(Symbolbild: Pablo Heimplatz/Unsplash)

Interview

Katholisches Dating-Portal

Seit 20 Jahren gibt es das katholische Dating-Portal «kathTreff»; die Idee dazu hatte das Ehepaar Gudrun und Martin Kugler. Zunächst für deutschsprachige Katholikinnen und Katholiken gedacht, ist das Portal inzwischen auf neun Sprachen ausgeweitet worden. Im Interview mit «swiss-cath.ch» erzählt Dr. Martin Kugler über die Idee und die Erfahrungen rund um «kathTreff».

Wie kam es zur Gründung von «kathTreff»?
Vor über 20 Jahren begann der Boom von Online-Dating Portalen aller Art. Meine Frau und ich sind damals immer wieder auf diese Idee gestossen, auch für Katholikinnen und Katholiken im deutschen Sprachraum so ein Angebot zu schaffen. Und wir haben es einfach mit sehr geringen finanziellen Mitteln versucht. Später haben dann Freunde aus anderen Ländern gefragt, ob sie diese Idee in ihrer Sprache umsetzen dürfen, und so ist die kathTreff-Familie in derzeit neun Sprachen entstanden.

Wie funktioniert «kathTreff» konkret?
Man registriert sich auf der Website mit seiner E-Mail-Adresse, einem selbst gewählten Nutzernamen. Dann füllt man die Fragen zur Person, Interessen, Eigenschaften, Hobbies usw. aus, lädt ein Foto hoch und schon kann man mit der Suche loslegen oder sich «finden lassen».

Was unterscheidet «kathTreff» von anderen Dating-Portalen?
Wir kämpfen immer noch gegen das Vorurteil, Online-Dating sei eher etwas für oberflächliche Menschen. Wer einmal bei uns hineinschaut, sieht sofort, dass dies nicht richtig ist. Heute ist das Internet ein Ort, an dem sich viele attraktive Menschen mit Tiefgang kennenlernen. Und in unserem Fall ist der gemeinsame Nenner des Glaubens eine starke Basis für ein gelungenes Ehe- und Familienleben.

Das Online-Portal bietet zurzeit etwa 2000 Partnersuchenden neben den klassischen Funktionen der Dating-Seite eine Community, Veranstaltungen und einen speziell entwickelten Matchtest.

Können Sie ein einige konkrete Themen/Fragen angeben, die zum Matchtest gehören?
Gerne. Es geht zum Beispiel um die Freizeitgestaltung: «So stelle ich mir einen freien Samstag in einer Beziehung bzw. mit Familie vor» oder «So verbringe ich am liebsten einen freien Abend.»
Oder dann konkret ums Christsein: «Diese Aussage trifft am ehesten auf mein Leben als Christ im Alltag zu» oder «Welche der folgenden Aussagen trifft am ehesten Ihre Einstellung zum Sinn des Lebens?»
Und natürlich auch Fragen zur Partnerschaft respektive Familie: «So würde ich in einer Partnerschaft die Hausarbeit aufteilen»; «Meine Einstellung zu Treue und Eifersucht in einer Beziehung»; «Meine Einstellung zu Kinderzahl und Geselligkeit».

Besteht nicht die Gefahr, dass sich auch «unseriöse» Personen auf der Seite anmelden?
Die Gefahr lässt sich natürlich nicht zu 100 Prozent ausschliessen, aber gerade der Mitgliederbeitrag und die katholische «Marke» verhindern zu 95 Prozent, dass sich unseriöse Leute anmelden. Im Zweifel verlangen wir Identitätsnachweise, und auch die Mitglieder haben die Möglichkeit, andere Mitglieder bei Verdacht zu melden, die wir dann genauer «unter die Lupe» nehmen.
 


Spannend ist, dass Sie mit Dating-Portalen aus anderen Ländern zusammenarbeiten.
International interessierte «kathTreff»-Mitglieder konnten schon seit 2013 ihre Kontakte auch auf andere Sprachfamilien ausdehnen. Es begann mit Ungarn, Lettland, Kroatien und der Slowakei. Später kamen unter anderem die USA, Portugal und Brasilien hinzu. Wir sahen diese weiträumige Vernetzung unter Katholiken angesichts der zunehmenden Mobilität junger Menschen als einen geeigneten Weg auch bei der Partnersuche.

Die möglichen Partner leben eventuell in verschiedenen Ländern. Welche Erfahrungen haben Sie mit solchen Fernbeziehungen gemacht?
Übereinstimmung ist unserer Meinung nach besonders wichtig in Fragen wie Glauben und Werte, Kinderzahl, Einstellung zu anderen Menschen, Freizeitgestaltung, Umgang mit Geld, Ordnung und Spontaneität, Engagement sowie Auffassungen zur Intimität. Weniger wichtig ist eine völlige Übereinstimmung im Bereich Charaktereigenschaften, Temperament oder Ausbildungsniveau.

