(Symbolbild: RosZie/Pixabay)

Mit spitzer Feder

Lit­ur­gi­scher Miss­brauch – Ja, ich oute mich

Die Bericht­er­stat­tung von «swiss​-cath​.ch» über lit­ur­gi­sche Miss­bräu­che in Deutsch­schwei­zer Bis­tü­mern hat hohe Wel­len gewor­fen. Offen­sicht­lich wurde damit ein wun­der Punkt in der hie­si­gen kirch­li­chen Pra­xis getrof­fen. So mel­de­ten sich allein auf den Gast­bei­trag von Clau­dio Tes­sari («Bis­tum Chur erhält einen neuen Weih­bi­schof») 20 Lese­rin­nen und Leser zu Wort.

Der zahlreichen Kritik an der Missachtung liturgischer Vorschriften wurde entgegengehalten, dass niemand auf die Idee käme, «das Hinknien (sich dem Volk zuwendend) des Churer Bischofs bei seiner Weihe 2021 als ‹Missbrauch› einzustufen» (so Heinz Meier in seinem Kommentar zum erwähnten Gastbeitrag von Claudio Tessari). Doch, Herr Meier! Ich oute mich als einer, der dieses in populistischer Absicht inszenierte Hinknien vor der im Kirchenschiff versammelten Schar von Gläubigen und Ungläubigen als Missbrauch bezeichnet. Ja, mehr noch: als Missbrauch, der weit über den liturgischen Bereich hinausgeht.

Warum? Es ist ja nicht nur dieser Gestus als solcher, sondern mehr noch die ihn ausdeutende Befehlsausgabe, mit der sich der neugeweihte Churer Bischof disqualifizierte. Denn dabei gab er zu verstehen, er könne keinen bischöflichen Segen spenden, wenn er nicht zuvor von den Anwesenden im Kirchenschiff gesegnet würde.

Abgesehen davon, dass die Adressaten seines Segnungsbegehrens gar nicht erst um ihre Zustimmung ersucht wurden: Diese anthropozentrische Umpolung, der zufolge Gott die Menschen erst um ihr Plazet für sein Handeln und Wirken einholen müsste, trifft den christlichen Glauben in seinem Kern. Doch mit dieser ungefragten Vereinnahmung sollte es nicht sein Bewenden haben. Auch das diesbezügliche Segnungsgebet hatte Bischof Bonnemain gleich selbst vorformuliert und – damit ja keiner es wage, auszuscheren – in dem an alle Anwesenden verteilten Heft zum Weihegottesdienst Wort für Wort festgelegt. Man wird dieses bischöfliche Gebaren nicht unter den Begriff «Synodalität» subsumieren wollen.
 


Bischof Grögli markiert den Vogel Strauss
Bischof Bonnemain steht – Gott sei’s geklagt – nicht als Einziger quer zu den liturgischen Vorgaben der Kirche. Von einer Leserin auf den Aussendungsgottesdienst für Sternsinger an Epiphanie in Bütschwil (SG) aufmerksam gemacht, nahm meine Redaktionskollegin Rosmarie Schärer, Theologin und erfahrene Religionslehrerin, eine Bestandsaufnahme vor. Dabei merkte sie kritisch an, dass beim Bestreben, die Messfeier «kindergerecht» zu gestalten, deren Sinn und Geist weitgehend verloren gingen. Viel, allzu viel formulierte der Priester «aus dem hohlen Bauch» heraus, mit der unvermeidlichen Folge, ins Trivial-Banale abzugleiten. So etwa, als er davon sprach, die Kirche möchte mit der Salzsegnung «das Leben der Kinder würzig machen». Oder, wenn er im Bemühen, einen Gag zu landen, ein Lied mit den Worten ankündigte: «Wir singen bei 002. Leider nicht bei 007, dann wäre es ja ein James Bond-Lied». Irgendwie logisch, dass diesem Übermass an flapsigen Zwischeneinlagen Kyrie, Gloria und Credo zum Opfer fielen. Genug der Gründe also für einen besorgten Kirchgänger, sich beim zuständigen Bischof Beat Grögli zu erkundigen, wie er auf diesen offensichtlichen liturgischen Missbrauch zu reagieren gedenke. Dessen Rückmeldung war einigermassen irritierend: Ein Foto der in der Kirche versammelten Sternsingerschar, komplettiert mit dem Anhängsel «Mit besten Grüssen +Beat Grögli». That’s it. Nicht ganz: «swiss-cath.ch» wurde die Ehre zuteil, mit einer Kopie bedient zu werden. Worauf wir an die Kommunikationsverantwortliche des Bistums, Isabella Awad, die Frage richteten, ob die ultrakurzen Morsezeichen von Bischof Grögli dahingehend zu entschlüsseln seien, dass er die liturgischen Missbräuche im Aussendungsgottesdienst der Sternsinger in Bütschwil gutheisse. «Wir äussern uns nicht dazu», lautete ihre Rückmeldung.

