Collage von swiss-cath. (Bild von Abfalleimer: luede_m/Pixabay)

Mit spitzer Feder

Kir­chen­steu­er­fi­nan­zier­ter Jour­na­lis­mus: Muss man sich leis­ten können

Per 31. Dezem­ber 2025 geht Charles Mar­tig in Pen­sion. Genauer gesagt in Früh­pen­sion, denn der Ver­ant­wort­li­che für den Auf­bau des «Kom­pe­tenz­zen­trums Kom­mu­ni­ka­tion und digi­tale Medien» der Ber­ner Kan­to­nal­kir­che ist erst 59 Jahre alt.

Als Gründe für die frühzeitige Pensionierung nennt Martig zum einen den kurz vor dem Abschluss stehenden Aufbau des genannten Kompetenzzentrums, zum andern das ständige Pendeln zwischen Zürich und Bern, das ihn zunehmend belastet habe. Um sich – zumindest in den Augen gewöhnlich Sterblicher – von dieser De luxe-Kalamität standesgemäss erholen zu können, gönnt sich Martig eine nicht zu knapp bemessene Auszeit, «Sabbatical» genannt:

Muss man sich leisten können!

Charles Martig war bis Ende März 2024 Direktor des Katholischen Medienzentrums, das aus einer Fusion der Internationalen Katholischen Nachrichtenagentur KIPA mit dem Katholischen Mediendienst Zürich hervorgegangen war. Nach dem abrupten Abgang von Raphael Rauch zur Ringierpresse (Motto: Nach mir die Sintflut) übernahm Martig auch noch in Personalunion dessen Funktion als Chefredaktor.

Das Duo Martig-Rauch steht für das von der NZZ als «Krawalljournalismus» bezeichnete, bis dato beispiellose Desaster des hiesigen kirchenoffiziellen Kirchenjournalismus. Sein Markenzeichen war eine Dauerpöbelei gegen alles, was auch nur ansatzweise in den Verdacht geriet, mit der Tradition und dem kirchlichen Lehramt in Verbindung zu stehen. Geradezu idealtypisch für die Tonalität dieser Art von Journalismus war Rauchs Kommentar zum Liturgiebrief der Deutschschweizer Bischöfe vom Januar 2023: «Was verzapfen da die Bischöfe für einen Unsinn». Dito seine Apostrophierung von Weihbischof Eleganti als «Horrorclown».

Charles Martig setzte nach seinem Rücktritt als Direktor und Chefredaktor noch einen oben drauf: Am 19. März 2024 holte er in einer Abschiedsvorstellung vor einer Handvoll Auserlesener zu einem Rundumschlag aus, der in der Rücktrittsforderung an die Adresse sämtlicher Bischöfe gipfelte.

Seine Generalabrechnung hinderte Martig nicht daran, sich auch in Zukunft indirekt von eben diesen kurz zuvor ins Pfefferland gewünschten Bischöfen aushalten zu lassen. Per 1. April 2024 wechselte er zur Berner Kantonalkirche, um ein Kompetenzzentrum für Kommunikation aufzugleisen: Doppelmoral pur! Immerhin kann Martig mildernde Umstände geltend machen, war doch das Angebot äusserst verlockend – die Berner Kantonalkirche hatte für den Aufbau dieses Kompetenzzentrums die nicht alltägliche Summe von rund 800 000 Franken budgetiert:

Muss man sich leisten können!

Charles Martig zur Seite stand in der kath.ch-Redaktion die Deutsche Annalena Müller. Nach ihrer gescheiterten Bewerbung für dessen Nachfolge fand sie per 1. Juli 2024 Unterschlupf beim Berner Pfarrblatt. Ihr Intermezzo sollte allerdings nur von kurzer Dauer sein. In einer Mitteilung vom 22. Mai 2025 gab der Vorstand des Trägervereins die sofortige Freistellung von Annalena Müller bekannt (u. a. wegen zerrüttetem Vertrauen). Das Vertragsverhältnis wird allerdings erst per 30. November aufgelöst. Will heissen: Der geschassten Chefredaktorin Müller werden noch Zehntausende von Franken für blosses Nichtstun hinterhergeworfen:

Muss man sich leisten können!

Infolge der ideologischen Gemengelage würde es nicht überraschen, wenn es beim zweiten Mal klappt: Annalena Müller wird per 1. Januar 2026 tatsächlich die Nachfolge von Charles Marti als Chefin des neuen Kompetenzzentrums antreten. Die pekuniäre Durststrecke von gerade einmal einem Monat wäre da mehr als nur verkraftbar.

Fazit: Das duale Kirchensteuersystem muss abgeschafft werden, je früher, desto besser.


Niklaus Herzog
swiss-cath.ch

E-Mail

Lic. iur. et theol. Niklaus Herzog studierte Theologie und Jurisprudenz in Freiburg i. Ü., Münster und Rom.


