Das vom ehemaligen Fernsehjournalisten Urs P. Gasche gegründete Online-Portal infosperber versteht sich als Ergänzung zu den etablierten Informationsmedien. «Sieht, was andere übersehen», lautet die Selbstdeklaration. Regelmässig übt es Kritik an andern Medien, insbesondere im Hinblick auf journalistische Standards. «Printmedien üben sich kaum mehr in gegenseitiger Blattkritik. Infosperber holt dies ab und zu nach», so eine weitere Selbstzuschreibung.
Diesem Übel abzuhelfen wollen wir gerne auch unsererseits einen Beitrag leisten, indem wir den Spiess für einmal umdrehen und – infosperber auf die Finger schauen. Konkret geht es um den am 3. August 2025 aufgeschalteten Artikel von Wolf Südbeck-Baur mit dem Titel «Nach der fristlosen Kündigung der Pfarrblatt-Chefredaktorin».
Dem Artikel vorgeschaltet ist folgender kursiver Hinweis:
«Red. Wolf Südbeck-Baur ist langjähriger Redaktionsleiter der Schweizer Zeitschrift Aufbruch. Ein Gastbeitrag.»
Einige Zeit später wurde der kursive Hinweis wie folgt abgeändert:
«Red. Wolf Südbeck-Baur war bis Ende 2024 Redaktionsleiter der Schweizer Zeitschrift Aufbruch und ist Mitarbeiter von Publik-Forum. Ein Gastbeitrag.»
Der Wechsel vom «ist» zum «war» ist ein scheinbar kleines Detail, aber eben nur scheinbar. Denn infosperber hat diese Änderung nicht kenntlich gemacht und damit just gegen Art. 5 der «Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten» des Schweizer Presserates verstossen. Bereits in seiner Stellungnahme 38/2010 hatte der Presserat festgestellt, dass eine Berichtigung in einer für die Leserschaft erkennbaren Weise zu erfolgen hat, was in casu nachweislich nicht geschehen ist.
Dieses Detail ist deshalb von Relevanz, weil das Wort «ist» suggeriert, das Print-Magazin «Aufbruch. Unabhängige Zeitschrift für Religion und Gesellschaft» würde immer noch existieren. Dies ist jedoch gerade nicht der Fall. Vielmehr hat der «Aufbruch» sein Erscheinen Ende November 2024 eingestellt – zeitgleich mit der Pensionierung seines Redaktionsleiters Wolf Südbeck-Baur. Dieser hatte es geschafft, die Zahl der über 11 000 Abonnentinnen und Abonnenten im Verlauf der Jahre auf unter 2000 zu drücken. Bereits 2023 hatte der Ex-Jesuit Lukas Niederberger und Vereinspräsident ad interim infolge der prekären finanziellen Situation das Ende der Zeitschrift angekündigt. Um dem Redaktionsleiter den Gang zum RAV zu ersparen, wurde das definitive Aus der der Zeitschrift bis zu dessen ordentlicher Pensionierung hinausgeschoben.
Der «Aufbruch» entstand 1988 als medialer Protest gegen die Ernennung von Wolfgang Haas zum Bischof der Diözese Chur. Promotoren waren Louis Zimmermann, Mitglied der Missionsgesellschaft Bethlehem, und Benno Bühlmann. Letzerer schwärmt noch heute von der damaligen Aufbruchstimmung: «Es war eine unglaubliche Wucht. Von der ersten Nummer wurden 100 000 Exemplare gedruckt. Und in kurzer Zeit konnten 10 000 Abonnentinnen und Abonnenten gewonnen werden», vertraute er dem Kirchenblatt für die römisch-katholischen Pfarreien des Kantons Solothurn an (16/17 2025).
Die anfängliche Euphorie sollte nicht lange andauern, wich bald einmal der Ernüchterung. Als Ursache für den steten Abo-Schwund machte die Redaktion ein Fremdverschulden verantwortlich: das Ausbleiben dringend notwendiger Reformen. Dass der von der Redaktion geradezu obsessiv bewirtschaftete «antirömische Affekt» (Hans Urs von Balthasar) mit seiner sterilen Litanei der ewig gleichen Protest- und Reizthemen (Zölibat, Frauenpriestertum) der Leserschaft zunehmend auf den Geist ging, wollten die Scheuklappen-Ideologen vom «Aufbruch» partout nicht wahrhaben.
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