Fast alle Wege führen nach Santiago de Compostela. Seit der wundersamen Entdeckung des Grabes des Apostels Jakobus im 9. Jahrhundert bildete sich quer durch Europa ein Netzwerk aus Jakobswegen, darunter auch auf dem Balkan. Für das heutige Kroatien sind Pilgerreisen seit dem Jahr 1203 dokumentiert, dürften aber in deutlich frühere Zeiten zurückreichen.
Bruderschaften leisteten stets einen wichtigen Beitrag, um Pilgerinnen und Pilger zu unterstützen. Daran knüpft die kroatische Sankt-Jakobsbruderschaft an, die das kulturelle, historische und spirituelle Erbe des Jakobswegs fördert. Die anspruchsvolle Arbeit dieser Non-Profit-Organisation hat nun die Regionalregierung im spanischen Galicien anerkannt: durch die Auszeichnung mit dem renommierten Elías-Valiña-Preis.
Namensgeber des Preises ist der galicische Pfarrer Elías Valiña (1929 1989), in den 80er-Jahren einer der Pioniere bei der Wiederentdeckung des Jakobsweges in Spanien. Ohne ihn und andere wäre der Jakobsweg nicht zu dem geworden, was er in Anknüpfung ans Mittelalter wieder ist: die bedeutendste christliche Wallfahrtsroute der Welt. Das Ziel Santiago de Compostela liegt in Spaniens Nordwesteck in der Region Galicien.
Wegenetz von knapp 2400 Kilometern
Die kroatische Sankt-Jakobsbruderschaft stellt einen eigenen Pilgerausweis aus und tritt seit 2019 als Wegbereiter der Revitalisierung alter Strecken in Aktion. Mittlerweile sind in Kroatien knapp 2400 Kilometer ausgewiesen worden, ob parallel zur Adriaküste oder durch die Bergwelten. Es gibt unterschiedlichste Strecken wie den «Camino Central Dalmatia» (127 Kilometer), den «Camino Sibenik» (108 Kilometer) oder den «Camino Zadar» (154 Kilometer). Der 152-Kilometer-Abschnitt des «Camino Krk» führt in sieben Etappen über die Insel Krk und verbindet sakrale Highlights miteinander, darunter Kirchen wie Mirsine, St. Dunat und St. Lucija. Auch das wichtigste Wallfahrtsziel der Insel, das Marienheiligtum von Goricka, ist in den Verlauf eingebunden. Ausgangspunkt des «Camino Krk» ist die Kathedrale von Krk, sein Endpunkt die Pfarrkirche von Kornić, die dem Heiligen Apostel Jakobus gewidmet ist.
Pilger folgen – wie auf dem klassischen Jakobsweg durch Nordspanien – den gelben Pfeilen (obgleich vom Muster leicht abweichend) und steuern Stellen zum Selberstempeln des Pilgerausweises an. Pilgerherbergen, wie auf der klassischen Route, finden sich auf Krk allerdings nicht.
In Zukunft weitere Strecken
Im Sinne der Förderung der Traditionen schreitet der Ausbau der Routen in Kroatien weiter voran, ob ostwärts von Serbien her oder nordwestlich weiter nach Slowenien. Der Elías-Valiña-Preis, dotiert mit 15 000 Euro, dürfte den ehrenamtlichen Planern und Unterstützern der kroatischen Sankt-Jakobsbruderschaft weiteren Ansporn für die Zukunft geben. Ante Blažević, der Vorsitzende der Bruderschaft, betont: «Diese Auszeichnung ist eine Feier des Camino als lebendiges europäisches Erbe. Durch die Wiederherstellung der kroatischen Pilgerwege entfachen wir die kulturellen und spirituellen Verbindungen neu, die unseren Kontinent seit Jahrhunderten vereinen. Jeder Schritt auf diesen Wegen ist ein Schritt zur Wiederentdeckung unserer gemeinsamen europäischen Identität.»
In Kroatien, ob als Ausgangs- oder Durchgangsland, begeben sich die Jakobspilger auf eine lange Reise, die zu Fuss Wochen und Monate dauern kann. Ab der Hauptstadt Zagreb verbleiben weit über 2000 Kilometer bis Santiago de Compostela. Wer vor vielen Jahrhunderten pilgerte, ging unter enormen Strapazen zum Jakobusgrab und dann wieder zurück in die Heimat, sofern die Gesundheit mitspielte. Im vergangenen Rekordjahr, als 530 994 Pilgerinnen und Pilger aus aller Welt in Santiago de Compostela ihr Diplom erhielten, kamen knapp 1300 von ihnen aus Kroatien.
Infos zu den verschiedenen Strecken des Camino innerhalb von Kroatien finden sich hier.
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