Wie ein Fähnchen im Wind. (Bild: Mat Brown/Pexels)

Mit spitzer Feder

«kath​.ch»: vom Sau­lus zum Paulus?

Unser­ei­ner reibt sich die Augen: Da gewährt das kir­chen­of­fi­zi­elle Online-​Portal «kath​.ch» in einem Inter­view Michael Fent unge­fil­tert eine Platt­form für des­sen mis­sio­na­ri­sches Wir­ken als Pries­ter im Senegal.

Michael Fent, zum Bistum Chur gehörend, wirkt seit gut anderthalb Jahren als Vikar in einer Pfarrei in diesem afrikanischen Land. Er ist von dessen Bevölkerung begeistert, zeichnet ein Kontrastprogramm: Hier die müde gewordene Christenheit in der Schweiz, wo Missionieren zum Tabu geworden ist, ja geradezu allergische Reaktionen hervorruft; dort Senegal, wo der Glaube bekenntnisübergreifend buchstäblich mit Händen zu greifen ist, wo der Same des Evangeliums auf fruchtbaren Humus fällt, im Gegensatz zum betonversiegelten Boden hierzulande.

Nicht, dass Michael Fent für sein missionarisches Wirken fern der Heimat ein adäquates Forum zu verwehren wäre – um Himmels willen Nein!

Doch mit dem Portal «kath.ch» ist es so eine Sache. Ist das nicht das Medium, das bis vor nicht allzu langer Zeit unter der Ägide von Raphael Rauch mit deutscher Gründlichkeit so ziemlich alles in den Dreck zog, was auch nur entfernt mit Hierarchie und Klerus zu tun hatte? Just dieser Rauch, der «kath.ch auf Krawall gebürstet hatte» (NZZ) und den Liturgiebrief der Bischöfe Gmür, Bonnemain und Büchel mit den Worten quittierte: «Was verzapfen da die Bischöfe für einen Unsinn?»

Nichts könnte die abrupte Kehrtwende besser illustrieren als eben dieser «kath.ch»-Artikel von Barbra Ludwig: «Michael Fent: ‹Die Menschen im Senegal nehmen mir die Angst vor dem Missionieren›» (24. September 2026). Denn im grellen Kontrast zur wohlwollenden journalistischen Orchestrierung entlang der ganzen Länge dieses Artikels werden an dessen Ende zwei Links zu Beiträgen gesetzt, die es in sich haben. Der erste erklärt die Mission zum überholten Auslaufmodell («50 Jahre ‹Fidei Donum›: Warum die Mission nicht mehr missioniert» – «Bei der Mission steht längst nicht mehr die Evangelisierung im Zentrum. Es geht darum, für die Menschen da zu sein» («kath.ch» 10. August 2022). In eine Etage tiefer führt der zweite verlinkte Artikel «‹Fidei Donum› und der Missbrauch: Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul?» («kath.ch» 9. August 2022). Darin diffamiert Claus Noppeney die (temporären) Einsätze hiesiger Priester in Missionsländern als Verschiebebahnhof für missbrauchsverdächtigte Kleriker.

Relativ bald einmal realisierte die «kath.ch»-Redaktion, dass dieses toxische Erbe ihres ehemaligen Chefs Rauch nicht ganz zum Artikel des aktuell im Senegal wirkenden Priesters Michael Fent passen will. Es dauerte nur wenige Stunden, da wurde Noppeneys Gastkommentar durch einen anderen Link ersetzt. Titel: «Papst: Jeder Christ muss auch ein Missionar sein». Diese Aussage hatte Papst Franziskus beim Angelus-Gebet vom Sonntag, den 24. Januar 2016, gemacht: So ziemlich das pure Gegenteil dessen, was die ersten beiden Links der Leserschaft suggerierten. Mit der Kehrtwende um 180 Grad wird es der «kath.ch»-Redaktion schwerlich gelingen, ihre arg ramponierte Glaubwürdigkeit wieder ins Lot zu bringen.

Wendehälse
Dies gilt umso mehr, als jene Redaktionsmitglieder, die sich unter der Knute von Ex-Chef Rauch besonders hingebungsvoll am Kirchen-Bashing beteiligten, nun plötzlich auffallend oft der Hofberichterstattung huldigen – aus Kompensationsgründen ist man geneigt anzunehmen. Da wäre einmal Wolfgang Holz zu nennen, der mehrfach in reisserischer Manier gegen den wegen Sexualdelikten verurteilten Kirchenschreiber der Kirchenpflege Wägital vom Leder zog. Zu nennen ist aber vor allem Barbara Ludwig. Sie liess sich willfährig für Rauchs Rufmordkampagne gegen den damaligen Degussa-Chef Markus Krall einspannen. Eine Kampagne, die «kath.ch» mit einer Entschuldigung wegen schwerer Persönlichkeitsverletzung und einer hohen Genugtuungssumme bezahlen musste.

Die Wiederherstellung der schwer lädierten Glaubwürdigkeit (unter anderem drei Rügen des Schweizer Presserates wegen Verletzung elementarer journalistischer Sorgfaltspflichten) ist jedenfalls mit einem Wendehals-Journalismus nicht zu schaffen.


Niklaus Herzog
swiss-cath.ch

E-Mail

Lic. iur. et theol. Niklaus Herzog studierte Theologie und Jurisprudenz in Freiburg i. Ü., Münster und Rom.


Kommentare und Antworten

×

Name ist erforderlich!

Geben Sie einen gültigen Namen ein

Gültige E-Mail ist erforderlich!

Gib eine gültige E-Mail Adresse ein

Kommentar ist erforderlich!

Captcha Code Kann das Bild nicht gelesen werden? Klicken Sie hier, um zu aktualisieren

Captcha ist erforderlich!

Code stimmt nicht überein!

You have reached the limit for comments!

* Diese Felder sind erforderlich.

Bemerkungen :

  • user
    Heinz Meier 27.09.2026 um 22:58
    Was für eine Fehde! Der Verfasser findet das Amen nicht mehr in der causa „Ruch und Co“. Was für eine Dauer-Schelte auf das kath.ch ! Das ist ein Selbstläufer, ja das Markenzeichen von swisscath. Auch wenn nicht alle Rechnungen beglichen sind - Im Sinne der zahlreichen Ermahnungen in den Evangelien wird es doch längst Zeit sein, einen Schlusspunkt zu machen. Kath.ch wird durch dieses unausgesetzte Herumstochern in ihren Eiterbeulen nicht gesünder.“
    • user
      Martin Meier-Schnüriger 29.09.2026 um 14:48
      Dauerschelte? Herr Herzog findet es ja gut, dass kath.ch den Rank gefunden zu haben scheint, nur traut er dieser plötzlichen Bekehrung nicht ganz, und das wohl zu Recht. Immerhin dürfen wir uns über die wohlwollende Berichterstattung zu Michael Fents Wirken im Senegal freuen. Noch schöner wäre es, wenn sich Bischof Bonnemain auch freuen und den seeleneifrigen Jungpriester ins Bistum Chur zurückrufen würde - und zwar ohne Assessment!