Im sogenannten Neujahrsbrief vom 5. Januar 2023 hatten die Bischöfe der Diözesen Basel, Chur und St. Gallen ein ebenso mutiges wie überfälliges Zeichen gesetzt. Aufgrund der verbreiteten liturgischen Auswüchse erinnerten sie an die Verbindlichkeit der liturgischen Normen, übten Kritik an eigenmächtigen Seelsorgerinnen und Seelsorgern und unterstrichen das Recht der Gläubigen auf ordnungsgemässe, würdig gefeierte Gottesdienste.

Im Kommentar zu diesem bischöflichen Neujahrsbrief stellte «swiss-cath.ch» die Frage, «ob dieser Brief auch wirklich Konsequenzen nach sich ziehen wird. Ist er von den Bischöfen als ein ernst zu nehmendes ‹Stoppschild› gedacht oder nur ein Versuch, gegenüber den Gläubigen eine Handlungsbereitschaft zu signalisieren, deren Umsetzung in der Schwebe bleibt?» Die Frage ist aktueller denn je.


Niklaus Herzog
swiss-cath.ch

E-Mail

Lic. iur. et theol. Niklaus Herzog studierte Theologie und Jurisprudenz in Freiburg i. Ü., Münster und Rom.


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Bemerkungen :

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    Sonja 05.02.2026 um 06:48
    Liturgischer Missbrauch in der Deutschschweiz: Zeit für echte Korrektur!

    Der Artikel auf swiss-cath.ch deckt schwere Missbräuche auf: Bischof Bonnemain kniet 2021 bei seiner Weihe vor dem Volk, bittet um „Segen“ und diktiert ein vorgefertigtes Gebet – eine anthropozentrische Umkehrung, die Gott zum Bittsteller macht! In Bütschwil (SG) wird die Epiphanie-Messe für Sternsinger zur Zirkusnummer: Improvisationen, Gags („James Bond-Lied“), Weglassung von Kyrie, Gloria, Credo – trivial und und normenwidrig. Bischof Grögli reagiert mit Foto und Schweigen.

    Katholische Wahrheit: 
    Die Liturgie ist Gottesdienst, kein Volkstheater! „Spiritus et Sponsa“ (JPII, 2003) warnt: „Missachtung liturgischer Normen führt zu schweren Missbräuchen, die das Mysterium verdunkeln – Pastoren müssen sie prudent und fest korrigieren.“ „Redemptionis Sacramentum“ (2004) fordert: Gläubige haben Recht auf Beschwerde beim Bischof oder Rom. Bischöfe sind Wächter der Liturgie (Praedicate Evangelium, Art. 88, nicht Komplizen!

