Am 30. August 2025 wurde Abt Urban Federer von der Gemeinschaft der Benediktinerabtei Einsiedeln für eine Amtszeit von zwölf Jahren wiedergewählt. Nach einer Abtwahl werden die Aufgaben im Kloster normalerweise neu verteilt. Wie das Kloster Einsiedeln mitteilt, hat Abt Urban zwei Entscheidungen betreffend den klösterlichen Nachwuchs gefällt: Neu wird Pater Philipp Steiner ab dem 15. August 2026 Novizenmeister.
Nachdem er zwölf Jahre lang als Wallfahrtspater die Verantwortung für den Wallfahrtsort getragen hat, freut sich Pater Philipp auf die neue Aufgabe. «Das Amt des Novizenmeisters ist für mich eine Chance, nach einer Arbeit mit viel Aussenwirkung wieder bewusster einen Weg nach Innen zu gehen. Die Auseinandersetzung mit der Regel des heiligen Benedikt, den Quellen monastischer Spiritualität und der Tradition unseres Klosters hier in Einsiedeln liegen mir sehr am Herzen.» Er freue sich auch darauf, das, was er in seiner Berufung als Benediktiner Tag für Tag empfangen darf und als Bereicherung erfährt, an andere weitergeben zu können.
Der heilige Benedikt schrieb in seiner Mönchsregel über das Amt des Novizenmeisters: «Ein erfahrener Bruder werde für [die Novizen] bestimmt, der geeignet ist, Menschen zu gewinnen, und der sich mit aller Sorgfalt ihrer annimmt» (RB 58,6). Pater Philipp, der seit 2007 im Kloster Einsiedeln ist, bringt Erfahrung in der benediktinischen Lebensweise mit. Gleichzeitig ist er dankbar, «Mönch in einer guten Gemeinschaft sein zu dürfen». Er hofft, diese Begeisterung neuen Mitbrüdern weitergeben zu können. Auf die Frage, woran man eine Berufung zu einem klösterlichen Leben erkennen könne, antwortet Pater Philipp: «Die Sehnsucht ist ein wichtiger Indikator. Wenn man Gott stärker ins Zentrum seines Lebens stellen will, wenn man den Glauben mit Gleichgesinnten teilen möchte und wenn man bereit ist, dafür ein gewisses Wagnis einzugehen, dann sind das gute Hinweise, dass man dem Leben als Mönch zumindest eine Chance geben und eine Berufung ernsthaft prüfen soll.» Er empfiehlt einen Gastaufenthalt im Kloster, um einen realistischen Eindruck vom Leben hinter den Klostermauern zu erhalten. Auch seien Gespräche mit den Mönchen hilfreich. «Wir Einsiedler Benediktiner sind offen für Menschen, die ihrer Sehnsucht nach einem Leben mit Gott in einer brüderlichen Gemeinschaft nachgehen wollen.»
Die zweite Entscheidung von Abt Urban betrifft Pater Thomas Fässler. Er wird die neu geschaffene Berufungspastoral übernehmen.
Jeder Mensch hat die Aufgabe, herauszufinden, wozu er berufen ist. Als Verantwortlicher für die Berufungspastoral möchte Pater Thomas Menschen auf diesem spannenden, aber auch herausfordernden Weg begleiten. «Dabei zeige ich auch die Möglichkeit eines Lebens im Kloster auf. Für manche kann das ein Weg sein, ihre oft noch unklare Sehnsucht nach ‹mehr› im Leben zu erfüllen.» Er ist überzeugt, dass Gott auch heute viele Menschen zu diesem Leben beruft. «Aber viele kennen diese Möglichkeit gar nicht. Das möchte ich ändern.»
Die Mönchsgemeinschaft von Einsiedeln bietet Interessierten mehrere Möglichkeiten, das Kloster kennenzulernen. So kann man allein einige Tage als Gast im Kloster mitleben oder zusammen mit Gleichgesinnten an Einkehrtagen oder im «Sommerkloster» mitmachen. Wer es intensiver haben möchte, kann während einer «Klosterzeit» mehrere Monate im Kloster mitleben und mitarbeiten.
Wer für sich allein der Frage nach einem Leben im Kloster nachgehen möchte, findet im Buch «Himmelsstürmer – Berufungsguide zum Ordensleben» wertvolle Impulse. Dieses hat Pater Thomas zusammen mit Pater Philipp 2021 geschrieben.
Grundsätzlich möchte Pater Thomas verschiedene Angebote schaffen, damit für möglichst viele etwas dabei ist.
Berufungspastoral ist nicht die Sache einer einzigen Person, gibt Pater Thomas zu Bedenken. Es braucht verschiedene Menschen, die helfend zur Seite stehen, etwa die Familie, Freunde oder vielleicht eine Lehrperson. «Und es braucht auch Leute im Hintergrund, die den Prozess mit ihrem stillen Gebet begleiten.» Er hat bereits einige Ideen für konkrete Anlässe und Veranstaltungen, die Männer mit Interesse am Klosterleben miteinander und mit den Mönchen in Kontakt bringen sollen. «Eine solche Idee wäre ein Wochenende, bei dem auch viel Sport im Mittelpunkt stehen soll; dafür aber bin ich bestimmt der Falsche. Wenn also jemand Interesse hätte, den sportlichen Part zu übernehmen, darf er sich gerne bei mir melden!»
Das Kloster Einsiedeln feiert dieses Jahr «500 Jahre Wiederaufblühen». 1526 war der Konvent auf einen einzigen Mönch zusammengeschrumpft: den damals bereits 86-jährigen Abt. Durch beherztes Eingreifen sicherte die Schwyzer Obrigkeit den Fortbestand des Klosters. Link
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