Pater Sébastien Dumont in Kuba. (Bild: «Kirche in Not (ACN)»)

Weltkirche

Kuba – Land zwi­schen Lebens­freude und Hoffnungslosigkeit

Im Rah­men der Gebets– und Gedenk­wo­che «Red­week» für ver­folgte Chris­tin­nen und Chris­ten besuchte der bel­gi­sche Mis­si­ons­pries­ter Sébas­tien Dumont aus Kuba die Schweiz.

Auf Einladung von «Kirche in Not (ACN)» besuchte Pater Sébastien Dumont die Schweiz und erzählte in verschiedenen Gottesdiensten von seiner Arbeit auf Kuba. Er gehört zur Gemeinschaft der «Missionare Diener der Armen», die 1983 vom italienischen Priester und Arzt Giovanni Salerno gegründet wurde. Die Gemeinschaft wirkt unter anderem in Peru, Mexiko und Kuba. Ihr Charisma besteht in der ganzheitlichen Begleitung von armen, verlassenen oder behinderten Kindern – durch Bildung, medizinische Hilfe, Glaubensverkündigung oder persönliche Begleitung. Weltweit gehören über 150 Missionare aus 18 Nationen zur Gemeinschaft.

Pater Sébastien wirkte zunächst in Peru, wo es zu Begegnungen mit dem heutigen Papst kam, als dieser als Seelsorger für die Armen in Südamerika wirkte. Nachdem Pater Sébastien einige Jahre in den Anden tätig gewesen war, zog er 2021 auf Kuba, wo er seither im Bistum Cienfuegos als Seelsorger wirkt.

Die Inselrepublik in der Karibik mit heute rund 11 Millionen Einwohnern wurde im 16. Jahrhundert christlich. Seit der Gründung der Republik 1902 verfolgt der kubanische Staat eine Politik der Trennung von Staat und Kirche. 1959 machten die Katholiken auf Kuba etwa 70 % der Bevölkerung aus. Mit der Machtübernahme durch Fidel Castro erliess die kubanische Regierung ab 1960 antireligiöse Gesetze; viele ausländische Priester und Ordensangehörige verliessen Kuba in den ersten Jahren nach der Revolution. In den 1980er-Jahren trat eine Verbesserung der Beziehungen zwischen dem Vatikan und der kommunistischen Regierung Kubas ein. Seit dem Besuch von Papst Johannes Paul II. im Jahre 1998 wird die Kirche stärker toleriert und auch respektiert. Dieser Besuch hat die Menschen berührt und ihnen neue Hoffnungen gebracht. Heute sind noch rund 40 Prozent der Bevölkerung katholisch.

Kirche als Hoffnungsträger für die Armen
Die gesellschaftliche und wirtschaftliche Situation hat sich in den letzten Jahren dramatisch verschlechtert. Viele Menschen leben unter schwierigen Bedingungen; auch die Meinungsfreiheit ist eingeschränkt. Im Oktober 2025 kam es zudem zu Zerstörungen durch den Hurrikan Melissa.

In Anbetracht der misslichen wirtschaftlichen Lage mit massiver Geldentwertung und steigender Armut erweist sich die Katholische Kirche immer mehr als Hoffnungsträger für die Kubanerinnen und Kubaner. Für viele gibt es nur eine Mahlzeit am Tag; rund 80 Prozent der benötigten Lebensmittel müssen aus dem Ausland importiert werden. Viele Apotheken sind leer. Es fehlt an Medikamenten, worunter vor allem zahlreiche Betagte und Kranke leiden. Häufig besteht auch Strommangel. Es herrscht eine grosse Armut. Für unsere Verhältnisse unvorstellbar, unter welchen Entbehrungen und Einschränkungen die Menschen auf Kuba leben müssen.

Seit nunmehr vier Jahren wirkt Pater Sébastien zusammen mit zwei weiteren Priestern in einer Pfarrei mit rund 50 000 Einwohnern, wo sie sich als «Diener der Armen» im Sinne von Mt 25,40 («Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, habt ihr mir getan») engagieren.

