Die Pfarrei St. Kilian in Bütschwil verfügt über eine beeindruckende Schar von Sternsingern; dazu darf man den Verantwortlichen gratulieren. Es ist erfreulich, dass sich so viele Kinder und Jugendliche für die «Aktion Sternsingen» einsetzen.
Im Aussendungsgottesdienst vom 4. Januar 2026 brauchte es etwas Geduld, bis sich die vielen Sternsinger nach dem Einzug für ein Lied aufgestellt und sich danach in die Bänke eingereiht hatten. Drei jugendliche Sternsinger stimmten die Anwesenden auf das Thema der diesjährigen Sternsingeraktion ein, in der es um die Bekämpfung von Kinderarbeit geht. Anscheinend hatten sie vorher keine Zeit für eine Probe, doch am Schluss hatten alle ihren Text gesagt. Mit solchen «Pannen» muss in einem Gottesdienst mit Kindern resp. Jugendlichen gerechnet werden; das ist nicht weiter schlimm.
Problematisch wird es, wenn der Priester die Heilige Messe den Kindern unterordnet. Man spürte das pädagogische Bemühen des Priesters, die Kinder «abzuholen», wie man heute so schön sagt. Doch dabei gingen Sinn und Geist der Heiligen Messe weitgehend verloren.
Selbstgebasteltes aus dem hohlen Bauch heraus
Der Priester hielt fast den ganzen Gottesdienst auf Schwyzerdütsch. Dies gilt als kindgerecht, doch die Kinder sind sich vom Fernsehen Hochdeutsch gewöhnt. Das geht inzwischen so weit, dass sie beim Spielen draussen oft Hochdeutsch miteinander sprechen. Die Gefahr bei der Benutzung der Umgangssprache liegt darin, dass das weniger präzise ist und schnell einmal ins Trivial-Banale abgleitet, im Stil von «Ä schös Tägli». So sprach der Priester z. B. davon, dass die Sterndeuter an der Krippe spürten, dass Jesus «ein Kind Gottes» sei. Kinder Gottes sind wir alle … Die Sterndeuter erkannten in Jesus hingegen den Sohn Gottes.
Nach der Eröffnung bat der Zelebrant um einen Moment der Stille, danach «begrüssen wir Jesus in unserer Mitte». Diese Begrüssung von Jesus – vermutlich war der Bussakt gemeint – lautete: «Herr Jesus Christus, du bist immer auf unserer Seite. Du tröstest die Traurigen, und freust dich mit den Fröhlichen. Du bist Hoffnung und Kraft für alle Kinder auf dieser Welt.» Und schon folgte das Tagesgebet, natürlich wieder auf Schwyzerdütsch, selbstgebastelt und ohne die trinitarische Schlussdoxologie. Keine Kyrie-Rufe und auch kein Gloria.
Es folgten eine Lesung und ein Zwischengesang. Dass die zweite Lesung entfiel, kann man aufgrund des speziellen Gottesdienstes mit den vielen Segnungen nachvollziehen. Dies ist aus pastoralen Gründen auch möglich.
Nach dem Evangelium wandte sich der Priester mit einigen Worten an die Kinder und Jugendlichen, die als Sternsinger unterwegs sind und sich so gegen Kinderarbeit einsetzen. «Der Prophet Jesaja wäre stolz auf euch!», nahm er Bezug auf die Lesung. Eine eigentliche Homilie entfiel. Die Ansprache blieb auf der rein horizontalen Ebene (Nächstenliebe). Als er auf die Lesung verwies, sagte er: «In der Lesung, die uns X. Y. vorgelesen hat …» Mit dieser Formulierung machte er die Lesung zu einem blossen Text von Mensch zu Mensch – keine Spur von der Tatsache, dass Gott selbst in den Lesungen zu uns spricht.
