(Symbolbild: Mikhail Nilov/Pexels)

Kommentar

Kri­ti­scher Blick auf die Individualbesteuerung

Die am 8. März 2026 zur Abstim­mung gelan­gende Indi­vi­dual­be­steue­rung ist eine Mogel­pa­ckung. Unter dem Vor­wand der Gleich­stel­lung wer­den unter Inkauf­nahme enor­mer admi­nis­tra­ti­ver Mehr­kos­ten tra­di­tio­nelle Fami­li­en­for­men benach­tei­ligt. Hier ein Vor­schlag für eine dis­kri­mi­nie­rungs­freie Lösung.

Am 8. März 2026 stimmt das Schweizervolk über die Individualbesteuerung ab. Was hat der damit verbundene Systemwechsel von der gemeinsamen Ehegattenbesteuerung zur getrennten Individualbesteuerung für Konsequenzen?

Diese Vorlage bringt Nachteile auf der ganzen Linie. Unterstützt von FDP-Kreisen verfolgen links-grüne Kräfte aus ideologischen Gründen das Ziel, das bewährte System der Einheitsbesteuerung zu zerstören. Das Ansinnen, mit zwei getrennten Steuererklärungen die Gleichstellung durchsetzen zu können, ist grotesk und illusionär zugleich.

Fakt ist: Vor dem Ausfüllen der Steuererklärung müssten alle Verheirateten zuerst eine Klärung ihrer Einkommens- und Vermögensverhältnisse vornehmen – analog zu den Verfahren bei Scheidung oder Trennung. Komplizierte, konfliktträchtige Auseinandersetzungen sind programmiert.

Eigenartigerweise (bzw. bezeichnenderweise!) wurden zur «Arena»-Sendung vom 13. Februar 2026 keine Kantonsvertreter eingeladen. Doch gerade sie sind es, welche neben den betroffenen Familien die Hauptlast dieses Systemwechsels zu tragen hätten, müssten doch Tausende neue Beamtenstellen geschaffen und millionenteure IT-Projekte aufgegleist werden. Es ist deshalb kein Zufall, dass – was äusserst selten vorkommt – zehn Kantone das Referendum gegen diese Vorlage ergriffen haben. In der Vernehmlassung hatten sich gar 21 von 26 Kantonen gegen die Individualbesteuerung ausgesprochen. Abgesehen davon wird damit auch der bewährte föderale Aufbau unseres Staatswesens mutwillig beschädigt.

Die Frage, die sich hier ganz besonders stellt: Warum kam im Parlament niemand auf die Idee, dass wir es hier nicht mit einer Heiratsstrafe zu tun haben, sondern mit einem Konkubinatsbonus? Die Lösung müsste demzufolge lauten: Bei dieser Gruppe von Profiteuren den Hebel ansetzen, sprich alle Konkubinatspaare als eine Wirtschaftseinheit wie Ehepaare besteuern.

Die Vorteile
Die dringend benötigten Steuereinnahmen würden sich dadurch nicht verringern, sondern vermutlich erhöhen. Will man tiefere bzw. gleich hohe Steuern für beide Gruppen, müsste man lediglich den Steuertarif entsprechend anpassen.

Positiver Nebeneffekt: Dadurch würden Hunderttausende weniger Steuererklärungen anfallen. Statistisch geht man von ca. 30 % eheähnlichen Gemeinschaften am Total aller 25- bis 80-jährigen Personen aus. Gibt es eine effizientere Reduktion des Verwaltungsaufwandes für die kantonalen Steuerverwaltungen?

Fazit
Der Konkubinats-Status darf nicht als Steuerminimierungs-Vehikel missbraucht werden. Es kann nicht sein, dass Konkubinate mit ihrem Anteil von rund einem Drittel weiterhin keinen administrativen Mehraufwand zu bewältigen haben, wohingegen die Zweidrittel der Verheirateten den Nachteil von jährlich neu zu ermittelnden Zahlen beim Auseinanderdividieren der Einkommens- und Vermögensverhältnisse auf sich nehmen müssten.

