Screenshot einer Webseite, die für assistierten Suizid in der Schweiz wirbt

Kommentar Pro Life

Kil­ler­kra­gen, Doppel-​Sarco und Selbst­mord­schal­ter – Sui­zi­dak­ti­vist wird immer dreister

Zuerst sorgte der aus­tra­li­sche Ster­be­hil­fe­ak­ti­vist Phi­lip Nitschke mit der Sui­zid­kap­sel namens Sarco und dem ers­ten Todes­fall im Kan­ton Schaff­hau­sen für Schlag­zei­len. Nun hat er ein Kil­ler­hals­band ent­wi­ckelt. Damit nicht genug. Der Doppel-​Sarco für lebens­müde Paare steht auch in den Start­lö­chern und ein Selbst­mord­schal­ter. In den Medien wer­den ethi­sche Beden­ken kaum thematisiert.

Philip Nitschke hatte im Sommer 2024 mit der medienwirksamen Präsentation der Selbstmordkapsel «Sarco» für Aufsehen gesorgt. Swiss-cath.ch hatte darüber berichtet. Zum ersten Suizid kam es am 23. September 2024 in einem Waldstück, das zu Merishausen im Kanton Schaffhausen gehört. Die erste Staatsanwaltschaft des Kantons Schaffhausen untersucht den Fall, beschlagnahmte die Selbsttötungskapsel und schaltete auch das Institut für Rechtsmedizin in Zürich sowie den forensischen Dienst ein. Eine Amerikanerin (†64) hatte sich zu diesem Selbstmord entschieden. Es kam zu vier Verhaftungen. Das Verfahren der Schaffhauser Staatsanwaltschaft ist noch nicht abgeschlossen. Die eingesetzte Suizidkapsel bleibt nach wie vor beschlagnahmt. Nitschke war damals nicht anwesend, sondern der Deutsche Florian Willet, der die Organisation «The Last Resort» leitete, offenbar während der zehnwöchigen Untersuchungshaft in eine Krise geriet und nach einem Suizidversuch schliesslich in Deutschland sich mit Hilfe einer Sterbehilfeorganisation das Leben nahm.

Tödliche Innovationen: Killerhalsband und Selbstmordschalter

Trotz dieser tragischen Folgen macht Philip Nitschke weiter. Wie zuerst der Beobachter und inzwischen weitere Medien berichten, hat er ein Killerhalsband namens «Kairos» entwickelt. In englischen News wird ein Prototyp als «Kairos Kollar» bezeichnet (man beachte: ein römischer Priesterkragen wird auch Kollar genannt.). Auf Knopfdruck sollen zwei Airbags ausgelöst werden, welche die Halsschlagadern und sogenannte Barorezeptoren im Nacken zudrücken, so dass die Person bewusstlos wird und laut Nitschke schnell sterben soll. Er hatte dieses Prozedere im Oktober 2025 an einem Workshop von Exit International in London an einer Puppe demonstriert. Dort soll er auch Fotos der in der Schweiz verstorbenen 64jährigen Amerikanerin gezeigt haben. Laut Beobachter beabsichtigt Nitschke, das Killerhalsband erstmals bei einer suizidwilligen Person in der Schweiz anzuwenden. Mit dieser Provokation will er wohl die Staatsanwaltschaft von Schaffhausen unter Druck setzen.

In der Entwicklung befindet sich ausserdem ein Selbstmordschalter. Das sei ein Mechanismus, der für Situationen gedacht ist, in denen eine Person ihre Urteilsfähigkeit verlieren könnte und daher assistierter Suizid ausgeschlossen wäre. Laut Daily Mail vom 17. Januar 2026 soll es sich um ein Implantat handeln. Der Selbstmordschalter würde in den Körper einer Person eingenäht – höchstwahrscheinlich in ihr Bein – und einen Timer enthalten, der einen Piepston abgibt und vibriert, um sie daran zu erinnern, ihn jeden Tag auszuschalten. Sollte die betreffende Person dies aufgrund der sich verschlechternden Gehirnfunktion im Spätstadium der Krankheit nicht tun, würde laut Nitschke eine tödliche Substanz in ihren Körper abgegeben werden, um sie zu töten.

