Dominikanerinnen aus Cazis beim Musizieren. (Bilder: Niklaus Herzog/swiss-cath.ch)

Kirche Schweiz

Klos­ter­markt im Zür­cher Haupt­bahn­hof: Ein High­light in jeder Beziehung

Der Klos­ter­markt vom 14. und 15. Juni 2024 im Zür­cher Haupt­bahn­hof war ein fas­zi­nie­ren­der Kon­trast zu Hek­tik und Stress die­ses meist­fre­quen­tier­ten Bahn­hofs der Schweiz. Ein Augen­schein vor Ort.

Der Veranstaltungskalender war randvoll, quoll förmlich über: Ukraine-Friedenskonferenz auf dem Bürgenstock, Beginn der Fussball-Europameisterschaften mit dem Spiel Schweiz–Ungarn, obligate Pride Parade der LGBT-Szene, Betriebsfest der Migros Ostschweiz mit 9000 Personen – und zur gleichen Zeit der Klostermarkt im Hauptbahnhof mit rund 400 000 Passagieren täglich. Konnte das gut gehen angesichts dieser schier übermächtigen Konkurrenz? Ja, und wie!

Wer den Klostermarkt am 14. und 15. Juni betrat, stiess unvermittelt auf eine heiter-gelöste, frohe und friedvolle Atmosphäre von seltener Intensität. Welch ein Kontrast zu den ringsum gestressten Menschen, die mit starrem Blick auf ihr Handy achtlos aneinander vorbei hasteten.

Es brauchte eine gehörige Portion Gottvertrauen, Mut und Sachverstand, um ein solches Projekt auf die Beine zu stellen. Nach einjähriger Vorbereitungszeit war es am 5./6. Mai 2023 so weit: Initiant Pater Thomas Fässler vom Benediktinerkloster Einsiedeln konnte zusammen mit einem motivierten Team die Premiere des Klostermarktes 2023 eröffnen. Das Hauptproblem dabei waren, so Pater Thomas, nicht die administrativen Vorgaben der SBB als Eigentümerin der Bahnhofshalle oder technische Hürden, sondern ausreichend Klöster zu finden, die den Mut hatten, sich auf dieses Wagnis einzulassen.

Mut und Einsatz haben sich gelohnt: Der Klostermarkt im Mai 2023 wurde zu einem ebenso unerwarteten wie durchschlagenden Erfolg. Das rundum positive, ja begeisterte Echo veranlasste die Initianten, diesen als einmaliges Event geplanten Anlass ein zweites Mal durchzuführen. Bei der SBB stiess das Vorhaben auf offene Ohren, wurde gar ausdrücklich gewünscht.

 


Um es vorwegzunehmen: Die diesjährige Auflage des Klostermarktes hat die in sie gesetzten Hoffnungen und Erwartungen gar noch übertroffen. Tatsächlich gab es am ursprünglichen Konzept nur wenig nachzujustieren. Es betraf dies die Logistik für die Abfallentsorgung und genügenden Nachschub für Viktualien aller Art.

Das Konzept, darin liegt wohl dessen Erfolgsgeheimnis, besteht darin, dass nicht einfach nur kulinarische Köstlichkeiten, Spirituosen und Weine, bewährte Heilmittel aus der Naturheilkunde der Klosterapotheken feilgeboten werden. Der Klostermarkt ist keine «Olma light», ihn zeichnet vielmehr die gelungene Verbindung von Körper und Geist, von Leib und Seele aus. Mitten auf seinem Areal bietet eine mobile Kapelle Raum für Stille und Gebet, nebenan hat es im geräumigen «Gebetszelt» Platz für gemeinsame liturgische Feiern. Und auf der eigens eingerichteten Musikbühne lassen die Schwestern des Dominikanerinnenklosters Cazis GR mit Instrumentalbegleitung ihre schönen Stimmen zum Lobe Gottes erklingen.
 


Alles wirkliche Leben ist Begegnung
«Alles wirkliche Leben ist Begegnung.» Den Tatbeweis für diese Worte des grossen jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber erbrachten Veranstalter und Besucher des Klostermarktes in gleicher Weise. In der Tat: Wer, wenn nicht Christinnen und Christen, deren dreieiniger Gott Beziehung und Begegnung schlechthin ist, sollten für diese Wahrheit Zeugnis ablegen?