So gut wie möglich bemühen sich die kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um Hilfeleistungen: Sie versuchen, Lebensmitteln und weitere lebensnotwendige Güter zu beschaffen wie auch Medikamente. Viele Kubanerinnen und Kubaner, vor allem jüngere, wollen auswandern, um so den massiven Entbehrungen zu entkommen. Dabei richten nicht wenige von ihnen den Blick nach Spanien, mit welchem sie sich durch ihre Muttersprache verbunden fühlen.

Auch wenn in den staatlichen Schulen auf Kuba keine religiösen Tätigkeiten oder Gebete zugelassen sind und weiterhin nicht über Gott gesprochen werden kann, besteht heute auf der Basis von Toleranz ein Neben- und Miteinander. Die staatlichen Behörden kommen nicht darum herum, den wachsenden Wert der kirchlichen Einsätze im Kampf gegen die Armut anzuerkennen.

«Der Mensch soll mit Jesus seine Würde entdecken»
Die Tätigkeit der «Missionare Diener der Armen» erhielt durch das kürzlich erschienene Apostolische Schreiben «Liebe zu den Armen» von Papst Leo XIV Unterstützung. Sein Aufruf, die Armen nicht zu vergessen, zeigt sich als Inspiration für viele. Mit Freude berichtete Pater Sébastien, dass Jugendliche aus Europa für ein Erfahrungsjahr nach Peru kommen. Oft entdecken sie dabei ihre Berufung, selbst im Dienst der Armen tätig zu werden. Die notleidenden Menschen sind für jede Hilfe dankbar; die staatlichen Organe schätzen die Arbeit der Kirche zugunsten der Bevölkerung.

In seiner Predigt in der Pfarrei St. Katharina in Zürich-Affoltern sprach Pater Sébastien Dumont über die Hoffnung: Die Ausrichtung auf das Evangelium und damit der Blick auf Jesus kann uns mit Hoffnung erfüllen. Deshalb gilt es, ihm und seiner Botschaft treu zu bleiben und sie zu schützen.

Pater Sébastien erachtet die geistige Hilfe – die Verkündigung des Evangeliums und die Befreiung von Sünden – als wichtigste Hilfe für die Armen. «Der Mensch soll mit Jesus seine Würde entdecken», so der Gast aus Kuba. Heute werden auf ausdrücklichen Wunsch ihrer Eltern viele Kinder getauft. Selbst Erwachsene lassen sich das Taufsakrament spenden. In den fünf Kirchen und Kapellen seiner Grosspfarrei finden täglich Messfeiern statt, um den Gläubigen auf diese Weise den Zugang zu Gott zu ermöglichen.

Die Missionare begleiten die Armen in ihren oft schwierigen Lebenslagen und versuchen, ihnen neue Hoffnung zu geben. In Anbetracht der eingeschränkten Freiheit und eines Mangels an Perspektiven sind sie dafür besonders dankbar.

«Kirche in Not» unterstützt die Arbeit der Missionare zugunsten der Ärmsten der Armen auf Kuba, wofür Pater Sébastien und die Einheimischen sehr dankbar sind.
 

Informationen zur Gemeinschaft «Missionare Diener der Armen» finden sich unter https://www.msptm.com/de

«Kirche in Not (ACN)» ist ein internationales katholisches Hilfswerk päpstlichen Rechts, das als «Ostpriesterhilfe» gegründet wurde. Es steht mit Hilfsaktionen, Informationstätigkeit und Gebet für bedrängte und Not leidende Christen in rund 130 Ländern ein. Seine Projekte sind ausschliesslich privat finanziert. Das Hilfswerk wird von der Schweizer Bischofskonferenz für Spenden empfohlen.


Stefan Treier

Stefan Treier ist freier Mitarbeiter von «Kirche in Not».

Redaktion


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