Pamela Chavez vom Wiener Team des Portals: «Der gemeinsame Glaube und gemeinsame Werte verbinden auf Dauer erfahrungsgemäss mehr als alles andere. Was uns allerdings positiv überrascht hat, ist die Tatsache, dass auf ‹kathTreff› auch die Erfolgschancen grösser sind als auf kommerziellen Seiten. Etwa 15 von 100 Teilnehmer finden bei uns wirklich den Mann oder die Frau fürs Leben.»

Für wen ist «kathTreff» geeignet? Was muss eine Person mitbringen, damit es «funktionieren» kann?
kathTreff ist für alle katholischen Singles auf Partnersuche geeignet!

Nur den Glauben, den Wunsch und die Fähigkeit, katholisch zu heiraten (Mitglieder, die schon einmal verheiratet waren, sollten sich daher zumindest bereits im Prozess der Annullierung befinden)
Empfehlenswert ist auch eine gewisse Offenheit, ausserhalb des eigenen Kantons zu suchen und Geduld: Online-Eindruck und Realität driften manchmal auseinander. Man sollte sich also möglichst bald am Telefon oder per Facetime verabreden.

Wissen Sie, wie viele Partnerschaften durch «kathTreff» entstanden sind?
Bisher haben über kathTreff über 2000 Singles einen Ehepartner gefunden und geheiratet, wie zahlreiche Zeugnisse auf der Webseite illustrieren.

Welche Geschichte im Zusammenhang mit «kathTreff» hat Sie besonders berührt?

Wir haben Gott sei Dank unzählige berührende Zuschriften erhalten und viel durften wir auch auf «kathTreff.org» veröffentlichen. Eine besonders schöne Geschichte erreicht uns aus der Region Bodensee:

«Auch wir möchten uns bei euch ganz herzlich bedanken. Wir haben uns im Januar auf eurer Seite kennengelernt. Nach ein paar Mails stellten wir fest, dass wir nur 13 Kilometer voneinander entfernt wohnen. Nach ein paar Berg- und Talfahrten (Gefühle) sind wir nun doch am Gipfelkreuz angekommen: Wir heiraten am 1. September!
Im Rückblick können wir sagen, dass es eine wunderbare Führung Gottes war. Ohne euch hätten wir uns wahrscheinlich nie kennengelernt. Na ja, auch Gott hatte bei den Gefühlen wahrscheinlich auch ein bisschen nachgeholfen ...
Wir wollen euch weiterhin ermutigen, diese Seite weiterzuführen.»
 

Auf der Webseite von «kathTreff» finden sich neben der Möglichkeit der Partnersuche auch interessante Beiträge.


Rosmarie Schärer
swiss-cath.ch

E-Mail

Rosmarie Schärer studierte Theologie und Latein in Freiburg i. Ü. Nach mehreren Jahren in der Pastoral absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin.


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Bemerkungen :

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    Meier Pirmin 23.06.2025 um 19:34
    Diese Art Eheanbahnung , aber noch jenseits von elektronischen Medien, gab es vor Jahrzehnten in der Schweiz via den "Club Felix", zu dessen Förderern u.a. auch der Kunsthistoriker Linus Birchler und der Konvertit James Schwarzenbach gehörten, letzterer aber nicht gerade glücklich mit einer Ostschweizer Industriellentochter verheiratet, die immerhin Besitzerin von Schwarzenbachs Traditionszeitung (seit 1798) "Der Republikaner" war. Wie lange es den Club Felix noch gegeben hat, oder gar ob er auf dem Papier heute noch existiert, ist mir nicht bekannt. Selber nahm ich dessen Dienste nie in Anspruch. Auch scheint der Club Felix nicht nur diesem Zweck gedient zu haben.
  • user
    Stefan Fleischer 20.06.2025 um 08:00
    "Der gemeinsame Glaube und gemeinsame Werte verbinden auf Dauer erfahrungsgemäss mehr als alles andere."
    Das kann ich nach 48 Ehejahren nur bestätigen. Diese Glaube half uns, unser Eheversprechen "bis dass der Tod Euch scheidet" auch in Krisensituationen (die es in jedem Leben gibt) zu halten, und andere Lösungen zu suchen als die Scheidung.
    Nun ist mein Schatz (wie wir uns immer nannten) schon vor 9 Jahren heimgegangen. Irgendwie fühle ich mich immer noch mit ihr "verheiratet".