Diese todbringenden Innovationen sollen jede ärztliche Einmischung von den suizidwilligen Personen fernhalten. In der Schweiz ist für den assistierten Suizid mit der tödlichen Dosis Natrium-Pentobarbital ein ärztliches Rezept und die Abklärung der Urteilsfähigkeit nötig. Die permissive Regelung in der Schweiz, wonach assistierter Suizid nur aus eigennützigen Motiven strafbar ist, ebnet dem Suizidaktivisten Philip Nitschke den Boden für seine tödlichen Experimente. Nitschke hat denn auch ein Buch herausgegeben, das er für jene geschrieben hat, die «a final trip to Switzerland» machen wollen (siehe Artikelbild). Man wünscht sich, dass unsere Behörden solchem Treiben ein Ende setzen, indem sie  den Verursachern wenigstens sämtliche Umtriebskosten in Rechnung stellen.

Der Doppel-Sarco für lebensmüde Paare

Während die erste Sarco-Selbstmordkapsel noch beschlagnahmt ist, werden in den Niederlanden Teile aus einem 3D-Drucker für einen Doppel-Sarco zusammengebaut. Sie hat Platz für zwei Personen, welche gleichzeitig einen Knopf drücken müssen, damit das Stickstoffgas von den Füssen bis zum Kopf strömt und die beiden gemeinsam ersticken. Damit sich kein Psychiater einmischt, hat Nitschke vorgesorgt.

Anstelle eines Psychiaters soll KI die Urteilsfähigkeit abklären

Der Doppel-Sarco enthält eine eingebaute KI-Software, welche die suizidwillige Person einem Test unterwirft, der den «fünfminütigen Test des Psychiaters» zur Feststellung der Urteilsfähigkeit ersetzen soll. Wird dieser KI-Test bestanden, wird der Doppel-Sarco für 24 Stunden aktiviert. In diesem Zeitfenster ist es möglich, einzusteigen und den Todesknopf zu drücken. Mit dem KI-Test ist ein emotionsloses Gegenüber garantiert, nicht aber deren fehlerfreie Funktion.

Im Artikel von Daily Mail ist nicht die Rede, dass KI eine psychosoziale Abklärung macht. Wie sollte sie auch? Denn es ist gut möglich, dass sich eine noch gesunde Partnerin unter psychischem Druck neben ihren kranken Partner legt, nur um ihm einen Gefallen zu machen und sich mit ihm zusammen das Leben zu nehmen. Die Formel aus der Trauungsliturgie «bis der Tod euch scheidet» wird hier in einer makabren und bisher ungeahnten Form pervertiert.

Mit der Verabsolutierung der Selbstbestimmung nimmt man in Kauf, dass die Menschenwürde mit Füssen getreten wird und Personen unter psychischen Druck geraten. Ist jeder ärztliche Einfluss ausgeschlossen, gibt es kein Entrinnen, wenn jemand in die Mühle der Suizidorganisation «The Last Resort» oder «Exit International» geraten ist. In England haben Behindertenorganisationen und Bioethiker ihre Bedenken angemeldet. Bei uns bleibt es (noch?) still. Jedenfalls thematisieren weder der Beobachter noch die NZZ irgendwelche ethischen Überlegungen. Und der «Frauenbund Schweiz» vormals «Schweizerischer Katholischer Frauenbund», der unerklärlicherweise durch die Römisch katholische Zentralkonferenz (RKZ) immer noch mit Fr. 173’400.- für 2025 finanziell unterstützt wird, liess im Januar 2025 «überraschend anders katholisch» (Slogan des FS) verlauten: «Neue Methoden wie die Suizidkapsel Sarco sollen reglementiert und in bestehende, bewährte Prozesse der Schweizer Sterbehilfe überführt werden.»

