«Was du machst, mach richtig!» Diesen Rat seiner Mutter befolgte Le Corbusier – mit einem Lebenswerk, das in seiner Kompromisslosigkeit seinesgleichen sucht. So schlug er etwa in den 1920er-Jahren den Abriss des gesamten Pariser Stadtzentrums rechts der Seine vor. Die Bevölkerung sollte in gigantische Wohntürme umziehen und Teil einer verkehrsgerechten, wirtschaftlich effizienten Metropole werden.
Mit solchen Entwürfen wurde Le Corbusier, der am 27. August 1965, vor 60 Jahren, starb, zu einem ebenso bahnbrechenden wie umstrittenen Vordenker der Betonarchitektur des 20. Jahrhunderts. Gleichzeitig zeigt seine Radikalität jedoch auch ein Rasterdenken, das dem Menschen mit seinen emotionalen und sozialen Bedürfnissen nicht gerecht wird. Nicht umsonst gilt seine radikal auf Funktionalität und Zweckmässigkeit ausgerichtete Architektur auch als Vorläufer der tristen Plattenbauten, wie sie die Vororte der grossen französischen Städte prägen: die als soziale Brennpunkte verrufenen Banlieues.
Markenzeichen: Hornbrille und Fliege
Als Charles Édouard Jeanneret-Gris kam Le Corbusier am 6. Oktober 1887 in der Uhrenstadt La Chaux-de-Fonds zur Welt. Sein Vater war Uhrenziseleur, seine Mutter Musikerin. Sie übte bis zu ihrem Tod im Alter von 100 Jahren einen besonderen Einfluss auf den Sohn aus.
Zunächst schien der Junge beruflich in die Fussstapfen des Vaters zu treten, doch schliesslich brachten ihn seine Studien zunächst zur Malerei und am Ende zur Architektur. In den 1920er-Jahren, in denen er auch seinen Künstlernamen und die Hornbrille und Fliege als Markenzeichen annahm, entwickelte er seine immer kompromissloseren Architekturadaptionen an eine technisierte Welt.
Neben diversen Privatvillen konzipierte Le Corbusier Stapelhäuser für den modernen Menschen: Serienbauten mit genormten Einzelteilen, die alle Funktionen einer Stadt unter einem Dach vereinigten. Zu seinen bekanntesten Werken gehören ein mondänes Doppelhaus in der Stuttgarter Weissenhofsiedlung (1927), der «Pavillon der neuen Zeit» für die Pariser Weltausstellung (1937), die sogenannte Unité d'Habitation in Marseille (1945–1950), die 2016 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen wurde, und vier weiteren Städten, die Modernisierung der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá (1950) sowie Bauten im südindischen Chandigarh, wo er eine ganze Provinzhauptstadt («City Beautiful») in der Art Brasilias schuf.
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