Es folgten die Segnung von Salz und Wasser. Die Kirche würde das Salz segnen, weil sie das Leben der Kinder «würzig machen» möchte, damit sie «keine geschmacklosen Menschen sind». Das hat zwar Unterhaltungswert, geht aber am eigentlichen Sinn der Salzsegnung vorbei. Auffallend: Bei beiden Segnungen liess der Priester die Sätze weg, die von der Sünde resp. dem Bösen sprechen. Doch dafür gab es keinen Grund, im Gegenteil: Die Sternsinger bringen ja gerade den Segen Gottes zur Bewahrung vor dem Bösen und sammeln Spenden für Kinder, die unter Ungerechtigkeiten leiden, die auf das sündige Verhalten von Menschen zurückzuführen sind.
Das Glaubensbekenntnis fiel wenig verwunderlich weg, obwohl es dafür keinen ersichtlichen Grund gab und dies auch nicht erlaubt ist.
Wirres Hochgebet
Vermutlich war der Priester bei der Gabenbereitung durch das teilweise Mitsingen des Liedes abgelenkt, sodass er es mit dem Ablauf nicht so genau nahm.
Wirklich schlimm wurde es – man ahnt es – bei der eigentlichen Eucharistiefeier.
Als Grundlage für das Hochgebet diente das «Kinderhochgebet I», jedoch auf Schwyzerdütsch. Nach einem Teil der Präfation folgte das Lied: «Laudate omnes gentes» – anscheinend war es als «Sanctus» gedacht. Doch jetzt folgte der zweite Teil der Präfation und die Epiklese. Bei den Einsetzungsworten – auf Schwyzerdütsch und entsprechend ungenau formuliert – brach er die Hostie, wie wenn es sich um ein Nachspielen des Letzten Abendmahls gehandelt hätte. Der weitere Verlauf des Hochgebetes war genauso wirr, wie zu Beginn und stimmte nicht mit dem offiziellen Kinderhochgebet I überein.
Erst nach dem Hochgebet forderte er die Gläubigen auf, zum Vaterunser aufzustehen (während des Hochgebetes sassen die Kinder). Selbstverständlich liess der Priester den vorgeschriebenen Embolismus (Entfaltung der letzten Vaterunser-Bitte: «Erlöse uns, Herr, allmächtiger Vater, von allem Bösen und gib Frieden in unseren Tagen …) weg.
Nach dem Friedensgruss sagte der Priester das nächste Lied an: «Wir singen bei 002: Leider nicht bei 007, dann wäre es ein James Bond-Lied.» Auch diese flapsige Bemerkung mochte unterhaltsam sein, war aber gerade an dieser Stelle, wo es um den Opfertod Jesu geht, deplatziert. Als «Agnus Dei» erklang das Lied «Wo Menschen sich vergessen». Zum Vergessen ist eigentlich diese Art von Gottesdienst.
Kinder nicht unterschätzen
Ein Aussendungsgottesdienst für Sternsinger mit vielen Kindern und Jugendlichen darf und soll einen eigenen Charakter haben und darf aus pastoralen Gründen auch mit weniger Lesungen auskommen. Hier wurde aber an einem Hochfest eine Eucharistiefeier liturgisch grundlos auf das Niveau eines «Chlichindergottesdiensts» degradiert.
Auch das Weglassen zentraler Elemente wie Kyrie, Gloria und Glaubensbekenntnis ist inakzeptabel, da sie wesentlich zur Liturgie gehören. Die Autorin war jahrelang als Religionslehrerin tätig und weiss aus Erfahrung, dass Kinder die Eucharistiefeier problemlos «verstehen». Dies den Kindern abzusprechen, ist eine böswillige Unterstellung von Erwachsenen. Nicht die Kinder, sondern sie haben ein Problem mit der Messfeier!
Besondere Eucharistiefeiern wie Weihnachtsgottesdienste, Erstkommunion, Firmung oder eben die Aussendung der Sternsinger sind gute Gelegenheiten, die Kinder – und auch die Erwachsenen – zu Gott zu führen. Bedauerlich, dass solche Chancen zum Schaden des christlichen Glaubens so oft nicht wahrgenommen werden.
Die Bischöfe der Bistümer Basel, Chur und St. Gallen täten gut daran, an ihren gemeinsamen Brief vom 5. Januar 2023 zu erinnern, in dem sie ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen darum bitten, die Liturgie nicht zum Experimentierfeld persönlicher Vorhaben zu machen.
