Kinder bei einem Anlass der Holy Childhood Movement in Dhaka. (Bild: Amio James Ascension/Flickr, CC BY-NC-ND 2.0)

Weltkirche

Kir­che in Ban­gla­desch kämpft gegen Abwan­de­rung und Menschenhandel

Die Katho­li­sche Kir­che in Ban­gla­desch ist klein und arm, aber äus­serst leben­dig. Im Gespräch mit der Agen­tur «Fides» erzählt Bejoy Nice­pho­rus D’Cruze OMI, Erz­bi­schof von Dhaka und Vor­sit­zen­der der Katho­li­schen Bischofs­kon­fe­renz von Ban­gla­desch, vom Glau­ben der Men­schen, den Schwie­rig­kei­ten und ihren Hoffnungen.

In Bangladesch, einem muslimischen Land mit 170 Millionen Einwohnern, machen Christen weniger als ein Prozent der Bevölkerung aus. «Wir sind eine sehr kleine Minderheit», merkt der Erzbischof im Gespräch mit «Fides» an. Die Zahl der Katholiken liegt bei etwa 433 000, was 0,3 Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht. Trotzdem verfügt die Katholische Kirche in Bangladesch über ein weitverzweigtes und angesehenes pastorales Netzwerk. Über 400 Priester, mehr als 1200 Ordensleute und 153 Seminaristen gibt es im Land. Die mehr als 800 Katechetinnen und Katecheten spielen eine zentrale Rolle in der Gemeindearbeit, insbesondere in den entlegensten Dörfern.

Bangladesch ist ein nach wie vor armes Land, das versucht, sich weiterzuentwickeln. Ein Grossteil der bangladeschischen Katholiken gehört zu den Indigenen und Stammesgemeinschaften, die in verschiedenen Regionen des Landes leben, während andere zu sozial benachteiligten Gruppen wie den Dalits zählen. «Die Mehrheit unserer Gläubigen ist arm, auch wenn einige zur Mittelschicht gehören», erklärt der Erzbischof. Trotz der begrenzten Ressourcen leistet die Kirche umfangreiche pastorale und soziale Arbeit durch Schulen, Gesundheitseinrichtungen, karitative Aktivitäten und von der Caritas geförderte Entwicklungsprogramme. Katholische Institutionen betreiben über 700  Bildungseinrichtungen, darunter Primar- und Sekundarschulen, technische und berufsbildende Schulen, 13 Colleges und eine katholische Universität, die Notre Dame University Bangladesh. «Tausende muslimische, hinduistische, buddhistische und christliche Schülerinnen und Schüler besuchen jedes Jahr diese Einrichtungen, die zu den besten des Landes zählen», betont Erzbischof D’Cruze. Neben der Bildungsarbeit ist die Kirche im Gesundheits- und Sozialwesen durch Spitäler, Kliniken, Gesundheitszentren und Programme zur Gemeindeentwicklung in städtischen und ländlichen Gebieten präsent. Eine zentrale Rolle spielt die «Caritas Bangladesch», die in den Diözesen mit über 80 Programmen rund 1,6 Millionen Menschen erreicht.

Arbeitslosigkeit und Menschenhandel
«Eine der direkten und schmerzhaften Folgen der Armut», so der Erzbischof, «ist die Abwanderung junger Menschen». Aufgrund der prekären wirtschaftlichen Lage und der ungewissen Zukunft verlassen junge Bangladescher das Land, sobald sie die Möglichkeit dazu haben. In der Diözese Dhaka ist dieses Phänomen besonders ausgeprägt: «Viele wollen für ein Hochschulstudium ins Ausland gehen, vor allem in die USA, nach Grossbritannien, nach Australien oder nach Europa. Die Familien investieren in die Ausbildung ihrer Kinder, doch oft kehren diese nicht mehr in ihre Heimat zurück. Auf diese Weise verliert das Land viele seiner besten Kräfte, wir verlieren unsere besten Köpfe.»

Eng verbunden mit der Migration ist eine der drängendsten sozialen Herausforderungen Bangladeschs: der Menschenhandel. «Es ist ein sehr ernstes Problem», betont der Erzbischof. «Viele Vermittler versprechen jungen Menschen Arbeit und ein besseres Leben im Ausland, doch sehr oft entpuppt sich das als Falle.» Verschiedene katholische Organisationen und Ordensgemeinschaften versuchen die Bevölkerung zu sensibilisieren und so den Menschenhandel zu verhindern, doch «in einem so grossen Land ist unsere Präsenz nach wie vor sehr begrenzt, und es ist schwierig, die kriminellen Agenturen oder Menschenhändler, die unter falscher Identität agieren, zu erkennen und aufzuspüren».

Die Arbeitslosigkeit und der Menschenhandel müssen auf nationaler politischer Ebene angegangen werden, ist Erzbischof überzeugt. In diesem Zusammenhang äusserte er sich vorsichtig optimistisch hinsichtlich der neuen politischen Phase in Bangladesch nach den Wahlen im Februar und der Bildung einer neuen Regierung unter der Führung der Bangladesh Nationalist Party (BNP) unter Tarique Rahman. «Nach einer Phase der Instabilität, die das Land durchlebt hat, und nach der Übergangsphase der Interimsregierung haben wir heute eine stabile Regierung und hoffen auf eine bessere Zukunft. Wir pflegen gute Beziehungen zur neuen Regierung und bemühen uns um einen Dialog, um zum Gemeinwohl des Landes beizutragen.»
 


