Liebe Leserin, lieber Leser
Wenn wir in die Welt schauen, wenn wir in die Kirche schauen, dann scheint es oft dunkel zu sein. Der Stärkste regiert und nimmt sich, was er will. Mehrheiten bestimmen, und der Wille Gottes interessiert leider die wenigsten. Ja, selbst in der Kirche müssen wir feststellen, dass mehrheitlich der Mensch im Mittelpunkt steht anstatt Gott – selbst in der Heiligen Messe. Rein menschlich gesehen scheinen viele verloren.
Aber war das nicht immer schon so? Wenn wir auf die Heiligen schauen: Haben sie nicht auch so gedacht? Wir feiern heute die Bekehrung des heiligen Paulus. Heute wird oft die übernatürliche Sicht komplett vergessen. Warum gibt es selbst in der Kirche oft keine Bemühungen, Fehlentwicklungen zu korrigieren? Warum verkünden die Hirten nicht die Wahrheit, die nicht ohne den Preis der Scheidung der Geister zu haben ist («Die Schafe zur Rechten, die Böcke zur Linken»)? Weil es ein geistiger Kampf ist.
Jesus fragt den heiligen Paulus: «Warum verfolgst du mich?» Die Wahrheit, der authentisch katholische Glaube, wird immer ein Stein des Anstosses sein, wird immer provozieren und verfolgt werden. Das ist nichts Neues unter der Sonne. Aber ist das ein Grund zum Jammern? Grund zur Resignation? Nein, im Gegenteil, es soll uns ermutigen. Wenn Jesus dazu aufgerufen hat, sich zu entscheiden («Eure Rede sei ein Ja oder ein Nein»), wenn an Jesus Anstoss genommen wurde, dann soll es uns nicht anders ergehen.
Was können wir aber tun? Wie können wir die Missstände in der Kirche bekämpfen? Indem wir auf den Knien beten und alles aufopfern. Indem wir würdig die Heilige Messe mitfeiern. Indem wir Jesus sagen: Es ist deine Kirche, greife ein. Sicherlich ist mit der Liturgiereform, vor allem mit der nicht korrekten Umsetzung, vieles schiefgelaufen. Leider wird die Heilige Messe oft nicht nach den Vorschriften der Kirche gefeiert. Aber was können wir tun?
Wir können den Priester darauf aufmerksam machen, wir können den Bischof darauf aufmerksam machen, was ja immer mehr Jugendliche auch tun, aber ändern können wir Laien das nicht. Wir müssen mehr beten.
Nochmals: Jesus ist das Haupt der Kirche. Er kann und wird eingreifen, auch wenn es mit menschlichem Auge betrachtet oft nicht so scheinen mag. Erzbischof Gänswein hat kürzlich in einem Interview etwas sehr Hoffnungsvolles gesagt: Die junge Generation im deutschsprachigen Raum ist wieder glaubenstreu und traditionsverbunden; sie will einen klaren, unverwässerten katholischen Glauben. Sie will Gott im Mittelpunkt – ob das in der Gesellschaft oder in der Kirche ist. Die Zukunft gehört den Jungen.
Auch in der heutigen Zeit gibt es prophetische Hirten, für die wir danken sollen. Dazu zähle ich Weihbischof Marian Eleganti, der mich immer ermutigt hat im Kampf für die Wahrheit, aber auch im Kampf für den Lebensschutz.
Und ich bin überzeugt, und das soll und muss unsere Hoffnung und Freude sein: Die Kirche wird erblühen, wenn wir darum beten. Es gibt viele gute Initiativen, von denen wir zu wenig hören, wie Sühnenächte in Seebach, wie 24-Stunden-Anbetung in verschiedenen Pfarreien, wie neue Apostolate, z. B. «Ave Maria». Immer mehr junge Menschen finden weltweit zur Wahrheit, lassen sich taufen und bekennen öffentlich den unverkürzten Glauben.
Das Zweite Vatikanische Konzil wollte nicht, dass die Laien Priester spielen, aber es wollte, dass die Laien ihre Berufung wahrnehmen: in der Kirche durch Gebet und Unterstützung des Priesters, damit er die Sakramente spenden kann; in der Gesellschaft, dass man sich für die göttlichen Gebote einsetzt.
Anstatt immer zu jammern, sollten wir – und dazu zähle ich mich selbst auch – die Hände falten, den Heiligen Geist bitten, dass er uns führe, damit wir unserer Berufung treu werden.
Gastkommentare spiegeln die Auffassungen ihrer Autorinnen und Autoren wider.