Kommentare und Antworten
Bemerkungen :
Einen Priester mit einem Bild öffentlich an den Pranger zu stellen, ist beschämend.
Ist das wirklich euer Verständnis eines christlichen Miteinanders? Mehr bleibt mir dazu nicht zu sagen.
Andere Gottesdienstformen sind frei gestaltbar (z. B. Andachten).
Rosmarie Schärer
Ich bin auch schockiert über ihre Äusserungen. Das sind MISSBRÄUCHE, und das ist nicht harmlos und ist nicht unter den Tisch zu wischen. Ob diese Missbräuche geistlich, sexuell oder liturgisch sind, es gehört aufgedeckt. @ Kilian Das sind keine Experimente, das sind Missbräuche, und das gehört nicht in der Kirche.
https://www.kath.ch/newsd/bischof-joseph-bonnemain-informiert-monika-schmid-ueber-resultat-der-untersuchung-zu-liturgischem-missbrauch/
Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass Priester und Laien, die sich in gravierender Weise über liturgische Vorschriften hinwegsetzen, das Gewissen der Gläubigen missachten, die ein Recht auf eine korrekt gefeierte Liturgie haben. In diesem Zusammenhang darf man auf den Apostel Paulus (1 Kor 10,28) verweisen. Er mahnt, das Gewissen des Nächsten zu achten. Da ging es aber nur um Götzenopferfleisch, dessen Genuss an sich erlaubt war. Paulus mahnt aber, aus Rücksicht auf das schwache Gewissen eines Gläubigen, auf den Genuss zu verzichten. Hier geht es um viel mehr als bei Paulus - um ein heiliges Sakrament. Dem Priester wurde bei seiner Weihe die Feier der Liturgie anvertraut und daher ist es seine Pflicht, die hl. Liturgie nach dem römisch-katholischen Ritus zu feiern! Bei der Chrisammesse fragt der Bischof seine Priester: "Seid ihr bereit, gemäss der kirchlichen Überlieferung die Mysterien Christi in gläubiger Ehrfurcht zu feiern zum Lobe Gottes und zum Heil seines Volkes?" Mancher Priester könnte da leider nicht mehr mit bestem Gewissen mit Ja antworten. Diese Missbräuche müssen endlich aufhören!
vgl. https://www.swiss-cath.ch/artikel/die-liturgie-nicht-zum-experimentierfeld-persoenlicher-vorhaben-machen
http://katholisch-informiert.ch/
sind im See- und Gastergebiet, z. B. in Uznach, Schmerikon oder Gommiswald, an der Tagesordnung! Himmeltraurig! Man kann sich ja nicht beschweren, unser Bischof beantwortet keine Mails und geht nicht auf die Missbräuche ein!
Das sind die Folgen des Liberalismus! Die "Gottesdienste" sind dem Herrn sei Dank in diesen pseudokatolischen Pfarreien kaum besucht! Kein wahrer Gläubiger will solche Pseud-Gottesdienste! Die Zustände in der Schweizer katholischen Kirche sind miserabel! Unsere Hirten schweigen!