    Bischöfliche Verantwortungslosigkeit: Neujahrsbrief 2023 war gut gemeint, aber leer – Konsequenzen fehlen! Synodalität ist kein Deckmantel für Chaos. „Miscere colloquia“ (2013): „Irregularitäten und Missbräuche müssen korrigiert werden.“

    Aufruf: Bischöfe Bonnemain, Grögli & Co.: Hört auf die Gläubigen! Stellt Normen durch, bildet Priester aus. Betet um Treue zur Liturgie – sie nährt den Glauben!
  • user
    Kilian 01.02.2026 um 23:16
    Der Aussendegottesdienst der Sternsinger Bütschwil wurde dem Bischof gemeldet. Der Bischof regierte nicht respektive nur mangelhaft auf diesen Missbrauch. Im Gegensatz zu sexuellem Missbrauch kann man beim liturgischen Missbrauch eine Klage beim Vatikan einreichen. Kardinal Arthur Roche, Piazzo Pio XII 10, Rome. www.cultodivino.va
  • user
    Stefan Fleischer 31.01.2026 um 17:48
    Sicher, der Dienst des Bischofs, ja aller Amtsträger in der Kirche, ist ein Dienst am Menschen. Doch geleistet wird er im Auftgrag Gottes, des Herrn. Ihm gegenüber sind alle Menschen verantwortlich, die Diener der Kirche aber ganz besonders. Je höher das Amt, desto grösser die Verantwortung. Ganz besonders für sie gilt: «Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.» Damit aber die Gläubigen das verstehen und sich dementsprechend verhalten, wäre es wichtig, dass dies immer wieder verkündet und von ihren Hirten vorgelebt wird.
  • user
    Walter Imholz 31.01.2026 um 17:07
    Bei Missbrauch hört der Spass auf. Da kennt die Kirche null Toleranz. Wie der Name "Gottesdienst" schon sagt, es wird Gott ein Dienst dargebracht. Gott wird Verehrung dargebracht. Bischof Bonnemain hat den Gottesdienst zur Selbstdarstellung missbraucht, um sich selbst in Szene zu setzen. Wenn man etwas an sich reisst und seinem Zweck entfremdet ist das Missbrauch.
  • user
    Michael 31.01.2026 um 16:30
    Danke für den Artikel; die Knie-Geste sollte man als spontanen Ausdruck des Repekts vor den Brüdern und Schwestern auffassen und keineswegs als liturgisches Experiment. Von denen hatten wir genug. Anzuregen wäre übrigens, statt von "Liturgiemissbrauch" lieber von "Liturgieverfälschung" oder "Liturgievernebelung" zu sprechen, weil das andere auf einen anderen "Missbrauch" hindeutet, den die Linken dann ausschlachten.
  • user
    Anna-Lena Studer 31.01.2026 um 15:31
    Vor nicht allzu langer Zeit hat Bischof Joseph gepredigt wir sollen alle voreinander hinknien und die Menschenwürde anbeten. Schon meine eigenen Kinder wissen seit ihrer Erstkommunion dass wir in der geweihten Hostie Jesus anbeten und nicht in uns die Menschenwürde. Ich finde Bischof Bonnemain sollte sich einem externen Assessment unterziehen um seine Rechtgläubigkeit unter Beweis zu stellen und bis dahin seine Ämter ruhen lassen und sich aus der Öffentlichkeit vollständig zurückziehen.
  • user
    ser AD 31.01.2026 um 13:26
    Immerhin ist Bischof Grögli wohl gültig geweiht.

    Aber sein schwacher Wappenspruch wirft schon Schatten voraus: was soll der Pleonasmus "in concordiam cordis" ? soll das Herz mt sich selber in Frieden sein??

    Entsprechend kann man sich von seinem Bischofsein nicht viel erwarten.

    Ganz anders bei JMB alias Bischof Bonnemain. Dessen Weihe zweifle ich an. Es fehlte die Intention. Er hat nicht gesagt "ich will nicht", aber sein lächerlicher Auftritt mit Maulkorb vor dem Konsekrator sagt fast alles. Glaubt er an Gott, Der alles kann, oder glaubt er den Menschen, die Angst haben (vor virtuellen Viren) ? Wem ist er Rechenschaft schuldig? Hat er den Auftrag vom Kirchenvolk ??