Immerhin hat sich Papst Leo XVI. in einer Rede an die Diplomaten vom 9. Januar 2026 dezidiert gegen Abtreibung, Euthanasie und auch gegen assistierten Suizid ausgesprochen: «Es ist Aufgabe auch der Zivilgesellschaft und der Staaten, konkret auf Situationen der Gebrechlichkeit zu reagieren, indem sie Lösungen für menschliches Leiden anbieten, wie etwa die Palliativmedizin, und eine Politik der echten Solidarität fördern, statt falsche Formen des Mitgefühls wie die Sterbehilfe zu unterstützen.»

 

Quellen:

The suicide pod for couples: Inventor of the Sarco death capsule reveals new euthanasia device that will see two people end their lives together. Daily Mail: 17. Januar 2026.
Lukas Lippert, «Knopf drücken, es knallt, man wird ohnmächtig und stirbt» Beobachter vom 6. Februar 2026.
Simon Heli, Der Sarco-Erfinder hat ein Suizidhalsband entwickelt – und will es zuerst in die Schweiz bringen. NZZ vom 6. Februar 2026.

Unabhängig von der Methode des assistierten Suizides gilt: Mit der Intention, sich selber das Leben zu nehmen, kann das «Vaterunser» nicht mehr ehrlich gebetet werden: «Vater unser im Himmel, ... dein Wille geschehe». Zudem ist zu beachten, dass die Medizin noch nie so potente Schmerzmittel einsetzen konnte, wie heute. Im Vergleich zu Morphium weist z. B. Fentanyl eine etwa 100-fache Wirkstärke auf. Palliative Care ist die ethisch angezeigte Alternative zum assistierten Suizid. Diesen Standpunkt vertritt die Lehre der Katholischen Kirche.

Wenn Sie selbst Suizidgedanken haben oder jemanden kennen, der Unterstützung benötigt, wenden Sie sich bitte an die Berater der Dargebotenen Hand. Sie können diese vertraulich und rund um die Uhr telefonisch unter der Nummer 143 erreichen. Spezielle Hilfe für Kinder und Jugendliche gibt es unter der Nummer 147.


Roland Graf
swiss-cath.ch

E-Mail

Dr. Roland Graf ist Pfarrer in Unteriberg und Studen (SZ). Er hat an der Universität Augsburg in Moraltheologie promoviert und war vor seinem Theologiestudium als Chemiker HTL tätig.


Kommentare und Antworten

×

Name ist erforderlich!

Geben Sie einen gültigen Namen ein

Gültige E-Mail ist erforderlich!

Gib eine gültige E-Mail Adresse ein

Kommentar ist erforderlich!

Captcha Code Kann das Bild nicht gelesen werden? Klicken Sie hier, um zu aktualisieren

Captcha ist erforderlich!

Code stimmt nicht überein!

You have reached the limit for comments!

* Diese Felder sind erforderlich.

Bemerkungen :

