In Bangladesch, einem muslimischen Land mit 170 Millionen Einwohnern, machen Christen weniger als ein Prozent der Bevölkerung aus. «Wir sind eine sehr kleine Minderheit», merkt der Erzbischof im Gespräch mit «Fides» an. Die Zahl der Katholiken liegt bei etwa 433 000, was 0,3 Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht. Trotzdem verfügt die Katholische Kirche in Bangladesch über ein weitverzweigtes und angesehenes pastorales Netzwerk. Über 400 Priester, mehr als 1200 Ordensleute und 153 Seminaristen gibt es im Land. Die mehr als 800 Katechetinnen und Katecheten spielen eine zentrale Rolle in der Gemeindearbeit, insbesondere in den entlegensten Dörfern.
Bangladesch ist ein nach wie vor armes Land, das versucht, sich weiterzuentwickeln. Ein Grossteil der bangladeschischen Katholiken gehört zu den Indigenen und Stammesgemeinschaften, die in verschiedenen Regionen des Landes leben, während andere zu sozial benachteiligten Gruppen wie den Dalits zählen. «Die Mehrheit unserer Gläubigen ist arm, auch wenn einige zur Mittelschicht gehören», erklärt der Erzbischof. Trotz der begrenzten Ressourcen leistet die Kirche umfangreiche pastorale und soziale Arbeit durch Schulen, Gesundheitseinrichtungen, karitative Aktivitäten und von der Caritas geförderte Entwicklungsprogramme. Katholische Institutionen betreiben über 700 Bildungseinrichtungen, darunter Primar- und Sekundarschulen, technische und berufsbildende Schulen, 13 Colleges und eine katholische Universität, die Notre Dame University Bangladesh. «Tausende muslimische, hinduistische, buddhistische und christliche Schülerinnen und Schüler besuchen jedes Jahr diese Einrichtungen, die zu den besten des Landes zählen», betont Erzbischof D’Cruze. Neben der Bildungsarbeit ist die Kirche im Gesundheits- und Sozialwesen durch Spitäler, Kliniken, Gesundheitszentren und Programme zur Gemeindeentwicklung in städtischen und ländlichen Gebieten präsent. Eine zentrale Rolle spielt die «Caritas Bangladesch», die in den Diözesen mit über 80 Programmen rund 1,6 Millionen Menschen erreicht.
Arbeitslosigkeit und Menschenhandel
«Eine der direkten und schmerzhaften Folgen der Armut», so der Erzbischof, «ist die Abwanderung junger Menschen». Aufgrund der prekären wirtschaftlichen Lage und der ungewissen Zukunft verlassen junge Bangladescher das Land, sobald sie die Möglichkeit dazu haben. In der Diözese Dhaka ist dieses Phänomen besonders ausgeprägt: «Viele wollen für ein Hochschulstudium ins Ausland gehen, vor allem in die USA, nach Grossbritannien, nach Australien oder nach Europa. Die Familien investieren in die Ausbildung ihrer Kinder, doch oft kehren diese nicht mehr in ihre Heimat zurück. Auf diese Weise verliert das Land viele seiner besten Kräfte, wir verlieren unsere besten Köpfe.»
Eng verbunden mit der Migration ist eine der drängendsten sozialen Herausforderungen Bangladeschs: der Menschenhandel. «Es ist ein sehr ernstes Problem», betont der Erzbischof. «Viele Vermittler versprechen jungen Menschen Arbeit und ein besseres Leben im Ausland, doch sehr oft entpuppt sich das als Falle.» Verschiedene katholische Organisationen und Ordensgemeinschaften versuchen die Bevölkerung zu sensibilisieren und so den Menschenhandel zu verhindern, doch «in einem so grossen Land ist unsere Präsenz nach wie vor sehr begrenzt, und es ist schwierig, die kriminellen Agenturen oder Menschenhändler, die unter falscher Identität agieren, zu erkennen und aufzuspüren».
Die Arbeitslosigkeit und der Menschenhandel müssen auf nationaler politischer Ebene angegangen werden, ist Erzbischof überzeugt. In diesem Zusammenhang äusserte er sich vorsichtig optimistisch hinsichtlich der neuen politischen Phase in Bangladesch nach den Wahlen im Februar und der Bildung einer neuen Regierung unter der Führung der Bangladesh Nationalist Party (BNP) unter Tarique Rahman. «Nach einer Phase der Instabilität, die das Land durchlebt hat, und nach der Übergangsphase der Interimsregierung haben wir heute eine stabile Regierung und hoffen auf eine bessere Zukunft. Wir pflegen gute Beziehungen zur neuen Regierung und bemühen uns um einen Dialog, um zum Gemeinwohl des Landes beizutragen.»
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