Ein Ja zur Individualbesteuerung würde wohl bedeuten, dass die Städter die Landbevölkerung überstimmt hätten. Die städtischen Zentren sind in der Schweiz fast ausnahmslos in links-grünen Händen. Deren erklärtes Ziel ist es, die traditionellen Familienformen zu zerstören – egal, wie hoch der damit verbundene administrativ-finanzielle Aufwand auch sein wird. Profitieren würden vom Systemwechsel vor allem Doppelverdiener-Paare mit hohem Einkommen. Diesem familienfeindlichen Ansinnen ist mit aller Kraft entgegenzutreten.
 

Gastkommentare spiegeln die Auffassungen ihrer Autorinnen und Autoren wider.


Caspar Derungs


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Bemerkungen :

  • user
    Schwyzerin 20.02.2026 um 18:15
    Kitas, Heimen, Spitäler, Schule sind öffentliche Einrichtungen. Mit der traditionellen Familienform hat das nichts zu tun. Das muss man unterscheiden. Seit der neuen Bundesverfassung haben wir aber eine schlechte Familienpolitik. Darum diese unmögliche Abstimmungsvorlage der Individualbesteurung gegen die Ehe und Familie. Der Vorschlag für eine diskriminierungsfreie Lösung von Caspar Dersung ist gut und gerecht.

    Es gibt Länder, die es besser machen als die Schweiz.
  • user
    Hansjörg 20.02.2026 um 13:24
    Ich weiss nicht, weshalb Caspar Derungs auf die Idee kommt, dass links-grüne Hände die Familienformen zerstören wollen. Immer wenn es regional oder auf Bundesebene um Geld für Kitas, Schulen, Ausbildung und Stipendien geht, sagen die linken Parteien JA, die rechten Parteien aber lehnen die meisten Vorlagen ab.

    Zu beachten wäre noch, dass ein schweizerisches Gericht vor rund 40 Jahren entschieden hat, dass die jetzige Heiratsstrafe nicht richtig ist. Wir Schweizer haben es nicht geschafft innerhalb von vier Jahrzehnten eine gute Lösung zu erarbeiten.
  • user
    Schwyzerin 20.02.2026 um 11:09
    Die Individualbesteuerung ist gegen die Einheitsbesteuerung. Sie ist nicht nur gegen die traditionelle Familie, sondern in ersterlinie gegen die Zivilehe gerichtet. Das Ziel der Linken und Liberalen ist, so mein Eindruck letztendlich die Zivilehe abzuschaffen. Das Argument von den 40% Scheidungen jedes Jahr, hält nicht stand, weil mehrere Jahrzehnte hinweg gegenüber Ehepaare die Konkubinatspaare finanziell einen Steuervorteil geniessen. Es kann nicht sein, dass Konkubinatspaare von allen Sozialleistungen provitieren, wie die Ehepaare, aber keine Konkubinatspaarsteuer bezahlen. Dieser Konkubinatsbonus ist ungerecht, wie Caspaar Derungs darlegt. Ohnehin hätte diese Abstimmungsvorlage vom Bundesrat versenkt werden müssen, da sie sich nicht auf die Schwächsten, gemäss Präampel der Schweizerischen Eidgenössischen Bundesverfassung hält, sondern sich auf die Dopellverdiener-Paare mit hohem Einkommen ausrichtet. Die Folge dieser Individualbesteuerung sind nicht nur die hohen Kosten, die damit verursacht werden, sondern dass die Reichen noch reicher und die Armen noch ärmer werden. Wenn die Mütter nach der Geburt arbeiten gehen müssen, werden die Abtreibungen sprunghaft ansteigen. Ich nenne dieses ungeborene Kind, weil es keine Stimme hat. Ich bin für das Leben und nicht für den Tod. In der Politik haben wir ein sehr egoistisches Denken. Von Freiheit kann mit einer solchen Individualbesteuerung nicht die Rede sein!