  • user
    Daniel Ric 13.02.2026 um 08:23
    Die Hauptaufgabe des Staates und der Gesellschaft ist es, das Leben zu schützen und zu fördern. In allen Kulturen und Religionen ist das Leben etwas Heiliges. Es ist auch unsere Aufgabe, jedem leidenden Mitmenschen aufzuzeigen, dass sein oder ihr Leben weiterhin lebenswert ist. Es ist auch unsere Aufgabe, nicht zuzulassen, dass ein Staat lebensfeindliche Gesetze wie Abtreibung oder Sterbehilfe verabschiedet. Es ist kein Zeichen von individueller Freiheit, wenn solche Gesetze existieren, sondern einer tiefen Verachtung für das menschliche Leben. Ich bin überzeugt, dass solche Gesetze abgeschafft werden könnten in der Schweiz, wenn sich alle Menschen guten Willens zusammentun würden. Viele Moslems und Hindus, die in unserem Land leben, lehnen diese Gesetze genauso ab wie gläubige Katholiken, Evangelikale und Orthodoxe.
  • user
    MT 10.02.2026 um 20:59
    Ein Kernproblem unserer Zeit ist der fast vollständige Verlust der Ehrfurcht vor dem Tod. Er wird verdrängt, verharmlost oder technisch planbar gemacht. Viele meinen, danach sei einfach alles aus, andere reden von einem automatischen, bequemen Weitergehen. Beides nimmt dem Sterben seine moralische und existenzielle Bedeutung – und öffnet der Instrumentalisierung des Todes Tür und Tor.
    Dass diese Leerstelle wächst, liegt auch vielerorts am Versagen kirchlicher Verkündigung. Über Sinn, Verantwortung und Gericht wird in Predigten kaum noch gesprochen. Gerade dort, wo klare Orientierung nötig wäre, herrscht Schweigen. Wenn die Kirche die letzten Dinge meidet, verfehlt sie ihren Auftrag. Hirten, die darüber nicht mehr sprechen, lassen die Menschen ohne Wegweisung zurück.
  • user
    Manfred Baldauff 08.02.2026 um 18:32
    Wenn man nicht acht gibt, wird sich die Schweiz in den kommenden zehn bis zwanzig Jahren massiv verändern. Und zwar in eine ungute Richtung. Es braucht Vorsicht und Wächter, die im Geist des Gebets ihre Stimme erheben.
  • user
    ser AD 07.02.2026 um 13:37
    Ich verstehe die kirchliche Aufregung um dieses Thema staatlicher Moral nicht recht.

    Wenn der Staat weltanschaulich neutral sein will, soll er auch nicht in rechtliche Fragen eingreifen, die auf der Moral gründen. Moral ist immer übernatürlich. Um dies zu kaschieren, redet man von Ethik, und argumentiert irdisch über göttliche Angelegenheiten.

    Warum will jemand nicht (mehr) leben? die Gründe sind sehr verschieden. Wollten die journalistischen Moralapostel solchen Menschen wirklich helfen, suchen sie nach den psychiatrischen Ursachen und schlagen geistliche Alternativen vor.

    Mit der Jagd auf Herrn Nitschke (und ähnliche) ist den Lebensmüden nicht geholfen. Das ist genauso nutzlos wie die omnipräsenten Rauchschadenhinweise. Alle wissen es, und tun es trotzdem. Die Welt geht dabei nicht unter.
    • user
      Roland Graf 07.02.2026 um 14:28
      Ich glaube nicht, dass man mit obiger demonstrativer Gelassenheit als Seelsorger in der Lage ist, eine Person im Alters- und Pflegeheim, die mit Exit aus dem Leben scheiden will, zu begleiten. Die rechtlichen Rahmenbedingungen, die Leitlinien in einem Alters- und Pflegeheim und die seelsorgliche Begleitung spielen sehr wohl eine wichtige Rolle, um assistierte Suizide verhindern zu können. Ich spreche aus Erfahrung.
    • user
      Viktor Hürlimann 07.02.2026 um 16:59
      Tatsächlich geht die Welt nicht unter. Auch dann nicht, wenn ein Terrorist 30 Menschen mit in den Tod reisst. Auch wird kein Gesetz eine Straftat unmittelbar verhindern können. Trotzdem wird niemand behaupten, wir könnten alle Gesetze abschaffen. Beim assistierten Suizid sind zwei Umstände zu beachten:
      1) die sogenannt Suizidwilligen: Wenn ihnen eingebläut wird, dass ein Suizid etwas völlig Normales ist, dann wird die Hemmschwelle immer weiter nach unten verschoben. Zudem fühlen sich Menschen, die eigentlich weiter leben wollen, aber eine effektiv eine Last für irgendwer darstellen, eher gedrängt, sich von hier zu verabschieden.
      2) die Umstehenden: Gerade für das Pflegpersonal stellt eine assistierter Suizid unter Umständen eine enorme Belastung dar. Das gleiche gilt für Angehörige, die dem Entscheid nicht zustimmen können.