Diese vorurteilslose Begegnung setzt ihrerseits unvoreingenommene Neugier voraus. Es war exakt diese Neugier der Besucher, welche die Schwestern und Mönche ganz besonders beeindruckte. Stellvertretend für diesen nachhaltigen Eindruck steht Schwester Alessandra von den Schönstätter Marienschwestern, deren Angebot zum Rosenkranzknüpfen auf besonderen Anklang stiess. Sie lebt in Weesen SG, wo sie mit anderen Schwestern in einem Heim geistig und körperlich beeinträchtigte Menschen betreut. Besonders erfreut zeigt sie sich über die zahlreichen Leute, mit denen sie sonst nicht in Kontakt kommt, und deren Offenheit und Frohmut: «Mega schön!» Abt Emmanuel Rutz von der Benediktinerabtei St. Otmar in Uznach SG ergänzt: «Dieser Anlass ist auch eine ideale Plattform, um für unsere Lebensform zu werben.»
 

 


Schweizergarde zum ersten Mal dabei
Zum ersten Mal dabei ist die Schweizergarde. Gian Luca Andreato, wuchs in Andelfingen auf und ist im September 2021 in den Dienst des Papstes getreten. Das Leitwort der Garde ist auch sein ganz persönliches: «Für Gott, Kirche und Papst». Nur Bestnoten erhält von ihm der neue Gardekaplan, der Einsiedler Pater Kolumban. Auch Andreato ist erfreut und beeindruckt von den zahlreichen, von Offenheit und grossem Interesse geprägten Reaktionen der Besucherinnen und Besucher. Ob die Anwesenheit der Schweizergarde dafür verantwortlich ist, dass der Klostermarkt von Störmanövern aus Kreisen der LGBT-Szene verschont blieb, die in der Nähe ihre penetrant-schrille Pride Parade durchzog?

Wie dem auch sei. Was den spezifischen Wert dieses Klostermarktes ausmacht: Er ist nicht nur ein Ort der Begegnung zwischen «Gott und der Welt», zwischen Angehörigen von Klöstern und Weltleuten, sondern auch ein Ort der Begegnung zwischen den verschiedenen Klostergemeinschaften untereinander. Sich in einer solch spontanen, unkomplizierten und inspirierenden Atmosphäre über alle Klostermauern hinweg zum Gedankenaustausch zu treffen, dürfte eher die Ausnahme sein und gerade deshalb als Highlight in Erinnerung bleiben.

Es bleibt der Gesamteindruck eines rundum gelungenen Anlasses, den wohl alle Beteiligten gestärkt an Leib und Seele verlassen haben, verbunden mit der Hoffnung, im nächsten Jahr am gleichen Ort eine dritte Auflage erleben zu können.
 


Eine leise Kritik mit Augenzwinkern bleibt noch nachzutragen: Initiant Pater Thomas Fässler hatte im Interview mit «swiss-cath.ch» mit Blick auf die erste Durchführung des Klostermarktes im vergangenen Jahr bemerkt, dass seine Mitbrüder den Ansturm der Leute kaum bewältigen konnten. «Sie hatten nicht einmal Zeit, die gekauften Waren wieder aufzufüllen.» Die Zunahme der Nachfrage war heuer zweifelsohne sehr gross, denn der Verfasser dieser Zeilen musste bereits am Samstagnachmittag die Erfahrung machen, dass die berühmten Einsiedler Schafsböcke restlos ausverkauft waren. Ein schöner Nachbesserungsbedarf!


Niklaus Herzog
swiss-cath.ch

E-Mail

Lic. iur. et theol. Niklaus Herzog studierte Theologie und Jurisprudenz in Freiburg i. Ü., Münster und Rom.


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  • user
    Wiborada Meile-Gantner 17.06.2024 um 14:09
    Es freut mich ausserordentlich, einen Kommentar von Niklaus Herzog ohne bissig-böse Zwischentöne zu lesen... Letztere scheinen mir einfach nicht in christliche, d.h. besonnen liebende Artikel zu passen (... und sind auch journalistisch nicht zu dulden)
    Der Klostermarkt ist eine grossartige Sache, Zeignis von der grossartigsten Botschaft zu geben. Und drr zeugnishsfte Geist sollte in jedem Getauften brennen!🔥