Gleich und doch nicht gleich
Die Religionsfreiheit zeigt sich als ein komplexeres Thema. «Die Regierung sagt, sie wolle uns nicht als ‹Minderheit› definieren, sondern als Bürger von Bangladesch; das ist ein positiver Ansatz», räumt er ein. «Dennoch gibt es nach wie vor konkrete Formen der Diskriminierung zwischen muslimischen Bürgern und denen, die sich zu anderen Religionen bekennen. Die Verfassung garantiert allen die gleichen Rechte, aber in den sozialen und politischen Realitäten ist dies nicht immer der Fall.» So ist die öffentliche Verkündigung stark eingeschränkt: «Wir dürfen in unseren Kirchen predigen, nicht ausserhalb. Aus diesem Grund handeln wir umsichtig und versuchen, sowohl unseren pastoralen Dienst als auch das Leben unserer Gläubigen zu schützen.»

In diesem Zusammenhang ist der interreligiöse Dialog von entscheidender Bedeutung, insbesondere der islamisch-christliche: «Unsere Beziehungen zu vielen muslimischen Religionsführern sind konstruktiv. Es gibt Muslime, die uns helfen und uns unterstützen», so Monsignore D’Cruze. Gleichzeitig erinnert er an die Präsenz islamistischer Gruppen, deren Propaganda zeitweise Spannungen hervorruft oder gar zu Gewalt gegen Nichtmuslime wie Hindus und Christen führt. «Gleichzeitig», fügte er an, «pflegen viele muslimische Politiker, Amtsträger und Führungskräfte, die an unseren Schulen studiert haben, positive Beziehungen zur Kirche, haben ein offenes Ohr für unsere Anliegen und stehen uns weiterhin nahe. Das gibt uns Hoffnung.»

Tiefe Frömmigkeit und viele Berufungenl
Mit Blick auf das kirchliche Leben betont Erzbischof D’Cruze: «Wir brauchen weitere Schulen und auch Kirchen und Kapellen in den Dörfern. Es gibt noch immer Pfarreien, die kein Gotteshaus haben. Die Situation hinsichtlich der Berufungen ist hingegen ermutigend. «Es gibt zahlreiche Berufungen zum Priestertum und zum geweihten Leben. Das ist ein sehr positives Zeichen für die Zukunft der Kirche.»

Die pastorale Priorität bleibt die Glaubensbildung. «Wir wollen die christliche Bildung der Gläubigen stärken und ihnen helfen, in Einheit zu leben und sich gegenseitig im Glauben, in der Hoffnung und in der Nächstenliebe zu unterstützen.» Von grundlegender Bedeutung bleibt die Rolle der Katechetinnen und Katecheten, vor allem in ländlichen Gebieten: «Die Katecheten erfüllen eine wesentliche Aufgabe bei der Weitergabe des Glaubens, bei der Begleitung der Gemeinden und als Verbindung zur Diözese.»

Der Erzbischof hebt die Lebendigkeit der katholischen Gemeinschaften in Bangladesch hervor: «Unsere Gläubigen sind praktizierende Katholiken. Mehr als 80 Prozent besuchen regelmässig die Sonntagsmesse, und auch an grossen kirchlichen Feiern ist die Beteiligung der Getauften stets beträchtlich: «An unseren wichtigsten religiösen Festen sind Tausende von Gläubigen aus Glauben und für den Glauben unterwegs, und an unseren grossen Wallfahrten nehmen regelmässig mehr als 50 000 Gläubige teil.»

Die Marienverehrung ist tief verwurzelt, ebenso die Verehrung von Heiligen, besonders des heiligen Antonius von Padua. «Jedes Jahr im Februar begeben sich Tausende von Pilgerinnen und Pilgern zum Heiligtum des heiligen Antonius in Panjora in der Erzdiözese Dhaka, um an der ältesten und grössten katholischen Wallfahrt des Landes teilzunehmen.»

Der Erzbischof erwähnt auch die Wallfahrt im Oktober zum Heiligtum von Fatima Rani (Unsere Liebe Frau von Fatima) in Baromari in der Diözese Mymensingh, «dem wichtigsten Bezugspunkt der Marienverehrung im Land».

Hoffnungsvoller Blick in die Zukunft
Mit Blick auf die Zukunft schliesst der Erzbischof mit einer hoffnungsvollen Botschaft: «Eine Minderheit in Bangladesch zu sein, bedeutet nicht, auf das christliche Zeugnis zu verzichten. Der christliche Glaube hat die Kraft, das Leben der Menschen zu verwandeln. Der Glaube an Christus, den wir bekennen und bezeugen, schenkt den Menschen konkrete Hoffnung und führt zur ganzheitlichen Erlösung des Menschen. Wir hoffen, dass unser Land mit der Zeit den Respekt vor der Würde jedes Einzelnen weiter stärken wird. Wir leisten unseren Beitrag dazu.»

Erzbischof Bejoy Nicephorus D’Cruze OMI und die anderen Bischöfe Bangladeschs trafen im Juni anlässlich ihres Ad-Limina-Besuchs Papst Leo XIV. «Es war ein sehr ermutigendes Treffen für uns. Wir haben Papst Leo vom Leben der Kirche in Bangladesch berichtet und ihn gebeten, uns zu besuchen, so Gott will.»
 

Originalbeitrag auf «Fides»


Fides/Redaktion


Kommentare und Antworten

×

Name ist erforderlich!

Geben Sie einen gültigen Namen ein

Gültige E-Mail ist erforderlich!

Gib eine gültige E-Mail Adresse ein

Kommentar ist erforderlich!

Captcha Code Kann das Bild nicht gelesen werden? Klicken Sie hier, um zu aktualisieren

Captcha ist erforderlich!

Code stimmt nicht überein!

You have reached the limit for comments!

* Diese Felder sind erforderlich.

Sei der Erste, der kommentiert