Es sind tatsächlich LEIDER GOTTES überhaupt keine Einzelfälle, liturgische Missbräuche in der Deutsch-Schweiz, im Gegenteil. Würden Sie als Organistin/Kirchenmusikerin in der so genannten katholischen Kirche der Deutsch-Schweiz arbeiten, würden Sie wissen, dass sie eher die Norm sind. Wenn man sich dagegen wehrt, muss man mit regelrechter Verfolgung rechnen, ob offen oder versteckt, wird sie nicht ausbleiben. Beten wir für die Verantwortlichen, die selber daran schuldig sind und dadurch andere in die Irre führen, für die treuen Priester, die sich dagegen wehren und deshalb Diskriminierung erleben und für alle Katholiken, ob Angestellte der RKK Schweiz oder Pfarrei Mitglieder, die den berechtigten Wunsch nach einer sauberen, gesunden, den offiziellen Vorgaben treuen Liturgie haben und äussern und deshalb viel zu leiden haben. Herr, vergib Ihnen, denn sie wissen, hoffentlich, nicht, was sie tun. Komm Herr Jesus, Marana tha
Junge Menschen wollen Klarheit. Keinen Relativismus, dass alle Religionen gleich sind. Nicht Jesus uns Bruder und Kumpel, sondern den wahren katholischen Glauben. Keine Gender-Ideologie oder Klimapolitik, sondern das unverkürzte Evangelium welches auch die Konsequenzen aufzeigt, wenn man Jesus ablehnt. Manche Freikirchen lehren das auch, wenn auch mit einer häretischen Brille. Warum gibt es heute weit über 40'000 Freikirchen? Wenn der reine katholische Glaube, und das war der Glaube aller Christen, nicht mehr gelehn wird, ist man anfällig für alle Irrlehren und Irrwege. Der Mensch ist immer ein Suchender. Wenn aber die Wahrheit nicht mehr klar gelehrt wird, der Gottesdienst nicht gefeiert wird, dass dieses Wahrheit, welche Jesus Christus, welche die katholische Kirche ist, erkannt wird, dann ist die Folge ein verwirrtes Umhergehen. Und nicht selten ist es so, dass man von Freikirche zu anderen Freikirchen wandert immer auf der Suche. Aber das Herz ruht erst, wenn es den wahren Christus gefunden hat, und dieser findet man nur in der Katholischen Kirche. Jedoch entstellen solche Gottesdienste, eine verwässerte Lehre, diese Wahrheit.
Die Freikirche hat nichts himmlisches und keine himmlische Lehre. In der Heiligen Messe aber ist Jesus wahrhaft in der Eucharistie präsent, welche uns in den Himmel bringt. Die Freikirche kann sowas nicht.
Das ist alles nur die Folge davon, dass die Furcht des Herrn, die Ehrfurcht, die wir ihm schulden, in unserer Kirche längst abgeschafft wurde. Wenn wir nicht hier, bei den Wurzeln, anpacken, müssen wir noch viel Schlimmeres erwarten.
Dass die dort beschriebenen Tendenzen keine Einzelfälle sind, musste ich am selben Tag (4.1.2026/10:15 Uhr) persönlich in der Heiligen Messe in Mosnang erfahren.
Auch diese Messe wurde vom selben Priester zelebriert und es kam zusätzlich zu den von ihnen beschriebenen Missachtungen noch zu einem weiteren groben Verstoss gegen die liturgische Ordnung, der weit über eine blosse „kreative Gestaltung“ hinausgeht.
Für das Hochgebet wurden die Sternsinger dazu eingeladen, sich um den Altartisch zu versammeln.
Während der Doxologie, dem feierlichen Abschluss des Hochgebets, wurden die Kindet dazu angehalten, gemeinsam mit dem Priester den Kelch hochzuhalten. Was oberflächlich als einladende Geste für die Jüngsten erscheinen mag, ist kirchenrechtlich und theologisch höchst problematisch.
Die Doxologie („Durch ihn und mit ihm und in ihm...“) ist der krönede Abschluss des Hochgebets. Dieser Ritus – einschliesslich des Erhebens der Gaben von Brot und Wein – ist ausschliesslich dem geweihten Priester vorbehalten. Indem man Kinder dazu animiert, die heiligen Gefässe mitzuerheben, findet eine unzulässige Vermischung zwischen dem allgemeinen Priestertum der Getauften und dem besonderen Dienstamt des Priesters statt.
Gute Religionspädagogik sollte Kinder in das Geheimnis des Glaubens einführen, statt die Liturgie in ein „Mitmach-Theater“ zu verwandeln. Wenn die zentralen Symbole und Handlungen der Eucharistie zur pädagogischen Verfügungsmasse degradiert werden, beraubt man sie ihrer sakralen Tiefe. Was in Mosnang praktiziert wurde, ist faktisch eine Banalisierung des Allerheiligsten unter dem Vorwand der Partizipation.
Es ist dringend geboten, dass die Verantwortlichen in unseren Pfarreien zur objektiven Feier der Kirche zurückfinden. Die liturgischen Normen sind keine Schikane, sondern schützen das heilige Geschehen vor menschlicher Willkür und lokaler Selbstdarstellung.