinen Beitrag überhaupt reagiert haben! Ich dachte hernach sofort an ein gutes Wort meines väterlichen Freundes und Barth-Verehrers Johannes Rau: "Solange es um Menschen geht, darf das Gespräch nicht aufhören!" Doch das ist uns auf diesem Wege leider vorenthalten. Nehmen Sie mir, bitte, ab, dass ich gewissermaßen seit nun Jahrzehnten alles mir Greifbare von und auch über Karl Barth gelesen habe (inkl. "Unheilige Paare"). Und als ehemaliger, mehrjähriger Stasi-Häftling durfte ich lernen, mein Augenmerk besonders auf Menschen zu richten, die auch Leid erfahren haben. Das ist bei allen Dreien sowohl bei Karl Barth, Charlotte von Kirschbaum und Nelly Barth eindeutig der Fall gewesen, wenn man ihr Leben vor allem einmal "von unten" und nicht von oben herab moralisierend betrachtet. Und wissen Sie auch, wie sich Barth unentwegt u.a. für jüdisch Verfolgte eingesetzt hat? Sein Patenkind, Tobias List, war Jude. Ich habe ihn als alten Mann in New York aufgesucht.
    Noch das zu den ad fontes: Es gibt gar keinen "unter Verschluss gehaltenen Briefwechsel zwischen Karl Barth und Nelly Barth"! Aber eben, das wäre eines Gespräches wert.
    Ihnen alles, alles Gute!
    Mit freundlichen Grüßen
    Rolf Joachim Erler
    • user
      Redaktion 29.04.2026 um 07:44
      Sehr geehrter Herr Erler,
      Besten Dank für Ihre Duplik. Es ging mir in meinem Beitrag primär nicht um eine Kritik an Karl Barth und seiner Ménage à trois, sondern um eine Kritik an deren Rezeption. Denn dem heutigen Zeitgeist entsprechend beherrscht der vermeintlich vernachlässigte theologische Genius seiner Geliebten Charlotte von Kirschbaum die Debatte, den es nun endlich gebührend zu würdigen gelte. Das Schicksal von Barths Ehefrau Nelly, für welche dieser Ménage à trois eine fortwährende seelische Tortur bedeutete, wird demgegenüber weitgehend ausgeblendet.
      Mehr noch: Martin Helg versteigt sich in seinem NZZ-Beitrag vom 12.10.2018 («Karl Barth: Der Kirchenvater mit den zwei Frauen») zur Aussage, die Beteiligten dieser «Notgemeinschaft zu Dritt» hätten sich als «eine Art Pioniere der modernen Liebe» erwiesen, hätten ein «experimentelles Patchwork» gewagt und die heutigen «liberalen Verhaltens-Standards im Zeichen der sexuellen Freiheit» um Jahrzehnte vorweggenommen. Was wohl die jahrelang betrogene Ehefrau Nelly zu dieser ungefragten Verklärung ihrer Leidensgeschichte sagen würde?
      Item: Sie schreiben, von einem von mir konstatierten »unter Verschluss gehaltenen Briefwechsel zwischen Karl Barth und Nelly Barth» könne keine Rede sein. Diese Aussage ist höchst erklärungsbedürftig. Elke Pahud de Mortanges schreibt jedenfalls in ihrem Buch «Unheilige Paare»: «Seine (sc. Barths) Korrespondenz mit Nelly, die im Karl-Barth-Archiv in Basel aufbewahrt wird, ist nicht zugänglich. Nelly Barth und ihre Kinder haben sich gegen eine Publikation entschieden.» Eben diese Publikation ist eine conditio sine qua non, um eine ethisch und wissenschaftlich adäquate Würdigung dieser Ménage à trois vornehmen zu können.
      In fine: Es irritiert, wenn Sie ausgerechnet als ehemaliger Stasi-Häftling den unbestritten vorbildlichen und überaus mutigen Kampf Barths gegen den Nationalsozialismus unterstreichen. Gerade habe ich unlängst wieder die Schrift «Der Passfälscher» des Juden Cioma Schönhaus zur Hand genommen. Darin beschreibt er seine halsbrecherische Flucht vor den Gestapo-Schergen auf dem Velo von Berlin nach Stein am Rhein. In der Schweiz angekommen hat ihm Karl Barth ein Stipendium für seine Ausbildung verschafft. Chapeau!
      Nur: Mit seiner überaus zwiespältigen, Missverständnissen Vorschub leistenden Haltung gegenüber der DDR-Diktatur hat Barth sein hohes Ansehen als Widerstandskämpfer gegen den Totalitarismus selber beschädigt.