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Bemerkungen :

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    Asellus (Eselchen) 12.12.2025 um 14:44
    Das duale Kirchensteuersystem muss abgeschafft werden

    Ja, wenn das sogar ein studierter Theologe und Jurist sagt, dann ist das schon sehr bedenklich. Ja, und mich würde interessieren, wie weit das Kirchensteuersystem von der Kirche [siehe Vademecum https://www.bischoefe.ch/vademecum/ ], wie sie unter Link https://www.ifit.li/?cat=3 definiert oder besser erklärt wird, entfernt ist. Ja, bin ich denn jetzt wirklich das Eselchen, das sich vom Kirchensteuersystem staatskirchenrechtlicher Körperschaften vereinnahmen lässt oder von Jesus Christus, unserem Herrn, König und Erlöser zum Erbe eines Kindes Gottes in sein Reich begnadigen lassen will? Ja, Entschuldigung, dass mich die Entgleisung dieses Kirchensteuersystems nicht interessiert, denn ich habe mich für Jesus Christus, der mich unendlich liebt, entschieden.

    Siehe auch Artikel: "Unterschiede im Glauben nicht auf Kosten der Wahrheit wegretuschieren" unter Link https://website.ifit.li/?p=4259
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    Tobias Maier 07.09.2025 um 18:01
    WAHNSINN!
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    Schwyzerin 01.09.2025 um 10:22
    Die Verfassung der römisch-katholischen Kantonalkirche Schwyz sieht nur eine Verfassungsänderung vor, nicht aber deren Auflösung. Die Mitgliedschaft ist an den Wohnort und nicht an die Taufe gebunden. Die Verfassung der römisch-katholischen Kantonalkirche Schwyz vom 17. Oktober 2014, stand 22. Januar 2024 beruht auf pure Staatsmacht, weil Katholiken automatisch Mitglied dieser Köperschaft sind und durch ausdrücklichen Austritts- oder nicht Zugehörigkeitserklärung austreten können.

    Es hat drei Abstimmungen für diese Verfassung der römisch-katholischen Kantonalkirche Schwyz vom 17. Oktober 2024 gebraucht bis eine Mehrheit zustande kam. Die Mitgliedschaft ist automatisch. Diese Verfassung beruht nicht auf Religionsfreiheit, sondern auf staatlicher Macht. Die katholische Kirche kann mit dem Staat keine Kompromisse eingehen. Jede Verfassung kann man nicht nur ändern, sondern auch auflösen. Meiner Ansicht ist eine Verfassung gar nicht gültig, wo die Mitgliedschaft nicht freiwillig ist.
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    Ferdi25 31.08.2025 um 22:47
    Die Kirchgemeinden dem kantonalen Gemeindegesetz zu unterstellen und das Recht, Kirchgemeindesteuern zu erheben, hat die vordem bestehenden Vereine gewissermassen verstaatlicht. Damit unterstehen sie nämlich nicht dem Bischof, sondern der Kantonsregierung. Sie müssen sich an das Staatspersonalrecht halten usw. Dem Bischof wurde eine Mitsprache in der Seelsorge (Erteilung bzw Entzug der missio canonica) gegeben. Damit wurde aber auch anderes gekoppelt, z B das Ehesakrament an die staatliche Ehe (für alle?) als Missgeburt der frz Revolution.