Kommentare und Antworten
Bemerkungen :
Dieses Dunkel in der Welt zu ertragen, kann schwer sein, ja. Es scheint, als erdrückt das vorherrschende Unrecht die (eigene) Seele. Doch der HERR hat uns auf genau diese Herausforderungen bereits vorbereitet – Mt 24 – und uns vorab Lösungen gegeben – Mt 13. So dürfen wir, trotz allem Dunkel, Sein Licht der Hoffnung sehen. Wissend. Jubelnd, im Grunde, wann immer wir dieses Wort bestätigt sehen, in der Welt. Und ja, wir leiden, unter diesem Leid, das sich zum Guten wandelt. Genau wie unser HERR auch...
Dieses Erlebnis führte mich zum Schluss, dass die Enttäuschung so vieler über die Liturgiereform weniger den formalen Unterschieden zuzuordnen ist, als den Mangel an Disziplin und Ordnung, wie er sich besonders im Bereich der neuen Ordnung breit gemacht hat und sich immer noch mehr ausbreitet. Hier wäre anzusetzen. Als Motto dabei könnte das Schriftwort gelten: «Anfang der Weisheit ist die Gottesfurcht, / die Kenntnis des Heiligen ist Einsicht.» (Spr 9,10) oder, falls es ein weltlicheres sein müsste, dann jenes aus meiner Rekrutenschule: «Wer nicht gehorchen kann, kann auch nicht führen!»
Besten Dank für die brüderliche Zurechtweisung. Seit einiger Zeit besuche ich ziemlich regelmässig Gottesdienste in dieser Kirche. Ich kann mich aber nicht daran erinnern, dass irgend einmal von Don Boco die Rede gewesen wäre, ganz im Gegenteil zum Heiligen Franz von Sales. Ein Priester aus Indien, der längere Zeit dort war, erwähnte diesen sogar immer im Hochgebet, zusammen mit einer Heiligen aus dessen Umgebung, deren Namen mir entfallen ist. Den fraglichen Gottesdienst feierte der Bischof sogar als Hochfest dieses Heiligen. Und seine Mitra war in einem Reliquienbehälter in ganzer Grösse zur Verehrung aufgestellt. Als ich meinen Kommentar schrieb, lag auf meinem Pult ein Schreiben mit der Adresse: «Salesianische Schwestern , Kloster Visitation, Solothurn». Es gab für mich keinen Grund, den Heiligen Franz von Sales nicht als Grunder dieser Gemeinschaft anzunehmen, und dass Don Bosco über laichen sollte.
Aber nicht alles war in dieser Zeit besser, so mussten in der Kirche die Frauen auf der einen, und die Männer auf der andren Seite in die Kirchenbänke eintreten. Familien konnten nicht gemeinsam die Messe feiern.
Mädchen konnten zu dieser Zeit nicht Ministrantin sein, warum eigentlich?
Selbst in der Rekrutenschule waren keine Frauen zugelassen, heute kämpft der Bund um einen höheren Frauenanteil.
Papst Benedikt sagte passend: Was früheren Generationen heilig war, bleibt auch uns heilig und groß; es kann nicht plötzlich rundum verboten oder gar schädlich sein. Zitat Ende. Fortschritt in der Kirche heisst immer Vertiefung eines göttlichen Geheinissen, nie Bruch. Gerade mit den Frauen im Altarraum ist aber so ein Bruch gekommen. 1995 Jahren war es klar verboten, nicht weil man Frauen diskriminieren wollte, sondern weil der Altardienst immer eine Vorstufe des Priestertum war. Die Zahlen sind klar, zB. seit Mädchen ministrieren dürfen, gibt es weniger Jungs welche das machen, und die Priesterberufungen gehen massiv zurück. In einer Beantwortung einer Dubia durch Kardinal Ratzinger im Jahr 2001 heisst es: Es ist daher angebracht, dass die Diözesanbischöfe unter Wahrung der kirchlichen Tradition den Dienst männlicher Ministranten bevorzugen, da dieser in bedeutender Weise zur Förderung priesterlicher Berufungen beiträgt.
Wo jedoch bereits die Praxis besteht, Mädchen zuzulassen, kann dies geschehen, sofern der Charakter dieser Zulassung klar als Ausnahme erklärt wird und nicht als Regel oder als Anspruch aufgrund eines Rechtes.
Es hat nichts mit Nostalgie zu tun, sondern mit katholischer und apostolischer Tradition.
Waren Jesus oder die Apostel, ja sogar die ganze Kirche Frauenfeindlich, dass die höchste aller Frauen, die Muttergottes Maria, nie Zugang zum Altar gewährleistet wurde? Im Gegenteil, keinem Geschöpft wurde die Würde erteilt wie Maria, und sie war bekanntlich eine Frau. Jeder soll gemäss seiner Berufung und seiner Stellung die ihm zukommt in der Kirche heilig werden.