      Niklaus Herzog, Redaktionsleiter swiss-cath.ch
  • user
    Rolf Joachim Erler 21.04.2026 um 19:44
    Als Herausgeber des Briefwechsels Karl Barth/Charlotte von Kirschbaum las ich sowohl den obigen Artikel wie auch einige Kommentare dazu mit einiger Verwunderung. Denn was vermisste ich: Ad fontes! - Wer von all Schreibern hat sich wohl je einmal der Mühe unterzogen, auch der Leidensgeschichte zwischen all den Dreien nachzugehen? Ganz offensichtlich ist da vieles aus vorangegangenen Zeitungsartikeln im gleichen Tenor übernommen, abgeschrieben worden (z.B. aus der Berner Zeitung vom 20.12.2008. "Lollo oder das siebte Gebot"; aus der SZ vom 14.07.2009). Ich greife nur ein winziges Beispiel aus dem "Fazit" heraus: die angeblich "betrogene Ehefrau". Es ist jedenfalls beachtenswert, wie Karl Barth in dem ganzen Briefwechsel stets mit "offenen Karten gespielt" und sowohl seiner Ehefrau Nelly als auch Charlotte von Kirschbaum die ganze Verantwortung für all das Leiden zwischen den Dreien übernommen hat. Dazu ein etwas wenig umgewandelter Barthscher Satz: "Kritischer müssten mir die Kritischen sein" (cf. Vorwort zum "Römerbrief II", S. XII). - Und schlussendlich: Barth selber könnte vielleicht noch zu allem sagen: ""Nein, man braucht lange nicht überall zu antworten, wo irgend etwas Unerfreuliches von einem gesagt wird." (KD III/4, S. 782).
    • user
      Redaktion 22.04.2026 um 06:28
      Sehr geehrter Herr Erler,
      In Ihrem Kommentar gibt es einiges zu berichtigen und zu ergänzen. Zunächst einmal insinuieren Sie, ich hätte vieles aus älteren Zeitungsartikeln übernommen und abgeschrieben, und zitieren als Beleg die Berner Zeitung vom 20.12.2008 und die Süddeutsche Zeitung vom 14.07.2009. Diese Behauptung ist falsch. Ich habe mich vielmehr auf Beiträge der Neuen Zürcher Zeitung bzw. der NZZ am Sonntag (vgl. NZZ vom 28.3.2026 und NZZ am Sonntag vom 12. Oktober 2018) bezogen, also zehn bzw. 16 Jahre jüngere Publikationen.
      Es ist zudem weder nachvollziehbar noch akzeptabel, wenn Sie von der «angeblich (sic) betrogenen Ehefrau» Barths sprechen. Barth hat sie jahrzehntelang bewusst und willentlich betrogen. Für seine Ehefrau Nelly war dies eine fortwährende Tortur. Elke Pahud de Mortange betitelt in ihrem Buch «Unheilige Paare?» ein Kapitel mit den Worten «Für Nelly eine unerhörte Störung und Bedrückung».
      Ebenfalls unzutreffend ist Ihre Behauptung, derzufolge Karl Barth «die ganze Verantwortung für all das Leiden zwischen den Dreien übernommen hat.» Elke Pahud de Mortange wiederum zitiert im genannten Buch eine Passage aus einem Brief, den Barth an seine Geliebte Charlotte von Kirschbaum geschrieben hat: «Auf alle Fälle bedeutet das, was nun eben ist, für Nelly eine unerhörte Störung und Bedrückung und für mich, aber auch für dich, in erster Linie eine Schuld ihr gegenüber.»
      Ad finem: Sie vermissen in meinem Beitrag den Bezug zu den Originalquellen («Ad fontes»). Diese Aufforderung richtet sich in erster Linie an Sie selbst. Denn als Herausgeber des Briefwechsels Karl Barth / Charlotte von Kirschbaum wären Sie geradezu prädestiniert, darauf hinzuwirken, dass der weiterhin unter Verschluss gehaltene Briefwechsel zwischen Karl Barth und seiner Frau Nelly der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Dessen Inhalt würde mit grosser Wahrscheinlichkeit an den Tag bringen, was Nelly in all ihren Ehejahren mit Karl Barth durchgemacht hat.
      Niklaus Herzog,
      Redaktionsleiter swiss-cath.ch
  • user
    Josef Köchle 15.04.2026 um 10:16
    Der Prophet Natan hat demKönig David den Ehebruch mit Batseba und den Mord an Urija vorgeworfen, aber nicht seine Nebenfrauen.
  • user
    Josef Köchle 13.04.2026 um 11:44
    Lieber Martin, ich habe inzwischen das Kirchenrecht konsultiert. Dort heisst es, dass die Einheit zum Wesen der Ehe gehöre. Die Nebenfrauen von Abraham können also keine Ehefrauen gewesen sein. Er hat sie aber wohl nicht anderen Männern weggenommen - darum hat er auch deren Ehe nicht gebrochen. Was die eigen Ehe anbelangt, sieht man in der Bibel keinen Vorwurf.
