Im Tessin finden dieses Jahr Musikevents, Vorträge und Ausstellungen zu 800 Jahre Franziskus von Assisi statt. Auch in der Kantonshauptstadt Bellinzona tut sich viel. Die Franziskaner haben in Bellinzona wichtige Spuren hinterlassen und sind durch ein Kapuzinerkonvent noch immer in der Tessiner Kantonshauptstadt präsent.
Die Franziskaner gehören zu den ältesten Orden im Tessin, da sie sich schon um den Todeszeitpunkt des Heiligen Franziskus (1226) in in Lugano und Locarno angesiedelt haben. Im 16. Jahrhundert kamen mit den Kapuzinern, einem strengeren Zweig des Ordens mit besonderer Nähe zum einfachen Volk und den Armen, neue Impulse ins Tessin. 1535 gründeten sie ihr erstes Kloster in Bigorio (Luganese), bevor sie 1581 über den Gotthard wanderten.
Für Tessin-Touristen empfiehlt sich ein Halt in Bellinzona, um die wunderschöne Klosterkirche Santa Maria delle Grazie aus dem 15. Jahrhundert, die bis 1848 ein Observanten-Franziskanerkloster war, zu bestaunen. Die Kirche ist bekannt für ihre imposante Trennwand mit farbenprächtigen Renaissance-Fresken und geschütztes Kulturgut der Schweiz. Sie enthält auch eine schlafende Madonna sowie in einer Seitenkapelle Fresken, die das Leben des heiligen Franziskus von Assisi darstellen. Im Kreuzgang dieser Kirche fand dieser Tage eine gut besuchte Wanderausstellung zu Franziskus von Assisi statt, die sich auf das Testament des Heiligen stützte und zum Nachdenken über seine Lehren über bedingungslose Liebe und Hingabe anregte.
Interessant ist aktuell eine ganz andere Ausstellung in der UNESCO-geschützten Burg Sasso Corbaro, die noch bis zum 8. November geöffnet ist. Die oberste und kleinste der drei Burgen von Bellinzona zeigt das Lebenswerk des 93-jährigen Kapuzinerbruders Fra Roberto Pasotti, der aus Bellinzona stammt und heute im Kapuzinerkloster Santa Maria in Bigorio/TI lebt, das er von 1966 bis 2019 sogar leitete. Durch seine Glasfenster in zahlreichen Kirchen, Kapellen und Schulen, sowie durch Ausstellungen im In- und Ausland wurde er auch über das Tessin hinaus bekannt.
Werke in der Deutschschweiz
In der deutschen Schweiz schuf er ein grosses Buntglasfenster in der Chorwand der St. Gallus Kirche von Schwamendingen (ZH), acht Glasfenster in der Elisabethenkirche von Kilchberg (ZH) und sechs moderne Glasfenster in der Donatus-Kirche in Zorten (Vaz/Obervaz GR). Zudem wurden 13 Gemälde von Fra Roberto von dem inzwischen verstorbenen Sammler-Ehepaar Ruth und Anton Frey-Näpflin regelmässig im Nidwaldner Museum und im Winkelriedhaus von Stans ausgestellt. 2021 hat die Frey-Näpflin-Stiftung die Werke dem Kloster Wesmelin in Luzern geschenkt, das einige von ihnen im Klostergebäude aufgehängt hat, wie das Kloster bestätigt, während die Bilder für einen Kreuzweg an das Kapuzinerkloster Mels SG weitergegeben wurden, wo sie seit 2004 in der Klosterkirche hängen.
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