Mathias Baumgartner vom Kunstverlag Josef Fink, Pater Philipp Steiner, Pater Meinrad M. Hötzel und Verleger Josef Fink (v. l.). (Bild: Rosmarie Schärer/swiss-cath.ch)

Kirche Schweiz

Krö­nen­der Abschluss des «Bru­der Meinrad-​Jahrs»

Mit dem gest­ri­gen Bruder-​Meinrad-​Tag endete das «Bruder-​Meinrad-​Jahr», mit wel­chem die Mön­che des Klos­ters Ein­sie­deln ihres vor 100 Jah­ren ver­stor­be­nen Mit­bru­ders Mein­rad Eugs­ter gedach­ten. Recht­zei­tig zum Abschluss erschien das Buch «Bru­der Mein­rad Eugs­ter. Ein Leben für die Ewigkeit».

Vor 100 Jahren, am 14. Juni 1925, starb der Einsiedler Klosterbruder Meinrad Eugster im Alter von 77 Jahren. Als gelernter Schneider war er im Kloster vorwiegend in der Schneiderei tätig gewesen. Durch seine Demut und Bescheidenheit erlangte er bereits zu Lebzeiten den Ruf der Heiligkeit. 1939, nur vierzehn Jahre nach dem Tod des Klosterbruders, liess Abt Ignatius Staub auf Wunsch der Benediktinergemeinschaft von Einsiedeln und zahlreicher Gläubigen den Seligsprechungsprozess einleiten. Mit Dekret vom 28. Mai 1960 anerkannte Papst Johannes XIII. Bruder Meinrad als «verehrungswürdig».

Gedenkjahr mit speziellen Tagen, einer Ausstellung und zwei neuer Filme
Das Kloster Einsiedeln feierte den 100. Todestag von Bruder Meinrad mit einem Gedenkjahr: Jeweils am 14. eines Monats wurde ein «Bruder-Meinrad-Tag» begangen, deren Programme von der Biografie und der spirituellen Botschaft des Ehrwürdigen Dieners Gottes sowie von den Sakramenten der Kirche, aus denen Bruder Meinrad seine ganze geistliche Kraft geschöpft hat, inspiriert waren. Es wurde eine Ausstellung eingerichtet, die nicht nur das Leben von Bruder Meinrad vorstellt, sondern auch Gegenstände zeigt, welche mit ihm und seinen Tätigkeiten im Kloster Einsiedeln in Verbindung stehen. Das Interesse an dieser Ausstellung ist so gross, dass mehrfach die Bitte ausgesprochen wurde, die Ausstellung über das Bruder-Meinrad-Jahr hinaus zu verlängern. Zwei eigens erstellte Filme, ein Dokumentarfilm (30 Minuten) sowie ein Kurzfilm (7 Minuten), zum Leben und zur Botschaft von Bruder Meinrad Eugster können weiterhin auf der extra für das Jubiläum errichteten Webseite oder im Internet angeschaut werden.

Ein Höhepunkt des Gedenkjahres war der Bruder-Meinrad-Tag am 14. Juni – dem Sterbetag –mit dem Pontifikalamt und der Festpredigt von Abt Urban, an dem die von P. Oswald Jaeggi komponierte «Bruder-Meinrad-Messe» erklang.

Buch zur bleibenden Erinnerung
Mit dem gestrigen letzten Bruder-Meinrad-Tag und der Buchvernissage erlebte das «Bruder-Meinrad-Jahr» nochmals einen Höhepunkt. Sie wurde mit einem Grusswort von Abt Urban Federer eröffnet und musikalisch von Pater Theo Flury am Flügel begleitet. Das Buch «Bruder Meinrad Eugster. Ein Leben für die Ewigkeit» wurde von den Einsiedler Benediktinern P. Philipp Steiner und P. Meinrad M. Hötzel als Rückblick auf das Gedenkjahr des ehrwürdigen Dieners Gottes Bruder Meinrad Eugster konzipiert.

Es enthält eine ausführliche Biografie von Bruder Meinrad, die mithilfe verschiedener Quellen – vor allem den umfangreichen Unterlagen des Seligsprechungsprozesses – verfasst wurde. Den beiden Autoren war es wichtig, sein Leben neu, d. h. gemäss den Fakten, nachzuzeichnen.

Wer nicht an allen Bruder-Meinrad-Tagen dabei sein konnte, findet nun alle Impulse im dritten Kapitel des Buches und kann sich in die Spiritualität des demütigen Klosterbruders vertiefen.

Den grössten Platz nehmen die 49 Briefe von Bruder Meinrad ein, die in diesem Buch erstmals gesammelt und kommentiert werden. Viele Zeugnisse und Korrespondenzen seien verloren gegangen, hatte doch niemand damit gerechnet, dass für den bescheidenen Klosterbruder eines Tages das Seligsprechungsverfahren eingeleitet werden sollte. «Doch er hat Spuren in den Herzen der Menschen hinterlassen», so Pater Philipp.
 


Informationen zum laufenden Seligsprechungsprozess und eine umfangreiche Gebetssammlung beschliessen diesen Erinnerungsband, der auch zahlreiche historische Fotografien aus dem Einsiedler Klosterarchiv enthält. Das Buch bietet nicht nur einen gehaltvollen Inhalt, sondern beeindruckt auch durch seine ansprechende Gestaltung. Ein ideales Weihnachtsgeschenk, nicht nur für Menschen, die Bruder Meinrad Eugster verehren.