  • user
    Martin Meier-Schnüriger 11.04.2026 um 13:02
    Der Fall ist eindeutig und so, wie es Herr Herzog darstellt. Wieso Du, lieber Josef, den ich als treuen Katholiken kenne, Karl Barths "Ehe zu Dritt" rechtfertigen willst, ist mir ein Rätsel.
    Zum Artikel selbst: Karl Barth war sich offenbar sehr wohl bewusst, dass das, was er da tat, vor Gottes Angesicht nicht richtig war. Auch bei ihm scheint der Geist willig, aber das Fleisch schwach gewesen zu sein. Gerade im 6. Gebot ist diese Gefahr besonders gross, denn nirgendwo sonst ist die Sünde so verlockend wie da. Lebt man dann noch in einer Gesellschaft, die diese Sünde nicht nur nicht erkennt, sondern sie sogar als "Liebe" verkauft, fällt der Kampf um so schwerer. Doch letztlich gilt auch hier: Nicht wer nie fällt, ist ein guter Christ, sondern wer nach dem Fall wieder aufsteht. Dass es bis zum Lebensende nicht zu spät ist, wieder aufzustehen, zeigt die wunderschöne Geschichte des Schächers am Kreuz, dem Jesus den sofortigen Eintritt ins Paradies verhiess. Hoffen wir, dass es Karl Barth ähnlich ergangen ist. Immerhin gibt es von ihm auch Gutes zu vermelden: Als protestantischer Theologe riet er seinen Studenten: "Lest Ratzinger!"
  • user
    Josef Köchle 09.04.2026 um 13:02
    Ehebruch?

    Barth war Protestant - seine Ehe also nicht sakramental. Jesus sagt: "Wer seine Frau entlässt und eine andere heiratet, begeht Ehebruch." Barth hat seine erste Frau nicht entlassen. Auch Abraham hatte z.B. mehrere Frauen und Nachkommen mit ihnen, was in der Bibel als ganz normal angesehen wird.
    • user
      Redaktion 09.04.2026 um 15:01
      Aus der Sicht der katholischen Kirche ist jede zwischen Getauften geschlossene Ehe ein Sakrament, also auch die von Protestanten geschlossene Ehe. Der Unterschied besteht darin, dass nur Katholiken an die kanonische Formpflicht gebunden sind. Demzufolge gilt auch eine von Protestanten bloss zivil geschlossene Ehe als Sakrament. Gemäss can. 1055 § 1 des kirchlichen Gesetzbuches wurde die Ehe zwischen Getauften «von Christus dem Herrn zur Würde eines Sakramentes erhoben». Can. 1055 § 2 ergänzt: «Deshalb kann es zwischen Getauften keinen gültigen Ehevertrag geben, ohne dass er zugleich Sakrament ist.»
      Es trifft auch nicht zu, dass in der Bibel die Polygamie als «ganz normal angesehen wird». Dass die Ehe ein Bund zwischen einem Mann und einer Frau ist, wird im Alten wie im Neuen Testament mehrfach bekräftigt (vgl. u.a. Genesis 1, 27 und Matthäus 19,4-6). Dass in der Praxis damals wie heute immer wieder gegen die Lehre Christi bzw. der Kirche verstossen wird, ist eine Tatsache, ändert aber nichts an ihrer Wahrheit und Verbindlichkeit.
      Niklaus Herzog, Redaktionsleiter
      • user
        Josef Köchle 09.04.2026 um 22:03
        Herr Herzog, Sie unterschlagen in Ihrer Antwort die Aussage Jesu in Mt 19,4-6: "Wer seine Frau entlässt ...".
        • user
          Redaktion 10.04.2026 um 11:26
          «Herr Köchle, ich habe mitnichten die Aussage Jesu in Mt 19, 4-6 unterschlagen, sondern im Gegenteil eigens darauf hingewiesen! Item: Sie gehen offensichtlich von der irrigen Annahme aus, nur dann liege ein Ehebruch vor, wenn ein Mann seine Fau entlässt und eine andere heiratet. Dies ist keineswegs der Fall. Eine Schlüsselstelle ist diesbezüglich Joh 8, 1ff. («Da bringen die Pharisäer und Schriftgelehrten eine Frau, die beim Ehebruch ergriffenworden war.» Im folgenden stellten sie Jesus eine Fangfrage (unter Verweisung auf das Alte Testament bzw. das Gesetz Moses, gemäss welchem der Ehebruch der Frau mit der Steinigung bestraft werden muss). Jesus reagiert mit dem berühmt gewordenen Satz: «Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.» Er negiert also nicht den Tatbestand des Ehebruchs, erteilt aber der diesbezüglichen barbarischen Sanktion eine Absage. Zur Frau sagt er: «Geh, sündige von nun an nicht mehr.»
          Niklaus Herzog, Redaktionsleiter