    In den USA gelten die Kirchgemeinden als Stiftungen. Sie betreiben Spitäler und Bildungsinstitute für die Familien nach eigener Finanzordnung und freiem Arbeitsrecht, die ihrerseits keine Steuern bezahlen müssen(!). Wer (bis) 10% seines steuerbaren Einkommens an die Kirche abführt, muss entsprechend weniger an den Staat abführen. So sieht die richtige Trennung von Staat und Kirche aus. Nur der Papst kann den Bischöfen dreinreden.
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    Heinz Maier 31.08.2025 um 20:25
    Institute wie die Petrusbruderschaft, Piusbruderschaft, Christus König oder Klöster leben vor, was im Evangelium geschrieben steht: Sucht zuerst das Reich Gottes, dann wird euch, was ihr braucht, hinterhergeworfen. In der heutigen Situation kann man, wie der Autor korrekt beschreibt, zugleich feststellen: Die kantonalen Landeskirchen suchen das Reich Gottes nicht und werfen das Geld zum Fenster raus. Erstgenannte Institute haben weiter Berufungen (Zölibat ist ein unbezahlbares Geschenk an Gott und an die Kirche, wo die Lehre stimmt, sind Menschen dazu bereit), aber Bischof Bonnemain hat mit seinem aggressiven Zungenschlag das Vikariat in der Diözese Chur völlig ausgerottet. Wo die Lehre nicht stimmt, will keiner dienen, auch nicht für alles Geld der Welt.
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      Sabine Reutlin 31.08.2025 um 23:00
      Ein Bischof der keine Priester weiht ist wie ein Priester der die heilige Messe nicht feiert. Da stimmt etwas nicht. Die Kirche reguliert sich von selbst wie ein lebendiger Organismus und ein leeres Priesterseminar ist ein Zeichen des Heiligen Geistes. Da helfen auch Abermillionen für Öffentlichkeitsarbeit nichts! Neue Website, neue Redaktion, neues Design? Gott lässt seiner nicht spotten. Danke für den Artikel.
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    Martin Meier-Schnüriger 30.08.2025 um 15:10
    Natürlich wäre ein Ausstieg aus dem dualen System wünschenswert. Dass dann allerdings alles besser wird, ist nicht unbedingt gesagt. In Deutschland etwa geht die Kirchensteuer direkt an die Bistümer, doch sind die Verhältnisse, wie der unselige "synodale Weg" zeigt, etwa dieselben in der Schweiz. Auch wäre ein Ausstieg aus dem dualen System vermutlich juristisch nicht einfach zu bewerkstelligen. Einfacher wäre es, die Forderungen des "Vademecums" von 2013 in Kraft zu setzen. Wir hätten dann zwar immer noch ein duales System, aber eines, in dem die Kompetenzen zwischen der eigentlichen Kirche und den staatskirchlichen Körperschaften genau abgegrenzt sind und es nicht mehr möglich ist, dass letztere in übergriffiger Weise der Kirche vorschreiben können, was sie zu tun und zu lassen hat. Zudem bräuchten wir aber auch Bischöfe, die in vollem Einklang mit der Weltkirche ihr Amt ausüben.
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    Schwyzerin 29.08.2025 um 19:53
    Solange es die Kirchensteuern gibt, wird sich nichts ändern. Denn das Geld regiert die Welt. In der Schweiz ist mit dem dualen System genug Schaden der katholischen Kirche zugefügt worden. Was es braucht sind Taten, damit die katholische Kirche ungehindert evangelisieren kann.
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    Peter Elisabeth 29.08.2025 um 13:33
    Ein einfacher Gläubiger versteht dieses System mit der Kirchensteuerfinanzierung nicht. Zunächst einmal stellt sich mir die Frage: Wer entscheidet über die Verwendung der finanziellen Mittel, die durch die Kirchensteuer generiert werden? Gibt es eine transparente und seriöse Aufsicht, die sicherstellt, dass diese Gelder sinnvoll eingesetzt werden?
    Besonders interessiert mich das Kompetenzzentrum für Kommunikation. Was ist der Zweck dieses Zentrums, und wie trägt es zur Erfüllung der Kernaufgaben der Kirche bei? Es entsteht der Eindruck, dass Gelder einerseits grosszügig an bestimmte Gruppierungen verteilt werden, während sie für die wesentlichen Aufgaben der Kirche fehlen.
    Was wir als Kirche wirklich brauchen, sind Zeugen des Glaubens und keine Beamten, die sich in bürokratischen Strukturen verlieren. daher frage ich mich: Was ist notwendig, um das aktuelle System besser auf die wahren Kernaufgaben der Katholischen Kirche auszurichten? Eine offene Diskussion zu diesen Fragen wäre nötig.
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    John Henry 28.08.2025 um 23:23
    Ja, das duale System muss weg aber auf Gottes Art und Weise. Beten wir für Gottes Führung, damit nicht das Kind mit dem Bad ausgeschüttet wird. 🙏
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    Heinz Meier 28.08.2025 um 19:18
    Diese Kritik mag man anhören, die Konklusion befremdet. Denn die „spitze Feder“ des Verfassers obiger Meinung geht auch nicht gerade unbewaffnet und nur mit Samthandschuhen an missliebige Bischöfe zu Felde. „Wer Kirche sagt, sagt Konflikt“, meinte H-J Venetz sel. Sie auf der linken Seite des Spektrums zu verurteilen und rechts aber grosszügigst zu praktizieren, ist unglaubwürdig. Vernichtungswünsche an die Adresse des „Gegners“ erwecken Unverständnis.
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    Daniel Ric 28.08.2025 um 15:07
    Im dualen System leben viele Menschen von der Kirche, jedoch nicht für die Kirche. Was auf dem Papier gut aussieht, ist in den letzten Jahrzehnten zu einem Albtraum geworden. Ich hoffe und bete, dass sich viele engagierte Katholiken zusammentun und darüber nachdenken, wie man die Kirche in der Zukunft ohne Kirchensteuern finanzieren kann. Dass dies möglich ist, zeigt das Beispiel vieler Länder, die keine Kirchensteuern kennen.