    Liturgische Missbräuche sind nicht nur ästhetische Unfälle, sondern zeigen oft die Ungültigkeit des Sakramentes an. Dafür schickt man lieber die Piusbrüder in die Wüste, um den eigenen Unglauben mit der Moralkeule über andere zu decken.
    • user
      Claudio 31.01.2026 um 21:22

      Damit ein Sakrament, in welchem Christus wirkt, zustande kommt, muss die Form, Materie und Intention stimme.


      - Form: mein Fleisch, mein Blut (Thomas Aquin)


      - Materie: Weizenbrot und Wein


      - Intention: das tun, was die Kirche darunter versteht.



      Wenn im Forum steht: Heute Eucharistie, der Priester in der Wandlung mein Fleisch und mein Blut sagt, ist die Messe gültig, auch wenn alles zusammen gebastelt ist. Klar ist ein Missbrauch nicht gottgefällig, aber die Gläubigen haben an einer GÜLTIGEN MESSE teilgenommen. Und selbst im Zweifel: Ecclesia supplet, die Kirche ergänzt.


      Man muss unterscheiden zwischen: GÜLTIG und Missbrauch

      • user
        Stefan Fleischer 01.02.2026 um 10:24
        Klar ist ein Missbrauch nicht gottgefällig, Die Einheit der Formen ist nämlich auch eine starke Stütze der Einheit im Glauben. Wo jeder macht, was er will, glaubt schliesslich auch jeder, was er will. Oder ist es umgekehrt? Wo jeder glaubt, was er will, macht schliesslich auch jeder, was er will. Im heutigen Gottesdienst wurde eindringlich die Einheit der Kirche angemahnt. Leider war dem Zelebranten offensichtlich nicht bewusst, dass eigenmächtige "Verbesserungen" der Liturgie dieser Einheit schwer schaden.
  • user
    Nicole Bürgli-Weber 31.01.2026 um 12:42
    Der Vorfall zeigt symptomatisch: Bonnemain hat das Bischofsamt nicht verstanden. Es geht nicht darum, mit derart speziellen Sonderaktionen Beifall zu erheischen, sondern darum, die Menschen zu Gott zu führen - die andere Richtung! Nicht der Bischof zu uns, sondern der Bischof voran und wir im Gefolge zu Gott. Diese Führung zu Gott vermissen wir schmerzlich!
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    Yvonne Stehlin 31.01.2026 um 11:58
    Herzlichen Dank vielmal Herr Lic. iur. et theol. Niklaus Herzog für diesen Artikel. Ich bin selbst keine Theologin, sondern eine einfache Frau. Deshalb möchte ich mich nur mit Zurückaltung äussern.

    Diese Aktion von Bischof Bonnemain halte ich für einen Präzedenzfall liturgischen Missbrauchs. Wenn ich es richtig verstehe, bekommt der Bischof bei der Weihe eine besondere Vollmacht von Gott, die ganze Kirche zu segnen. Es wirkt verstörend, wenn ein neu geweihter Bischof sich plötzlich von uns einfachen Menschen segnen lassen will. Das dreht ja die ganze Ordnung um!

    Wer anderen predigen will wo es lang geht, sollte erstmal bei sich selber anfangen. Durch solches Theaterspielen stellt man sich über alle anderen, die sich an die Regeln halten. Das ist Stolz!
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    T.L.D 31.01.2026 um 10:43
    Ich war bisher nur in sehr, sehr wenigen Messen im neuen Ritus, wo das Kreuzesopfer im Zentrum stand. Das zweite Hochgebet, welches theologisch mangelhaft ist und das Wort Opfer nicht ein einziges Mal enthält, ist weiter auch an Sonntagen vorherrschend. Auch verwundert mich, dass im deutschen Messbuch das 'Orate Fratres' ("Beter, Brüder und Schwestern....") vor dem Gabengebet nicht verbindlich ist. Nach meinem Wissen gab es in der lateinischen Editio typica niemals, nicht mal in der 2. Edition, auf welche das gegenwärtige deutsche Messbuch basiert, eine Option, das 'Orate Fratres' auszulassen.