Beziehung zu Bruder Meinrad vertieft
Die Freude über das gelungene Werk war Pater Philipp Steiner und Pater Meinrad M. Hötzel anzusehen. «Ich bin unglaublich dankbar, nach eineinhalb Jahren Arbeit, das Buch nun in den Händen zu halten», so Pater Meinrad. Er kam vor neun Jahren mit seinem ehrwürdigen Mitbruder in Berührung, als er sich überlegte, ins Kloster Einsiedeln einzutreten. Oft betete er an dessen Grab um Gottes Hilfe bei seiner Entscheidung auf seinem Berufungsweg. «In dieser Zeit habe ich ihn liebgewonnen und er hat mich seither begleitet.» Durch das Transkribieren und intensive Studium seiner Briefe, konnte er ihn ganz persönlich kennenlernen. «Ich habe mich teilweise wirklich so gefühlt, als würde ich mit ihm sprechen», erzählte er mit einem Lachen. «Diese Briefe haben ihn einfach so sympathisch werden lassen.» Kürzlich war er in Altstätten, der Heimat von Bruder Meinrad. Hier erzählten ihm viele Menschen Geschichten aus ihren Familien, die mit dem Klosterbruder zu tun hatten. «Sie erzählten von Gebetserhöhungen, von Heilungen, aber auch von der geistigen Begleitung der Familie durch Bruder Meinrad über Generationen hinweg.»

Pater Meinrad denkt auch gerne an die Filmvernissage vom 21. Januar zurück. Der Film über Bruder Meinrad sei eigentlich eine Schnapsidee von ihm gewesen, umso mehr freute es ihn, dass das Projekt realisiert wurde. Auch die Gespräche an der Vernissage sind ihm in Erinnerung geblieben: «Mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die von sich sagten, dass der Film für sie auch eine geistliche Entdeckungsreise war, gerade was die Heiligenverehrung angeht, das war wirklich etwas sehr Berührendes.»

Von den zwölf Bruder-Meinrad-Tagen war für Pater Meinrad insbesondere der 14. Juni, der Sterbetag seines ehrwürdigen Mitbruders, ein ganz grosser Moment: «Man konnte sehen, wie viele Menschen Bruder Meinrad verehren, und wie wichtig er für so viele Menschen ist.»

«Wir erleben, dass das Grab von Bruder Meinrad vermehrt besucht wird, dass Menschen dort verweilen. Das ist sehr erfreulich», ergänzte Pater Philipp. Für ihn war die persönliche Auseinandersetzung mit seinem verstorbenen Mitbruder das Wertvollste im vergangenen Gedenkjahr. «Er war mir als Mitbruder bereits sehr vertraut, doch wie bei jedem Menschen, den man nicht wirklich kennt, gibt es eine gewisse Distanz. Diese konnte ich durch meine Auseinandersetzungen mit ihm während dieses Gedenkjahres abbauen. Er kam mir wirklich nahe.» Pater Philipp entwickelte dadurch eine Faszination für die Einfachheit und Schlichtheit von Bruder Meinrad. Er ist überzeugt, dass die Gestaltung des Gedenkjahrs Bruder Meinrad entsprochen hat. «Wir haben keinen Event daraus gemacht, sondern punktuelle Feiern angeboten, wo man spürte: Das ist authentisch.» Die Klostergemeinschaft erhielt viele Rückmeldungen von Menschen, die sagten: Ich kenne Bruder Meinrad schon lange, aber jetzt bin ich ihm noch etwas nähergekommen. «Das ist sicher etwas vom Schönsten», so Pater Philipp. «Dafür haben sich unsere Bemühungen gelohnt.» In unserer heutigen Zeit, wo alles von mächtigen Männern dominiert wird, gibt Bruder Meinrad ein Gegenzeugnis. «Er lebte aus seinem christlichen Glauben die Demut und Zurückgezogenheit und konnte gleichzeitig daraus wieder wirken und ausstrahlen.»

Für den Seligsprechungsprozess von Bruder Meinrad Eugster braucht es noch ein von Rom anerkanntes, übernatürliches Wunder. Gebetserhörungen und auch Wunder gab es auf die Fürsprache von Bruder Meinrad schon viele, doch diese waren zu wenig gut dokumentiert. Deshalb haben Pater Meinrad Hötzel und Pater Philipp Steiner zusammen mit der Mönchsgemeinschaft eine Bitte: Melden Sie bitte Gebetserhörungen! Zunächst freuen sich die Mönche von Einsiedeln einfach über solche Rückmeldungen. Dann sehen sie aber auch, ob darunter ein Wunder ist, welches gut genug dokumentiert ist, damit man dieses in Rom einreichen kann.
 

«Bruder Meinrad Eugster. Ein Leben für die Ewigkeit» von Pater Philipp Steiner OSB, Pater Meinrad M. Hötzel OSB. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg im Allgäu, 184 Seiten. ISBN 978-3-95976-581-7, Fr. 19,80. Erhältlich im Buchhandel, an der Kirchenpforte oder im Einsiedler Klosterladen (auch online).

Webseite des Klosters Einsiedeln zu Bruder Meinrad Eugster


Rosmarie Schärer
swiss-cath.ch

E-Mail

Rosmarie Schärer studierte Theologie und Latein in Freiburg i. Ü. Nach mehreren Jahren in der Pastoral absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin.


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